Klimaanlagen führen oft dazu, dass Menschen auskühlen und sich erkälten Andrey_Popov / shutterstock.com

Krank durch Klimaanlagen? So schützt du dich

Krank durch Klimaanlage Klimatisierte Luft: Wann sie nützt, wie du dich schützt

Warum Klimaanlagen Erkältungen, Augen- und Ohrenschmerzen auslösen können, wie du das vermeidest und trotzdem die Abkühlung genießt

Egal ob im Auto, Flugzeug, Einkaufszentrum oder am Arbeitsplatz – Klimaanlagen sind inzwischen überall, und irgendwie sind sie Fluch und Segen zugleich: In einem Moment sind sie die göttliche Erlösung bei sengender Hitze und am nächsten Morgen der hinterhältige Feind, wenn du mit Halsschmerzen und Schnupfen aufwachst.

Aber ist das wirklich die Klimaanlage schuld? Wir haben bei HNO-Facharzt Dr. med. Bernhard Junge-Hülsing nachgefragt, erklären dir die Vor- und Nachteile einer Klimaanlage und zeigen, wie du sie optimal nutzen kannst, ohne krank zu werden.

Kann ich durch eine Klimaanlage krank werden?

Ja, dass Klimaanlagen Krankheitssymptome auslösen oder verstärken können, ist möglich, das zeigen auch Studien. Meistens kommt es zu Erkältungssymptomen wie Husten, Halsweh, Schnupfen und Ohrenschmerzen. In vielen Fällen wird die Luft in den Innenräumen auch als trocken wahrgenommen, sodass es zu müden, brennenden und trockenen Augen kommt.

Viele Menschen fühlen sich infolgedessen dann müde und weniger energiegeladen. Klimaanlagen haben also leider wirklich nicht nur das Potenzial dir eine angenehme Erfrischung zu bieten, sondern auch die nächste Erkältung einzuleiten.

Warum macht eine Klimaanlage krank?

Es gibt verschiedene Faktoren, warum eine Klimaanlage krank machen kann. Das sind die häufigsten Ursachen:

  • Der Körper kühlt aus Draußen ist es brütend heiß, und kaum gehst du in ein Gebäude, hast du das Gefühl, in einem Kühlschrank zu sitzen. Experte Dr. Junge-Hülsing erklärt, dass gerade solche großen Temperaturschwankungen für den Körper eine Belastung sind. Wenn du im Sommer aufgeheizt und verschwitzt gekühlte Räumlichkeiten betrittst, kommt es zur sogenannten Verdunstungskälte: Der Schweiß auf der Haut, der sowieso schon den Körper kühlt, plus die niedrigen Raumtemperaturen lassen den Körper stark auskühlen. Das schwächt dein Immunsystem und macht dich anfälliger für Infektionen, da Viren weniger gut abgewehrt werden. Du wirst also nicht direkt durch die klimatisierte Luft krank, aber sie bereitet sozusagen den Boden für eine Ansteckung.
  • Zugluft kann zu Muskelverspannungen führen Klimaanlagen pusten kontinuierlich einen gleichmäßigen Strom an kühler Luft in den Raum. Wer diesen Strom direkt an die Haut bekommt, steht oder sitzt im Luftzug. "Pass auf, dass du dir keinen Zug holst" – an diesem Ratschlag ist etwas Wahres dran. Denn wenn du dem Luftstrom über eine längere Zeit ausgesetzt bist, zieht sich die Muskulatur wegen der Kälte zusammen und verspannt sich. Vielleicht hattest du ja schon mal einen steifen Nacken und kennst dieses Gefühl, wenn sich der Kopf einfach nicht mehr richtig zur Seite drehen lässt. In vielen Fällen verschafft Wärme Linderung. Wie du Nackenverspannungen wieder los wirst, liest du hier.
  • Zugluft kann Ohrenentzündungen auslösen "Pustet die Luft die ganze Zeit aufs Ohr und der Gehörgang, ist vom Pool oder Meer vielleicht noch feucht und dadurch sowieso anfälliger, dann begünstigt der Luftstrom der Klimaanlage eine Außenohrentzündung", so Dr. Junge-Hülsing. Gleiches gilt beim Cabrio fahren oder bei Schiffsreisen, wenn dir der Wind um die Ohren weht. Unser Experte betont, dass für eine Entzündung der Luftstrom jedoch laminar – also gleichmäßig – über eine längere Zeit vorhanden sein muss. Eine Windböe ist einmal kurz heftig und gibt dann erst mal wieder Ruhe, während eine Klimaanlage unerlässlich vor sich hin pustet.
  • Klimaanlagen können eine Brutstätte für Pilze sein Warme Luft kann viel Wasser aufnehmen, doch wenn die Klimaanlage die Luft herunterkühlt, wird das Wasser als Kondenswasser abgegeben. Dr. Junge-Hülsing erklärt, dass sich dort manchmal Erreger festsetzen und die Klimaanlage deswegen verpilzt. Das kann vor allem für Menschen mit einer Schimmelpilzallergie zu Niesreiz, Husten oder einer laufenden Nase führen. Daher ist es wichtig, Klimaanlagen sauber zu halten und regelmäßig zu warten.

Sind Klimaanlagen Keim- und Virenschleudern?

Das Argument, Klimaanlagen seien Keimschleudern, ist weitverbreitet. Und vielleicht hast du dich in der aktuellen Corona-Krise auch schon gefragt, ob Klimaanlagen eventuell sogar ein stiller Superspreader sein könnten. Doch beides ist, abgesehen vom erwähnten Pilzbefall, eher ein Mythos und so nicht richtig.

"Viren gehen im System kaputt, das Herumwirbeln und die Temperaturveränderung halten sie nicht aus. Auch für Bakterien ist das schwer vorstellbar", sagt der Facharzt. Dennoch erklärt er, dass Viren es lieber kalt mögen und dementsprechend zum Beispiel in einem durch eine Klimaanlage gekühlten Bürogebäude, in dem viele Menschen zusammenarbeiten und vielleicht sogar Fenster geschlossen sind - um die Hitze auszusperren – länger überleben und das Infektionsrisiko auf diese Weise wieder steigt. Es ist also wichtig, trotz schwüler Luft draußen ab und an die Fenster zu öffnen, wenn ihr als Gruppe in einem Zimmer arbeitet. Wie du richtig gegen Corona lüftest, liest du hier.

Wie verhindere ich, durch die Klimaanlage krank zu werden?

Obwohl Klimaanlagen eventuell zu einer Erkältung beitragen können, müssen sie nicht verteufelt werden. Mit dem richtigen Wissen und cleveren Hilfs-Tools kannst du die wohltuende kühle Brise genießen:

  • Da in Räumen mit Klimaanlage häufig die Luftfeuchtigkeit sinkt, trocknen die Schleimhäute in Nase und Rachen leichter aus. In Kombination mit einem ausgekühlten Körper haben Erkältungsviren dann ein leichtes Spiel. Daher kann es hilfreich sein, zusätzlich zur Klimaanlage einen Luftbefeuchter in den Raum zu stellen. Forschungsergebnisse zeigen, dass eine Luftfeuchtigkeit von 40 – 60 Prozent die optimale Bedingung ist, um produktiv zu arbeiten und gleichzeitig das Risiko einer Infektion zu senken.
  • Auch führt die geringere Luftfeuchtigkeit (wie auch bei Heizungsluft) oft zu trockenen, gereizten Augen. Als Soforthilfe gegen müde, trockene oder juckende Augen können Augentropfen hilfreich sein, die die Oberfläche mit einem Flüssigkeitsfilm benetzen. Wie du müde, trockene Augen schnell wieder loswirst, erfährst du hier im Detail.

Weitere Tipps und Tricks, um möglichst zu verhindern, durch die Klimaanlage krank zu werden, sind:

  • Kleide dich im Zwiebellock, bzw. halte einen Schal oder Pullover griffbereit. So kannst du draußen im Warmen luftig sein, aber kannst in den Innenräumen verhindern, dass du auskühlst.
  • Stelle die Klimaanlage im Auto wenn möglich nicht direkt auf dein Gesicht, um zu verhindern, den direkten Luftstrom abzubekommen.
  • Versuche generell, dich nicht direkt in die Zugluft zu stellen oder zu setzen, damit du keine Verspannungen bekommst.

Auf welche Temperatur sollte ich die Klimaanlage stellen?

Kennst du die Situation, wenn es stickig und schwül ist und du das Gefühl hast, die Luft steht um dich herum, und dann will einfach keinerlei Produktivität eintreten? Glaub uns, wenn die Sonne einen guten Tag hat, geht das allen so. Aber wenn dir dann eine Klimaanlage zur Verfügung steht, lässt sich deine Trägheit sicherlich mit ein paar Klicks ad acta legen. Hierbei geht es dann im wahrsten Sinne des Wortes um das optimale Arbeitsklima. Eine Studie im International Journal of Hygiene and Environmental Health hat gezeigt, dass die perfekte Temperatur zum Arbeiten zwischen 22 und 24 Grad Celsius liegt.

Prinzipiell solltest du eine Temperatur wählen, bei der dich wohl fühlst und weder schwitzt noch frierst. Es ist wichtig, die Temperatur nicht auf zu kalt einzustellen, sodass der Temperaturwechsel nicht zu extrem ist, rät Dr. Junge-Hülsing, der übrigens auch immer ein Sakko oder Pullover griffbereit hält. Das ist vor allem dann ratsam, wenn es nicht deiner Entscheidungsgewalt liegt, die Klimaanlage so zu regulieren, wie du es gerne möchtest.

Klimaanlagen sind per se keine Keimschleudern, aber können dennoch auf die ein andere andere Art Erkältungssymptome auslösen. Mit der richtigen Vorbereitung deines Outfits und der optimalen Temperatureinstellung kannst du das aber verhindern und nur ihre kühlen, erfrischenden Effekte nutzen.

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