Mit Urinellas können auch Frauen im Stehen pinkeln Gballgiggsphoto / Shutterstock.com

Urinella: So können Frauen im Stehen pinkeln

Urinella So kannst du als Frau unterwegs im Stehen pinkeln

Ob auf Festivals oder beim Wandern: Mit Urinellas können auch Frauen entspannt im Stehen pinkeln. Wir haben verschiedene Modelle getestet

Ob auf Festivals, bei einer Radtour, beim Camping oder einfach beim Chillen im Stadtpark: Dank der warme Temperaturen kann man sich endlich wieder Outdoor mit den Freund:innen treffen. Wäre alles super, wenn nicht meist sanitäre Bequemlichkeiten für Frauen fehlten. Hand hoch, wer hat sich nicht schon mal gewünscht, einfach mal an den nächsten Baum gehen zu können, wenn die Natur ruft? Nicht meterweit durchs Gebüsch klettern, nicht über einer schmutzigen Klo-Brille des öffentlichen WCs hocken.

Gerade für Frauen, die gerne unterwegs sind, wäre Pinkeln im Stehen ein echter Befreiungsschlag. Männer haben es da einfacher, die können sich einfach irgendwo hinstellen, Hose auf, zielen (einige nicht mal das) und laufen lassen.

Doch jetzt gibt es für Menschen ohne angeborene Steh-Pinkel-Vorrichtung ein kleines Hilfsmittel, das dieses Problem lösen soll: Urinierhilfen, auch Urinellas oder Stand-to-Pee-Device genannt. Wir haben verschiedene Modelle für dich getestet.

Warum ist eine Urinella so praktisch?

Weil es outdoor immer noch viel zu wenig saubere Toiletten für Frauen gibt. Stattdessen gibt es Schmuddel-Klos auf dem Rastplatz, lange Schlangen vor Dixies auf Festivals oder nur ein dorniges Gebüsch, in das Frau sich mit blankem Hintern hocken muss.

Um möglichst viel Abstand zwischen dich und die von anderen bereits "dekorierte" Klo-Brille oder den Dornenstrauch zu bringen, zückst du einfach deine Urinella. Mit der kannst du im Stehen deine Notdurft verrichten, je nach Übung sogar ohne dafür blankziehen zu müssen. Eine US-Studie zeigte, dass allein die Idee eines solchen FUD (Female Urination Device) bei Frauen großen Enthusiasmus auslöst und bei richtiger Anwendung sehr hilfreich ist.

Besonders Menschen, die ihre Beine nur eingeschränkt bewegen können, erleichtert so eine Urinierhilfe den Alltag: Sei es, weil du im Auto sitzt, schwanger bist, auf Prothesen oder einen Rollstuhl angewiesen bist oder auch für Trans-Männer oder nicht-binäre Menschen. Mit dem richtigen Modell wird das Wasserlassen deutlich leichter, weil du nicht zwingend aufstehen oder dich hinsetzen musst.

Wie funktioniert Urinella?

Es gibt sie in verschiedenen Formen, Farben und Materialien, das Grundprinzip ist aber immer das gleiche: Urinierhilfen sind eine Art Trichter, den du dir vor die Harnröhre hältst.

Mit dem breiteren Ende wird die Flüssigkeit aufgefangen, mit dem dünneren zielst du dann von dir weg. Danach kannst du das Ding entweder entsorgen oder kurz saubermachen und wieder in der Handtasche verschwinden lassen.

Wie wende ich eine Urinella richtig an?

Je nach Modell hältst du die Urinierhilfe einfach vor deinen Venushügel, sodass er deinen gesamten Intimbereich umschließt, oder du klemmst ihn ein bisschen zwischen deinen Beinen und unter deiner Vagina ein. Der Ausgang der Harnröhre liegt zwischen deiner Vagina und der Klitoris und ist etwas hinter den Schamlippen versteckt.

Ganz wichtig: Probiere deine Urinella erstmal zuhause! So praktisch und intuitiv diese Idee ist, es braucht etwas Übung für das sichere Steh-Pinkeln. Erstens ist es nämlich ziemlich gewöhnungsbedürftig, im Stehen einfach laufen zu lassen. Zweitens musst du die richtige Stelle mit dem Trichter treffen, damit auch nichts daneben geht. Dass so ein Malheur in der Öffentlichkeit und ohne Wechselklamotten nicht besonders angenehm wäre, müssen wir wohl nicht erklären.

Tipp: Nimm das Ding erstmal mit in die Dusche. Wenn was daneben geht, kannst du das ganz schnell wegmachen. Wenn du dich sicher fühlst, probiere es am heimischen Klo mit Kleidung. (Ja, das macht einen großen Unterschied!) Bist du damit tropfsicher, kannst du damit hinaus in die weite Welt.

Ganz wichtig außerdem: Die Hygiene. Sofern du kein Einweg-Modell besitzt, musst du deine Urinella gut ausschütteln, -wischen oder -spülen. Sobald du zum Beispiel wieder zuhause, auf dem Camping-Platz oder im Hostel bist, solltest du die Urinella mit (heißem) Wasser und Seife reinigen, sonst gibt’s schnell Mief und unangenehme Bakterien. Eine Studie der US-Army warnt vor möglichen Infektionen nach Nutzung solcher Devices, wenn nicht hygienische Grundstandards eingehalten werden.

Urinellas im Test: Diese Modelle gibt es und das unterscheidet sie

Es gibt verschiedene Arten von Pipi-Hilfen und alle haben ihre Vor- und Nachteile. Wir haben verschiedene Modelle getestet und geprüft, wie angenehm und leicht sie sich tragen lassen, wie gut man sie verstauen kann und wie es mit der Reinigung und Müllproduktion steht. So kannst du entscheiden, welche Urinella am besten zu dir passt:

1. Die Flexiblen aus Silikon

Diese Modelle bestehen aus wasserabweisendem, medizinischem Silikon und sind ziemlich intuitiv aufgebaut. Die breite geschwungene Öffnung kommt an den Körper, das dünne Röhrchen zielt von dir weg. Manche haben auch eine kleine Öse, an der du alles festhalten kannst. Urinellas aus Silikon gibt es in vielen Farben und nur leicht unterschiedlichen Designs z.B. von Meeno (4 Stück in lila), Sunany (mit Verlängerungsrohr, um den Urin weiter entfernt abzusetzen), HydraMate, das besonders klein ist, oder Jaeyaeko mit Verlängerungsrohr und Aufbewahrungsbeutel mit Karabiner.

Diese Urinella besteht aus flexiblem, medizinischen Silikon
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Urinellas besteht aus flexiblem, medizinischem Silikon sind besonder flexibel

Vorteile: Das flexible Material sitzt sofort dicht und bequem am Körper, da geht selbst bei Anfängerinnen nichts daneben. Außerdem kannst du Silkon-Urinellas dank des biegsamen Materials super in eine kleine Handtasche quetschen. Mit dem mitgelieferten Täschchen mit Karabiner-Haken (z.B. von PipiLOTTA) kannst du einige Modelle auch an einem Backpack sichern. Außerdem kannst du Urinierhilfen aus Silikon mehrfach verwenden, produzierst also keinen Müll und musst nicht zig Einweg-Modelle für deine Tour einpacken.

Nachteile: Bei weichen Urinellas muss die Hose runter, sonst drückt man sie vielleicht zu fest an den Körper oder die Hose kommt in die Quere. Dabei verrutscht das flexible Silikon schnell mal, dann kann von Tröpfchen bis Wasserfall alles passieren, ein richtiger Griff ist hier also wichtig. Abstreifen geht mit dem Material nicht, du brauchst dafür ein Taschentuch. Durch das geschlossene Röhrchen kannst du es auch nicht so einfach auswischen. Stattdessen schüttelst oder spülst du sie am besten aus.

Für wen geeignet? Silikon-Modelle super, um sich an das Pinkeln im Stehen zu gewöhnen, ist also besonders für Neulinge geeignet. Weil die Hose dann aber doch meistens runtermuss, ist es am praktischsten, wenn du auf deinem Ausflug auf jeden Fall irgendwo genug Privatsphäre dafür hast, zum Beispiel in Dixies, einem abgelegenen (!) Gebüsch oder einer öffentlichen Toilette.

2. Die Stabile: pStyle

Die pStyle erinnert vom Aufbau mehr an eine Regenrinne als an einen Trichter. Anders als die LadyP hältst du dieses Modell nicht an, sondern eher unter den Körper, ansonsten funktioniert das Pinkeln wie gehabt. Durch die leicht geschwungene Form kann man die P-Style gut festhalten und der Strahl lässt sich gut kontrollieren.

Die Urinella pStyle besteht aus stabilem Material
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Die Urinella pStyle ist aus stabilem Plastik gefertigt.

Vorteile: Wenn solche harten Urinierhilfen sitzen, sitzen sie fest. Es gibt keine Probleme mit zu festem Druck, abrutschen oder verbiegen, weil der Hosenbund oder ein Backpack dagegen drückt. Die Rundung an einem Ende kannst du mit ein bisschen Druck hochziehen, dann brauchst du nicht einmal Klopapier oder ein Taschentuch. Weil die P-Style oben offen ist, kannst du sie auch easy mit einem Taschentuch oder einem Feuchttuch auswischen, wenn du gerade kein Wasser zur Hand hast.

Nachteile: Die pStyle ist recht groß, in die kleine Handtasche passt sie deswegen eher weniger. Bei stabilen Urinellas muss man außerdem den richtigen Sitz etwas besser üben. Wenn du noch nicht den richtigen Griff raushast, kann manchmal auch ein Tröpfchen oben rausspritzen. Das passiert aber seltener, als man mit der offenen Form erwarten würde.

Für wen geeignet? Weil die Hose nicht so weit runter muss und du nicht unbedingt Extra-Wasser zum Reinigen brauchst, ist die pStyle super für Wanderungen oder Fahrradtouren durch die freie Natur. Wenn du eine größere Handtasche benutzt, kann sie auch in den Stadtpark. Durch das festere Material braucht es ein bisschen mehr Übung, mit diesem Kauf planst du also langfristiger.

3. Die Dezente: Pibella Travel

Das Modell von Pibella ist ebenfalls aus hartem und wasserabweisendem Plastik, aber kleiner als die pStyle und nach oben geschlossen. Der Zweck von dem unauffälligen Röhrchen ist für Außenstehende schwer zu erkennen. Besonders bei der Pibella ist die kleine Plastikzunge am dickeren Ende. Die Zunge setzt du am vorderen Ende deines Scheideneingangs an (nicht in die Harnröhre) und richtest das Röhrchen dann aus.

Pibella ist ein Urinal für Frauen, ideal für unterwegs
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Die Urinella Pibella gibt es in verschiedenen Farben. Sie wird leicht in die Vagina eingeführt.

Vorteile: Die Pibella ist klein und dezent, da erkennt man auf den ersten Blick gar nicht die Absicht hinter dem Röhrchen. Weil du das Modell am Scheideneingang anlegst, hast du eine Art Fixpunkt und das Modell sitzt immer gleich. Wenn du einmal den Dreh raushast, geht nichts daneben. Du kannst mit dem Röhrchen am Ende die letzten Tropfen abstreifen, das ist aber etwas schwieriger als bei der pStyle.

Nachteile: Um die Pibella anzusetzen, brauchst du ein bisschen Übung. Gerade am Anfang übst du am besten mit heruntergelassener Hose, damit die kleine Zunge in die Vagina kommt. Die verhältnismäßig kleine Öffnung verzeiht kleine Rutscher weniger als die anderen beiden Modelle, der Sitz ist deshalb besonders wichtig.

Für wen geeignet? Dieses Modell sitzt "tief drinnen", das mag nicht jede Frau, und es erfordert ein bisschen Gewöhnung. Wenn du aber schon ein Profi bist und nirgendwo mehr auf deine Urinella verzichten möchtest, ist die kleine Pibella ideal. Der Hersteller bietet außerdem ein spezialisiertes Comfort-Modell, die dann besonders praktisch für Autofahrten, Hochschwangere oder auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen ist.

4. Einweg-Modelle

Neben den Mehrfach-Modellen gibt es auch noch sogenannte "Pipi-Pappen", also Urinellas aus Papier oder Pappe. Die kannst du zum einen kaufen, zum Beispiel hier. Oder du machst dir deine Urinella selbst. Dafür schnappst du dir beschichtete Pappe, zum Beispiel einen Papp-Teller, und bastelst dir selber so eine Pipi-Hilfe. Ein Muster dafür gibt es hier. Die generellen Vor- und Nachteile dieser Einweg-Modelle:

Urinella aus Pappe von Lumunu
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Urinellas aus Pappe kannst du dir selbst basteln oder kaufen, wie dieses Modell von Lumunu.

Vorteile: Eine selbst gebastelte Pinkel-Hilfe muss nirgendwo extra gekauft werden und ist schnell gemacht. Gerade auf Festivals hat ja immer irgendwer einen Pappteller herumliegen. Die gekauften Pipi-Pappen sind dagegen schon vorgefaltet. Danach kannst du die Pappe einfach wegschmeißen und musst dich darum kümmern, das Ding zu reinigen oder zu verstauen.

Nachteile: Die Form und das Material sind natürlich nicht ganz so ausgefeilt und bequem wie bei den Mehrweg-Modellen. Da verrutscht schneller mal was, sitzt nicht richtig oder piekst. Und natürlich musst du für die Pipi-Pappen das richtige Material dabei haben und es danach irgendwo entsorgen. Das sorgt für mehr Gepäck und mehr Müll. Manchmal weicht die Pappe übrigens auch schnell durch.

Für wen geeignet? Bastlerinnen, Spontane oder solche, die eine benutzte Urinella nicht wieder einstecken wollen, können wunderbar auf eine Pipi-Pappe zurückgreifen. Wenn du aber auf Müllvermeidung und Tragekomfort achtest oder eine langfristige Bindung mit deiner Urinella eingehen willst, bist du mit einem Mehrwegmodell besser bedient.

Mit Urinierhilfen können jetzt alle Frauen im Stehen pinkeln. Es braucht zwar ein kleines bisschen Übung, aber vielleicht lohnt es sich für dich ja, ein paar Modelle auszuprobieren und dir so ein Stück Unabhängigkeit zu erobern.

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