Der Spruch "Das ist normal, stell dich doch nicht so an!" ist definitiv ein Satz, den Frauen erstaunlich oft hören, wenn sie über ihre Beschwerden sprechen. Wird Zeit, dass das endlich ein Ende hat
Deshalb sollten Frauen damit beginnen, ihre Symptome und ihren Leidensdruck ernst zu nehmen, und sich eben nicht damit zufriedengeben, "dass es vielen Frauen so geht". Als Gynäkologin begegnen mir 5 Beschwerden besonders oft. Ich wünsche mir, dass sie als das angesehen werden, was sie sind: wahnsinnig belastend – und medizinisch behandelbar.
1. Kopfschmerzen vor und während der Menstruation
Wenn Kopfschmerzen regelmäßig rund um die Menstruation auftreten, steckt nicht selten eine menstruelle Migräne dahinter. Grund dafür ist meist der Abfall des Östrogenspiegels am Ende des Zyklus. Typisch sind ein einseitiger, pochender Kopfschmerz, Übelkeit und Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit.
Der erste diagnostische Schritt ist ein Zyklus-Kopfschmerz-Tagebuch. Therapeutisch stehen neben einer Migränemedikation verschiedene (bioidentische) Hormontherapien zur Verfügung. Unterstützend können Magnesium, Riboflavin und Coenzym Q10 eingesetzt werden.
2. Schmerzen beim Sex
Sie sind nicht nur häufig – laut Studien leiden bis zu 22 Prozent aller Frauen darunter –, sondern haben auch einen medizinischen Namen: Dyspareunie. Und nein, meist handelt es sich nicht um einen Zustand, bei dem sich die Frau "einfach ein bisschen entspannen" müsste. Oft steckt ein körperliches Problem dahinter, das erkannt und behandelt werden sollte.
Bei oberflächlichen Schmerzen können trockene oder gereizte Schleimhäute, hormonelle Veränderungen, Wunden und Narben, Infektionen oder Hauterkrankungen eine Rolle spielen. Tiefere Schmerzen treten unter anderem bei Endometriose, Verwachsungen oder Veränderungen an Gebärmutter und Eierstöcken auf. Auch eine überaktive oder verspannte Beckenbodenmuskulatur kann die Ursache sein. Eine gynäkologische Untersuchung liefert wichtige Hinweise und hilft, die passende Therapie einzuleiten – denn ja, die gibt es!
3. Ständige Blasenentzündungen
Wenn Blasenentzündungen immer wieder auftreten, spricht man von rezidivierenden Harnwegsinfekten. Frauen sind besonders oft betroffen, da ihre deutlich kürzere Harnröhre Bakterien den Weg in die Blase erleichtert. Die Erreger kommen dabei meist nicht "von außen": Häufig handelt es sich um Darmbakterien wie E. coli, die aus dem eigenen Darmbereich stammen.
Rund um die Menopause kann der sinkende Östrogenspiegel zusätzlich dazu führen, dass schützende Lactobazillen abnehmen und sich krank machende Bakterien leichter ansiedeln. Zur Vorbeugung können je nach Ursache ausreichendes Trinken, regelmäßiges Wasserlassen, Cranberry-Präparate oder D-Mannose beitragen. Bei vulvovaginaler Trockenheit und in der Menopause kann eine lokale Östrogentherapie die natürliche Schutzfunktion von Schleimhaut und Vaginalflora unterstützen und das Risiko wiederkehrender Infektionen somit deutlich senken.
4. Unerklärliche Erschöpfung
Gerade bei Frauen, die ständig abgeschlagen sind, lohnt sich ein Blick über das "normale" Blutbild hinaus. Denn ein Eisenmangel kann auch bei normalem Hämoglobinwert bestehen. Daher sollte der Ferritinwert kontrolliert werden – also der Eisenspeicher-Wert.
Auch eine Schilddrüsenunterfunktion, ein Mangel an Vitamin B12, Folsäure oder Vitamin D sowie hormonelle Veränderungen können dazu führen, dass Frauen erschöpft sind. Und auch der nach wie vor meist weibliche Mental Load kann zu echter körperlicher und mentaler Erschöpfung führen. Auch das sollte nicht als "normal" gelten.
5. Libidoverlust
Tatsächlich leiden viele Frauen unter Libidoverlust. Mehr als die Hälfte erlebt laut Studien Phasen mit vermindertem sexuellen Verlangen. Gründe können belastende Lebenssituationen, Beziehungskonflikte oder Veränderungen von Östrogen und Testosteron sein!
Auch die Verhütung verdient einen genaueren Blick, denn Frauen, die Präparate mit synthetischem Östrogen verwenden, berichten häufiger von weniger sexueller Erregung und vaginaler Befeuchtung als Frauen, die natürliches Östrogen nutzen.





