Millionen Menschen auf der Welt leiden an Mundgeruch FINNARIO / Shutterstock.com

Mundgeruch So wirst du strengen Atem einfach los

Ihhh, Mundgeruch. Im Alltag verbirgt ihn die Maske, aber allein zuhause mit dem Liebsten ist er unglaublich peinlich. Besser, du kennst diese Ursachen und was schnell dagegen hilft

So darf der Feierabend beginnen: Dein Freund wartet auf der Couch auf dich. Doch als du zum Kuss anrückst, sagt er plötzlich: "Putz dir bitte erst die Zähne." Der Fluch des schlechten Atems. Halitosis, wie Mundgeruch medizinisch bezeichnet wird, stellt aber nicht nur die Liebe auf die Probe. Es ist auch Date-Killer Nummer 1. Ein cooler Typ mag noch so verführerisch sein, hat er schlechten Atem, überkommt dich der Würgereiz. Mundgeruch ist leider nur schwer zu ignorieren.

Schlechter Atem ist ein heftiger Attraktivitäts-Downer und ein Tabuthema. Wie soll man es ansprechen, ohne dass es dem anderen peinlich ist? Millionen Menschen auf der ganzen Welt leiden unter Mundgeruch. Wir verraten, wie du Mundgeruch vermeidest, und was im Notfall sofort hilft. Außerdem: Wie du per Selbsttest checken kannst, ob du aus dem Mund riechst oder nicht. 

In diesem Artikel:

Wie entsteht Mundgeruch eigentlich? 

Bakterien stehen im Mittelpunkt unserer Atemluft. Unser Mund- und Rachenraum wird von bis zu 600 Bakterienarten besiedelt. Keine Angst: Das ist völlig normal und sie haben auch ihre Funktion: Sie bauen zum Beispiel Speisereste und Eiweiß-Stoffe ab, wodurch Aminosäuren entstehen. Werden diese allerdings von den Bakterien zersetzt, entstehen unangenehm riechende Gase, die auch besser bekannt sind als Mundgeruch.

Welche Ursachen hat Mundgeruch?

Es gibt sehr viele Faktoren, sagt Dr. Ayten Dogan, Zahnärztin aus Hamburg. In 70 bis 90 Prozent der Fälle ist der Mundraum selbst der Ausgangspunkt für die Halitotis – wie Mundgeruch in der Fachsprache genannt wird. Andere Ursachen sind aber möglich. Die meisten Ursachen für Mundgeruch sind allerdings harmlos, jedoch ist nicht ausgeschlossen, dass dahinter auch etwas Bösartiges steckt.

Das sind die Auslöser für schlechten Atem:  

  • Mangelnde Mundhygiene: Schlechte Mundhygiene: Putze deine Zähne nicht einfach irgendwie, sondern gründlich. So bleibt dir nicht nur der Stress beim Zahnarzt erspart, sondern auch der schlechte Atem. Bei richtigem Zähneputzen haben Keime kaum eine Chance.
  • Gingivitis und Parodontitis: Wurde die Mundhygiene vernachlässigt, steigt auch das Risiko, dass sich das Zahnfleisch durch Bakterien (seltener Pilze und Viren) entzündet. Ist das der Fall spricht man von einer Gingivitis. Wird die Gingivitis nicht erkannt oder nicht richtig behandelt kann sich außerdem der Zahnhalteapparat entzünden. Dann spricht man von einer Parodontitis. Studienergebnisse haben zeigen können, dass diese beiden Entzündungen zusammen bei zirka 20 Prozent der Betroffenen die Ursache für Mundgeruch sind.·
  • Bakterieller Zungenbelag:

    „Die meisten Menschen vergessen, dass die Zunge zur täglichen Mundhygiene dazugehört,“ so Dr. Ayten Dogan. Bei zirka der Hälfte aller Betroffenen liegt die Ursache auf dem Zungenrücken. Das ist kein Zufall, denn die zerklüftete Struktur der Zunge eignet sich ideal für die Ansammlung von Bakterien. Diese werden beim Säubern der Zunge – zum Beispiel mit einem Zungenschaber – entfernt.  

  • Zahnimplantate: Ähnlich wie auch bei Zahnspangen, bleiben Essensreste leicht an Implantaten hängen, Bakterien bilden sich so leichter. Die Folge: Mundgeruch.
  • Mundtrockenheit (Oligostomie):

    Jeder kennt ihn: Den schlechten Geschmack im Mund beziehungsweise Mundgeruch nach dem Aufwachen. Ursache dafür ist das Schlafen mit offenem Mund, was zu Mundtrockenheit führt. Der Mund wird nicht mit genügend Speichel versorgt, der die wichtige Funktion hat Bakterien und Essensreste fortzuspülen. Beim Schlafen ist die Mundtrockenheit jedoch normal, die Muskeln des Körpers entspannen sich. Du kannst aber auch zur Tageszeit einen trockenen Mund haben: Hier hilft ein Glas Wasser, um deinem Mund wieder die nötige Feuchtigkeit zu geben.

  • Karies: Die Bakterienart Streptococcus mutans nistet sich in den Zahnlöchern ein. Sie verstoffwechselt Nahrungsreste und es entstehen Schwefelgase. Hier hilft auch keine Mundspülung auf Dauer.

Warum hat man morgens Mundgeruch?

Das kann die bereits erwähnten Gründe, aber auch eine ganz harmlose Ursache haben: "Viele haben morgens Mundgeruch, weil sie Mundatmer sind und mit offenem Mund schlafen", erklärt die Expertin. Lösung: Einfach ein Glas Wasser trinken. 

Das können gefährliche Ursachen von Mundgeruch sein

Aber: Mundgeruch kann auch gefährliche Ursachen haben. Dann tritt übler Geruch beim Ausatmen mit geschlossenem Mund auch über die Nase aus. In diesen Fällen sind vor allem folgende Bereiche im Körper betroffen: 

  • Magen: Bei der sogenannten "gastroösophagealen Refluxerkrankung" (GERD) ist der automatische Magenmuskel-Verschluss gestört. Oftmals wir er durch einen ungesunden Lebensstil ausgelöst – zum Beispiel durch viel fettiges Essen und Rauchen. Daher fließt säurehaltiger Magensaft in die Speiseröhre zurück. Das saure Klima kann dann bis in den Rachen und in den Mund aufsteigen. Das sorgt für fiesen Mundgeruch. Das solltest du ärztlich untersuchen lassen!
  • Rachenraum: Infizierte Mandeln geben ein übel riechendes Sekret ab. Auch Mandelsteine können Ursache für den Mundgeruch sein. Das sind kleine weiß-gelbe Kugeln aus Speiseresten abgestorbenen Zellen und Bakterien. Diese hat zwar jeder, doch bei manchen treten sie häufiger auf. Sie sind nicht gefährlich, stinken dafür aber. Du kannst sie mit einem Plastikspatel entfernen. Bei einigen Menschen lösen sie sich sogar schon von kräftigem Niesen.
  • Speiseröhre: Speiseröhrendivertikel können ebenfalls hinter dem Mundgeruch stecken. Das sind Ausbuchtungen der Speiseröhrenwand. Sie treten allerdings eher im hohen Alter und bei Männern auf. In den Ausbuchtungen bleiben zersetzte Speisereste hängen. Die Folge: chronischer Mundgeruch. Symptome: unter anderem Schluckbeschwerden und häufiges Verschlucken. 
  • Nase: Auch eine behinderte Nasenatmung kann der über riechende Geruch ausgelöst werden. Zum Beispiel durch die sogenannte Rhinosinusitis – die gleichzeitige Entzündung der Nasenschleimhaut und der Schleimhaut der Nasennebenhöhlen. Leider muss man bei schlechter Nasenatmung auf die Mundatmung umsteigen, was wiederum das Mundgeruchrisiko erhöht.

In seltenen Fällen können die Ursachen für Mundgeruch auch diese schweren Erkrankungen sein: eitrige Abszesse in der Lunge, Nierenschwäche (Atemluft riecht nach Urin) oder auch Diabetes mellitus (süßliche Atemluft).  

Wie stelle ich fest, ob ich Mundgeruch habe?

Mundgeruch anzusprechen ist unangenehm: deswegen ist die Chance groß, dass dich niemand auf deinen schlechten Atem ansprechen wird, falls du einen hast. Deswegen kannst du in Zukunft mit diesen Schritten testen, ob du Mundgeruch hast, oder ob alles in bester Ordnung ist.

5 Wege, um Mundgeruch festzustellen:

1. Handgelenk-Test: Lecke dein Handgelenk oder Handrücken an, warte einige Sekunden bis der Speichel getrocknet ist und rieche anschließend daran.

2. Zahnseide-Test: Reinige deine Zahnzwischenräume mit Zahnseide und lasse sie anschließend für einige Sekunden trocknen. Anschließend kannst du am Geruch erkennen, ob du möglicherweise an Mundgeruch leidest oder nicht.

3. Stäbchen-Riechtest: Mache mit einem Stäbchen einen Abstrich von deinem Zungenrücken. Nach etwa 30 Sekunden kannst du daran riechen. Riecht es auffällig, ist das ein Indikator für Mundgeruch.

4. Halimeter-Test: Ein Halimeter misst den Schwefelgehalt in deiner Atemluft, je höher dieser Wert, desto schlechter der Atem. Das Gerät kannst du bei deinem Zahnarzt kaufen.

5. Zungenoptik-Test: Oft erkennt man Belag auf der Zunge schon mit dem eigenen Auge. Ist sie weißlich belegt, kann das auf Mundgeruch hinweisen.

7 Tipps, die gegen Mundgeruch helfen

So bekommst du Mundgeruch erfolgreich weg: 

1. Mundhygiene: Wird häufig unterschätzt, ist aber gleichzeitig auch das wichtigste. Wenn es dir möglich ist, solltest du nach jeder Mahlzeit deine Zähne putzen. Denke auch daran die Zwischenräume zu säubern – in denen hängen häufig noch Speisereste, die dann für die Ansammlung von Bakterien sorgen. Auch die Zungenreinigung solltest du nicht vergessen.

2. Vermeide diese Lebensmittel: Hier sind vor allem Kaffee, Alkohol, Knoblauch und Zwiebelgewächse zu nennen

3. Kaugummi kauen: Durch das Kauen von Kaugummis entsteht Speichel, in dem Sauerstoff enthalten ist. Dieser tötet Bakterien ab. Nimm aber nicht irgendwelche Kaugummis, sondern die zuckerfreien. Der Zucker in normalen Kaugummis sorgt im Zweifelsfall für noch mehr Mundgeruch, da das Wachstum der Bakterien gefördert wird.

4. Mundspülung: Ist nur zu empfehlen, wenn sie auch wirklich antibakteriell wirkt.

5. Besuch beim Zahnarzt: Es ist nie verkehrt bei schlechtem Atem zum Zahnarzt oder zur Zahnärztin zu gehen. Wenn es mit den vorherigen Tipps nicht klappt, solltest du es auf jeden Fall in Erwägung ziehen. Möglicherweise hast du Karies, oder eine Zahnfleischentzündung, von der du selbst nichts weißt. Auch mögliche Löcher in den Zähnen können für die Ansammlung von Bakterien sorgen.

6. Nutze diese Lebensmittel gegen Mundgeruch:

  • Naturjoghurt: Er enthält Milchsäurebakterien, die wiederum verhindern, dass sich Fäulnisbakterien ausbreiten. Esse diesen jedoch unbedingt ohne Zucker – aus demselben Grund, warum du keine zuckerhaltigen Kaugummis essen solltest.
  • Grüner Tee: Wirkt antibakteriell.
  • Frisches Obst und Gemüse: Zum Beispiel der Apfel: durch seine Säure sorgt er für frischen Atem. Es fördert den Speichelfluss, und die feste Konsistenz schrubbt dazu festsitzende Bakterien einfach weg, sagt Dr. Harold Katz, Bakteriologe und Gründer der California Breath Clinic.
  • Salbei und Ingwer: Sie haben eine desinfizierende Wirkung und geben somit Bakterien im Mundraum keine Chance.
  • Petersilie, Dill und Fenchel: Alle drei enthalten das ätherische Öl Apiol, das Mudgeruch neutralisiert.

Gibt es eigentlich eingebildeten Mundgeruch?

Ja! An Pseudo-Halitosis – wie eingebildeter Mundgeruch auch genannt wird – leiden sogar durchschnittlich 16 Prozent der Menschen, so eine Untersuchung des National Institutes of Health in Bethesda, bei der 2000 Patienten untersucht wurden.

Und es gibt noch eine weitere Form: die Halito-Phobie. Menschen die darunter leiden, bilden sich ein, Mundgeruch zu haben, auch wenn dies durch Tests längst ausgeschlossen wurde. Hier kann nur ein Psychiater helfen.  

Oft ist mangelnde Mund- und Zahnhygiene Ursache für den Mundgeruch. Gute Zahnpflege ist das A und O, um Mundgeruch zu vermeiden. Auch die regelmäßige Vorsorge beim Zahnarzt kann beim Vorbeugen helfen. Außerdem solltest du daran denken ausreichend zu trinken – das ist nicht nur für die Vermeidung von Mundgeruch wichtig.

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