Ein hoher Blutdruck betrifft auch junge Frauen puhhha / Shutterstock.com

Hoher Blutdruck 8 Ursachen für Bluthochdruck bei Frauen

Auch junge Frauen erkranken an Bluthochdruck, meist unbemerkt. Wie du die gefährliche Krankheit erkennst und was du tun kannst

Wie hoch ist eigentlich dein Blutdruck? Weißt du nicht? Naja, so schlimm wird es schon nicht sein, das würdest du ja bestimmt merken. Und überhaupt ist Bluthochdruck doch eher etwas für ältere Männer mit Bierbauch, oder?

Falsch. Einen hohen Blutdruck haben nämlich mehr Menschen, als du denkst, und er kann langfristig großen Schaden anrichten, bleibt außerdem oft unbemerkt. Wir haben zwei Experten gefragt, woher dieses Problem kommt und was du dagegen tun kannst.

In diesem Artikel:

Was passiert bei Bluthochdruck?

Ein erhöhter Blutdruck, auch Hypertonie genannt, ist aus Sicht der Evolution eigentlich eine sinnvolle Sache: "Er führt dazu, dass mehr Blut in der gleichen Zeit durch die Gefäße gepumpt wird und der Körper dadurch besser versorgt wird", beschreibt Dr. Boris Leithäuser vom Hamburger Preventive Care Center. Gerade in Belastungssituationen können so Muskeln oder Gehirn besser arbeiten. Im Körper passiert dann folgendes:

  1. Es kommt ein Belastungsreiz (zum Beispiel Gefahr, Nervosität oder körperliche Anstrengung).
  2. Das sogenannte vegetative Nervensystem sendet einen Impuls, Niere und Nebenniere schütten daraufhin die Stresshormone Adrenalin und Cortisol aus.
  3. Das Herz bekommt durch den Nervenimpuls und die Hormone den Befehl, stärker zu schlagen.
  4. Die Gefäße verengen sich und das Blut schießt schneller und mit mehr Druck durch den Körper.

Was kann Bluthochdruck für Folgen haben?

Zu Zeiten, als unsere Vorfahren noch vor Säbelzahntigern wegrennen und Mammuts jagen mussten, war der hohe Blutdruck also eine feine Sache, die das Überleben gesichert hat. Und auch heutzutage bringt er dich zu Höchstleistungen beim Sport oder auch in Prüfungen.

Solange der Blutdruck sich danach auf einem gesunden Level einpendelt, ist alles gut. Normal sind Werte um die 120 zu 80 mmHG (Millimeter auf einer Quecksilbersäule, so heißt die Einheit für den Blutdruck).

Kritisch wird es aber, wenn der Blutdruck dauerhaft zu hoch ist. Konkret heißt das, dass du auch im Ruhezustand Werte von mindestens 140 zu 90 mmHg hast. Denn das kann verheerende Schäden anrichten. "Besonders Gehirn, Herz und Gefäße leiden unter einer chronischen Hypertonie", so Leithäuser.

Wieso ist Bluthochdruck gefährlich?

Zu hoher Blutdruck kann einige negative Konsequenzen nach sich ziehen. Dr. Boris Leithäuser beschreibt diese Risiken für die Organe:

  • Folgen für die Gefäße: Im ganzen Körper können in den Blutgefäßen die zarten Gefäßwände durch den hohen Druck und Ablagerung von Cholesterin beschädigt werden, sie entzünden sich und verhärten dadurch. Man spricht dann von einer Arteriosklerose. Das Cholesterin lagert sich an den Gefäßwänden als „Plaque“ ab. Diese Plaque können entweder aufreißen oder das Gefäß verengen. Beides kann dazu führen, dass die Ader verstopft, das nennt sich dann Gefäßverschluss.
  • Folgen fürs Gehirn: Im Gehirn können die winzig kleinen Verästelungen der Gefäße durch das dauerhafte Hämmern des Blutes zerstört werden und das Gewebe dahinter verödet – dann entsteht eine Form von Demenz. Deutlich seltener kann es passieren, dass die Plaques aus anderen Gefäßen abreißen und im Gehirn für einen Schlaganfall sorgen. „Gefäßverschlüsse treten allerdings überwiegend lokal auf“, erklärt Leithäuser.
  • Folgen fürs Herz: Das Herz wird durch die Belastung auf Dauer immer schwächer und du kannst eine sogenannte Herzinsuffizienz bekommen. Ebenso wie beim Schlaganfall kann es in Ausnahmen passieren, dass die Gefäßablagerungen auch die Adern um das Herz verstopfen, dann spricht man von einem Herzinfarkt.

Entsteht durch Bluthochdruck ein höheres Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken?

Hypertonie gilt wie viele andere Vorerkrankungen als möglicher Risikofaktor für schwere Verläufe der durch das neue Corona-Virus verursachten Lungenkrankheit Covid-19. Außerdem wurde der Verdacht geäußert, dass die Einnahme von blutdrucksenkenden Mitteln die Patienten anfälliger für eine Infektion mit dem Corona-Virus macht.

Neuere Studien weisen aber darauf hin, dass das Erkrankungsrisiko für Hypertonie-Patienten nicht signifikant höher ist als für andere und dass vor allem diejenigen, deren Blutdruck medikamentös gut eingestellt ist, nicht zur Risikogruppe gehören, sofern keine weiteren Erkrankungen vorliegen. Darum rät die Deutsche Hochdruckliga auch dringend, die Medikamente nicht abzusetzen.

Woran erkennt man Bluthochdruck?

Zu sehen ist der hohe Blutdruck an einem Messwert von 140 zu 90 mmHg. Doch wer misst schon regelmäßig selbst den eigenen Blutdruck? Ohne Messung mit einem Blutdruckmessgerät bemerkst du ihn wahrscheinlich gar nicht.

Im Gegenteil: "Bluthochdruck soll uns ja leistungsfähiger machen, deswegen fühlt man sich damit erst einmal sogar fitter als sonst. Zusätzlich hemmen die Hormone das Schmerzempfinden", erklärt Leithäuser. Selbst Kopfschmerzen, die ja bei anderen Kreislaufproblemen oft auftreten, haben die Betroffenen nicht immer.

Die einzige verlässliche Methode, um eine Hypertonie zu erkennen, ist also eine Blutdruckmessung. Wenn du das noch nie gemacht hast, geh dafür am besten in eine Arztpraxis oder Apotheke. Da wird das innerhalb von Minuten und komplett unkompliziert gemacht. Wie du deinen Blutdruck zuhause messen kannst, erklären wir dir weiter unten.

Welche Ursachen hat Hypertonie und wie kann man sie behandeln?

Wenn du deinen Blutdruck senken möchtest, ist es am sinnvollsten, die Gründe dafür anzugehen. Dafür solltest du erst einmal mit einem Arzt klären, was denn den Bluthochdruck auslöst, denn nicht immer kannst du die Ursache selbst beheben.

Es gibt allerdings einige typische Risikofaktoren, die du in jedem Fall angehen kannst. Selbst wenn du (noch) nicht unter Bluthochdruck leidest, kannst du deinen Kreislauf so gesund halten und eventuellen Probleme vorbeugen. Dr. Oliver Zantis von der Kardiologischen Praxis Orchideenstieg in Hamburg nennt folgende Faktoren und erklärt, wie du dagegen angehen kannst:

Ursache 1: Stress Stress funktioniert im Körper ganz ähnlich wie die Reaktion auf einen Säbelzahntiger in der Steinzeit. Zwar geht es nicht mehr ums blanke Überleben, sondern vielleicht um ein Bewerbungsgespräch.

"Der Körper reagiert aber gleich, das sogenannte autonome Nervensystem wird dabei stimuliert und der Hormonhaushalt gerät durcheinander", erklärt Zantis. Wenn du unter chronischem Stress leidest, kann das auch dauerhaft zu einem erhöhten Blutdruck führen.

Was kannst du dagegen tun? Sich weniger stressen zu lassen ist leichter gesagt als getan. Aber wir versprechen dir, dass die Suche nach deiner Entspannung die beste Investition deines Lebens sein wird! Egal ob das Yoga, Kochen, Metal hören oder Sex ist: Wenn du dich danach entspannter fühlst als vorher, solltest du das auf jeden Fall häufiger tun. Kaffee dagegen ist kontraproduktiv, wenn du sowieso schon gestresst bist.

Den Stresspegel zu senken, zum Beispiel durch Baden, hilft, den Blutdruck zu normalisieren
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Wer Bluthochdruck vorbeugen will, sollte Stress reduzieren.

Ursache 2: Schlechter Schlaf "Menschen, die wenig oder schlecht schlafen, beispielsweise wegen Schichtdienst, schnarchenden Partnern oder einer Schlafapnoe, leiden deutlich häufiger an Bluthochdruck", so der Kardiologe.

Schlafmangel führt am Tag dazu, dass der Körper häufiger in einen „Kampf- oder Fluchtmodus“ (also Stress) schaltet, und kann die Hormonausschüttung in der Nebenniere verändern. Bei einer Schlafapnoe schießt außerdem mit jedem Atemaussetzer der Blutdruck in die Höhe.

Was kannst du dagegen tun? Zum einen solltest du dir genug Zeit zum Schlafen einplanen, etwa 8 Stunden, und das so regelmäßig wie möglich. Lavendelöl, warme Milch vorm Schlafengehen, Ohrstöpsel, entspannende Hörbücher oder eine Therapie gegen eine Schlafapnoe können deinen Schlaf verbessern.

Ursache 3: Zu viel Salz Das Salz, das du isst, landet in deinem Blut und macht es salzig. "Um das auszugleichen, zieht das salzigere Blut Wasser aus dem umliegenden Gewebe in die Gefäße und das Blutvolumen steigt", erklärt Zantis.

Mehr Blut übt aber mehr Druck auf die Gefäße aus und schon hast du eine Hypertonie. Zu viel Salz ist außerdem auch schädlich für deine Darmflora, die ebenfalls den Blutdruck beeinflussen kann.

Was kannst du dagegen tun? Am Salz sparen. 5 bis 6 Gramm Kochsalz am Tag empfiehlt die WHO, das ist etwas mehr als ein Teelöffel. Mit Fertigprodukten ist das quasi nicht einzuhalten: In 4 Scheiben Brot steckt bereits die Hälfte dieser Dosis, in einer TK-Pizza schon die gesamte. Die Lösung? Selbst kochen, und zwar ohne viel salzen, dafür mit mehr Kräutern.

Ursache 4: Die Anti-Baby-Pille "Östrogene in herkömmlichen Pillen können dazu führen, dass die Hormone beeinflusst werden, die Blutgefäße verengen und den Salzgehalt im Blut erhöhen", beschreibt Zantis.

Dann gibt es einen ähnlichen Effekt wie bei salzreicher Ernährung: Mehr Flüssigkeit in den Gefäßen, der Blutdruck erhöht sich.

Was kannst du dagegen tun? Wenn du die Pille nimmst und unter Bluthochdruck leidest, hast du zwei Möglichkeiten: Entweder steigst du auf Präparate um, die nur Gestagene enthalten (sogenannte Mini-Pillen). Oder du verzichtest komplett auf Hormone und schaust dich nach Alternativen um.

Ursache 5: Bewegungsmangel Das Herz und der Kreislauf wollen trainiert werden, also sowohl gefordert als auch danach entspannt. Wenn du das zu selten machst, kann das Herz nach einer Belastungssituation schwerer wieder auf den Ruhezustand übergehen und die Gefäße werden steifer.

Aber: Wenn du bereits Bluthochdruck hast oder länger keinen Sport gemacht hast, solltest du vorher auf jeden Fall die Trainingsintensität mit einem Arzt besprechen!

Was kannst du dagegen tun? 2,5 bis 5 Stunden die Woche solltest du ein moderates Training machen. Dabei ist es erstmal gar nicht so wichtig, ob du jeden Tag ein bisschen oder ein paar Mal die Woche länger trainierst. Wenn dein Kreislauf das packt, kannst du ihn zum Beispiel mit Intervalltraining herausfordern.

Eine mediterrane Ernährung hilft gegen Bluthochdruck
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Körpergewicht und Ernährung haben einen großen Einfluss auf den Blutdruck.

Ursache 6: Übergewicht Bei Übergewicht, also ab einem Body-Mass-Index über 25, muss dein Herz mehr Körpermasse versorgen als für dich gut ist. Das bringt deinen Hormonhaushalt durcheinander. Besonders Bauchfett sorgt für kleine Entzündungsreaktionen im Körper, die zur Verkalkung der Gefäße führt.

Wenn Du Deinen Taillenumfang misst, weißt Du, ob Du auf die Bremse treten musst. Bei Frauen steigt ab 80 Zentimeter das Risiko für diese schädlichen Prozesse.

Was kannst du dagegen tun? Mehr Bewegung (siehe oben) hilft auf jeden Fall, auch das Übergewicht loszuwerden. Das Wichtigste ist aber, die täglichen Kalorien zu reduzieren. Dazu brauchst du keine strenge Diät zu halten: Eine mediterrane Ernährung (viel Gemüse, ungesättigte Fettsäuren, Fisch und mageres Fleisch) und dein Herz wird es dir danken.

Das gilt übrigens auch dann, wenn du es nicht direkt auf der Waage bemerkst. Denn das Training und das gesündere Essen machen deinen Körper von innen fit und reduzieren das gefährliche Fett unter der Bauchdecke.

Ursache 7: Rauchen "Rauchen schädigt langfristig die Gefäße und greift in den Cholesterinstoffwechsel ein. Dadurch kann es zu einer dauerhaften Verkalkung der Gefäße kommen", so Zantis. Verstopfte und steife Gefäße nennt man Arteriosklerose, das ist einer der Hauptgründe für Herzinfarkte.

Was kannst du dagegen tun? Wenn du rauchst, weißt du es insgeheim wahrscheinlich schon: Du solltest damit aufhören. Vor allem, wenn du noch andere der hier genannten Risikofaktoren aufweist.

Nein, das ist nicht einfach. Aber ja, du kannst das trotzdem schaffen, ganz sicher. Die E-Zigarette ist für den Blutdruck übrigens ungefährlicher und wird auch von Lungenärzten zum Entwöhnen (aber nicht zum Dauerdampfen!) empfohlen.

Welche Medikamente gibt es gegen Bluthochdruck?

Wenn dein Blutdruck kritisch ist und diese Maßnahmen nicht reichen, kannst du mit einem Arzt über Medikamente wie die sogenannten ACE-Hemmer, Calcium-Antagonisten oder Diuretika (harntreibende Stoffe) nachdenken. Achtung: "Die bekannten Beta-Blocker werden bei Bluthochdruck nicht mehr empfohlen, manchmal aber trotzdem noch verschrieben", beschreibt Leithäuser.

Jüngere Forschungen haben ergeben, dass diese Medikamente vor allem der Therapie durch Training entgegenstehen. Die anderen Medikamente haben diesen Effekt aber nicht. Sprich im Zweifel deinen Arzt darauf an und vernachlässige trotzdem nicht die anderen Maßnahmen.

Wenn du schwanger bist, musst du in jedem Fall mit einem Arzt sprechen, denn die Standard-Medikamente zur Behandlung des Bluthochdrucks kannst du in dieser Zeit nicht nehmen!

Es ist wichtig, den Blutdruck regelmäßig zu messen
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Messe deinen Blutdruck regelmäßig unter den gleichen Bedingungen und dokumentiere die Werte.

Wie kann man den Blutdruck richtig messen?

Um eine Hypertonie zu behandeln, solltest du wie gesagt erst einmal eine Bestandsaufnahme machen und auch immer wieder messen, wie es um deine Blutdruckwerte steht. Hierfür gibt es verschiedene Geräte, einige davon auch für zuhause.

Die erste Messung sollte aber immer beim Arzt passieren, damit diese korrekt durchgeführt und eingeordnet wird. Wichtig ist, dass du immer ungefähr zur gleichen Tageszeit misst und davor einige Minuten ruhig warst. Kaffee, Gedanken an die To-Do-Liste oder Blutdruckmedikamente solltest du auf danach verschieben. Folgende Möglichkeiten hast du zur Messung:

  1. Die klassische Blutdruckmanschette: Diese Stoffmanschette (z.B. hier von Braun) legst du dir fest, aber nicht eng auf den Oberarm, etwa auf Herzhöhe und knapp über der Ellenbeuge. Mit einem Stethoskop horchst du die Blutgefäße in der Ellenbeuge ab. Wenn du die Manschette aufpumpst, hörst du irgendwann deinen Herzschlag. Wenn du länger pumpst, hört es wieder auf. Diese Schwellenwerte, die du auf einer Skala ablesen kannst, zeigen deinen Blutdruck. Achtung: Für diese Messmethode braucht es ein bisschen Geschick und Erfahrung, sonst sind die Werte unbrauchbar.
  2. Elektronische Manschette: Etwas einfacher und verlässlicher sind elektronische Blutdruckmanschetten. Die sitzen am Oberarm oder am Handgelenk und pumpen sich automatisch auf und ab, am Ende bekommst du das Ergebnis auf einem Display angezeigt. Einfach, unkompliziert und bei geprüften (!) Produkten ein guter Richtwert. Die Deutsche Hochdruckliga hat hier eine Liste mit geeigneten Geräten hinterlegt.
  3. Fitnessuhr oder Smartwatch Wenn du deinen Blutdruck im Auge behalten willst, solltest du dich nicht allein auf solche Tracker verlassen. Die sind oft ungenau und störungsanfällig. Für einen Überblick über deinen Tagesverlauf können sie aber helfen.

Bluthochdruck ist ein verbreitetes und gefährliches Problem – dafür kannst du ihn aber extrem gut selbst behandeln. Mit weniger Salz, regelmäßigen Momenten der Entspannung und ein bisschen mehr Bewegung beugst du effektiv vor.

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