Ausfluss 5 wichtige Fakten über Scheidenflüssigkeit

Jede Frau hat vaginalen Ausfluss. Aber was ist das eigentlich genau? © New Africa / Shutterstock.com

Bestimmte Dinge sollte jede Frau über ihren Körper wissen. Diese 5 wichtigsten Fakten über die Scheidenflüssigkeit gehören dazu

Jede Frau hat ihn, und dennoch sorgt er oft für Verwirrung: der Ausfluss. Er ist bei jeder Frau anders und er verändert sich sogar innerhalb eines Monats. Doch wieso haben Frauen überhaupt Ausfluss? Wieso ändert die Scheidenflüssigkeit Farbe und Konsistenz? Wann sollten Sie zum Arzt gehen? Diese und noch weitere Fragen beantworten wir zusammen mit dem Gynäkologen Prof. Dr. med. Werner Mendling vom Deutschen Zentrum für Infektionen in Gynäkologie und Geburtshilfe in Wuppertal.

Wann hat eine Frau Ausfluss?

Immer mal wieder. Und das ist auch gut so. Denn: Scheidenflüssigkeit und ihr Ausfließen sind ganz normal "Er beginnt bei Mädchen zu Beginn der Pubertät im Alter von 10 bis 12 Jahren. Der sogenannte 'Weißfluss' setzt zirka ein Jahr vor der ersten Periode ein. Bis zu den Wechseljahren, wenn die Scheide wieder trockener wird, hat jede Frau Ausfluss", erklärt unser Experte Werner Mendling.

Warum haben Frauen mal mehr und mal weniger Ausfluss?

Sie werden es sicherlich schon bemerkt haben: Mal haben Sie mehr, mal weniger Ausfluss. Manchmal ist er sehr wässrig, manchmal sehr zäh. Das liegt daran, dass der Ausfluss abhängig von Ihrem Zyklus ist. Haben Sie gerade Ihren Eisprung, ist der Ausfluss anders als an den unfruchtbaren Tagen. Ein normaler Zyklus hat 28 Tage und beginnt mit dem ersten Tag nach Ihrer Regelblutung. Im Detail läuft er so ab:

Der Ausfluss verändert sich stetig mit Ihrem Zyklus. © Goffkein.pro / Shutterstock.com
  • Zyklusmitte: "Um die Zyklusmitte herum, also nach zirka 13 Tagen, findet der Eisprung statt. In dieser Zeit sind Sie fruchtbar. Begleitet werden die fruchtbaren Tage von einem etwas stärkeren, relativ flüssigen, 'spinnbaren' Ausfluss aus dem Gebärmutterhals", erklärt Professor Mendling. Spinnbar bedeutet, dass das Vaginalsekret dehnbar ist. Es lässt sich ohne Probleme bis zu 5 Zentimeter in die Länge ziehen, bevor es reißt. Die Eierstockhormone Östrogen und Gestagen regen die Drüsen im Gebärmutterhalskanal an, vermehrt Sekret zu bilden. Der pH-Wert dieses Gebärmutterhalsschleims liegt wie der von Sperma bei 7, wodurch die Spermien gewissermaßen zum Gebärmutterhalskanal "gelockt" werden.
  • Nach der Blutung: Nach der Regelblutung, also am ersten Tag des Zyklus, haben viele Frauen kaum Ausfluss und die Scheide kann sich sogar etwas trocken anfühlen. Erst ein paar Tage später wird wieder wieder mehr Vaginalsekret produziert.
  • An den unfruchtbaren Tagen: Nach den fruchtbaren Tagen, das heißt nach dem Eisprung und bis zirka 6 Tage vor dem Eisprung, klebt der Zervixschleim in geringerer Menge im Gebärmutterhalskanal, ist dickflüssiger, zäh und weißlich. Er kann sogar etwas klumpig werden.
  • Bei hormoneller Verhütung: Bei Frauen, die hormonell verhüten, zum Beispiel mit der Pille, gibt es die zyklusabhängigen Veränderungen so nicht. Der Ausfluss wird durch die Hormone Östrogen und Gestagen gebildet. Da die Pille den Körper regelmäßig mit diesen Hormonen versorgt, bleibt auch der Ausfluss in der Regel gleich. Oftmals haben Frauen, die hormonell verhüten, sogar überhaupt keinen Ausfluss.

Gut zu wissen: Da der Zervixschleim Aufschluss über Ihre Fruchtbarkeit gibt, kann die Konsistenz des Ausflusses dazu genutzt werden, Ihre fruchtbaren und unfruchtbaren Tage zu bestimmen. Messen Sie zusätzlich noch täglich Ihre Temperatur, können Sie mit viel Übung und Gewissenhaftigkeit errechnen, wann Sie zusätzlich verhüten sollten.

Wie viel Ausfluss ist normal?

Wie viel Ausfluss eine Frau hat, kann sehr unterschiedlich sein und sorgt oft für Verwirrung. Doch jede Frau ist anders, auch in dieser Hinsicht. So kann es zum Beispiel sein, dass Sie einen recht starken Ausfluss haben, während eine andere Frau eher trocken ist. Im Durchschnitt haben Frauen jedoch einen Ausfluss von zirka 5 Milliliter pro Tag.

Welche Funktion hat Ausfluss?

Das Scheidensekret hat durchaus einen wichtigen Zweck, denn es schützt die Scheide vor Infektionen. Bakterien und andere Krankheitserreger haben es durch den Ausfluss, der eine Art 'Barriere' darstellt, schwerer, in den Körper einzudringen.

Gleichzeitig produzieren die in der Vagina natürlicherweise vorhandenen Milchsäurebakterien, Fachbegriff: Laktobazillen, Milchsäure und Wasserstoffperoxid. Dadurch entsteht das saure Milieu der Scheide, in dem sich Bakterien überhaupt nicht wohl fühlen, so dass Darmbakterien und viele andere Arten nur in geringer Zahl vorhanden sind.

Das saure Milieu schützt die Scheide somit vor einer zu starken Besiedlung mit Bakterien. Ohne die Scheidenflüssigkeit bestände eine hohe Gefahr, dass die Bakterien durch die Scheide zu den Eileitern und anderen Organen gelangen und dort Infektionen auslösen.

Auch interessant: Bakterien, wie die Coli-Bakterien (die sogenannten Darmbakterien), kommen auch in einer gesunden Scheide vor. Das ist überhaupt kein Problem, solange die Laktobazillen dominieren! Deshalb werden auch bakteriologische Laboruntersuchungen der Scheide nicht empfohlen. Entscheidend ist nämlich, dass der pH-Wert um 4 liegt und die Laktobazillen dominieren, was nur durch eine Untersuchung mit einem Mikroskop richtig beurteilt werden kann.

Erst durch die Scheidenflüssigkeit ‘flutscht’ es beim Sex. © Jacob Lund / Shutterstock.com

Eine weitere wichtige Funktion der Scheidenflüssigkeit kennen Sie wahrscheinlich, denn erst durch die Scheidenflüssigkeit wird Sex angenehm. Bei sexueller Erregung produziert die Frau zusätzlich Flüssigkeit aus Drüsen am Scheideneingang. Das sorgt dafür, dass es beim Sex feuchter ist und es, simpel gesagt, besser ‘flutscht’. Trockener Sex macht doch niemandem Spaß.

Wann sollte ich einen Arzt aufsuchen?

Für viele Frauen ist der Ausfluss ein ungeklärtes Mysterium. Das ist kein Wunder, immerhin ist er bei jeder Frau unterschiedlich. Zudem verändert er sich auch noch regelmäßig innerhalb eines Monats. Wenn das nicht kompliziert ist.

Sollten Sie sich jedoch Sorgen um die Gesundheit Ihrer Scheide machen, machen Sie einfach einen Geruchstest (mit Hilfe der Finger). Eine gesunde Scheide riecht unspezifisch und leicht säuerlich. Sollte Ihnen ein beißender Fischgeruch in die Nase steigen, heißt es: ab zum Arzt. Denn dann handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine bakterielle Vaginose.

"Hierbei handelt es sich um eine Störung des Gleichgewichtes der Scheide. Es kommt zu einer Verminderung der Milchsäurebakterien und zu einer Vermehrung zahlreicher anderer Bakterienarten. Durch die bakterielle Fehlbesetzung riecht es dann stark fischig", betont Werner Mendling. Der Arzt wird Ihnen dann ein Antibiotikum oder Antiseptikum verschreiben, damit Ihre Scheide wieder ins Gleichgewicht gebracht wird.

Ausfluss ist ein ganz normales Phänomen und nichts Schlimmes. Im Gegenteil, er schützt Ihre Vagina vor Infektionen und erst durch ihn macht Sex richtig Spaß. Nehmen Sie aber einen fischigen Geruch war, suchen Sie einen Arzt auf, denn dann handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine bakterielle Vaginose.

15.03.2019| Jana Schaarschmidt © womenshealth.de
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