Zeckenbiss Das musst du bei einem Zeckenstich wissen

Spaziergang über eine Wiese mit hohem Gras
Vorsicht: Zecken lauern im Gras. Wenn sie warme Haut wittern, lassen sie sich darauf fallen. Besser, du bedeckst deine Beine! © Dudarev Mikhail / Shutterstock.com

Sie sehen nicht nur fies aus, sondern können auch richtig gefährlich werden: Zecken! Wir erklären, wie du dich schützt und was im Notfall zu tun ist

Am schönsten läuft es sich doch im Wald: Die Luft ist gut, der Boden federt und du hast deine Ruhe. Jedenfalls akustisch. Du bist allerdings nicht alein, auch wenn es so wirkt. Es wohnen Wesen im Wald, die auf dein Blut lauern.

Nein, es geht nicht um gefräßige Raubtiere. Aber: Im Gras oder Gebüsch bis in Höhen von etwa einem Meter können Zecken auf Beute warten. Wenn ihnen ein Tier oder Mensch so nahekommt, dass sie die Ausdünstungen der warmen Haut wittern, lassen sie sich fallen.

Pflückst du sie nicht schnell von der Haut ab, bohren sie sich mit ihrem Stachel in die Haut, um dein Blut zu saugen. Und dabei können so gravierende Krankheitserreger wie Borreliose oder FMSE übertragen werden. Damit es erst gar nicht so weit kommt, und was du im Falle eine Befalls tun musst, erklären wir hier:

Eine Zecke bohrt sich in die Haut
Zecken bohren sich in die Haut, meist ohne Schmerzen oder Juckreiz zu verursachen. © Tomasz Klejdysz / Shutterstock.com

Wie beugt man einem Zeckenstich vor?

Am besten beugst du einem Zeckenstich vor, indem du den Zecken keine Chance gibst, auf deine Haut zu gelangen.

  • Meide Unterholz, Gebüsch und hohes Gras im Wald
  • Trage beim Wandern oder längeren Spaziergängen festes Schuhwerk, lange Hosen und/oder Kniestrümpfe
  • An unbedeckten Körperstellen können Insekten-Repellents Zecken abschrecken. Das sind Gel-Roller mit ätherischen Ölen, die Insekten abschrecken
  • Anti-Zecken-Öl lässt sich ganz einfach selbst herstellen: Jeweils zehn Tropen Teebaumöl, Nelkenöl und Lavendelöl mit 30 Milliliter Jojobaöl vermischen

Was tun, wenn doch eine Zecke auf mir landet?

Sollte dennoch eine Zecke auf deinen Körper gelangt sein, sticht sie in der Regel nicht sofort zu, sondern krabbelt bis zu eineinhalb Stunden auf deinem Körper herum, um die schmackhafteste Einstichstelle zu finden. Zecken lieben besonders gut durchblutete Hautpartien: Kopfhaut, Ohren, Hals, Arm- und Kniebeugen, Leisten, Hände und Füße.

Nutze die Krabbelzeit, um nach dem Waldspaziergang deinen Körper nach den Tieren abzusuchen, noch bevor sie sich in die Haut gebohrt haben. Ärzte empfehlen die bekannten Fusselrollen, die sowohl krabbelnde Zecken als auch die klitzekleinen Nymphen (junge Zecken, die gerade einmal einen Millimeter messen) mit ihrem Klebstoff packen und entfernen.

Eine Frau läuft duch den Wald
Wenn du am liebsten mit freien Waden läufst, halte dich von hohem Gras fern und bleibe auf dem Wegen, um dir keine Zecke einzufangen © Izf / Shutterstock.com

Welche Symptome löst ein Zeckenstich aus?

Das Absuchen nach jedem Waldspaziergang ist deshalb so wichtig, weil ein Zeckenbiss in der Regel ohne Symptome einhergeht: Da die Zecke mit dem Einstechen in die Haut einen schmerzstillenden Stoff in die Wunde spritzt, tut der Stich in der Regel nicht weh, auch juckt er anfangs nicht. Ein Gerinnungshemmer, der ein Verstopfen des Stechrüssels verhindert, sorgt auch dafür, dass kein Blut fließt. Du kannst einen Stich deshalb nur erkennen, wenn die Zecke noch in der Haut steckt.

Während des Blutsaugens spuckt die Zecke immer wieder Unverdauliches in den Wirt zurück. Dabei gelangen jedoch möglicherweise auch Krankheitserreger, die die Zecke vorher aufgenommen hat, in die Wunde des Wirts. Hat die Zecke zum Beispiel Borreliose-Bakterien weitergegeben, bildet sich in etwa der Hälfte aller Fälle eine auffällige Rotfärbung der Haut rund um die Einstichstelle.

Zwei Wochen nach einem Zeckenstich können auch grippeähnliche Symptome und Fieber auftreten. Damit es nicht zu gravierenden Spätfolgen kommt, solltest du umgehend zum Arzt gehen.

Wie entferne ich eine Zecke?

Die Zecke steckt schon in deiner Haut? Jetzt nur die Ruhe bewahren und so schnell wie möglich diese Maßnahmen ergreifen:

  • Zecken verankern sich mit kleinen Widerhaken ihres Rüssels und einem Kleber in der Haut. Rechne also mit einem gewissen Widerstand beim Herausziehen. Dafür eignet sich eine spezielle Zeckenpinzette. Mit einer normalen Pinzette oder notfalls sogar den Fingernägeln funktioniert es in der Regel auch. Wichtig: Erfasse die Zecke so nah wie möglich über der Haut und zieh sie mit einem kontrollierten Ruck senkrecht aus der Haut. Entscheidend ist, die Zecke nicht zu zerquetschen.
  • Eine gute Alternative ist eine Zeckenkarte, mit der du die Zecke in einer Schiebebewegung so nah wie möglich an der Haut entfernst. Auch hier ist es wichtig, die Zecke vorsichtig zu lösen, um den gesamten Körper gleich beim ersten Versuch lösen zu können.
  • Bitte die noch in der Haut steckende Zecke nicht mit Alleskleber, Alkohol oder Öl beträufeln, sonst bleibt ihr die Luft weg und sie würgt ihre Verdauungssäfte in die Wunde. Das klingt nicht nur unappetitlich, sondern ist auch noch gefährlich. Schließlich sind gerade darin die gefährlichen Krankheitserreger enthalten.
  • Manche Ärzte raten, im Zweifelsfall die Zecke mit einer scharfen Schere abzuschneiden. Der schwarze Punkt, der in der Haut zurückbleibt, ist nicht der Kopf, sondern das Stechwerkzeug. Die Haut stößt es mit der Zeit von selbst wieder ab.

Wie behandle ich einen Zeckenbiss?

Die Einstichstelle solltest du nach dem Entfernen mit Wunddesinfektionsmittel desinfizieren. Mehr musst du nicht unternehmen. Wenn es sich um eine nicht-infizierte Zecke gehandelt hat, wirst du schon bald nichts mehr von dem Stich sehen.

Entsorge die Zecke anschließend nicht in der Toilette und wirf sie nicht aus dem Fenster, auch Zertreten bringt oft nichts. Die Biester sind verdammt widerstandsfähig. Am besten wickelst du sie in ein Stück Papier und zerdrückst sie dann mit einem harten Gegenstand. Achte darauf, nicht mit ihren Körperflüssigkeiten in Kontakt zu kommen.

Zecke mit Pinzette entfernen
Entferne eine Zecke mit einer Pinzette in einem kontrollierten Ruck nach oben, ohne sie zu zerquetschen. © Soleil Nordic / Shutterstock.com

Wann soll ich mit einem Zeckenstich zum Arzt?

Sobald sich nach einem Zeckenstich eine kreisförmige Rötung zeigt oder grippeähnliche Beschwerden auftreten – geh sofort zum Arzt! Da die Symptome der Borreliose oft mit Verzögerung auftreten, solltest du einen Zeckenstich mindestens vier Wochen im Auge behalten.

Welche Folgen kann ein Zeckenbiss haben?

Zu den am häufigsten von Zecken übertragenen Krankheiten gehört die Borreliose, eine durch Bakterien ausgelöste Infektionskrankheit, die schwere Schäden im Nervensystem, an den Gelenken und inneren Organen anrichten kann. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung. Wenn sie im Frühstadium entdeckt wird, kann sie gut mit Antibiotika behandelt werden. Können sich die Borrelien jedoch über längere Zeit im Körper ausbreiten, verursachen sie zum Teil schwere Langzeitschäden.

Hast du dir die Gehirnhautentzündung Frühsommer-Meningenzephalitis (FSME) eingefangen, folgen anfangs typische Grippe-Symptome. Allerdings können auch schwere Komplikationen wie Nervenschäden, Gehirnentzündung und Rückenmarkentzündungen auftreten. Einmal ausgebrochen, ist gegen die Virus-Infektion medikamentös nichts zu machen.

Allerdings kannst du dich vorbeugend gegen FSME impfen lassen. Das empfiehlt die Ständige Impfkommission denjenigen, die in FSME-Risikogebieten leben und dort viel in der Natur unterwegs sind. In Deutschland gehören die südlichen Bundesländer dazu, genaue Informationen findest du hier.

Spaziergang im Gras
Nach jedem Aufenthalt im hohen Gras sollten man seinen Körper auf Zecken absuchen. © Dudarev Mikhail / Shutterstock.com

Zeckenbisse kommen häufiger vor als du denkst. Leider bleiben sie oft unbemerkt und das macht sie so gefährlich. Immerhin glauben Mediziner, dass jeder fünfte der insgesamt 4 Millionen deutschen Schmerzpatienten sein Leiden einem unbemerkten oder verharmlosten Zeckenstich zu verdanken hat. Selbst Jahre nach der Infektion kann es noch zu Gelenkentzündungen, Immunschäden, Blutarmut, Muskelentzündungen, Harnsäurestörungen – sogar zu einer Form von Leukämie kommen.

Zeckenbisse können gefährlich sein, und infizierte Zecken breiten sich immer mehr aus. Deshalb solltest du in der Natur stets auf geschlossene Kleidung achten und deinen Körper nach jedem Aufenthalt im Gelände nach Zecken absuchen. Falls du eine findest, handle schnell. Worauf du dabei achten musst, hast du hier erfahren.

Mehr Infos zum Thema Zecken findest du unter www.zecken.de

18.07.2019| Linda Babst / Christine Naefeke © womenshealth.de
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