Neid in der Freundschaft Wenn die eigene Freundin neidisch ist

Laut einer Studie der Oxford University nehmen Frauen ihre Freundschaften genauso ernst wie eine Liebesbeziehung. Auch beim allergrößten Krach wirkt eine versöhnliche Geste oft Wunder. © Dean Drobot / Shutterstock.com

Neid ist menschlich, in Freundschaften aber sehr unschön. Wie reagiert man, wenn die beste Freundin sich nicht mit einem freuen kann und regelmäßig grün vor Neid wird? Hat so eine Freundschaft eine Chance?

Es gibt Freundinnen, die sind nur so lange gut gelaunt, bis sie merken, dass die andere mal wieder eine richtige Glückssträhne hat: einen absoluten Knallertypen kennengelernt, einen richtig coolen Job ergattert oder sich einen Traumbody antrainiert hat. Einige Frauen ertragen es nicht, wenn die Freundin irgendwie besser abschneidet; sie reagieren neidisch, zynisch oder wenden sich plötzlich ab.

Was steckt dahinter und kann man mit so jemandem überhaupt befreundet sein? Wir haben mit Nadine Laban gesprochen. Die Heilpraktikerin für Psychotherapie mit eigener Praxis in Potsdam (praxis-laban.de) hat uns verraten, wie man mit neidischen und vielleicht auch missgünstigen Freunden umgeht.

Neid – die wohl unattraktivste aller sieben Todsünden

Wenn es um Neid geht, zucken wir für gewöhnlich erst einmal zusammen. "Neidisch? Ich? Niemals! Die anderen vielleicht, aber ich nicht!“, sagen wir gerne. Während wir andere Schwächen und Laster ohne Probleme zugeben, gehen wir beim Thema Neid auf Abstand. Und nicht umsonst heißt es, der Neid sei die einzige unter den sieben Todsünden, die überhaupt keinen Spaß mache. Woher aber kommt unsere Abneigung gegenüber dem Neid?

"Neidisch? Unsinn, ich doch nicht!" © Dean Drobot / Shutterstock.com

"Neid ist so alt wie die Menschheit“, sagt Nadine Laban, "Aber die Wenigsten geben ihren Neid offen zu. Das liegt daran, dass Neid in unserer Gesellschaft einen schlechten Ruf genießt. Neid macht einsam“. Wer offenkundig neidisch ist, der präsentiere sich schwach, niederträchtig und irgendwie armselig – allesamt Attribute, mit denen man nicht in Verbindung gebracht werden möchte. Schon gar nicht innerhalb einer Freundschaft, in der der Neid eine „zutiefst verunsichernde Komponente“ sei, so die Expertin.

Missgunst ist vielleicht niederträchtiger als Neid, geht aber meist schnell wieder vorbei. "Neid hingegen hat wesentlich mehr Tiefe und geht mit Trauer und Wut einher“, so Nadine Laban. Das gehe sogar so weit, dass der Neid bei den Betroffenen mitunter körperliche Reaktionen hervorrufen könne wie Schlaf- oder Herz-Rhythmus-Störungen und sogar Depressionen.

Neid als Chance und Antrieb nutzen

Dabei ist Neid erst einmal ein ziemlich menschliches und somit auch normales Gefühl, das wohl jeden mal mehr, mal weniger beschleicht. "Im Grunde kann Neid auch eine positive und konstruktive Komponente haben“, so Nadine Laban. Beispielsweise, wenn er als Antrieb genutzt wird, um ebenso ehrgeizig ein Ziel zu verfolgen wie derjenige, den wir beneiden.

"Wer neidisch ist, sollte sich einmal selbst reflektieren und sich fragen, was es genau ist, was einen beim anderen so sehr triggert“, so die Heilpraktikerin. Denn wer wisse, was es eigentlich ist, was man auch gern hätte, der kann auch damit anfangen auf genau dieses Ziel hinzuarbeiten.

Warum sind wir neidisch?

Warum aber sind einige Menschen wesentlich neidischer als andere? "Hier spielt unsere Sozialisation eine große Rolle“, sagt Nadine Laban. Heißt: Wer schon als Kind permanent das Gefühl hatte, benachteiligt zu werden – beispielsweise, weil die guten Noten der Schwester einem ständig vorgehalten wurden oder weil die Lehrer einen irgendwie nicht mochten – der ist als Erwachsener in der Regel neidischer als solche, die sich eher gerecht behandelt fühlten.

Neid behandeln lassen – geht das?

"Wer mit seinem eigenen Leben zufrieden ist, empfindet auch seltener Neid“, so die Expertin. Dies ist auch der Ansatz, den sie in ihrer Praxis verfolgt, wenn sich Menschen mit einer Neid-Problematik an sie wenden. "Der Patient geht in der Therapie in die Selbstreflexion, um herauszufinden, welche Defizite ihn im eigenen Leben zermürben und um zu begreifen, dass nicht die Beneideten das Problem sind, sondern die eigene Denkweise“, sagt Nadine Laban, die den Betroffenen gerne klar macht, dass der Erfolg eines anderen nicht gleichbedeutend ist mit dem eigenen Misserfolg.

Wie geht man mit neidischen Freundinnen um?

Was aber können wir tun, wenn wir das Gefühl haben, die eigene Freundin kann sich irgendwie nicht so recht über unsere Erfolge freuen und reagiert reserviert? In welchen Punkten sollten wir Verständnis zeigen und wann wird der Neid zur echten Gefahr für die Freundschaft? Wir haben drei typische Situationen herausgepickt …

1. Neidisch auf die Beliebtheit der Freundin

Zugegeben, es klingt ein bisschen kindisch und wie damals zu Teenagerzeiten, als es kaum etwas Wichtigeres gab, als die eigene Beliebtheit in der Klasse oder der Clique auszuloten. Fakt ist, dass manche das Thema auch mit 20 oder 30 Jahren noch immer nicht ganz kalt lässt.

Wer gefestigt im Leben steht, im Freundes- und Kollegenkreis geschätzt und gemocht wird und auch sonst schnell Kontakte knüpft, weil er einfach sympathisch und offen ist, der kann sich mitunter kaum vorstellen, wie sehr jemand anderes genau damit zu kämpfen hat.

Wenn Sie merken, dass Ihre Freundin Ihre Beliebtheit mit Argwohn betrachtet, dann sollten Sie eines auf keinen Fall tun: Sich von ihrer miesen Laune anstecken lassen oder gar ein muffiges Gesicht aufsetzen, damit Sie bloß nicht angesprochen werden und es Ihrer Freundin besser geht. "Helfen Sie ihr lieber auf die Sprünge, indem Sie mit ihr reden“, rät Psychologin Nadine Laban. Kann sich die neidische Freundin eingestehen, dass sie gerne so beliebt und fröhlich wäre wie Sie, können Sie ihr helfen, aus dem Teufelskreis herauszukommen. "Wie man in den Wald ruft, so schallt es bekanntlich heraus. Daher sollte man seine Freundin dabei unterstützen, eine positive Grundhaltung einzunehmen, um künftig ebenfalls bei anderen besser anzukommen“, so die Expertin.

Sollten Sie merken, dass Ihre Freundin neidisch ist, versuchen Sie einfühlsam zu reagieren. © Dean Drobot / Shutterstock.com

2. Neidisch auf den neuen Partner der Freundin

Der Klassiker! Solange Sie Single sind und mit Ihrer Freundin jedes Wochenende um die Häuser ziehen können, ist alles in Butter. Aber wehe, es drängt sich ein Mann zwischen Sie und Ihre Busenfreundin – einige Frauen sehen hier Rot.

"Natürlich ist es normal, dass man sich als Frischverliebte erst einmal zurückzieht, um die Zeit mit dem neuen Schwarm zu genießen. Hierfür sollten Freundinnen auch Verständnis haben und sich nicht gleich zurückgesetzt fühlen“, sagt Nadine Laban. Allerdings weiß sie auch, dass es einige Frauen gibt, die sich so sehr in der neuen Beziehung verlieren, dass der Freundeskreis tatsächlich wie abgemeldet ist. Hier heißt es: Sich auch mal wieder exklusiv Zeit für die Freundin nehmen und die Freundschaft pflegen.

Wer allerdings das Gefühl hat, die Freundin gönnt einem das neue Liebesglück nicht, entweder weil sie sich langweilt oder selbst gerne einen Mann hätte – Vorsicht! Eine wirklich gute Freundin sollte sich für Sie freuen und Ihnen nicht die neue Liebe madig machen. Ein offenes Gespräch sollte hier die erste Wahl sein. "Dabei besser nicht das Gespräch eröffnen mit den Worten 'Kann es sein, dass Du neidisch auf mich bist?'", sagt Nadine Laban, "Lieber vertrauensvoll fragen, was los ist und gemeinsam ausloten, wie man es schafft, dass man sich wieder annähern kann".

Auch wichtig: Wer frisch verknallt ist, erzählt am liebsten rund um die Uhr vom neuen Partner. Das kann die Nerven der Freundin ganz schön strapazieren – vor allem, wenn ihr Liebesleben gerade eher mau aussieht. "Lieber vorsichtig nachfragen, ob es wirklich in Ordnung für die Freundin ist, wenn man von seinem Glück erzählen möchte", rät Nadine Laban, "Ein 'Ich weiß, es ist gerade ein schwieriges Thema für dich. Daher sag mir bitte, wenn es Dir zu viel wird', ist ein guter Anfang".

3. Neidisch auf den tollen Job der Freundin

Sie und Ihre Freundin müssen keine direkten Kolleginnen sein, damit Neid auf den Job, das Gehalt oder die Beförderung der anderen aufkommt. Allerdings ist Neid umso wahrscheinlicher, je ähnlicher Sie und Ihre Freundin sich sind, weiß Nadine Laban. "Je ähnlicher man sich ist und je mehr Gemeinsamkeiten man mit der Freundin teilt, desto höher ist auch der Grad, in dem wir uns mit der jeweils anderen vergleichen“, so die Expertin.

Was häufig übersehen wird, wenn andere neiderfüllt auf den schicken Dienstwagen oder den dicken Gehaltsscheck schielen, ist die Arbeit, die dahinter steckt. "Wenn Sie merken, dass Ihre Freundin mit Ihrem beruflichen Erfolg hadert, Ihnen vielleicht sogar zu verstehen gibt, dass sie ihn als ungerechtfertigt einstuft, sollten Sie einmal aufzeigen, welche Entbehrungen und wieviel Arbeit dahinter steckt", rät Nadine Laban. Was Viele nämlich gern vergessen: Erfolg fällt einem in der Regel nicht in den Schoß oder anders gesagt "Mitleid bekommt man umsonst, Neid muss man sich verdienen".

Neid entsteht immer dann, wenn ein Mensch sich benachteiligt oder ungerecht behandelt fühlt. Was Sie dabei allerdings nie vergessen sollten: Nicht die beneidete Person ist schuld, sondern Neid ist lediglich ein Zeichen dafür, dass etwas im Leben des anderen nicht rund läuft. Fangen Sie daher bitte nicht an, sich selbst oder Ihre Erfolge runterzuputzen oder sich nur noch im Stillen über Glückssträhnen zu freuen, nur damit es Ihrer Freundin besser geht. Besser: Das offene und ehrliche Gespräch suchen. Schließlich kann eine echte Freundschaft nichts so schnell umhauen.

17.07.2018| © womenshealth.de
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