Blutuntersuchung Was ein Bluttest über Ihre Gesundheit verrät

Was ein Bluttest über die Gesundheit verrät
Bei einer Blutuntersuchung werden die Inhaltsstoffe Ihres Blutes genau analysiert. © Csaba Deli / Shutterstock.com

Ein Bluttest verrät, wie es um Ihre Gesundheit steht. Lesen Sie, welche Blutuntersuchungen es gibt und wie ein Blutbild beim Abnehmen hilft

Wenn Ihnen etwas fehlt oder nicht gut tut, signalisiert das Ihr Körper in vielen Fällen sehr offensichtlich. Bei einem Mineralstoffmangel verändert sich beispielsweise die Haut. Wenn Sie ständig die Nacht zum Tag machen und die Korken knallen lassen, fühlen Sie sich schlapp.

Doch es gibt auch Probleme, die Ihnen Ihr Körper nicht direkt offenbaren kann oder Signale, die Sie schlicht und einfach übersehen. Das sind in vielen Fällen die schwerwiegenderen. "Zahlreiche Erkrankungen verursachen zunächst keinerlei Symptome. Der Satz 'Man ist so gesund, wie man sich fühlt!' stimmt leider nicht immer", sagt Professor Tammo von Schrenck von Mein Direktlabor aus Hamburg.

Anhand der Blutwerte können Experten erkennen, wie es wirklich um Ihre Gesundheit steht. Doch das Blutbild enthüllt nicht nur verborgene Krankheiten, sondern auch, ob Sie rauchen, trinken, häufig Stress haben und ob Ihre Ernährung ausgewogen ist. Immer häufiger ist auch zu hören, dass ein Bluttest sogar das Abnehmen einfacher machen kann.

Ein kleiner Pieks hilft, Informationen über Ihren Gesundheitszustand zu sammeln. © Soonthorn Wongsaita / Shutterstock.com

Wann ist ein Bluttest sinnvoll?

  • Bei diffusen Beschwerden: "Durch einen Bluttest können Risikofaktoren zuverlässig erkannt werden und damit die Weichen für eine geeignete Vorsorge oder Therapie gestellt werden", erklärt Professor von Schrenck. Hat die Patientin bereits Symptome, dient die Untersuchung des Bluts der Diagnosestellung einer bestimmten Krankheit. Wenn sich die Patientin beispielsweise schlapp und müde fühlt, kann die Diagnose Blutarmut (Anämie)/Eisenmangel mittels eines niedrigen Ferritinwertes im Blut gestellt werden.
  • Zur Bestimmung von Krankheitsverläufen: "Bei einigen Stoffwechselerkrankungen wird eine Blutanalyse zur Beurteilung des Krankheitsverlaufs herangezogen", so der Experte.
  • Vor Operationen: Ein Bluttest hilft, mögliche Risikofaktoren oder Vorerkrankungen, wie zum Beispiel eine Blutgerinnungsstörung, zu erkennen. In Notfallsituationen geben bestimmte Laborwerte (zum Beispiel Elektrolyte oder das Blutbild) wichtige Hinweise auf den Zustand der Patientin und weitere Maßnahmen.
  • Bei Verdacht auf Krankheiten, die anfangs symptomfrei verlaufen: "Eine Blutuntersuchung deckt zudem verschiedene sexuell übertragbare Krankheiten auf, wie z.B. HIV, Hepatitis B+C, Chlamydien und Syphilis. Oft verlaufen diese Infektionen ohne Symptome, können jedoch weitreichende gesundheitliche Folgen haben und gefährliche Ansteckungen ermöglichen", erklärt von Schrenck.

Welche Blutuntersuchungen gibt es?

Um das Blutbild eines Patienten zu erfassen, gibt der Arzt eine Blutuntersuchung in Auftrag. Sie ist für ihn ein wichtiger Hinweisgeber bei der Diagnose. Bei einer Blutuntersuchung wird das Blut in seine Bestandteile zerlegt und mittels unterschiedlicher Methoden untersucht. Unser Blut besteht zu 45 % aus Blutzellen und zu 55% aus Blutplasma. Bei einem Blutbild werden jedoch allein die Blutzellen genauer untersucht. Dabei wird zwischen einem kleinem und einem großem Blutbild unterschieden.

Wieviel kostet ein Bluttest?
Durch einen Bluttest werden Risikofaktoren erkannt und damit die Weichen für eine Therapie gestellt. © Csaba Deli / Shutterstock.com

Beim kleinen Blutbild werden die roten und weißen Blutkörperchen (Erythrozyten und Leukozyten) sowie die Blutplättchen (Thrombozyten) untersucht. Die Untersuchung zählt zur Routine bei der allgemeinen Gesundheitsvorsorge, wird aber auch bei Verdacht auf Blutarmut (Anämie), Infektionen und Entzündungen angeordnet. Die Werte geben Aufschluss, ob die Blutbildung und die Sauerstoffversorgung gut funktionieren und ob Mangelerscheinungen vorliegen. Bei Bedarf kann der Arzt zusätzlich zusätzliche Werte bestimmen lassen, zum Beispiel Leber- oder Nierenwerte.

Wer denkt, das große Blutbild würde sehr viel mehr Werte ermitteln, der irrt. Im Unterschied zum kleinen Blutbild werden hier ergänzend die Unterarten der weißen Blutzellen (Leukozyten) genauer untersucht. Leukozyten sind Teil des Immunsystems, das Fremdstoffe und Erreger bekämpft. Anhand der Daten des "Differenzialblutbildes" lässt sich erkennen, welche Unterart erhöht im Blut auftritt. Auf dieser Basis sind Rückschlüsse auf die Ursachen bestimmter Krankheiten möglich, zum Beispiel auf Infektionen, Entzündungen, Parasitenbefall, Vergiftungen oder Allergien.

Hilft ein Bluttest beim Abnehmen?

Wer Gewicht verlieren will, sollte zunächst den klassischen Weg über eine Umstellung der Lebensgewohnheiten gehen. Das heißt: gesunde Ernährung, viel Sport. Doch was, wenn beim Abnehmen trotzdem nichts mehr geht? Kann das Blut eine Erklärung über den ausbleibenden Erfolg geben?

Unter Umständen ja, sagt der Mediziner. "Nach mehreren erfolglosen Diäten ist eine Blutuntersuchung zur Ursachenklärung sinnvoll", rät von Schrenck. Teilweise seien Stoffwechselerkrankungen für die fehlende Gewichtsabnahme verantwortlich, zum Beispiel eine Unterfunktion der Schilddrüse oder eine Nebennieren- Überfunktion. "Der Bluttest bringt hier Klarheit", so von Schrenck.

Nur durch die Blutwerte allein lässt sich kein Gewicht verlieren – sofern Sie nicht an einer Stoffwechsel-Krankheit leiden. In dem Zusammenhang wird auch die Blutgruppendiät, die vom amerikanischen Naturheilkundler Peter D'Adamo entwickelt wurde, von Medizinern heftig kritisiert.

Die Theorie des Diät-Konzepts basiert darauf, dass jeder Mensch sich nach seiner Blutgruppe ernähren solle. Je nach Blutgruppe stehen unterschiedliche Lebensmittel auf dem Speiseplan. Mediziner beanstanden, dass die Theorie wissenschaftlich nicht haltbar sei und eher zu einer unausgewogenen Ernährung führe.

Eine Blutuntersuchung ist für Übergewichtige unabhängig vom Abnehmwunsch sinnvoll, so von Schrenck: "Da sie generell ein höheres Risiko für bestimmte Stoffwechselerkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes mellitus Typ 2 und Fettstoffwechselstörungen haben, empfiehlt sich ein Test auf bestimmte Risikofaktoren (zum Beispiel Blutzucker, HbA1c, Cholesterin, Triglyzeride, Harnsäure). So kann gegebenenfalls eine Lebensstilanpassung oder eine medikamentöse Therapie eingeleitet werden."

Nicht nur Ihr Arzt kann eine Blutuntersuchung veranlassen, Sie können das auch privat tun. © Oleksiy Mark / Shutterstock.com

Zu den wichtigsten Hinweisgebern im Blut gehören:

  • der Blutzucker (gibt Aufschluss darüber, ob Diabetes mellitus vorliegt)
  • Blutfette wie Cholesterin und Triglyzeride (sie erklären ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen)
  • Entzündungsparameter (zum Beispiel C-reaktives Protein: CRP)
  • Blutsalze wie Eisen, Natrium, Kalium oder Kalzium
  • bestimmte Enzyme und Proteine
  • Stoffwechselprodukte wie Kreatinin und Harnstoff (sie geben wichtige Hinweise auf die Nierenfunktion)
  • Hormone, zum Beispiel von der Schilddrüse
  • Blutgase
  • Tumormarker
  • Gerinnungsfaktoren

Um Bakterien im Blut oder Urin (bei Harnwegsinfektionen) der Patientin nachzuweisen, wird eine so genannte Kultur gemacht. Dazu wird das Blut oder der Urin auf unterschiedliche Nährböden gegeben und beobachtet, ob Erreger dort gut wachsen. So lässt sich nachweisen, ob und an welchem Infekt die Patientin erkrankt ist und ob eine Antibiotikaresistenz vorliegt.

Kann ich einen Bluttest auch selbst veranlassen?

Normalerweise wird eine Blutuntersuchung nur auf eine bestimmte Veranlassung hin, zum Beispiel einen Krankheitsverdacht, durchgeführt. Kein Mediziner wird aus bloßer Neugierde eine Laboruntersuchung des Blutes veranlassen.

Trotzdem können Sie Ihre Gesundheit auch selbst in die Hand nehmen: "Was viele nicht wissen: Die Blutentnahme muss nicht zwingend beim Hausarzt erfolgen. Auch als Privatperson können Sie sich direkt an ein Labor wenden und dort bestimmte Blutuntersuchungen durchführen lassen. So bieten einige Medizinische Labore bereits spezielle Services für eine schnelle und bequeme Blutanalyse, teilweise mit ärztlicher Beratung, an", sagt von Schrenck.

Kann ich eine Blutuntersuchung auch zu Hause durchführen?

Seit kurzem gibt es auch Bluttests für Zuhause, die man sich im Internet bestellen kann. Dazu ordern Sie den gewünschten Test, entnehmen sich selbst Blut aus der Fingerkuppe und schicken die Probe dann an ein Labor. Am heimischen Bildschirm kann die Nutzerin dann den Analyseprozess verfolgen. Angeboten werden Tests, die beispielsweise fitnessrelevante Werte messen oder eine Nahrungsmittelunverträglichkeit feststellen sollen.

Alle wichtigen Infos rund um den Bluttest
Nach mehreren erfolglosen Diäten ist eine Blutuntersuchung zur Ursachenklärung sinnvoll. © science photo / Shutterstock.com

Auch der Vitamin-D-Level und die Menge der Omega-3-Fettsäuren soll bestimmt werden können. Solche Tests kosten zwischen 99 und 499 Euro. Mediziner stehen der Methode eher kritisch gegenüber, vermuten dahinter einen Selbstoptimierungstrend mit teilweise sinnlosen medizinischen Angeboten. "Zudem ist die Zuverlässigkeit der Ergebnisse umstritten", so von Schrenck.

Was sollte vor einem Blutbild beachtet werden?

Je nachdem, was Ihr Arzt oder Ihre Ärztin anhand der Blutentnahme erfahren möchte, sollten Sie vor dem Bluttest einige Dinge beachten. Wenn Ihr Blutzucker- oder Ihren Trigylzeridwert gemessen werden soll, müssen Sie zum Test nüchtern erscheinen. Das heißt, dass Sie vor der Blutentnahme 8 bis 12 Stunden nichts essen dürfen. Wasser ist erlaubt, auch Tee ohne Zucker und Milch. Alle zuckerhaltigen Getränke verfälschen das Ergebnis. Alkohol sollten Sie mindestens 24 Stunden vor dem Test meiden. Auch auf intensiven Sport vor der Blutentnahme sollten Sie verzichten, da auch so die Ergebnisse verändert werden könnten.

Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, ob Sie mit bestimmten Medikamenten, wie zum Beispiel der Anti-Baby-Pille, vor dem Test aussetzen sollen. "Bei einigen Hormonuntersuchungen müssen tageszeitliche Schwankungen beachtet werden", so der Mediziner.

Welche Risiken gibt es bei einem Bluttest?

Eine Blutuntersuchung verläuft in der Regel risikofrei. Die Blutentnahme erfolgt meist in der Armbeuge. Nur in sehr seltenen Fällen kann es zu einer Infektion der Wunde kommen. Ein blauer Fleck (Hämatom) bildet sich, wenn die Einstichstelle nicht lange genug zugedrückt wurde. Keine Sorge: Der harmlose Bluterguss verblasst schnell wieder.

Wie viel kostet eine Blutuntersuchung?

Typischerweise übernimmt die Kasse die Bezahlung der Laborleistungen, wenn diese Leistungen von der Arztpraxis veranlasst werden. Besteht jedoch kein konkreter Krankheitsverdacht oder eine Erkrankung sind diese Leistungen Wunschleistungen (Individuelle Gesundheitsleistungen: IGeL), die in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Private Krankenkassen übernehmen die Laborkosten in der Regel.

"Unabhängig vom Versichertenstatus kann jede Patientin Laborleistungen in Anspruch nehmen. Die Höhe der Abrechnung einzelner Analysen ist transparent in der Gebührenordnung für Ärzte festgelegt. Die veranlassten Kosten müssen dann von der Patientin selbst getragen werden", erklärt Professor von Schrenck.

Wann immer Ihre Ärztin oder Ihr Arzt eine Blutuntersuchung vorschlägt, sollten Sie diese in Anspruch nehmen. Egal, ob der Bluttest Informationen über mögliche Erkrankungen oder "nur" über Mangelerscheinungen ermittelt, können Sie mit Hilfe der Ergebnisse Ihre Lebensqualität ganz gezielt verbessern.

04.04.2019| © womenshealth.de
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