Pille absetzen in 5 Schritten: Das passiert, wenn Sie die Pille nicht mehr nehmen

Das passiert, wenn Sie die Pille absetzen
Sie wollen die Pille absetzen, sind aber unsicher, welche Konsequenzen das für Ihren Körper haben wird? © AnastasiaNess / Shutterstock.com

Die Pille absetzen ist Pillepalle? Von wegen! Wir klären, was wirklich mit Zyklus, Gewicht und Laune passiert, wenn der externe Taktgeber wegfällt

Haben Sie sich auch schon mal gefragt, ob ihr Körper das permanente Einwerfen synthetischer Hormone wirklich so leicht wegsteckt und was wohl passieren würde, wenn Sie einfach damit aufhören? Allein in Deutschland verhüten etwa 7 Millionen Frauen mit der Pille. Wurde sie in den 1960er-Jahren noch als Symbol der weiblichen Selbstbestimmung gefeiert, hat ihr Ruf inzwischen stark gelitten. Denn die Liste der Nebenwirkungen ist lang und die Studienlage erdrückend.

Gefährlichste Nebenwirkung der Pille: die Entstehung von Thrombosen, die zu gefährlichen, manchmal sogar tödlichen Embolien führen können. Bei Pillennutzerinnen steigt die Zahl der Thrombosen deutlich an: Mit der Antibabypille der 2. Generation (etwa Evaluna oder Femigoa) sind es rund 20 von 100. 000 Frauen. Und bei denen, die Präparate der 3. und 4. Generation (etwa Mayra, Yasmin oder Valette) schlucken, verdoppelt sich das Risiko noch einmal. Zum Vergleich: Bei den Frauen, die nicht-hormonell verhüten, sind es 'nur' 10 von 100. 000 Frauen, die eine Thrombose bekommen, so eine Studie, die im deutschen Ärzteblatt erschienen ist.

Auch die Wahrscheinlichkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Depressionen ist für Frauen, die mit der Pille verhüten, höher. Ein internationales Forscherteam stellte kürzlich fest, dass die Pille schon nach knapp 3 Monaten einen negativen Einfluss auf das Wohlbefinden von Frauen hat. In der Studie gaben die Frauen an, sich weniger schwungvoll und energiegeladen zu fühlen und ihre Emotionen weniger im Griff zu haben.

6 mögliche Folgen, wenn Sie die Pille absetzen

Obwohl viele Frauen immer wieder darüber nachdenken, die tägliche Hormonzufuhr zu stoppen, sind sie sich unsicher, welche Konsequenzen das für ihren Körper haben wird. Schließlich haben sie jahrelang von den positiven Nebenwirkungen wie der regelmäßigeren Periode, reiner Haut und vollem Haar profitiert. Wir klären, welche Bedenken unbegründet sind und mit welchen Folgen sie tatsächlich rechnen sollten:

1. Die Periode wird unregelmäßiger

Nach dem Absetzen der Pille ist vor allem die Regelmäßigkeit der Periode ein großes Thema: "Der natürliche Zy­klus muss erst mal wieder in Gang kommen", sagt Gynä­kologin Dr. Ursula Sottong. "Etwa ein Drittel der Frauen hat nach dem Absetzen der Pille unregelmäßige Zyklen." Denn obwohl sie die Pille nicht mehr nehmen, sind sie nicht sofort clean: "Die Hormone der Pille lagern sich in den Fettzellen des Körpers ein und werden nach dem Absetzen erst nach und nach abgebaut." Und das dauert seine Zeit: Es kann durchaus sein, dass die Periode wochenlang gar nicht kommt. Wer jedoch 3 Monate nach dem Absetzen immer noch keine Blutung hatte, sollte zum Arzt gehen.

2. Sie werden emotionaler

Dass Sie die Pille abgesetzt haben, kriegen Ihre Liebsten womöglich als Erstes zu spüren – auch wenn Sie ihnen kein Wort gesagt haben. Denn fällt der Einfluss der Pille weg, hat das auch Auswirkungen auf Ihre Stimmung. Warum? Weil der natürliche weibliche Zyklus von Hormonen gesteuert wird, deren Konzentration im Verlauf des Zyklus schwankt: In der ersten Hälfte steigt der Östrogenspiegel bis zum Eisprung stetig an, danach übernimmt Progesteron die Kontrolle – und beide haben einen unterschiedlichen Einfluss auf die Stimmung.

Durch die Einnahme einer Kombi-Pille (häufigster Pillentyp) bleibt der Hormonpegel da­gegen während des gesamten Zyklus gleich. Denn die täglich gelieferten Hormone Östrogen und Gestagen legen den natürlichen Zyklus praktisch lahm. Setzen Sie die Pille ab, fällt entsprechend der konstante Hormonspiegel weg – und die Stimmungsschwankungen sind wieder da. Der Verzicht auf die Pille kann Ihnen aber auch wahre Glücksgefühle bescheren, weil Sie emotionale Höhen intensiver wahrnehmen: "Vor allem kurz vor dem Eisprung ist es sehr gut möglich, dass Sie sich besonders gut fühlen", erklärt Dr. Katrin Schaudig vom Hormonzentrum Hamburg.

3. Sie bekommen unreine Haut und Haarausfall

Die Pille sorgt ja nicht nur dafür, dass die Verhütung safe ist, sondern auch, dass das Gesicht rein ist. Weil in der Zeit der Pilleneinnahme das männliche Hormon Testosteron unterdrückt wird und der Östrogenspiegel sehr hoch ist, sind reine Haut und volles Haar die beliebte Nebenwirkungen der Pille. Fällt der Östrogenspiegel nach dem Absetzen nun aber ab, fällt leider etwas anderes aus: "Ziemlich genau 3 Monate nach dem Absetzen haben viele Frauen kurzzeitig Haarausfall", so Schaudig.

Denn durch den hohen Östrogenspiegel dank Pille werden mehr Haare als üblich in der Wachstumsphase gehalten. Mit dem Absetzen der Pille fällt der Östrogenspiegel plötzlich ab – und der Körper schickt die Haare von der Wachstums- in die Ruhephase, in der sie noch etwa 3 Monate bleiben, bevor sie ausfallen. Die gute Nachricht: "Innerhalb von 1 bis 2 Mo­naten normalisiert sich der Haarwuchs von allein."

Tschüss, Pille! Hallo, Lust!
Kopfschmerzen und keine Lust auf Sex sind noch die harmlosen Nebenwirkungen der Pille. © AnastasiaNess / Shutterstock.com

4. Die Lust auf Sex steigt

Der Testosteronmangel hat auch sein Gutes: Da das männliche Hormon bei vielen Pillennutzerinnen die Libido eingeschränkt hat, kommt nach dem Absetzen der Pille auch die Lust auf Sex zurück.

5. Sie verlieren Gewicht

Abnehmen, ohne etwas dafür zu tun? Klappt! "Das Östrogen der Pille kann 1 bis 2 Kilo Wasser im Körper binden", so Schaudig. Diese Wassereinlagerungen verschwinden nach dem Absetzen von allein.

6. Sie können schwanger werden

Klingt banal, aber wer sich jahrelang keine Sorgen um eine mögliche Schwangerschaft machen musste, sollte nach dem Absetzen der Pille besonders vorsichtig sein, denn: "Direkt nach dem Absetzen ist die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, besonders hoch", sagt Dr. Schaudig. Das liegt auch daran, dass die Ex-Pillennutzerinnen mit Ihrer neuen Verhütungsmethode oft noch nicht so geübt sind.

Sollte ich die Pille wirklich absetzen?

Diese Frage muss jede Frau für sich selbst entscheiden. Wenn Sie die Pille nach Jahren absetzen, bedeutet das für den Körper eine gravierende hormonelle Umstellung – und die sind im Leben einer Frau zwischen Pubertät und Wechseljahren eher selten. "Deshalb gibt es für mich nichts Spannenderes als die Phase nach dem Absetzen der Pille. Viele Frauen lernen die eigene Biologie erst dann richtig kennen und sind zum ersten Mal wirklich mit ihrer Fruchtbarkeit konfrontiert", sagt Dr. Sottong. Deshalb sollte die Entscheidung, die Pille abzusetzen, nicht gedankenlos getroffen werden: Schaudig rät dringend davon ab, kurze Pillenpausen einzulegen "nur um mal zu gucken wie es ist". Denn in den ersten 6 bis 12 Monaten der Einnahme ist das Thromboserisiko am höchsten.

Pille absetzen in 5 Schritten
Wer die Pille absetzen möchte, sollte ein paar wesentliche Dinge beachten, um die Umstellung für den Körper möglichst schonend zu gestalten. © AnastasiaNess / Shutterstock.com

Pille absetzen in 5 Schritten

Sie wollen die Pille absetzen, wissen aber nicht, wie Sie es am geschicktesten anstellen? Wir helfen Ihnen dabei, die Pilleneinnahme kontrolliert zu stoppen:

Pille absetzen – Schritt 1: Gehen Sie für ein Check-up zum Arzt

Idealerweise sollten Sie erst einmal Ihren Gynäkologen aufsuchen, um sich über alternative Verhütungsmethoden zu informieren. Vielen jungen Frauen wird die Pille verschrieben, weil sie besonders strake oder unregelmäßige Blutungen hatten. Wenn Sie die Pille also nicht als reine Verhütungsmethode genutzt haben, dann stellen Sie sich sicherheitshalber darauf ein, dass frühere Zyklusunregelmäßigkeiten zurückkehren.

Pille absetzen – Schritt 2: Suchen Sie sich eine alternative Verhütungsmethode

Wer die Pille absetzt, aber noch keinen akuten Kinderwunsch hat, sollte sich frühzeitig mit der Frage auseinandersetzen, wie die Verhütung in Zukunft ablaufen soll. Manche hormonfreie Methoden brauchen ein wenig Übung. „Jede Form der Verhütung - auch Pille oder Kondom - ist nur sicher, wenn sie richtig anwendet wird. Je erfahrener Sie damit sind, desto besser“, erklärt Sottong.

Pille absetzen – Schritt 3: Setzen Sie nun die Pille ab

Wie man die Pille absetzt, ist selbsterklärend: Hören Sie einfach auf jeden Tag die kleine Filmtablette einzuschmeißen. Bevor Sie den Eierstöcken die Kontrolle überlassen, sollten Sie die letzte Packung sollten aber noch zu Ende nehmen. Wenn Sie mittendrin mit der Pille aufhören, bekommen Sie womöglich Zwischenblutungen und Ihr Hormonhaushalt kommt aus dem Gleichgewicht.

Pille absetzen – Schritt 4: Gönnen Sie Ihrem Körper eine Pause

Manche Frauen fühlen sich nach dem Absetzen der Pille wie auf einer Achterbahnfahrt oder zurück in ihre Jugend versetzt: stärkere Perioden, schmerzhafte Krämpfe, vielleicht sogar Stimmungsschwankungen und Pickel können die Folge sein. Umgekehrt kann das aber auch bedeuten, dass viele Symptome, die Sie während Ihrer Pillen-Zeit erlebt haben, jetzt verschwinden. Zum Beispiel schmerzende Brüste, Kopfschmerzen, Schwindelgefühle und Zwischenblutungen. Welche Nebenwirkungen tatsächlich auftreten, ist sehr individuell.

Pille absetzen – Schritt 5: Behalten Sie alles im Blick

Geben Sie Ihrem Körper nach dem Absetzen der Pille etwas Zeit, um sich umzustellen. Der natürliche Zyklus muss erst wieder richtig in Fahrt kommen. Zyklus-Apps wie Ovy oder MyCycles können dabei helfen, Ihren Menstruationszyklus besser zu dokumentieren und neben der Periode auch andere Symptome zu beobachten. Wenn Sie nach 3 Monaten immer noch nicht regelmäßig Ihre Tage bekommen oder andere Unannehmlichkeiten feststellen, gehen Sie auf jeden Fall noch einmal zum Arzt, um Ihren Hormonhaushalt überprüfen zu lassen.

Erfahrungsbericht: Pille absetzen
Kann es wirklich gesund sein, jeden Tag synthetische Hormone zu schlucken? © AnastasiaNess / Shutterstock.com

Erfahungsbericht: So fühlt es sich an, die Pille abzusetzen

Wie für viele Frauen war es für mich völlig selbstverständlich, täglich Hormone zu schlucken. Nach über 10 Jahren kannte ich es gar nicht mehr anders – und eigentlich kannte ich auch meinen eigenen Körper nicht. Mit der Pille war mein Zyklus zwar regelmäßig, die Periode weniger schmerzhaft, aber ich fühlte mich irgendwie matt und unglücklich und wusste nicht, warum. Ich hatte schon öfter wegen mangelnder Lust die Pille gewechselt, allerdings ohne wirklichen Erfolg. Dann stoppte ich die tägliche Hormonzufuhr – und alles änderte sich!

Schon in den ersten Wochen fühlte ich mich befreiter. Ich entwickelte ein viel besseres Gespür für meinen Körper. Gleichzeitig bekam ich aber auch die ganze Wucht meiner Fruchtbarkeit zu spüren: Klagten Freundinnen früher über PMS, hielt ich das immer für übertrieben – ich hatte ja keine Ahnung, wie sie sich fühlten!

Die ersten Monate kam meine Periode ziemlich zuverlässig, doch dann geriert alles durcheinander. Manchmal wartete ich 6 bis 7 Wochen auf meine Tage – und wurde natürlich total nervös. Schwangerschaftstest (negativ), Arztbesuch, das volle Programm. Doch meine Gynäkologin gab Entwarnung: „Keine Sorge, Sie ovulieren.“

Seitdem beobachte ich meine Zyklussymptome sehr genau, und es ist faszinierend, meinen Körper in den verschiedenen Phasen wahrzunehmen. Entweder fühle ich mich supersexy (vor dem Eisprung) oder mega ugly (kurz vor der Periode). Und ich gebe gern zu: Das kann ganz schön anstrengend sein! Aber es ist ein gutes Gefühl zu wissen, wie der eigene Körper tickt, und zu merken, wie sich die hormonelle Balance wieder einstellt.

Einen super-durchschnittlichen 28-Tage-Zyklus hatte ich übrigens auch nach 8 Monaten noch nicht. Dafür aber immerhin mehr das Gefühl, ich selbst zu sein. Und wenn es das nicht wert ist, was dann?!

26.07.2017| © womenshealth.de
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