In Deutschland sind fast 18 Millionen Menschen von Migräne betroffen wavebreakmedia / Shutterstock.com

Migräne behandeln: Das hilft wirklich

Migräne behandeln Regelmäßig höllische Kopfschmerzen? Das hilft

Um Migräne künftig erfolgreich zu behandeln, solltest du diese Auslöser kennen. Plus: die besten natürlichen Mittel und Tabletten gegen akute Schmerzen

Was in der Fernsehreklame mit einer Tablette einfach weggezaubert wird, macht vielen Frauen in Wahrheit höllisch zu schaffen. Kopfschmerzen können das Leben für Tage lahmlegen, eine Migräne beeinträchtigt es nachhaltig über Jahre.

Aber ist es nur Kopfweh oder schon eine Migräne? An welcher Art Kopfschmerz du möglicherweise leidest und wie sich "normales" Kopfweh von Migräne unterscheidet, liest du hier.

Wann spricht man von Migräne?

Von Migräne ist dann die Rede, wenn du immer wieder von meist einseitigen Kopfschmerzattacken geplagt wirst. Der Migräneschmerz ist entweder bohrend, hämmernd oder pulsierend. Er beginnt häufig in deinem Nacken oder im Schläfenbereich und breitet sich über die ganze betroffene Kopfhälfte aus, manchmal auch im ganzen Kopf.

Typische Begleiter sind Übelkeit bis zum Erbrechen, Schweiß- oder Kälteausbrüche. Viele Migräne-Patientinnen klagen außerdem über starke Lichtempfindlichkeit, Sehstörungen und Schwindel.

Was ist der Unterschied zwischen Kopfschmerzen und Migräne?

Die häufigsten Kopfschmerztypen neben dem durch Erkältung bedingten sind Migräne und Spannungskopfschmerz. Sowohl bei Spannungskopfschmerz als auch bei Migräne kann Stress eine Rolle spielen.

Doch während der Spannungskopfschmerz einsetzt, solange der Stress andauert, tritt die Migräneattacke erst nach dem "Stressende" in der Entspannungsphase auf.

Was passiert bei Migräne in meinem Kopf?

"Bei einer Migräneattacke treten sowohl neurologische (die Nerven betreffende), als auch vaskuläre (die Gefäße betreffende) Veränderungen im Gehirn auf", sagt Dr. Susan Broner, medizinische Direktorin des Manhattan Headache Centers in New York.

Patientinnen mit genetischer Vorbelastung haben eine niedrigere Aktivierungsschwelle für die Schmerzrezeptoren im Gehirn und reagieren dadurch hypersensibel gegenüber Schmerzreizen. Dabei wird eine Welle von Nervenzellen aktiviert und Botenstoffe – sogenannte Neurotransmitter – werden freigesetzt, die die Blutgefäße des Gehirns reizen. Diese neurovaskulären (die Nerven und die Blutgefäße betreffende) Entzündungen verursachen dann die Schmerzen.

Was sind die Ursachen für Migräne?

Migräne ist eine genetisch bedingte Erkrankung. Auf der Basis dieser genetischen Veranlagung kommt es dann durch Auslöser zu Attacken. Mögliche Auslöser sind emotionale Belastungen, Lebensmittelallergien, Überlastung, Stresssituationen, zu wenig oder sogar zu viel Schlaf, Schokolade, bestimmte Wein- und Käsesorten, Kaffee oder Medikamente sowie Veränderungen im Menstruationszyklus (Schwangerschaft und Wechseljahre).

Bei Frauen treten die Beschwerden besonders vor und nach der Periode auf. Mediziner vermuten mittlerweile, dass es sich bei Migräne um eine Reizverarbeitungsstörung im Gehirn handelt. Die Migräneattacke könnte der Versuch deines Gehirns sein, eine Deaktivierung herbeizuführen, wenn die Reizflut irgendwann zu groß wird. Nachfolgend noch einmal die häufigsten Ursachen für Migräne im Detail:

1. Fallender Östrogenspiegel als Ursache von Migräne

"Kurz vor der Menstruation fällt bei Frauen der Östrogenspiegel schrittweise ab. Das löst nicht selten eine Migräne aus", sagt Dr. Andrew Michael Blumenfeld, Direktor des Headache Center of Southern California. Dagegen werden oft niedrigdosierte Östrogenpräparate (die Pille) verschrieben.

2. Alkohol als Auslöser von Kopfschmerzen

Wer nach nur einem Drink einen richtigen Kater bekommt, hat vielleicht eine Migräne. Wenn du hier einen Zusammenhang vermutest, solltest du Alkohol möglichst meiden; insbesondere die Sorten, bei denen du innerhalb von 8 Stunden Kopfweh bekommst. Die gute Nachricht: "Der Auslöser ist meist sehr spezifisch", sagt Dr. Blumenfeld. Heißt: Während du beispielsweise absolut kein Problem mit Bier hast, kann Rotwein bei dir regelmäßig zum Brummschädel führen. So cool und lecker ist der No-Alcohol-Trend.

3. Unregelmäßige Mahlzeiten können Kopfschmerzen auslösen

Auch Schwankungen des Blutzuckerspiegels können der Grund für eine Migräneattacke sein. Iss regelmäßig, etwa alle 3 Stunden, und achte darauf, dass jede Mahlzeit eine Proteinquelle enthält, empfiehlt Dr. Broner.

4. Zu viel Koffein kann Migräne auslösen

Wer regelmäßig große Mengen Koffein zu sich nimmt, leidet oft unter Entzugs-Kopfschmerzen, die auch zu einer Migräne heranwachsen können. Reduziere deinen Kaffeekonsum auf etwa 2 Tassen täglich und beobachte, wie sich deine Kopfschmerzen eventuell verändern. Das passiert, wenn du 10 Tage lang keinen Kaffee trinkst.

5. Zu wenig oder schlechter Schlaf macht Kopfweh

2010 entdeckte eine Studie, dass sich unter Schlafmangel im Körper von Ratten Proteine verändern, die mit Migräne in Verbindung stehen. Gehe lieber auf Nummer sicher und achte auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus. So schäfst du ab sofort besser.

Wie kann ich Migräne behandeln (lassen)?

In einer Kopfschmerz-Ambulanz wird für dich der Diagnose entsprechend ein individuelles Konzept erstellt. Neben der medikamentösen Behandlung werden auch nicht-medikamentöse Therapien wie z.B. eine Beratung zur Lebensführung bei Migräne berücksichtigt. Bei leichter bis mittelgradiger Migräne wird der Arzt dir zu nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) raten. Etwa 10 Minuten vor der Einnahme solltest du ein so genanntes Antiemetikum (z.B. Domperidon) einnehmen, um die Übelkeit zu bekämpfen und die Aufnahmefähigkeit zu steigern.

Für stärkere Beschwerden gibt es mehrere sogenannte Triptane (Arzneien gegen Migräne und Cluster-Kopfschmerzen), die du allerdings auch nur an maximal 10 Tagen pro Monat einnehmen solltest. Es kann sein, dass du auf bestimmte Triptane nicht so gut ansprichst. Dann solltest du einfach ein anderes ausprobieren.

Die Medikamente bringen schnelle Linderung und sind sehr wirksam. Doch auch sie sind keine Wundermittel. Wer sie im Übermaß nimmt, also an mehr als 10 Tagen pro Monat, läuft auch bei ihnen innerhalb weniger Jahre Gefahr, häufigere und längere Migräneattacken zu entwickeln.

Wie kann ich Migräne vorbeugen?

Am besten lässt du eine Attacke erst gar nicht entstehen. Du kannst ihr mit Medikamenten vorbeugen, z.B. mit Betablockern, Flunarizin oder Valproat. Bei menstruellen Migränettacken rät die die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft zu NSAR oder Naproxen mit Beginn ab dem 4. Tag vor der Menstruation bis zum dritten Tag nach Ende der Menstruation, oder aber du versuchst es mit einem Hormonpflaster. Außerdem soll Botox (Botulinumtoxin A) bei chronischer Migräne (mehr als 15 Tage pro Monat Beschwerden) prophylaktisch Abhilfe schaffen.

Auch eine Antikörpertherapie soll etwa 50 Prozent der Migräne-Patienten helfen können. Dabei werden bestimmte Eiweiß-Moleküle (Calcitonin-Gene-Related-Peptide), die im Gehirn bei der Übertragung von Schmerzsignalen maßgeblich beteiligt sind, prophylaktisch medikamentös gehemmt. Für Migräniker mit mehr als 4 Migränetagen im Monat ist die Migränespritze einen Versuch wert.

Welche Medikamente helfen bei Migräne?

Natürlich gibt es längst verschiedene medikamentöse Ansätze um Migräne zu behandeln. Das hier sind die wichtigsten:

  • Triptane
    Der Arzneistoff wird zur Behandlung akuter Migräne eingesetzt und stimuliert die Serotonin-Rezeptoren. Die Blutgefäße verengen sich, die Ausschüttung von Neurotransmittern wird gehemmt, was verhindert, dass sich der Schmerz weiter ausbreitet. Manchmal treten dadurch Nebenwirkungen wie Schwächegefühl, Schwindel oder Hitzeschübe auf.
  • Beta-Blocker
    Beta-Blocker (Propranolol und Metroprolol) werden eingesetzt, um Attacken vorzubeugen. Diese Wirkstoffe haben einen Einfluss auf relevante Blutgefäße. Sie haben weniger Nebenwirkungen, können die Herzfrequenz aber stark senken.
  • Antiepileptika
    Bei manchen Migränepatienten halbiert sich die Häufigkeit der Attacken durch Antiepileptika. Diese haben allerdings negative Nebenwirkungen wie Verwirrung und Schläfrigkeit.
  • Antidepressiva
    Trizyklische Antidepressiva und Serotonin-Wiederaufnahmehemmer haben eine erwiesene Wirkung bei der Behandlung von Migräne. Forscher stellten fest, dass mit den Attacken ein ungewöhnlicher Serotoninspiegel einhergeht, der durch Antidepressiva wieder ausbalanciert wird. Normalerweise werden sie aber nicht verschrieben, wenn keine Depression vorliegt.
  • Botox
    Bei schwerer, chronischer Migräne können Botox-Injektionen den Schmerzen vorbeugen. Dabei wird das Nervengift an 31 Stellen an Stirn, Schläfen, Nacken und Schultern gespritzt. Die Behandlung muss alle 12 Wochen wiederholt werden.

Welche natürlichen Mittel helfen bei Migräne?

Medikamente allein reichen nicht zur Behandlung von Migräne. Von Akupunktur (Ganzkörpertherapie) ist schon länger bekannt, dass sie bei Migräne sehr positive Effekte hat. Eine Studie aus China hat Hinweise geliefert, nach denen du mit Akupunktur Attacken sogar effektiver vorbeugen kannst als mit Flunarizin.

Eine Studie am Universitätsklinikum Kiel hat gezeigt, dass sich Ausdauersport wie Joggen und Walken sehr positiv auf die Stärke, Häufigkeit und Dauer einzelner Migräneattacken auswirkt. Gut geeignet sind darüber hinaus die Entspannungstechnik Progressive Muskelentspannung (PM), die die Anfälle bei Migräne um die Hälfte reduzieren kann, und Biofeedback. Migräniker üben mit Biofeedback, die Blutgefäße im Kopf zu verengen. Ein Biofeedback-Messgerät zeigt dir, ob du erfolgreich bist.

Alle genannten Methoden können nachweislich Migräneattacken vorbeugen. Natürlich musst du auch lernen, dich im Alltag nicht ständig zu überfordern. Du musst lernen, "nein" zu sagen und es nicht immer allen recht machen wollen. Weiterhin ist ein ausgeglichener Lebensrhythmus, vor allem ein gleichmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus (auch am Wochenende), sehr wichtig. Jede Art von Exzessen setzt dem empfindlichen Gehirn eines Migränikers zu.

Welche Hausmittel helfen bei Migräne?

Oft können sogar einfachste Mittel helfen, eine Migräne zu lindern. Diese Methoden haben sich vielfach bewährt und wirken vielleicht auch bei dir:

  • Den Kopf kühlen
    Bei Migräne hilft Kälte besser als Wärme, denn Eis ist ein natürlicher Entzündungshemmer. Ein kalter Umschlag oder ein Kühlpack auf Stirn, Augen oder Schädel kann die Schmerzen häufig zumindest eindämmen.
  • Nahrungsergänzungsmittel
    Diverse Studien haben immer wieder gezeigt, dass verschiedene Nahrungsergänzungsmittel eine wirksame Prophylaxe gegen Migräne darstellen. Beispielsweise soll eine tägliche Dosis von 400 mg Vitamin B2 die Häufigkeit von Migräneattacken bei Patienten gesenkt haben. Und auch das Coenzym Q-10 soll Migräneattacken verhindern können. Du solltest in jedem Fall mit deinem Arzt sprechen, welche Präparate für dich in Frage kommen könnten.
  • Sorge für Entspannung
    Rührt der Kopfschmerz aus einem verspannten Nacken-Schulter-Bereich, kann eine Massage häufig Abhilfe schaffen. Im besten Fall ist eine zweite Person anwesend, die dir eine sanfte Massage geben kann. Tipp: Lege dich gerade auf den Rücken, ohne den Kopf auf ein Kissen zu legen. Die zweite Person nimmt deinen Kopf vorsichtig in beide Hände und hält dessen ganzes Gewicht. Heißt: Du musst vollkommen loslassen und dieses "Abgeben" geschehen lassen. Anschließend wird dein Kopf ganz langsam von einer Seite zur anderen gewiegt. Die Bewegung sollten so fein und sanft sein, dass du sie kaum wahrnimmst. Versuche nicht die Bewegung aktiv mitzumachen, sondern lass dich komplett fallen. Das sanfte Hin- und Herwiegen wird von Vielen als unglaublich entspannend und entkrampfend empfunden.
  • Helfende Kräuter
    Neueste Empfehlungen der American Academy of Neurology bestätigen, dass Mutterkraut Migräne wirksam verhindern kann. Vermutlich weil es einen gesunden Blutfluss im Gehirn fördert.

Welche Merkmale hat Spannungskopfschmerz?

Spannungskopfschmerz ist drückend, dumpf und tritt beidseitig auf. Die Schmerzen stellen sich immer dann ein, wenn z.B. Stress im beruflichen, schulischen oder privaten Bereich aufkommen.

Aber auch geistige Überlastung, Muskelverspannungen durch Haltungsfehler, anhaltende Überanstrengung der Augen (z.B. Bildschirmarbeit), starke Lärmbelästigung, Wetterwechsel, Schlafprobleme sowie psychische Faktoren ('Kopf einziehen') spielen eine wichtige Rolle. So verbesserst du deine Körperhaltung.

Wie behandele ich Spannungskopfschmerz?

Spannungskopfschmerz gilt als chronisch, wenn er an mindestens 15 Tagen pro Monat auftrittt. Laut Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft behandelst du ihn am besten mit Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol. Achtung! Du darfst diese Medikamente nur an maximal 10 Tagen pro Monat einsetzen. Ansonsten kann es passieren, dass du einen schmerzmittelinduzierten Dauerkopfschmerz bekommst. Da hilft nur noch der Entzug in einer Klinik!

Chronischer Spannungskopfschmerz wird oft mit trizyklischen Antidepressiva behandelt. Die beeinflussen die Schmerzverarbeitung im Gehirn und beugen dem Schmerz vor. Funktioniert nicht? Dann solltest du es mit einer Psychotherapie versuchen, denn psycho-soziale Belastungsfaktoren können die Kopfschmerzen massiv verstärken. Bei Spannungskopfschmerzen kannst du natürlich auch die bei Migräne genannten nicht-medikamentösen Therapieoptionen anwenden, z.B. Biofeedback, Progressive Muskelrelaxation oder Musiktherapie. Probiere doch mal Binaurale Beats oder ASMR aus.

Gegen Migräne helfen Tabletten, die du nur in Absprache mit deiner Ärztin einnehmen solltest, aber auch eine Vielzahl von natürlichen Heilmitteln haben bereits Migränepatientinnen geholfen. Von Entspannungstechniken über Nahrungsmittelverzicht bis zur Psychotherapie, irgendetwas hilft auch dir bestimmt.

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