Tapes Das bringt Taping bei Sportverletzungen

Pflaster drauf und weiter geht's! Was bringen eigentlich Tapes? © Africa Studio/ Shutterstock.com

Treiben Sie es bunt, um schneller wieder fit zu werden! Kinesiologische Tapes reduzieren die Regenerationszeit und regeln sogar Regelschmerzen

Erinnern Sie sich noch: Als Kind bekamen Sie ein Pflaster und schon war der Schmerz verschwunden. Ähnliches gilt auch für Erwachsene. Mit einem kinesiologischen Tape – das ein wenig wie ein klassisches Pflaster aussieht – lindern Sie Schmerzen, kommen nach Verletzungen schneller wieder auf die Beine und gleichen Schwachstellen aus. Zudem helfen die bunten Klebestreifen bei Verspannungen, in der Schwangerschaft und bei nervigen Menstruationsbeschwerden. Wie, erfahren Sie hier:

In diesem Artikel:

Was verbirgt sich hinter den heilenden Klebebändern?

Keine Zauberei. Anders als die meisten normalen Pflaster bestehen die Physio-Tapes aus einer Baumwoll-Nylon-Schicht, unter der sich eine dünne Lage Acrylkleber befindet. Die meisten Varianten sind 5 Zentimeter breit, es gibt aber auch schmalere – beispielsweise für die Finger oder 10-Zentimeter-Modelle für breite Muskelstränge wie den Rücken. Sie sind meistens auf einer 5-Meter-Rolle (um die 15 Euro), aber auch als meist teurere Einzelstrips zu haben. Alle kinesiologischen Klebebänder sind nur so dünn wie die Haut und ähnlich flexibel. Durch den Materialmix lassen sie sich in die Länge, nicht aber in die Breite ziehen, um jeder Bewegung folgen zu können. Zudem sind die Streifen durch eine besondere Web-Art atmungsaktiv.

Wie wirken die Medi-Tapes?

Beruhigend. "Indem ich ein Tape auf die Haut aufbringe, entsteht ein taktiler Reiz, der dem Gehirn die Botschaft ‚alles ok’ übermittelt“, erklärt RockTape Master Instructor Paulina Ioannidou. "Dadurch drosselt es das Schmerzgefühl.“ Die Kölnerin leitet Taping-Ausbildungen und ist Physiotherapeutin mit eigener Praxis (www.pi-physio.de).

Ein Tape wirkt also so ähnlich, als ob Sie sich einen angestoßenen Ellbogen erstmal reiben – er fühlt sich wieder besser an. "Ein Tape verleiht wie manuelles Reiben ein Gefühl von Sicherheit“, so die Sportwissenschaftlerin.

Tapes bilden eine Stütze für geschwächte Stellen. © Africa Studio/ Shutterstock.com

Was bringen Tapes?

Das Aus für Schonhaltungen. "Das Tape zieht sich bei korrekter Klebung in der Mitte zusammen und hebt damit die obere Hautschicht an“, so Ioannidou. Auf diese Weise drückt diese weniger auf die Nerven, die Durchblutung und auch der Lymphfluss laufen besser. Kurz: "Ich kann Bewegungen, die vorher schmerzhaft waren, mit einem Tape wieder ausführen“, sagt die Expertin. Aber bitte nicht falsch verstehen: Ein medizinisches Klebeband behebt nicht die Ursache des Problems, sondern lindert nur die Symptome. Leiden Sie zum Beispiel unter Migräne, liegt es an Ihnen, Ihre Haltung durch Krafttraining zu verbessern.

Mit Tapes bleiben Sie trotz Verspannungen entspannt. © wavebreakmedia / Shutterstock.com

Bei welchen Beschwerden hilft die Tape-Therapie?

Bei überraschend vielen. Laut Ioannidou lassen sich 4 Bereiche abstecken: Schmerzbeseitigung, Haltungsverbesserung, Performancesteigerung und Anregung des Lymphflusses. Die Wirkung wird dadurch beeinflusst, wie das Tape angebracht wird. Klebt beispielsweise bei einem Sprinter ein gerade nach oben gelegtes Tape vom Schienbein bis zum Oberschenkel, stimuliert das seine Performance. Ist über seinem Knie hingegen ein Y, sollen Schmerzen oder eine Schwellung reduziert werden. Und es gibt weitere Unterschiede: "Ich kann ein Tape mit viel Zug anbringen, wodurch ich eine Dekompression des Gewebes erreiche. Dadurch heilen Blutergüsse schneller ab“, erklärt die Physiotherapeutin. Zudem werden Narben wieder beweglicher, wenn ein medizinischer Klebeverband drüber klebt. "Über das Tape kann ich die Narbe in eine bestimmte Richtung ziehen und erreiche eine bessere Mobilität.“

Obendrein können die Tapes Schwangeren eine Stütze sein. Gerade im Bereich des stark beanspruchten, unteren Rückens oder des Nackens nehmen die Klebeverbände Druck, was auch für den immer stärker nach unten ziehenden Bauch gilt. Angst vor frühzeitigen Wehen müssen werdende Mamis nicht haben: "Dann müsste ja auch eine eng anliegende Leggins Wehen auslösen“, so der Profi. Die einzige "Gefahr“ sind Hautirritationen, die ab dem 9. Monat aufgrund der Hormonlage häufiger auftreten. Und wenn Nachwuchs für Sie (noch) kein Thema ist: Tapes lindern auch Regelschmerzen! Dazu kleben Sie unterhalb des Bauchnabels einen Längs- und darüber einen Querstreifen Tape. Für das Gegenstück überm Steißbein bitten Sie Ihren Partner oder eine Freundin, Ihnen eine, äh, eins, zu kleben und zwar quer. Dazu beugen Sie sich etwas nach vorn.

Stark trotz Schmerzen – dank medizinischer Tapes. © Adam Gregor / Shutterstock.com

Was muss ich beim Anbringen der Physio-Tapes beachten?

Am besten folgenden Hinweis: "Egal für welchen Einsatz es bestimmt ist – lassen Sie sich jedes Tape einmal von einem Profi zeigen und kleben Sie es sich erst dann selbst“, rät Ioannidou. Das können Ärzte, Physiotherapeuten oder auch Personal Trainer mit entsprechender Fortbildung sein. Fürs Anbringen zahlen Sie im Schnitt 10 Euro. In den meisten Fällen (eine Ausnahme bildet der Hals!) können Sie zwar nicht so viel falsch machen, aber eben auch zu wenig richtig. Teilweise geht es ja auch um Stellen, an die Sie ohne Partner gar nicht kommen würden.

Generell gilt: Fühlt sich das Tape nicht gut an, muss es runter.

Die Therapeutin empfiehlt, ein kleines Stück Klebeverband 24 Stunden vor der eigentlichen Anwendung auf der entsprechenden Stelle zu testen. "Manche Stellen wie die Ellenbeuge sind einfach empfindlicher und neigen stärker zu allergischen Reaktionen als andere.“ Ansonsten sollten Sie darauf achten, dass die Haut sauber ist, vorher nicht eingecremt und desinfiziert wurde. Das entfettet die entsprechende Stelle und trägt zur längeren Haltbarkeit des Tapes bei. Genau wie dieser Profi-Tipp: "Runden Sie die Ecken des Tapes vorab mit einer Schere ab, so vermeiden Sie, dass sich diese beim An- und Ausziehen die Ecken abrollen“. Zudem setzt die Expertin die Enden nie unter Spannung und achtet streng darauf, die Klebefläche nicht mit den Fingern zu berühren. Sonst würde das Hautfett die Haltbarkeit reduzieren.

Wie gehe ich mit einem Tape um?

Sorgsam. Dann hält das heilende Klebeband zwischen 5 und 6 Tage. Sie dürfen mit einem Tape sowohl Schwitzen als auch Duschen, es darf also mit Wasser in Berührung kommen. Achten Sie jedoch beim Abtrocknen darauf, nicht zu stark über den Klebeverband zu rubbeln. Hat es sich vorzeitig gelöst, bringt es gar nichts, es irgendwie wieder gerade rücken zu wollen. Nein, auch nicht mit Tesa-Film. Dann muss es einfach runter. Haben Sie hingegen Probleme beim Lösen, helfen ein paar Tropfen Baby- oder Olivenöl, um den Kleber von der Haut zu entfernen. Am besten rollen Sie das Tape nach und nach ab.

Geht es um die Lymphdrainage, sieht ein Tape wie hier aus wie eine Qualle. © Microgen / Shutterstock.com

So funktioniert richtiges Tapen

"Beim Taping gibt es kein Schema F, es ist völlig egal, ob ich beim Muskelansatz oder -ursprung starte. Hauptsache das Tape zieht sich in der Mitte zusammen“, betont die Physiotherapeutin. Nur bei einer Lymphdrainage müssen Sie wissen, wo die entsprechenden Knoten liegen. Die Anwendung ist also nicht ganz eindeutig, daher lohnt es sich, zunächst einen Profi ranzulassen und erst beim zweiten oder dritten Mal selbst Hand anzulegen. Die folgenden Videos vermitteln einen ersten Eindruck, wie korrektes Taping bei den häufigsten Beschwerden aussieht:

Taping bei Knieproblemen

Taping bei Schmerzen im Hüftbeuger

Taping bei verspannten Schulterblättern

Welche Bedeutung haben die Farben von Medi-Tapes?

Keine. "Früher dachte man, rot aktiviere den Muskel, blau kühle ihn, aber das ist nicht erwiesen“, sagt die Expertin. Die meisten Hersteller haben mittlerweile diverse Farben und Muster im Angebot, es bleibt ganz Ihnen und Ihrem Geschmack überlassen, für welche Variante Sie sich entscheiden. Wer mag, kann sich auch sein Tape selbst bedrucken lassen. Übrigens stecken in den Pflastern kinesiologischen Klebestreifen auch keine erwärmenden Substanzen wie es bei einem klassischen Wärmepflaster der Fall ist. Von der Qualität unterscheiden sich die Hersteller durch die Dichte der Web-Art und der Dehnbarkeit. Je dichter ein Tape gewebt ist, desto länger hält es. Und je flexibler es ist – die meisten sind bis zu 140 Prozent dehnbar, beim Hersteller RockTape sind es beispielsweise 180 Prozent – desto besser folgt es Ihren Bewegungen. Es lohnt sich also, die Bänder vorm Kauf mal in der Hand gehabt zu haben.

Ein kinesiologisches Tape sorgt dafür, dass Sie sich trotz Verspannungen oder Schmerzen normal bewegen können und fördert damit den Heilungsprozess. Zudem kann es Ihre Performance steigern oder Blutergüsse schneller abheilen lassen. Die Farbe des Tapes spielt dabei keine Rolle.

23.02.2018| © womenshealth.de
Martina Steinbach Freie Autorin und Fitness-Expertin
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