Eileiterschwangerschaft So erkennen Sie Anzeichen einer Eileiterschwangerschaft

Positiver Schwangerschaftstest, starke Bauchschmerzen? Könnte eine Eileiterschwangerschaft sein! © Antonio Guillem / Shutterstock.com

Sie sind schwanger, haben aber massive Schmerzen im Unterleib? So erkennen Sie, ob die Ursache eine Eileiterschwangerschaft ist

Die Periode bleibt aus, der folgende Schwangerschaftstest ist positiv, doch dann bekommen Sie plötzlich schlimme Unterleibsschmerzen. In so einem Szenario stellt die Frauenärztin oft die Diagnose: Eileiterschwangerschaft. Das ist häufig ein Schock, denn so eine Schwangerschaft muss frühzeitig abgebrochen werden, sonst kann es zu lebensbedrohlichen Komplikationen für die Frau kommen.

Doch wie entsteht so eine untypische Schwangerschaft, und wie wird Sie behandelt? Können Sie danach nochmals Kinder bekommen? Die Frauenärztin Dr. Irina Aurang von der Frauenarztpraxis Heilwigstraße in Hamburg erklärt Ihnen, was bei einer Eileiterschwangerschaft passiert.

Was passiert bei einer Eileiterschwangerschaft?

Im Normalfall läuft es so: Im Eierstock, dem kugelförmigen Organ an beiden Seiten neben der Gebärmutter, wächst jeden Monat eine Eizelle heran. Wenn sie ausgereift ist, "springt" sie vom Eierstock in den danebenliegenden Eileiter, der wie ein Schlauch zum Uterus führt, deshalb ist diese Phase als Eisprung bekannt. Im Eileiter kann die Zelle von einem Spermium befruchtet werden, und die Wände des Eileiters transportieren sie dann zur Gebärmutter, wo sie sich einnisten und wachsen kann.

"In etwa 2 Prozent aller erkannten Schwangerschaften schafft die Eizelle es aber nicht bis in den Uterus und nistet sich in anderen Bereichen an", beschreibt die Frauenärztin Dr. Ingela Aurang. In den meisten dieser Fälle bleibt die Zelle dann im Eileiter, und es entsteht eine Eileiterschwangerschaft. In sehr seltenen Fällen wandert sie auch zurück, dann handelt es sich jeweils um eine Eierstock- oder eine Bauchhöhlenschwangerschaft.

Das Problem: Der Eileiter ist nicht für eine Schwangerschaft ausgelegt und kann sich weder ausdehnen noch die befruchtete Eizelle versorgen. Eine solche Extrauteringravidität (Fachbegriff, von lat. extra = außerhalb, uterus = Gebärmutter, Gravidität = Schwangerschaft) oder genauer Tubargravidität (lat. tuba = Röhre) endet deshalb immer frühzeitig mit einem Abbruch.

Graphische Darstellung eines Embryos, das sich im Eileiter eingenistet hat. © Timonina / Shutterstock.com

Ist eine Eileiterschwangerschaft gefährlich?

Ja, das ist sie. Denn auch wenn die Eizelle es nicht aus dem Eileiter herausschafft, beginnt der Körper erst einmal sein normales Programm: Die Periode bleibt aus, in der Gebärmutter bildet sich sogar manchmal eine Fruchtblase und die befruchtete Zelle teilt sich und wächst. Nur tut sie das am falschen Ort!

Zu Beginn hat eine Eileiterschwangerschaft erst einmal keine spezifischen Symptome. Wird sie aber nicht behandelt, halten die Wände des Eileiters der wachsenden Belastung irgendwann nicht mehr stand und können reißen. "Dabei kann es zu starken Blutungen in der Bauchhöhle kommen, die Sie nicht unbedingt spüren, die aber einen enormen Blutverlust und akute Lebensgefahr bedeuten", erklärt Aurang. Vor allem ab der 8. Schwangerschaftswoche können solche Komplikationen auftreten, in dem Fall muss sofort notoperiert werden.

"Schwangere können leider eine Extrauteringravidität oft nicht selbst rechtzeitig erkennen, ein Arzt kann sie aber durch einen Ultraschall oder begleitende Bluttests relativ leicht feststellen", beschreibt Aurang. Glücklicherweise werden die Untersuchungsmethoden immer besser, außerdem gehen Frauen bei einem Verdacht auf Schwangerschaft inzwischen oft früher zum Arzt, deshalb werden ernste Komplikationen immer seltener, und die Frauen können heutzutage besser behandelt werden.

Woran erkenne ich eine Eileiterschwangerschaft?

Vor allem an plötzlichen massiven Bauchschmerzen. Egal ob bei Ihnen eine Schwangerschaft festgestellt wurde oder Ihre Periode länger ausgeblieben ist, Sie aber bisher nicht beim Frauenarzt waren: Wenn Sie plötzlich starke Bauchschmerzen bekommen, sollten Sie das immer so schnell wie möglich untersuchen lassen! Ab dem zweiten Monat der Schwangerschaft kann es nämlich passieren, dass Ihr Eileiter reißt und Sie viel Blut verlieren. Kommt zu den Bauchschmerzen außerdem Kurzatmigkeit, Kaltschweiß oder Herzrasen dazu, müssen Sie schnellstmöglich in die Notaufnahme!

Eileiterschwangerschaften erkennen Sie an massiven Bauchschmerzen. © ESB Professional / Shutterstock.com

Welche Ursachen kann eine Eileiterschwangerschaft haben?

Es gibt verschiedene Gründe, warum die Eizelle es nicht in die Gebärmutter schafft. "Manchmal passiert das spontan und ohne Grund, häufig ist die Ursache aber eine Verengung des Eileiters", beschreibt Aurang. Folgende Faktoren können laut der Ärztin das Risiko für eine extrauterine Schwangerschaft erhöhen:

  • Ihr Alter und künstliche Befruchtungen: Die Zahl der Eileiterschwangerschaften ist in den letzten Jahren gestiegen, was unter anderem daran liegt, dass Frauen zum einen später Kinder bekommen und zum anderen deshalb auch häufiger künstlich befruchtet werden oder im Voraus eine Hormonstimulation bekommen.
  • Funktionelle Störungen im Eileiter: Sowohl die Form als auch die Aktivität des Eileiters können den Weg Eizelle zur Gebärmutter verhindern. Bei manchen liegt eine angeborene Verengung im Organ vor, aber auch OPs im Bauchraum können die Anatomie des Eileiters verändern. "Bei einigen Frauen kann auch die Bewegungsfähigkeit oder Motilität der Eileiterwände eingeschränkt sein, dann wird die Eizelle nicht richtig weitertransportiert", erklärt die Gynäkologin.
  • Infektionen des Unterleibs: Bei Infektionen und anderen Entzündungen schwillt das umliegende Gewebe an, auch im Unterleib. "Vor allem die Geschlechtskrankheit Chlamydien führt zu einer Verengung und Verwachsung der Eileiter und kann deshalb langfristig unfruchtbar machen", warnt Aurang. Auch Endometriose oder Tuberkulose können den Eileiter verändern. "HPV steht dagegen in keinem Zusammenhang mit extrauterinen Schwangerschaften", so die Ärztin.
  • Schwangerschaftsabbrüche: Eine Abtreibung kann in manchen Fällen zu einer Infektion oder Verletzung des Unterleibs führen. Dadurch kann das Gewebe vernarben oder verwachsen und auch die Funktion des Eileiters kann eingeschränkt werden. "Vor allem, wenn Sie bereits eine Schwangerschaft in einem der beiden Eileiter hatten, ist das Risiko bei einer erneuten Befruchtung auf beiden Seiten erhöht", beschreibt Aurang.
  • Sie verhüten mit einer Spirale: Auch wenn Sie mit einer Spirale verhüten, erhöht sich Ihr Risiko für eine Eileiterschwangerschaft leicht. "Etwa 5 Prozent aller Schwangerschaften, die trotz einer Spirale passieren, liegen außerhalb des Uterus", so Aurang. Aber: Die Wahrscheinlichkeit, überhaupt mit einer Kupferspirale schwanger zu werden, liegt bei unter 1 Prozent, bei Hormonspiralen und Kupferketten ist es noch weniger.

Wenn Sie einen oder mehrere dieser Faktoren bei sich feststellen, müssen Sie trotzdem keine Angst haben. Die Wahrscheinlichkeit für eine Eileiterschwangerschaft ist immer noch nicht besonders hoch. Sie sollten dann aber besonders aufmerksam sein. Schildern Sie Ihrem Frauenarzt auf jeden Fall diese Faktoren und Ihre Bedenken, dann können Sie bei einer Schwangerschaft schnell daraufhin untersucht werden.

Bei starken Unterleibsschmerzen immer eine gynäkologische Praxis aufsuchen! © Africa Studio / Shutterstock.com

Was kann ich bei einer Eileiterschwangerschaft tun?

Egal, ob Sie ein erhöhtes Risiko für eine Eileiterschwangerschaft haben oder nicht: Wenn Sie den Verdacht haben, schwanger zu sein, sollten Sie immer erst einmal einen Schwangerschaftstest machen. Auch extrauterine Schwangerschaften werden bei dem Test erkannt, und bei einem positiven Ergebnis sollten Sie sowieso immer zum Arzt. Wenn der eine zu kleine oder gar keine Fruchtblase im Ultraschall sieht oder bei einem Bluttest eine zu geringe Konzentration des Schwangerschaftshormon HCG feststellt, werden Sie intensiver beobachtet. Manchmal sind Frauen dann auch einfach nicht so lange schwanger, wie sie gedacht haben, aber es kann auch sein, dass die Eizelle dann außerhalb der Gebärmutter wächst. In dem Fall müssen Sie sich auf die folgenden Schritte einstellen:

  1. Die Schwangerschaft wird abgebrochen: Es soll einige wenige Fälle gegeben haben, wo ein Fötus in einer Bauchhöhlenschwangerschaft überlebt hat, das ist aber die absolute Ausnahme. Bei allen anderen extrauterinen Schwangerschaften, also auch im Eileiter, ist der Embryo niemals lebensfähig und stellt ein sehr hohes Risiko für die Mutter dar. Deshalb sollten Sie schnell handeln und die Schwangerschaft auf irgendeine Weise abbrechen lassen.
  2. Sie werden regelmäßig untersucht: Zu Beginn muss festgestellt werden, wie weit die Schwangerschaft ist und wie Sie behandelt werden. "Eine OP wird immer versucht zu vermeiden, damit im besten Fall der Eileiter erhalten werden kann und damit die Chancen auf eine spätere gesunde Schwangerschaft erhöht werden", beschreibt die Gynäkologin. Auch bei der anschließenden Behandlung werden Sie beobachtet und regelmäßig untersucht.
  3. Sie bekommen Medikamente: Wenn Sie in einem guten gesundheitlichen Zustand sind und der Eileiter noch intakt ist, kann das Medikament Methotrexat eingesetzt werden. "Das ist ein sehr starkes Medikament, das aber dafür sorgt, dass der Eileiter nicht weiter beschädigt wird und die Fruchtanlage abtransportiert wird", erklärt Aurang.
  4. Sie werden operiert: Wenn es zu spät für eine medikamentöse Behandlung ist, etwa weil der Embryo zu groß ist oder der Eileiter bereits beschädigt ist, müssen Sie in den OP. "Es wird immer versucht, den Eileiter nicht zu beschädigen oder zu verändern, aber nach dem Eingriff bleibt immer ein Restrisiko, dass bei späteren Schwangerschaften ebenfalls Komplikationen auftreten", so die Frauenärztin.
  5. Holen Sie sich Unterstützung: Komplikationen in der Schwangerschaft können sehr belastend sein, Sie müssen das aber nicht allein durchstehen. Sprechen Sie mit Vertrauten oder fragen Sie Ihren Gynäkologen nach einer psychologischen Betreuung, wenn Sie Unterstützung brauchen, um das Ereignis zu verarbeiten.
Meist können Sie trotz früherer Eileiterschwangerschaft später gesund schwanger werden. © Africa Studio / Shutterstock.com

Kann ich nach einer Eileiterentzündung wieder schwanger werden?

Grundsätzlich ja. Bei späterem Kinderwunsch sollten Sie sich aber zuvor ärztlich beraten lassen. Auch nach einer Eileiterschwangerschaft können Sie noch Kinder kriegen, sofern mindestens einer der beiden Eileiter noch intakt ist. "Das Risiko für eine neuerliche Eileiterschwangerschaft auf der anderen Seite ist dann aber erhöht", warnt Aurang. Auch wenn Sie sich künstlich befruchten lassen, steigt die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen. Wenn Sie also ein Kind bekommen wollen, lassen Sie sich unbedingt ärztlich beraten und frühzeitig untersuchen.

Eine Eileiterschwangerschaft lässt sich schnell erkennen und gut behandeln. Wichtig ist, dass Sie frühzeitig ärztlichen Rat suchen, wenn Sie das Gefühl haben, dass mit Ihrem Unterleib irgendetwas nicht stimmt. Denn eine frühzeitige Behandlung verbessert die Chancen auf eine spätere gesunde Schwangerschaft und rettet im Ernstfall Ihr Leben.

16.04.2019| Tove Hortmann © womenshealth.de
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