Blutuntersuchung: Was ein Bluttest über die Gesundheit verrät

Was ein Bluttest über die Gesundheit verrät
Die Blutentnahme muss nicht zwingend beim Hausarzt erfolgen. Auch als Privatperson kann man sich direkt an ein Labor wenden und dort bestimmte Blutuntersuchungen durchführen lassen © Csaba Deli / Shutterstock.com

Ein Bluttest bringt ans Licht, wie es um Ihre Gesundheit steht. Hier erfahren Sie, welche Bluttests es gibt, ob ein Bluttest beim Abnehmen helfen kann und was das Blutbild alles offenbart

Wenn uns etwas fehlt oder nicht guttut, signalisiert uns das unser Körper oft sehr offensichtlich. Wenn ein Mineralstoffmangel vorliegt, verändert sich beispielsweise die Haut. Wenn wir ständig die Nacht zum Tag machen und die Korken knallen lassen, fühlen wir uns schlapp.

Doch es gibt auch solche Probleme, die uns der Körper nicht direkt offenbaren kann oder Signale, die wir schlicht und einfach übersehen – und das sind in vielen Fällen die schwerwiegenderen. "Zahlreiche Erkrankungen verursachen zunächst keinerlei Symptome. Der Satz 'Man ist so gesund, wie man sich fühlt!' stimmt leider nicht immer, sagt Professor v. Schrenck vom Medizinischen Labor Hamburg Stephansplatz.

Anhand der Blutwerte offenbart ein Bluttest, wie es wirklich um unsere Gesundheit steht. Doch er enthüllt nicht nur verborgene Krankheiten, sondern auch, ob wir rauchen, trinken, häufig Stress haben und wie es um die ausgewogene Ernährung steht. Und immer häufiger hört man, dass ein Bluttest sogar das Abnehmen einfacher machen kann.

Wann wird ein Bluttest gemacht?

"Durch einen Bluttest können Risikofaktoren zuverlässig erkannt werden und damit die Weichen für eine geeignete Vorsorge oder Therapie gestellt werden", erklärt Professor v. Schrenck. Hat der Patient bereits Symptome, dient die Untersuchung des Bluts der Diagnostellung einer bestimmten Krankheit. Wenn sich der Patient beispielsweise schlapp und müde fühlt,kann die Diagnose Blutarmut (Anämie)/Eisenmangel mittels eines niedrigen Ferritinwertes im Blut gestellt werden.


"Bei bestimmten Stoffwechselerkrankungen wird eine Blutanalyse zur Beurteilung des Krankheitsverlaufs herangezogen", so der Experte.

Wieviel kostet ein Bluttest?
Durch einen Bluttest können Risikofaktoren zuverlässig erkannt und damit die Weichen für eine geeignete Vorsorge oder Therapie gestellt werden © Csaba Deli / Shutterstock.com

Vor Operationen dient ein Bluttest, um mögliche Risikofaktoren oder Vorerkrankungen, wie zum Beispiel eine Blutgerinnungsstörung, zu erkennen. In Notfallsituationen geben bestimmte Laborwerte (zum Beispiel Elektrolyte oder das Blutbild) wichtige Hinweise auf den Zustand des Patienten und weitere Maßnahmen.

"Eine Blutuntersuchung deckt zudem verschiedene sexuell übertragbare Krankheiten auf, wie z.B. HIV, Hepatitis B+C, Chlamydien und Syphilis. Oft verlaufen diese Infektionen ohne Symptome, können jedoch weitreichende gesundheitliche Folgen haben und gefährliche Ansteckungen ermöglichen", erklärt v. Schrenck.

Welche Bluttests gibt es und was wird getestet?

Um das Blutbild eines Patienten zu erfassen, gibt der Arzt eine Blutuntersuchung in Auftrag. Sie ist für ihn ein wichtiger Hinweisgeber bei der Diagnose. Bei einer Blutuntersuchung wird das Blut in seine Bestandteile zerlegt und mittels unterschiedlicher Methoden untersucht. Anhand der Ergebnisse kann der Doktor feststellen, ob beim Patienten Anomalien oder Krankheiten vorliegen.

Man unterscheidet zwischen kleinem und großem Blutbild. Das individuelle Blutbild gibt Aufschluss über die Anzahl der roten und weißen Blutkörperchen (Erythrozyten und Leukozyten) und der Blutplättchen (Thrombozyten). Der Mediziner kann außerdem erfahren, ob beispielsweise eine Blutarmut (Anämie), eine Infektion oder Blutkrebs (beispielsweise Leukämie) vorliegt. Veränderungen der Blutzellen oder Störungen der Blutgerinnung werden ebenfalls erkennbar. "Je nach Fragestellung werden also verschiedene Tests aus einem breit gefächerten Analysenspektrum durchgeführt", erklärt der Mediziner.

Hilft ein Bluttest beim Abnehmen?

Wer Gewicht verlieren will, sollte zunächst den klassischen Weg über eine Umstellung der Lebensgewohnheiten gehen. Das heißt: gesunde Ernährung, viel Sport. Doch was, wenn beim Abnehmen trotzdem nichts mehr geht? Kann das Blut eine Erklärung über den ausbleibenden Erfolg geben?

Unter Umständen ja, sagt der Mediziner. "Nach mehreren erfolglosen Diäten, ist eine Blutuntersuchung zur Ursachenklärung sinnvoll", rät v. Schrenck. Teilweise seien ernstzunehmende Stoffwechselerkrankungen für die fehlende Gewichtsabnahme verantwortlich (wie zum Beispiel eine Unterfunktion der Schilddrüse oder eine Nebennieren- Überfunktion). "Der Bluttest bringt hier Klarheit", so v. Schrenck.

Nur durch die Werte des Blutes allein lässt sich kein Gewicht verlieren – sofern Sie nicht an einer Stoffwechsel-Krankheit leiden. In dem Zusammenhang wird auch die Blutgruppendiät, die vom amerikanischen Naturheilkundler Peter D'Adamo entwickelt wurde, von Medizinern heftig kritisiert.

Wie Sie gesund (!) und schnell abnehmen

Die Theorie des Diät-Konzepts basiert darauf, dass jeder Mensch sich nach seiner Blutgruppe ernähren solle. Je nach Blutgruppe stehen unterschiedliche Lebensmittel auf dem Speiseplan. Mediziner beanstanden, dass die Theorie wissenschaftlich nicht haltbar sei und eher zu einer unausgewogenen Ernährung führe.

Eine Blutuntersuchung ist für Übergewichtige unabhängig vom Abnehmwunsch sinnvoll, so Prof. v. Schrenck: "Da sie generell ein höheres Risiko für bestimmte Stoffwechselerkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes mellitus Typ 2 und Fettstoffwechselstörungen haben, empfiehlt sich ein Test auf bestimmte Risikofaktoren (zum Beispiel Blutzucker, HbA1c, Cholesterin, Triglyzeride, Harnsäure). So kann gegebenenfalls eine Lebensstilanpassung oder eine medikamentöse Therapie eingeleitet werden.

Zu den wichtigsten Hinweisgebern im Blut gehören:

  • der Blutzucker (gibt Aufschluss darüber, ob Diabetes mellitus vorliegt)
  • Blutfette wie Cholesterin und Triglyzeride (sie erklären ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen)
  • Entzündungsparameter (zum Beispiel C-reaktives Protein: CRP)
  • Blutsalze wie Eisen, Natrium, Kalium oder Kalzium
  • bestimmte Enzyme und Proteine
  • Stoffwechselprodukte wie Kreatinin und Harnstoff (sie geben wichtige Hinweise auf die Nierenfunktion)
  • Hormone, zum Beispiel von der Schilddrüse
  • Blutgase
  • Tumormarker
  • Gerinnungsfaktoren

Um Bakterien im Blut oder Urin (bei Harnwegsinfektionen) des Patienten nachzuweisen, wird eine so genannte Kultur gemacht. Dazu wird das Blut oder der Urin auf unterschiedliche Nährböden gegeben und beobachtet, ob Erreger dort gut wachsen. So lässt sich nachweisen, ob und an welchem Infekt der Patient erkrankt ist und   ob eine Antibiotikaresistenz vorliegt.

Kann ich einen Bluttest auch selbst veranlassen?

Normalerweise wird eine Blutuntersuchung nur auf eine bestimmte Veranlassung hin, zum Beispiel einen Krankheitsverdacht, durchgeführt. Kein Mediziner wird aus bloßer Neugierde eine Laboruntersuchung des Blutes veranlassen.

Trotzdem können Sie Ihre Gesundheit auch selbst in die Hand nehmen: "Was viele nicht wissen: Die Blutentnahme muss nicht zwingend beim Hausarzt erfolgen. Auch als Privatperson kann man sich direkt an ein Labor wenden und dort bestimmte Blutuntersuchungen durchführen lassen. So bieten einige Medizinische Labore bereits spezielle Services für eine schnelle und bequeme Blutanalyse, teilweise mit ärztlicher Beratung, an", sagt v. Schrenck.

Kann ich einen Bluttest auch zu Hause durchführen?

Seit kurzem gibt es auch Bluttests für Zuhause, die man sich im Internet bestellen kann. Dazu ordert man den gewünschten Test, entnimmt sich selbst Blut aus der Fingerkuppe und schickt die Probe dann an ein Labor. Am heimischen Bildschirm kann der Nutzer dann den Analyseprozess verfolgen. Angeboten werden Tests, die beispielsweise fitnessrelevante Werte messen oder eine Nahrungsmittelunverträglichkeit feststellen sollen.

Alle wichtigen Infos rund um den Bluttest
Nach mehreren erfolglosen Diäten, ist eine Blutuntersuchung zur Ursachenklärung sinnvoll © science photo / Shutterstock.com

Auch der Vitamin-D-Level und die Menge der Omega-3-Fettsäuren soll bestimmt werden können. Solche Tests kosten zwischen 99 und 499 Euro. Mediziner stehen der Methode eher kritisch gegenüber, vermuten dahinter einen Selbstoptimierungstrend mit teilweise sinnlosen medizinischen Angeboten. "Zudem ist die Zuverlässigkeit der Ergebnisse umstritten", so v. Schrenck.

Was sollte vor einem Bluttest beachtet werden?

Je nachdem, was der Arzt anhand der Blutentnahme erfahren möchte, sollten Sie vor dem Bluttest einige Dinge beachten. Wenn der Doktor Ihren Blutzucker- oder Ihren Trigylzeridwert messen will, müssen Sie zum Test nüchtern erscheinen. Das heißt, dass Sie vor der Blutentnahme 8 bis 12 Stunden nichts essen dürfen. Wasser ist erlaubt, auch Tee ohne Zucker und Milch. Alle zuckerhaltigen Getränke verfälschen das Ergebnis. Alkohol sollten Sie mindestens 24 Stunden vor dem Test meiden. Auch auf intensiven Sport vor der Blutentnahme sollten Sie verzichten, da auch so die Ergebnisse verändert werden könnten.

Fragen Sie Ihren Arzt, ob Sie mit bestimmten Medikamenten, wie zum Beispiel der Anti-Baby-Pille, vor dem Test aussetzen sollen. "Bei einigen Hormonuntersuchungen müssen tageszeitliche Schwankungen beachtet werden", so der Mediziner.

Welche Risiken gibt es bei einem Bluttest?

Eine Blutuntersuchung verläuft in der Regel risikofrei. Die Blutentnahme erfolgt meist in der Armbeuge. Nur in sehr seltenen Fällen kann es zu einer Infektion der Wunde kommen. Ein blauer Fleck (Hämatom) bildet sich, wenn die Einstichstelle nicht lange genug zugedrückt wurde. Keine Sorge: Der harmlose Bluterguss verblasst schnell wieder.

Wie teuer ist ein Bluttest?

Typischerweise übernimmt die Kasse die Bezahlung der Laborleistungen, wenn diese Leistungen vom Arzt veranlasst werden. Besteht jedoch kein konkreter Krankheitsverdacht oder eine Erkrankung sind diese Leistungen Wunschleistungen (Individuelle Gesundheitsleistungen: IGeL), die in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Private Krankenkassen übernehmen die Laborkosten in der Regel.

"Unabhängig vom Versichertenstatus kann jeder Patient Laborleistungen in Anspruch nehmen. Die Höhe der Abrechnung einzelner Analysen ist transparent in der Gebührenordnung für Ärzte festgelegt. Die veranlassten Kosten müssen dann vom Patient selbst getragen werden", erklärt Professor v. Schrenck.

24.03.2017| © womenshealth.de
Melanie Khoshmashrab
Melanie Khoshmashrab Freie Autorin Lifestyle & Gesundheit
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