Zahnspangen für Erwachsene Darum lohnen sich Zahnspangen auch für Erwachsene

Eine perfekte Zahnfront ist auch im Erwachsenenalter noch möglich © puhhha / Shutterstock.com

Sie wünschen sich schöne, gerade Zähne? Diese Methoden korrigieren Zähne und Biss ganz unauffällig auch bei Erwachsenen, mit perfekten Ergebnissen

Auf Fotos sind Sie oft die einzige, die nicht mit offenem Mund lächelt? Wenn Sie lachen, halten Sie schon ganz automatisch die Hand vor den Mund? Frauen mit schief stehenden Zähnen verbergen sie oft reflexartig. Wenn auch Sie darunter leiden, haben wir eine gute Nachricht für Sie: Auch im Erwachsenenalter lassen sich Zahnfehlstellungen noch korrigieren – sogar ganz unauffällig.

In diesem Artikel:

Mit durchsichtigen Kunststoffschienen, s.g. Alignern, lassen sich im Erwachsenenalter schiefe Zähne und Fehlbisse unauffällig korrigieren © didesign021 / Shutterstock.com

Wann sind Zahnspangen für Erwachsene sinnvoll?

"Mehr als 30 Prozent meiner Patienten sind Erwachsene, ihr Anteil nimmt stetig zu“, sagt Kieferorthopädin Professor Dr. Angelika Stellzig-Eisenhauer, Direktorin der Poliklinik für Kieferorthopädie an der Universitätsklink Würzburg (UKW), "Vor zehn Jahren waren es nur etwa 10 Prozent.“ Die meisten entschließen sich zu dem Schritt aus ästhetischen Gründen. "Tatsächlich belegen Studien, dass Menschen mit geraden und weißen Zähnen nicht nur attraktiver, sondern auch als gesünder, intelligenter und erfolgreicher bewertet werden“, sagt Stellzig-Eisenhauer.

Knapp die Hälfte der Patienten geben zudem funktionelle Gründe für die Behandlung an. Dazu zählen vor allem die Verbesserung des Bisses, zum Beispiel bei Überbiss oder Vorbiss, Fehlfunktion/ Schmerzen im Kiefergelenk, das Stoppen von Zahnwanderungen, die Erleichterung einer notwendigen (implantat-)prothetischen Versorgung und die Verbesserung des Sprechens.

Wundern Sie sich übrigens nicht, wenn Sie als Jugendliche/er bereits eine Klammer getragen haben und Ihre Zähne heute nicht mehr so perfekt aussehen wie mit 18 Jahren. Das ist leider normal. "Manche Engstände, vor allem im unteren Frontzahnbereich, entstehen erst im frühen Erwachsenenalter und verstärken sich mit den Jahren“, sagt die Expertin.

Welche Zahnkorrekturen sind bei Erwachsenen möglich?

"Generell gilt, dass Zähne zeitlebens im Kiefer bewegt werden können“, sagt Stellzig-Eisenhauer. Engstände, Lücken, Drehungen, Kippungen und vertikale Abweichungen wie verlängerte Zähne können auch im Erwachsenenalter korrigiert werden. "Selbst wenn es bereits zu einem Knochenabbau im Kiefer gekommen ist oder die Verankerungszähne zu schwach sind, gibt es kieferorthopädische Mechaniken und Materialien, um eine Korrektur komplikationslos durchzuführen“, sagt Stellzig-Eisenhauer.

Wann sind feste Zahnspangen, wann lose Zahnspangen besser?

"Grundsätzlich ist beides möglich“, weiß die Hamburger Kierferorthopädin Dr. Anna-Christina Voigt, deren älteste Patientin momentan Ende 60 Jahre ist. Aligner (englisch to align = ausrichten), also die durchsichtigen, herausnehmbaren Kunststoffschienen, haben den Vorteil, dass sie so gut wie unsichtbar sind. Nur wenn man ganz genau hinsieht, kann man sie erkennen. Zudem wird die Mundhygiene nicht eingeschränkt, man kann wie gewohnt die Zähne putzen. Voigt: "Das ist gerade bei Parodontitis-Patienten ein großer Vorteil. Die Alignertechnologie wird stetig weiterentwickelt, deshalb können heute sogar umfangreiche Zahnfehlstellungen damit korrigiert werden.“

Auf der Innenseite der Zähne angebrachte Brackets sind eine unauffällige und deshalb beliebte Zahnkorrektur-Methode bei Erwachsenen © Lucky Business / Shutterstock.com

Zu an fest den Zähnen angebrachten 'Brackets‘ rät Voigt bei sehr stark rotierten oder verlagerten Zähnen, wenn stark gekippte Backenzähne aufgerichtet werden sollen, bei rein vertikalen Bewegungen (zum Beispiel bei einem Tiefbiss oder offenen Biss) sowie wenn eine kombinierte kieferorthopädisch-kieferchirurgische Behandlung notwendig ist. Das heißt jedoch nicht, dass Sie in solchen Fällen unbedingt mit sichtbaren Metall-Brackets, wie sie die Teenies tragen, herumlaufen müssen. Es gibt sie – natürlich mit Aufpreis - auch in weniger auffälligen, zahnfarbenen Materialen zum Beispiel Keramik. Bei der sogenannten Lingualbehandlung werden die Brackets auf die Innenseite der Zähne geklebt. Eine unsichtbare, aber ebenfalls teurere Variante.

Mit herausnehmbaren Zahnspangen, die lediglich über Nacht getragen werden, können nur gering ausgeprägte Fehlstellungen korrigiert werden und es dauert meist länger als bei anderen Systemen. Kieferfehlstellungen, die bei Jugendlichen mit herausnehmbaren Doppelspangen (Bionator) behandelt werden, haben bei Erwachsenen aufgrund des fehlenden Wachstums keinen Erfolg. In ganz ausgeprägten Fällen, muss dann bei Erwachsenen zusätzlich eine Kieferoperation erfolgen.

Wie sieht der Alltag mit den unauffälligen Alignern aus?

Seitdem es die Alignertherapie gibt, entscheiden sich wesentlich mehr Erwachsene für eine kieferorthopädische Behandlung. Ihre großen Vorteile gegenüber fest an den Zähnen angebrachten Brackets sind, dass sie nahezu unsichtbar sind und sich zum Essen, zur Mundhygiene und bei wichtigen Anlässen herausnehmen lassen.


Bei einer Behandlung mit Alignern wird vorab am Computer simuliert, wie das Ergebnis aussehen wird. Es werden Schienen angefertigt, die in einer bestimmten Reihenfolge im etwa 7 bis 10-tägigen Rhythmus gewechselt werden. An einige Zähne werden kleine Attachments geklebt, die die Zugwirkung der Zahnspange erhöhen. Die Zahnklammer sollte optimalerweise 22 Stunden lang getragen und nur zum Essen und zum Zähneputzen herausgenommen werden. Ja, das ist nicht immer einzuhalten, aber 18 Stunden müssen es schon sein. Zur Motivation: In der Regel nimmt man während der Behandlungszeit mit Alignern ein paar Kilo ab. Denn wer vor jedem Essen die Klammer aus dem Mund pulen muss, unauffällig und mit frisch gewaschenen Händen, überlegt sich zweimal, bevor er zwischen den Mahlzeiten mal eben einen Schokoriegel nascht.


Ratsam ist es, die Zahnspangen abends zu wechseln, denn in den ersten Stunden mit einem neuen Aligner können leichte Schmerzen auftreten. Das Sprechen mit den Schienen im Mund ist anfangs ungewohnt, die meisten gewöhnen sich jedoch schnell daran. Das Zähneputzen ist bei Alignern nahezu wie ohne Zahnspange. Tägliches Reinigen mit Zahnseide ist jedoch Pflicht, da Speisereste unter den Schienen länger anhaften.

Die Zahnreinigung ist bei herausnehmbaren Kunststoffschienen einfacher als mit fest angebrachten Brackets © puhhha / Shutterstock.com

Wie verändert eine feste Spange den Alltag?

"Zu Beginn einer Behandlung bzw. wenn neue Bögen in die Schlösser der festen Spange eingesetzt werden, können Spannungen oder auch leichtere Schmerzen auftreten, die im Allgemeinen aber nach 1-2 Tagen wieder abklingen“, sagt Stellzig-Eisenhauer, “Durch enorme Fortschritte in den Materialien stehen uns heutzutage Bögen zur Verfügung, die nur geringe Kräfte ausüben und meist sehr gut von den Patienten akzeptiert werden.“
Eine festsitzende Zahnspange bedeutet eine Erschwernis bei der Zahnpflege, da gewisse Zahnstellen schwerer zugänglich sind. Zahnseide und Interdentalbürstchen sind eine tägliche Pflicht, da viele Stellen zwischen Zahn und Draht mit der Zahnbürste nicht optimal gereinigt werden können. Tipp: Investieren Sie zudem viertel- oder halbjährlich in eine professionelle Zahnreinigung. In Kombination mit guter täglicher Mundhygiene können Sie so Zahnschäden wie Entkalkungen, Zahnfleischentzündungen und Karies nahezu sicher verhindern.

Zahnspange trotz Implantat – geht das?

Grundsätzlich ist es am besten, vor Implantationen abzuklären, ob eine kieferorthopädische Behandlung gemacht werden soll. "Der Nachteil ist, dass das Implantat starr ist und während der Behandlung nicht bewegt werden kann“, sagt Kieferorthopädin Voigt, "Wenn es nicht erforderlich ist, den 'Implantatzahn‘ zu bewegen, kann in der Regel eine Behandlung durchgeführt werden, sowohl mit Alignern als auch mit festen Zahnspangen.“ Doch Vorsicht: "Es kann vorkommen, dass bei Bissveränderungen eine neue Krone auf dem Implantat erforderlich ist.“

Wie lange dauern kieferorthopädische Behandlungen bei Erwachsenen?

Bei Kindern und Jugendlichen ist der Kiefer sehr viel leichter formbar als bei Erwachsenen. Stellzig-Eisenhauer: "Mit zunehmendem Alter verändern sich die Knochenstruktur und die Knochenhöhe, so dass Zahnbewegungen häufig langsamer und mit geringeren Kräften durchgeführt werden müssen.“ Die Dauer die Behandlung ist davon abhängig, wie komplex diese ist. "Sind lediglich kleinere Zahnfehlstellungen zu korrigieren, ist dies häufig innerhalb eines Jahres machbar“, sagt die Expertin, "Müssen Zahngruppen bewegt werden und die Verzahnung korrekt eingestellt werden, kann eine Behandlung auch zwischen 2 und 3 Jahren dauern.“

Mit einer Nachtschiene werden die Zähne nach der Korrektur daran gehindert, wieder in ihre alte Fehlstellung zurück zu wandern © puhhha / Shutterstock.com

Wie stabilisiert man am Ende der Behandlung das Ergebnis der Zahnkorrektur?

Kiefer und Zähne tendieren dazu, in ihre ursprüngliche Position zurückzukehren. Deshalb wird nach Abschluss der aktiven Zahn- und Kieferregulierung das Ergebnis mit einer losen Zahnspange, die man nachts trägt, und meist auch noch mit einem Retainer gesichert. Retainer sind festsitzende, individuell gebogene Drähte, die auf den Innenflächen der Schneide- und Eckzähne angebracht werden. Für Ihren Gegenüber sind sie somit unsichtbar.

Mit welchen Kosten muss man rechnen?

Na, haben die großartigen Korrekturmöglichkeiten für die Zähne Ihr Interesse geweckt? Dann kommt jetzt der Dämpfer, denn Sie werden die Kosten mit allergrößter Wahrscheinlichkeit aus eigener Tasche bezahlen müssen. Ab dem 18. Lebensjahr zahlen die gesetzlichen Krankenkassen kieferorthopädische Behandlungen nur noch bei ausgeprägten Kieferfehlstellungen, die eine kieferchirurgische Korrektur erfordern. Rechnen Sie, je nach Umfang und Methode der Zahn- und Kieferkorrektur, mit Kosten von etwa zwischen 1000 und 7000 Euro. Weniger sichtbare Behandlungen kosten in der Regel mehr als sichtbare. Ob und welchen Anteil private Kassen übernehmen, muss bei der jeweiligen Krankenkasse nachgefragt werden. Lassen Sie sich auf jeden Fall vor Behandlungsbeginn einen Heil- und Kostenplan erstellen.

Sie leiden unter Ihren Zähnen, aber die Kosten schrecken Sie ab? Dann rechnen Sie mal ehrlich nach, wieviel Geld Sie im Laufe eines Jahres in Klamotten und Schuhe stecken, Fehlkäufe inklusive. Und dann überlegen Sie, wieviel wohler Sie sich in Ihrer Haut fühlen würde, wenn man den Betrag anstatt das dritte Paar Sneakers oder das fünfte Motto-Shirt in ein selbstbewusstes Lächeln investieren würde. Frauen, die lange ihre Zähne versteckt haben, wissen nach einer erfolgreichen Kieferkorrektur, dass es kein schöneres Accessoire gibt als gerade, schöne Zähne.

26.03.2018| © womenshealth.de
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