Müllvermeidung 6 einfache Tipps, um weniger Müll zu produzieren

Mit diesen Tricks vermeiden Sie Müll im Alltag!
Mit unseren Alltags-Tipps landet auch bei dir bald weniger im Abfall. © Kvitka Fabian / Shutterstock.com

Unsere Kollegin Gaby will weniger Müll produzieren und versuchte es 4 Wochen ohne Plastik. Mit diesen Tricks schaffst du das auch!

Jeden Monat stellt sich eine Kollegin aus der Women's Health-Redaktion einer persönlichen Challenge. Dieses Mal durfte ich ran und widmete mich einem Herzensprojekt: Ich sagte den Müllbergen im Alltag für einen Monat lang den Kampf an und achtete 4 Wochen auf Plastikverpackungen & Co. Ob mir der Verzicht leicht fiel und was ich daraus gelernt habe, verrate ich dir hier.

Mit diesen Tricks produzieren Sie weniger Müll!
Gaby stellt sich mutig den Abfallbergen des Alltags.

Warum sollte ich Müll reduzieren?

Wir Deutschen mischen beim Thema Müll leider ganz vorne mit: Unglaubliche 617 Kilogramm Müll produziert jede*r von uns durchschnittlich im Jahr. Dabei entstehen 16 Millionen Tonnen Verpackungsmüll, von denen nur etwa ein Achtel recycelt wird – der Rest landet in der Verbrennungsanlage. Außerdem landen jährlich etwa 10 Millionen Tonnen Müll im Meer.

Welcher Abfall ist besonders schädlich?

Vor allem Plastik stellt eine Gefahr dar. Es baut sich nur sehr langsam oder gar nicht ab, sammelt sich überall, bildet riesige Müllfelder in den Ozeanen. Viele Tiere verenden daran, oder die Teilchen bleiben im Organismus der Meerestiere und landen zum Beispiel über ein leckeres Fischgericht wieder auf deinem Teller. Keine so appetitliche Vorstellung, nicht wahr? Zeit, etwas dagegen zu tun!

Was kann ich tun, um weniger Müll zu produzieren?

Du musst nicht gleich eine Organisation zur Rettung des Planeten gründen oder einer beitreten. (Wobei etwas Unterstützung gar nicht schaden kann.) Du beginnst einfach bei dir selbst. Diese Tipps halfen auch mir bei der Vorbereitung auf meine 4-wöchige Challenge.

Um Abfall zu reduzieren, habe ich mir nämlich Hilfe von Shia Su aus Bochum geholt: Deren gesamter Restmüll des letzten Jahres passt komplett in ein 1-Liter-Einweckglas. Über ihr nahezu müllfreies Leben schrieb sie das Buch „Zero Waste“ (Freya Verlag, um 15 Euro) und gibt auf ihrem Blog Wastelandrebel.com Tipps und Tricks zu Müllvermeidung. Für mich hat sie Verbesserungsstrategien für 10 Lebensbereiche zusammengefasst:

1. Beim Einkaufen Verpackungsmüll sparen

Das Müll-Einsparen beginnt bereits mit der Planung des Einkaufs, daher packe immer einen Jutebeutel ein, statt Plastiktüten im Laden zu kaufen. Auch beim Bäcker oder an der Käsetheke alles in mitgebrachte Beutel und Dosen packen lassen.

Clever einkaufen – so geht's
Obst beim Frisch-Händler oder auf dem Markt kaufen spart Verpackungsmüll. © Humpback_Whale / Shutterstock.com

Auch gut: In Unverpacktläden, auf dem Markt, beim Türken oder Asiaten einkaufen. Dort wird am wenigsten Verpackungsmüll produziert. Du kannst auch lose Produkte oder Großpackungen kaufen (z.B. mit digitaler Einkaufsliste, wie Wunderlist) und diese mit anderen teilen. Das minimiert auch die Gefahr, dass Lebensmittelmüll entsteht.

Tipp: Alle Dinge, die lose gekauft werden, lassen sich prima in Weckgläsern, Twist-off-Gläsern, Keramik, Metall oder Porzellan lagern. Auch vorhandene Plastikdosen verwenden, aber keine neuen nachkaufen! Beim Einkauf außerdem so flexibel sein, dass wenn es Gurken nur eingeschweißt gibt, keine in den Salat kommen. Reste außerdem immer weiterverwenden.

2. Kapsel-Kaffee? Nein, danke!

Loser Tee und Kaffee mit Tee-Ei und einer Presskaffeemaschine ersetzen Filter. Andere Getränke immer aus Mehrwegglasflaschen aus der Region kaufen.

3. Aufbrauchen, dann erst nachkaufen

Viele Dinge landen im Müll, weil sie nicht aufgebraucht und vergessen werden. Deshalb solltest du stets Listen machen, alles aufbrauchen und erst neu kaufen, wenn etwas leer ist. Am besten sofort mit einer Inventur zu Hause beginnen.

4. Gewohnheiten kennen und vorbereitet sein

Meal Prep-Salat – so geht's
Salat to go im Glas – lecker und umweltschonend. © vkuslandia / Shutterstock.com

Wenn du deine Gewohnheiten kennst, kannst du jedes Wegwerfprodukt durch Vorbeugen vermeiden: mit einem Thermoskaffeebecher statt Plastik oder Pappe, statt Papier- lieber Stoffservietten zum Abtrocknen oder fürs Gesicht, wiederverwendbarer Wasserflasche, sauberem Jutebeutel für Brot, Stoffnetzen für Obst, Lunchbox oder Weckgläsern für unterwegs und auch Besteck oder Essstäbchen für Sushirestaurants, Weihnachtsmärkte oder Kirmes.

5. Zahnpflege 2.0

Zahnbürsten müssen regelmäßig gewechselt werden, deshalb sind welche aus Bambus die beste Wahl. Selbst Zahnseide gibt es mittlerweile kompostierbar. Und auch die Zähne kannst du ohne Zahnpasta putzen: mit pulverisiertem Natron, Heilerde, Salz und Stevia oder Xylitol. Es lassen sich auch Mischungen der Zahnpulver herstellen. Fluorid sollte entweder beim Zahnarzt aufgetragen werden oder du verwendest einfach Salz mit Fluorid.

6. DIY-Produkte zum Putzen und Waschen

DIY-Produkte für Haut und Haare gibt es viele. © Africa Studio / Shutterstock.com

Beim Spülen landet der Schwamm wöchentlich im Müll, Baumwolllappen und kompostierbare Spülbürsten sind die ökologischere Alternative. Selbst Spülmittel kannst du selber machen: aus Olivenölseife, Waschsoda, Wasser und ätherischem Öl. Waschsoda funktioniert auch in Spülmaschinen, und Klarspüler kann aus Zitronensäure, Alkohol und Wasser gemixt werden.

Es gibt noch so viel mehr im DIY-Universum: Haare waschen geht mit Roggenmehl, die Spülung ersetzt Apfelessig. Haarspray lässt sich aus Zucker und Wasser mixen. Statt Cremes und Lippenbalsam lassen sich auch normale Öle in verschiedenen Mischungen dafür verwenden. Genähte, waschfähige Wattepads aus Baumwolle kannst du beim Abschminken wiederverwenden. Kastanien und Efeu enthalten Saponine. Der Sud von beiden kann als umweltfreundliche Alternative zum Waschmittel verwendet werden.

Du willst wissen, wie es mir während meiner Challenge konkret ergangen ist? Hier sind Auszüge aus meinem Tagebuch:

So gelang mir der Kampf gegen den Abfall

Tupperware, Weckgläser, Metalldosen und Jutebeutel: Ich bin gut vorbereitet. Zunächst lerne ich, dass Müll nicht gleich Müll ist. Glas, Metall und Papier werden in der Regel recycelt. Viele Plastikverpackungen versprechen dies auch, aber hier kommt es an auf den Materialmix, die Farben, die Art des Klebers, der Etiketten oder ob sich die Menge überhaupt rentiert. Das ist ziemlich komplex und oft kaum nachvollziehbar. Für mich gilt daher: Plastikmüll in jedem Fall vermeiden!

Viele Umstellungen gehen auch gar nicht sofort: Es macht z.B. keinen Sinn, alle Plastikdosen wegzuschmeißen – das wäre nur zusätzlicher Müll. Müllvermeidung ist daher ein langer Prozess. Auch alles andere brauche ich natürlich auf, egal wie es verpackt ist.

Müll direkt beim Einkaufen vermeiden

Müsli geht nur aus der Packung? In Unverpackt-Läden kannst du dir den Flocken-Mix selbst zusammenstellen.

Das Einkaufen ist tatsächlich die größte Hürde bei meiner „Weniger-Müll-produzieren-Challenge“: Klar habe ich in jeder Handtasche jetzt einen Jutebeutel, aber in einem normalen Supermarkt ist einfach alles verpackt. Okay, ein paar Äpfel und Avocados bekomme ich noch so (abgesehen von dem lästigen Aufkleber, den Obst oft hat), aber schon Möhren oder Gurken gibt es oft nur eingeschweißt.

Zum Glück ist mittwochs und samstags bei mir Markt, dazu noch dienstags und freitags in der Nähe der Redaktion. Glücklicherweise habe ich den kleinen Unverpackt-Laden "12 Monkeys" direkt bei mir um die Ecke. Dort kann ich Nudeln, Haferflocken und Müsli direkt in meine Dosen abfüllen.

Auch beim Bäcker spare ich ab jetzt Tüten, indem alles in einen (frisch gewaschenen) Jutebeutel kommt. Die ersten Male gucken einen die Verkäufer noch komisch an, aber nach zwei Wochen sagt bei meinem Stammbäcker keiner mehr was. Ein Problem bleiben allerdings Kassenbons. Auch wenn ich sie vorher abbestelle, werden sie fast überall ausgedruckt und landen im Müll.

Mit Planung beim Essen, weniger Müll produzieren

Mal schnell was auf die Hand? Keine Chance. Essen beim Lieferservice bestellen? Fällt aus. Im Prinzip kann ich nur selbst kochen und mitnehmen und muss entsprechend gut und genau planen. Klar, Obst geht immer, aber manchmal soll es ja was Herzhafteres sein. Dafür habe ich die alten Stofftaschentücher meines Opas ausgegraben: Damit bewaffnet, lasse ich mir Brezel oder Brötchen beim Bäcker auf die Hand geben. Will ich es später essen, habe ich eine Dose dabei. Die ist leider immer etwas sperrig.

Nachhaltig gegen den Müll im Büro

Gaby (li) achtete auch auf den Müll im Büro – mit Erfolg.

Im Büro ist es besonders schwierig, weniger Müll zu produzieren, denn dort bekomme ich sehr viel zugeschickt, und vieles davon ist wirklich reichlich verpackt. Ich nutze den Anlass und melde mich bei Agenturen für rein elektronische Pressemitteilungen an. Bei anderen Papieren nutze ich die Rückseite noch als Schmierzettel. Das sollte sich auch meine Chefin zu Herzen nehmen, die kurz vor Ende der Challenge ein Papier in meinen fast leeren Papierkorb wirft. Das fische ich natürlich sofort raus und lege ihn auf meinen Altpapierstapel. Im Restmüll hat der nämlich gar nichts verloren!

Fazit: Die Müll-Challenge ist schaffbar!

Netz- und Jute-Beutel sind doch eh längst Trend-Accessoires! Da ist neben Kosmetik, Smartphone und Co., sicher auch noch Platz für eine Tupperdose oder ein Schraubglas. Außerdem passen die praktischen Beutel zusammengefaltet super in die Handtasche und sind dort für den nächsten Einkauf griffbereit. Auch für viele andere Dinge im Alltag gibt es Alternativen – einschränken musst du dich also kaum.

Müll vermeiden ist sinnvoll und mit etwas Sportsgeist gut zu meistern. Probier' es doch einfach mal und starte deine persönliche "Weniger-Müll-Challenge"! Die Umwelt wird es dir danken!

08.07.2019| © womenshealth.de
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