Traumdeutung Was Ihre Träume über Sie verraten

Sie können lernen, sich an Ihre Träume zu erinnern.
Schreiben Sie nach dem Aufwachen Ihre Träume auf, um Ihr Traumgedächtnis zu verbessern © Lia Koltyrina/ Shutterstock.com

Traumdeutung hilft Ihnen, die eigene Psyche und Ihre Ängste besser zu verstehen. Hier erklärt unser Experte, was Sie aus Ihren Träumen lernen können

Ein Tag wie jeder andere: Hastig ziehen Sie Ihre Jacke an und fahren gehetzt zur Arbeit. Im Büro angekommen, begrüßen Sie Ihre Arbeitskollegen, legen die Jacke ab und ernten entsetzte Blicke. Seltsam. Sie schauen an sich herunter und uuups! Sie sind komplett nackt! Vor Scham würden Sie am liebsten im Boden versinken. Doch plötzlich klingelt ein Wecker. Sie erwachen erleichtert in Ihrem Bett. Es war alles nur ein Traum. Erkennen Sie sich wieder? Solche oder ähnliche Traumszenarien haben viele schon einmal erlebt. Aber wie deuten Sie solche (Alb)-Träume richtig? Wir geben Ihnen hier eine Einführung und beantworten diese Fragen:

Warum träume ich?

"Die Frage, warum Menschen träumen, ist bis heute ungeklärt", sagt Prof. Dr. Michael Schredl, Traumforscher und Leiter des Schlaflabors des Mannheimer Zentralinstituts für seelische Gesundheit. Viele Forscher gehen davon aus, dass emotionale Themen während des Träumens aufgegriffen und kreativ umgesetzt werden. Zudem wird vermutet, dass Träume bei der Bewältigung von Problemen beteiligt sind. Egal, was Leute Ihnen erzählen: Alle Menschen träumen im Schlaf. Träumen ist eine Grundfunktion des Gehirns.

Wann träume ich am intensivsten?

Während Sie schlafen, macht Ihr Gehirn keine Pause. Ganz im Gegenteil: Es arbeitet auf Hochtouren. Beim Träumen sind fast alle Gehirnareale aktiv. Schredl erklärt: "Wenn Sie zum Beispiel Ihre Hand im Traum bewegen, ist der Motocortex tätig. Von diesem Gehirnareal werden willkürliche Bewegungen gesteuert". Bis auf Hirnregionen, die Informationen aus den Augen verarbeiten, ist das gesamte Gehirn im Schlaf beteiligt. Wie intensiv Sie einen Traum erleben, hängt von Ihrer Schlafphase ab:

  • Tiefschlaf: In der Tiefschlafphase zeigt das Gehirn eine geringe Aktivität. Sprich: Sie träumen kürzer und weniger intensiv.
  • REM-Schlafphase: REM (engl. Rapid Eye Movement) bedeutet so viel wie schnelle Augenbewegungen. Diese sind charakteristisch für die REM-Schlafphase. Während des REM-Schlafs ist vor allem das emotionale Zentrum im Gehirn sehr aktiv. Ergo: Es entstehen Ihre emotionalsten und wildesten Träume.

Warum vergesse ich meine Träume?

Während Sie schlafen, schiebt Ihr Gehirn Nachtschicht. Beim Aufwachen muss es wieder in den normalen Wachmodus switchen. Dieser Umschaltvorgang kann bis zu 15 Minuten dauern. In der Zwischenzeit gehen Dinge, die Sie im Traum "erlebt" haben, langsam wieder verloren. Direkt nach dem Aufwachen können sich allerdings viele Menschen gut ins Gedächtnis rufen, was sie geträumt haben. Danach verblasst die Erinnerung immer mehr.

Träumen ist eine Grundfunktion des Gehirns.
Jeder Mensch träumt immer, wenn er schläft. © Nadya Korobkova/ Shutterstock.com

Kann ich trainieren, mich an Träume zu erinnern?

Es ist tatsächlich möglich, das Traumgedächtnis zu schulen. Schredl empfiehlt: "Legen Sie sich vor dem Zubettgehen etwas zu schreiben zurecht. Denken Sie direkt nach dem Aufwachen nach, ob und was Sie geträumt haben. Schreiben Sie diese Erinnerung sofort auf." Dadurch bleibt nicht nur die Erinnerung an das geträumte frisch, Sie können so Ihre Traumerinnerung deutlich verbessern. Manche Menschen haben Klarträume (luzide Träume) und wissen während des Traums, dass sie träumen. So können Sie zum Beispiel im Schlaf ein Instrument üben. Doch leider müssen wir Sie enttäuschen: Im Schlaf werden Sie kein Mozart. Grundkenntnisse über eine Handlung müssen schon vorhanden sein. Aber: Das Üben einer Tätigkeit, während Sie träumen, ist bei Klarträumen möglich.

Kann ich meine Träume beeinflussen?

Eher nein. Träume greifen hauptsächlich Themen auf, die Sie tagsüber beschäftigen. Es funktioniert nicht, sich vorzunehmen: "Heute träume ich mal was Schönes." Haben Sie einen stressigen Tag, ist es wahrscheinlich, dass Ihr Traum das auch widerspiegelt.

Wofür stehen verschiedene Traumsymbole?

Es gibt verschiedene Gegenstände, Ereignisse und Figuren, denen eine symbolische Bedeutung nachgesagt wird, wenn sie in Träumen auftauchen. Schwangerschaft, Tiere, wie Hund und Schlange, Tod oder eine Hochzeit sind nur einige Beispiele. Das Problem bei Traumsymbolen sieht Schredl jedoch darin, dass diese verallgemeinert werden. Ein gutes Beispiel dafür ist das Traumsymbol der Schwangerschaft. "Ganz merkwürdig wird es, wenn Männer träumen, sie seien schwanger. Aber auch Frauen interpretieren dieses Symbol unterschiedlich. Allein die emotionale Reaktion auf einen Traum kann die Bedeutung komplett umkehren", so Schredl. Bei der einen Frau kann Schwangerschaft als Metapher für Neuentwicklung stehen, sie empfindet den Traum als angenehm. Für eine andere Frau kann das Thema mit Angst vor der Zukunft verbunden sein. Die Deutung hat also viel weniger mit dem Symbol an sich zu tun, als mit dem Individuum, das davon träumt.

Wie seriös ist Traumdeutung?

"Eine einfache Symboldeutung ist nicht seriös, da Traumsymbole keine Aussagekraft haben", betont der Experte. Schauen Sie sich lieber Grundmuster von Gefühlen an, wie Sie in Träumen handeln. Zum Beispiel: Wie reagiere ich im Traum, wenn ich Angst habe? Oder: Wie verhalte ich mich, wenn ich etwas Schönes träume? Diese Handlungsmuster sagen viel mehr über Ihre Persönlichkeit aus als Traumsymbole.

Warum haben wir Albträume?

Albträume beschäftigen sich mit negativen Erfahrungen wie Stress oder Ängsten. Wenn diese Träume zum Aufwachen führen, sehen Forscher das als Überlastungs-Symptom des Träumers. Passiert das regelmäßig, sprechen Experten von einer Albtraum-Störung, das betrifft Personen, die einmal pro Woche oder öfter Albträume haben. Das sind gar nicht mal so wenige: 5 Prozent der Bevölkerung sind betroffen. Typische Ursachen für Albträume sind:

  • Veranlagung: Besonders kreative und sensible Menschen leiden häufiger unter Albträumen.
  • Stressfaktoren: Traumata wie zum Beispiel Missbrauch in der Kindheit oder Kriegserlebnisse können zu Albträumen führen.
  • Vermeidung: Viele Menschen versuchen Albträume so schnell wie möglich zu vergessen, doch das ist falsch. Schredl rät: "Setzen Sie sich konstruktiv mit Ihren Albträumen auseinander. Je mehr Sie versuchen, etwas zu vermeiden, desto stabiler wird die Angst."
5% der Allgemeinbevölkerung haben wiederkehrende Albträume.
Albträume beschäftigen sich mit negativen Gefühlen und führen meist zum Aufwachen. © Lia Koltyrina/ Shutterstock.com

Was bedeuten meine Albträume?

Es gibt verschiedene Albtraumszenarien, die weit verbreitet sind. Schredl sieht darin Themen und Ängste, die den Träumenden belasten. Wichtig: Albträume sind keine Vorhersage. Arbeiten Sie konstruktiv an Ihren Ängsten, können Sie diese überwinden.

  • Verfolgung: Die typische Reaktion des Träumenden: Angst bekommen und weglaufen. Haben Sie eine unangenehme Aufgabe oder Auseinandersetzung, die Sie vor sich hinschieben? Ein Verfolgungstraum kann darauf hindeuten, dass Sie etwas im Wachzustand vermeiden.
  • Fallen: Bei diesem Traum geht es im wahrsten Sinne des Wortes darum, „den Boden unter den Füßen zu verlieren“. Ein Traum vom Fallen weist auf eine Angst hin, die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren.
  • Nackt sein: Hier steht im Vordergrund, warum nackt sein als unangenehm eingestuft wird. Ein solcher Traum thematisiert die Angst, von anderen Personen bewertet zu werden, oder der Gedanke, selbst nicht der Norm zu entsprechen.
  • Zu spät kommen: Auch hier werden soziale Konventionen thematisiert. Zum Beispiel die Frage: „Werde ich als unzuverlässig eingestuft, wenn ich nicht pünktlich zu einem Treffen erscheine?“ Übrigens: Kommen Sie tatsächlich zu spät und bewältigen somit dieses Traumszenario erfolgreich, verschwinden solche Träume meist wieder.
  • Tod: Hierbei unterscheidet Schredl zwischen 2 Traumszenarien:

Was bedeutet es, wenn ich träume, dass jemand stirbt?

Besonders Kinder träumen häufig davon, eine nahe stehende Person zu verlieren. Wenn zum Beispiel die Eltern oder Familienangehörige sterben, geht es nicht um die Person, die im Traum stirbt, sondern darum, alleine in der Welt zurecht zu kommen.

Was bedeutet es, wenn man von Verstorbenen träumt?

Träume von Verstorbenen können unterschiedlich interpretiert werden. Viele empfinden solche Träume als angenehm. Sie sehen es als beruhigend, im Traum Kontakt zu Verstorbenen aufzunehmen, oder als Ausdruck, dass eine nahe stehende Person in einem selbst weiterlebt. Im akuten Trauerprozess kann es aber sein, dass Träume von Verstorbenen die Trauer über einen Verlust verstärken.

Träume beschäftigen sich oft mit Alltagssituationen.
Lassen Sie sich von Ihren Träumen nicht einschüchtern. Nutzen Sie sie, um sich selbst besser zu verstehen © Lia Koltyrina/ Shutterstock.com

Wer glaubt an Traumdeutung?

Frauen haben im Schnitt ein größeres Interesse an Traumdeutung als Männer. Sie erinnern sich stärker an ihre Träume, leiden dafür aber häufiger an Albträumen. Zudem haben jüngere Menschen eine positivere Einstellung zur Arbeit mit Träumen als die ältere Generation.

Tauchen Sie ein ins Reich der Träume und setzen Sie sich nach dem Aufstehen mit Ihrer nächtlichen Gedankenwelt auseinander. Wichtig: Halten Sie nicht zu sehr an einzelnen Traumsymbolen fest. Falls Sie von wiederkehrenden Albträumen geplagt werden, arbeiten Sie im Wachzustand an Ihren Ängsten - so verschwinden sie schnell wieder aus Ihrer Traumwelt.

10.10.2018| Susan Kesselring © womenshealth.de
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