Viele junge Frauen wissen, wie stark Social Media die eigene Wahrnehmung beeinflussen kann – oft subtiler, als es im ersten Moment scheint. Gleichzeitig zeigt die Forschung: Je besser das Ernährungswissen, desto gesünder das Essverhalten. Genau diese Verbindung hat ein Forschungsteam jetzt genauer untersucht.
Was die Studie herausgefunden hat
Eine aktuelle Querschnittsstudie – also eine Momentaufnahme, keine Langzeitverfolgung – mit 613 Frauen zwischen 18 und 60 Jahren (BMC Public Health, 2025) kommt zu einer klaren Botschaft: Wissen wirkt schützend, Social Media muss moderiert werden.
Die Forschenden prüften, wie stark Ernährungswissen, Social-Media-Nutzung und Essverhalten miteinander verbunden sind. Dafür setzten sie standardisierte, wissenschaftlich geprüfte Fragebögen ein – etwa zur Ernährungskompetenz, zur Häufigkeit restriktiver Essmuster (strengere Regeln und Verbote rund ums Essen) und zur Körperzufriedenheit.
Die Ergebnisse:
- Mehr Ernährungswissen bessere Essgewohnheiten. Frauen mit höherem Wissen aßen ausgewogener, konsumierten seltener stark verarbeitete Produkte und berichteten insgesamt von stabileren Essstrukturen.
- Mehr Social Media stärkerer Vergleichsdruck und weniger Körperzufriedenheit. Besonders intensiver Gebrauch (mehrere Stunden täglich) stand mit stärkerem Vergleichsverhalten, geringerer Körperzufriedenheit und ungesünderem Essverhalten in Zusammenhang.
- Der Effekt ist unabhängig vom Alter. Die Zusammenhänge zeigten sich bei allen Altersgruppen – von 18 bis 60.
Die Forschenden betonen, dass Social-Media-Nutzung nicht per se schädlich ist. Entscheidend ist, wie stark Inhalte Vergleiche auslösen – etwa durch Fitspiration-Accounts, bearbeitete Körperbilder oder Diät-Trends.
Warum Ernährungskompetenz schützt
Mehr Ernährungswissen bedeutet nicht "Kalorien auswendig lernen". Die Studie definiert Ernährungskompetenz als Mischung aus:
- Verstehen, was in Lebensmitteln steckt
- Infos und Quellen kritisch einordnen können
- Wissen im Alltag anwenden
- Vertrauen in die eigenen Entscheidungen entwickeln
Frauen mit hoher Ernährungskompetenz zeigen laut Studie:
- Weniger restriktive Essmuster
- Mehr intuitive Entscheidungen
- Weniger Schuldgefühle nach Mahlzeiten
Mit anderen Worten: Wissen schafft Selbstwirksamkeit, und macht dich weniger anfällig für extreme Diät- oder Körperideale auf Social Media.
Wie Social Media auf das Körperbild wirkt
Der psychologische Mechanismus ist bekannt. Die Studie bestätigt ihn erneut:
- Vergleichsdruck: Endloses Scrollen erhöht die Wahrscheinlichkeit, sich mit idealisierten Körpern zu vergleichen.
- Perfektionsnormen: Viele Inhalte zeigen unrealistische Formen, "What I eat in a day"-Videos oder Diät-Hacks ohne Kontext.
- Algorithmische Verstärkung: Je mehr du Fitness- oder Diätinhalte klickst, desto mehr spielt dir der Algorithmus davon aus – und damit auch mehr potenziell belastende Inhalte.
- Internalisierung: Mit der Zeit wird das äußere Ideal zum inneren Maßstab.
Interessant: Selbst Frauen mit hohem Ernährungswissen waren nicht völlig geschützt. Social Media wirkte als eigenständiger Faktor.
Was du praktisch daraus mitnehmen kannst
Damit die digitale Umgebung dich stärkt und nicht stresst, hilft eine Kombination aus Ernährungskompetenz und moderiertem Medienkonsum.
1. Stelle deinen Feed so ein, dass er dir guttut
- Accounts entfolgen, die Druck erzeugen
- Creator:innen folgen, die Vielfalt zeigen
- Inhalte speichern, die inspirieren – nicht verunsichern
2. Ernährungswissen vertiefen
Du musst keine Nährstofftabellen auswendig lernen oder streng verfolgen – schon wenige evidenzbasierte Quellen wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung oder Publikationen aus BMC Public Health helfen, Orientierung zu gewinnen. Nützlicher als jede Diätregel ist ein Gefühl für grundlegende Muster: mehr Vollwertiges, weniger stark verarbeitete Produkte. Wenn du verstehst, was in Lebensmitteln steckt und warum bestimmte Trends funktionieren oder auch nicht, wirst du unabhängiger von Diät-Hypes – und triffst Entscheidungen, die wirklich zu dir passen.
3. Social-Media-Zeiten begrenzen
Studien zeigen: Schon 10-20 Prozent weniger tägliche Social-Media-Zeit können den Vergleichsdruck messbar reduzieren – einfach, weil dir der Algorithmus weniger belastende Inhalte ausspielt.
4. Deine Medienkompetenz stärken
- Hinterfragen: Welche Interessen stehen hinter einem Post?
- Erkennen: Was ist Werbung, was ist Realität?
- Einordnen: Was sagt eine Studie tatsächlich – und was nicht?
Studiendaten im Überblick
- Studiendesign: Querschnittsstudie
- Teilnehmerinnen: 613 Frauen, 18-60 Jahre
- Messinstrumente: Ernährungswissens-Fragebogen (NKQ), Body-Image-Skalen und standardisierte Erfassung der Social-Media-Nutzung (wissenschaftlich geprüfte Fragebögen)
- Kernbefunde:
- Höheres Ernährungswissen ging mit gesünderem Essverhalten einher.
- Intensiver Social-Media-Konsum hing mit mehr Unzufriedenheit und einem strengeren Umgang mit Essen zusammen.
- Diese Zusammenhänge zeigten sich in allen Altersgruppen
- Quelle: BMC Public Health (2025).
FAQ: Die häufigsten Fragen zu Ernährungskompetenz und Social Media
Ja. Studien zeigen, dass intensiver Social-Media-Konsum mit mehr Vergleichsverhalten und strengeren Essmustern zusammenhängt.
Es kann schützen, ersetzt aber keine therapeutische Unterstützung. Ernährungskompetenz hilft, Entscheidungen stabiler und weniger impulsiv zu treffen.
Wenn Posts Druck erzeugen, Vergleiche forcieren oder unrealistische Körper zeigen, lohnt ein bewusstes Entfolgen.
Ja. Sie können Normen setzen, die für dich nicht realistisch oder gesund sind – und Vergleichsdruck verstärken.
Evidenzbasierte Quellen wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), die Verbraucherzentrale oder BMC Public Health bieten gute Einstiege. Kleine, wiederholte Lerneffekte wirken stärker als "Diätwissen".





