Histaminintoleranz Ist es eine Nahrungsmittel-Unverträglichkeit?

Woran kann ich erkennen, dass ich an einer Histaminintoleranz leide? Wir sagen's Ihnen
Kurz am Wein genippt, und wieder Bauchweh? Eine Histaminintoleranz könnte der Grund sein. © RomanSamborskyi / Shutterstock.com

Wenn Lebensmittel bei Ihnen fiese Beschwerden auslösen, kann eine Histaminintoleranz dahinterstecken. Wir erklären die Symptome und was dagegen hilft

Freude und Leid liegen bei manchen Erkrankungen sehr nah beieinander. Ein Glas Rotwein oder eine Portion Mousse au Chocolat sind ein Genuss – oder ein Grauen: Für Menschen mit einer Histaminintoleranz bedeuten diese Leckereien leider oftmals Atemnot, Migräne oder Bauchgrummeln. Hier die wichtigsten Fakten zu dieser Form der Nahrungsmittelunverträglichkeit:

Was ist eine Histaminintoleranz?

Es ist eine Reaktion ähnlich wie bei einer Allergie. Histamin ist allerdings ein körpereigener Stoff – ein so genanntes biogenes Amin – der als Botenstoff im Körper vielfältige Funktionen erfüllt und zum Beispiel eine wichtige Rolle bei Allergien spielt. Histamin steckt zudem in allerlei Lebensmitteln, wodurch Sie täglich zusätzliches Histamin aufnehmen.

Die Ernährungspädagogin Doris Paas aus Troisdorf erklärt: "Das Enzym Diaminoxidase – oder kurz DAO – baut überschüssiges Histamin normalerweise im Körper ab. Bei einer Unverträglichkeit gegenüber Histamin ist die DAO-Aktivität allerdings eingeschränkt, oder es ist zu wenig DAO vorhanden."

Histaminhaltige Lebensmittel wie Salami, Wein oder Kakao können dann zu einer pseudoallergischen Reaktion führen. "Da Histamin eine entscheidende Rolle bei allergischen Beschwerden spielt, gleichen die auftretenden Symptome denen einer Allergie. Aus diesem Grund wird die Histaminintoleranz, die eigentlich zu den Nahrungsmittelunverträglichkeit zählt, auch als so genannte Pseudoallergie bezeichnet", erläutert Doris Paas.

Wie erkenne ich, dass ich an einer Histaminintoleranz leide?

Bauchschmerzen sind eines der Symptome der Histaminintoleranz
Migräne ist ein mögliches der Symptom der Histaminintoleranz. © RomanSamborskyi / Shutterstock.com

Eine Histaminintoleranz eindeutig zu erkennen, ist ziemlich schwierig, denn die Liste möglicher Symptome ist lang. Einige Mediziner stehen wegen der diffusen Symptomatik der Erkrankung grundsätzlich skeptisch gegenüber oder zweifeln gar an, dass es sie gibt. Andere wiederum sind davon überzeugt, weil es für viele Symptome ihrer Einschätzung nach keine bessere plausible Erklärung gibt.

Ernährungsexpertin Doris Paas, die in Ihrer Praxis auch zur Histaminintoleranz berät, erklärt: "Es können neben typischen Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall auch allergieähnliche Beschwerden wie Juckreiz, Ausschlag, geschwollene Augen und laufende Nase auftreten. Auch Atembeschwerden, Kopfschmerzen (bis hin zu Migräne), Pulsrasen und Schlafstörungen sind nicht selten."

Die Beschwerden können direkt nach dem Essen eintreten oder zeigen sich (leider häufig) erst einige Stunden später. Meist braucht es einige Zeit, um den Zusammenhang zwischen den Symptomen (z. B. Pusteln im Gesicht) und dem Auslöser (z. B. ein Stück Schokolade, das Sie vor 5 Stunden gegessen haben) zu entdecken.

Welche Symptome hat eine Histamin-Unverträglichkeit?

Die Symptome sind wie erwähnt vielfältig und betreffen sowohl den Magen-Darm-Trakt als auch die Haut und das Herz-Kreislaufsystem und machen auch weitere diffuse Beschwerden:

a) Magen-Darm-Beschwerden

  • Durchfälle
  • Bauchschmerzen
  • Blähungen
  • Sodbrennen
  • Erbrechen
  • Übelkeit

b) Symptome der Haut

  • Nesselsucht /-fieber
  • Hautrötungen („Flush“)
  • Schwellungen der Augenlider
  • Ekzeme
  • Quaddeln
  • Juckreiz

c) Herz-/Kreislaufbeschwerden

  • Herzrasen
  • Herzstolpern
  • Herzrhythmusstörungen
  • niedriger Blutdruck (Hypotonie)

d) Weitere Symptome

  • Kopfschmerzen / Migräne
  • Schlafstörungen
  • Gliederschmerzen
  • Laufende oder verstopfte Nase
  • Asthma
  • Blasen-/ Harnröhrenentzündung
  • verstärkte Regelbeschwerden
  • Heißhunger
  • Seekrankheit

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Mit einem Ernährungstagebuch können Sie der Histaminintoleranz auf die Schliche kommen
Ein Ernährungstagebuch kann die Diagnose erleichtern. © Svitlana Sokolova / Shutterstock.com

Leider gibt es bislang keinen Standard-Test zum Nachweis einer Histaminintoleranz. Die Bestimmung der DAO-Aktivität im Blut oder ein spezieller Urin-Test können erste Hinweise liefern, sind allein aber nicht aussagekräftig.

Die Expertin ergänzt: "Es ist schwer, einer Histaminintoleranz auf die Schliche zu kommen. Die vielen und zum Teil sehr diffusen Symptome erschweren die Diagnose." Hinzu kommt, dass es nicht nur 'das' Nahrungsmittel gibt, das histaminreich oder histaminarm ist und somit ein direkter Zusammenhang hergestellt werden kann. Durch längere Lagerung oder Gärprozesse können Lebensmittel, die im frischen Zustand noch relativ histaminarm waren, vollkommen unverträglich werden und Beschwerden auslösen.

Um den Übeltätern auf die Schliche zu kommen, sollten Sie ein Ernährungs- und Symptomtagebuch anlegen. "Treten bei bestimmten Nahrungsmitteln – besonders bei Rotwein, Hartkäse und Räucherwaren – wiederholt Beschwerden auf, liegt der Verdacht auf eine Histaminintoleranz schon sehr nahe", erklärt die Ernährungspädagogin. "Jetzt muss vor allem mit der gründlichen Aufnahme der Anamnese (Krankenvorgeschichte) versucht werden, die Beschwerden zu benennen und verschiedene andere Ursachen auszuschließen (Ausschlussdiagnose)."

Ein Ernährungstagebuch kann auf dem Weg zur Diagnose entscheidend sein. Auch ein Provokationstest kann "Beweise" liefern: Versuchen Sie 2 Wochen histaminarm zu essen – werden die Beschwerden weniger, ist das ein gutes Indiz.

Was tun, wenn ich an Histaminintoleranz leide?

Paas, Expertin für verschiedene Formen der Nahrungsmittelunverträglichkeit, bringt es auf den Punkt: "Um Beschwerden bei einer Histaminintoleranz vorzubeugen, sollten Sie sich so histaminarm wie möglich ernähren." Leider ist die Liste an histaminhaltigen Lebensmitteln ziemlich lang.

Zu den "Histamin-Bomben" zählen zum Beispiel: Wein (besonders Rotwein), lange gereifte Wurst und Käse, Konserven (insbesondere Fleisch- und Fisch-Konserven), aber auch Räucherwaren und eingelegtes Gemüse (Sauerkraut). "Hülsenfrüchte (z.B. Bohnen und Soja), Ananas, Erdbeeren und Kakao enthalten selbst zwar kein Histamin, setzen es aber im Körper frei und sollten daher ebenfalls vermieden werden", warnt die Expertin.

In der Tabelle unten haben wir eine Liste von geeigneten und weniger geeigneten Lebensmitteln für Menschen, die unter Histaminintoleranz leiden, zusammengestellt. Nicht erschrecken: Trotz der vielen Verbote gibt es noch genug leckere Alternativen, die Sie bei einer Histaminintoleranz genießen können.

Spezielle Kochbücher mit Rezeptideen und Anregungen für eigene Kreationen sind eine gute (Start-)Hilfe. Eine Ernährungs- oder Gesundheitsberaterin kann Ihnen außerdem helfen, Ihre Ernährung umzustellen und zeigt Ihnen, auf welche Details (z. B. auf Verpackungen) Sie ab sofort achten müssen.

Was kann ich mit Histaminallergie noch essen?

Frisch zu kochen ist bei einer Histaminintoleranz das A und O
Der Frische-Faktor der Lebensmittel spielt bei der Verträglichkeit eine große Rolle. © RomanSamborskyi / Shutterstock.com

Die Faustregel lautet: Frisches auf den Tisch! Darum empfiehlt Doris Paas, vor allem frische Lebensmittel (mit Ausnahme der vorher genannten) wie Obst und Gemüse, Milchprodukte, Fleisch und fangfrischen Fisch zu essen. Leider gibt es aber auch hier noch Ausnahmen von der Regel, denn einige Lebensmittel wie Bananen, Birnen, Orangen und Kiwis enthalten bereits im frischen Zustand relativ viel Histamin.

Vermeiden Sie zudem unnötigen Stress, denn der kann die Beschwerden verstärken oder sogar auslösen. "Deshalb ist ein gutes Stressmanagement erforderlich, um möglichst wenig Belastung ausgesetzt zu sein. Entspannungsübungen oder Yoga können bei der Stressbewältigung wahre Wunder bewirken", erklärt die Gesundheitsberaterin.

Doris Paas macht Betroffenen aber auch Mut: "Die Histaminintoleranz hat viele Gesichter, Sie müssen Ihre Ernährungs- und Lebensweise zum Teil komplett umkrempeln und auf viele kleine Details achten. Informieren Sie sich über Krankheit, die Hintergründe und vor allem die Zusammenhänge – das ist das A und O. Wer den Gegner kennt, kann ihn besiegen und auch mit einer Histaminintoleranz weitgehend beschwerdefrei leben."

Was mache ich, wenn ich histaminhaltige Lebensmittel gegessen habe?

Ein Wundermittel gibt es leider nicht. Je nach Beschwerden – Migräne, Magen-Darm-Grummeln & Co – hilft daher nur ausruhen, schlafen und/oder die Wärmflasche.

Es gibt ein DAO-Präparat auf dem Markt, welches aber vor dem Essen eingenommen werden muss. Die Wirkung ist außerdem umstritten beziehungsweise nicht eindeutig bewiesen – dennoch sollen Sie für das Mittel ziemlich tief in die eigene Tasche greifen. Doris Paas empfiehlt statt Pillen konsequent auf eine histaminarme Ernährung zu achten, um solche Ausrutscher möglichst zu vermeiden.

Freund und Feind für Histaminallergiker:

Bedenklich (meist unverträglich bei Histaminintoleranz)

Unbedenklich (meist verträglich bei Histaminintoleranz)

Eiklar

Eigelb

Milchprodukte wie lang gereifter Käse (Emmentaler, Parmesan), Schmelzkäse, Cheddar

Milchprodukte wie Butter, Frischkäse, Mozzarella, Milch, Sahne

Fleisch wie Rohschinken, Salami, Trockenfleisch, Wurst, Hackfleisch (verpackt)

Frisches Fleisch wie Geflügel, Hackfleisch (frisch), Schwein, Rind, Kalb

Lange gereifter Fisch, eingelegter Fisch (Konserven), Meeresfrüchte

Fangfrischer Fisch oder tiefgekühlt

Brot- und Backwaren mit Hefe, Buchweizen, Weizenkeime, Malz

Hefefreie Brot- und Backwaren, Kartoffeln, Hafer, Hirse, Reis, Quinoa

Nüsse besonders Erdnüsse und Walnüsse

Mandeln

Gemüse wie Konserven (Sauerkraut), Bohnen, Auberginen, Avocado, Soja, Erbsen, Linsen, Spinat und Tomaten

Frisches Gemüse wie Blumenkohl, Brokkoli, Salate, Fenchel, Salatgurke, Karotte, Radieschen, Spargel, Zucchini

Früchte wie Ananas, Erdbeeren, zu lange gelagerte Banane, Zitrusfrüchte (Orangen, Grapefruit, Zitrone, Mandarine), Kiwi, Himbeeren, Birnen (plus passende Säfte/Süßigkeiten)

Früchte wie Kirschen, Rhabarber, Pfirsich, Nektarine, Heidelbeeren, Aprikose, Apfel, Kaki (plus passende Säfte/Süßigkeiten)

Gewürze wie Balsamico Essig, Curry, Paprika, Sojasauce, Senf, Ketchup, Würzbrühe

Ja, es ist anstrengend, eine Histaminintolleranz in den Griff zu bekommen. Aber mit Hilfe eines Ernährungstagebuchs und unserer Tabelle kommen Sie Ihren Allergieauslösern auf die Spur – und können schon bald entspannter essen und genießen.

30.04.2019| Kathleen Schmidt-Prange © womenshealth.de
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