Toxisches Schocksyndrom So gefährlich können Tampons sein

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Hilfe! Tampons können das toxische Schocksyndrom begünstigen. © gpointstudio / Shutterstock.com

Eigentlich ist die monatliche Blutung doch schon belastend genug – und jetzt auch noch das: Tampons und Menstruationscups können TSS begünstigen

Spätestens seitdem das US-Model Lauren Wasser seine Beine durch das sogenannte Toxische Schocksyndrom (TSS) verlor und nun einen großen Tamponhersteller verklagt, ist TSS in aller Munde. Um Gerüchten und Halbwahrheiten entgegenzuwirken, haben wir mit Experten über die Krankheit und die Vor- und Nachteile von Tampons, Binden und Menstruationstassen gesprochen.

Was ist das Toxische Schocksyndrom?

TSS wird durch Staphylokokken und Streptokokken ausgelöst. "Das sind quasi ‚Allerweltskeime‘, die die meisten von uns in geringer Menge auf Haut und Schleimhäuten haben – ohne krank zu werden", erklärt Frauenarzt Prof. Werner Mendling, der die Keimbesiedlungen bei Infektionen wissenschaftlich erforscht.

"Diese Bakterien setzen Giftstoffe frei, die auf der Hautoberfläche ungefährlich sind. Bei Verletzungen der Haut kommen die Bakterien mit dem ungeschützten Gewebe in Kontakt und setzen dort ihre Toxine frei. In Normalfall wird unser Immunsystem damit fertig, die Wunde rötet sich oder eitert und heilt dann ab. Sind die Giftstoffe bei einer solchen Entzündung in geringen Mengen in unser Blut gelangt, bildet unser Immunsystem dagegen Antikörper." Über 90 Prozent aller Erwachsenen verfügen laut Mendling über Antikörper gegen diese Giftstoffe.

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Nach maximal 6 Stunden sollte ein Tampon gewechselt werden. © Ema Woo / Shutterstock.com

Die Bakterien kommen häufig in geringer Menge auch in der Bakterienbesiedlung der Vagina vor. "Normalerweise stellt das aber kein Problem dar“, erläutert Prof. Mendling. "Wegen der Milchsäurebakterien herrscht in der Vagina ein sehr saurer pH-Wert. Krankmachende Keime wie Staphylokokken, Streptokokken oder auch unsere Darmkeime Escherichia coli können sich in diesem sauren Milieu nicht gut vermehren." Kurz gesagt: Im Normalfall sind die Keime unbedenklich.

Doch durch die Monatsblutung ändert sich die Situation: "Blut hat einen pH-Wert von 7 und ist damit nicht sauer. Das körperwarme Blut ist ein idealer Nährboden für alle Keime und führt zu einer rapiden Vermehrung", erklärt Dr. med. Christian Albring, niedergelassener Frauenarzt und Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V..

"Durch winzige Verletzungen in der Wand der Vagina, die beispielsweise durch Druckstellen einer Menstruationstasse, Mikro-Fädchen des Tampons oder Sex hervorgerufen werden, können die Keime ins Blut gelangen." Jetzt aber nicht gleich panisch werden: "Die meisten Erwachsenen haben bereits Antikörper gebildet – hier schafft das Immunsystem also Abhilfe", entwarnt Mendling. Sind allerdings noch keine körpereigenen Antikörper vorhanden, können sich die Keime ungehemmt im Blut vermehren und Giftstoffe ausschütten. Diese massenhafte Gift-Ausschüttung löst das Toxische Schocksyndrom aus, was im schlimmsten Fall zu Multi-Organversagen führen kann.

Was sind die Symptome des TSS?

Zunächst ähneln die Symptome der gefährlichen Entzündung einer Grippe. Wer während der Periode plötzlich unter Fieber, niedrigem Blutdruck, Hautausschlag, Schwindel, Erbrechen oder Durchfall leidet, sollte den Tampon oder die Menstruationstasse sofort entfernen und einen Arzt aufsuchen.

Das Toxische Schocksyndrom wird allerdings nicht von der Menstruation bedingt, kommt also auch bei Männern oder bei Frauen außerhalb ihrer Regel vor. Trotzdem sind die meisten Betroffenen Mädchen und Frauen im Alter zwischen 10 und 50 Jahren. Deutschlandweit wird pro Jahr aber nur bei etwa 50 bis 70 Menschen die Diagnose TSS gestellt.

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Die Alternative zu Tampon & Co.: Free bleeding – einfach laufen lassen. © Estrada Anton / Shutterstock.com

Wie kann ich dem TSS vorbeugen?

Ja, Tampons und Menstruationstassen sind wahnsinnig praktisch. Trotzdem: "Die einzige Möglichkeit, die explosionsartige Vermehrung unerwünschter Keime während der Menstruation zu unterbinden, ist es, das Blut herausfließen zu lassen", sagt die Pressereferentin des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V., Dr. med. Susanna Kramarz. "Und dabei geht es nicht nur um die Keime, die das TSS auslösen können, sondern auch um alle anderen potentiellen Krankheitserreger." Sie spricht sich damit deutlich für ein Misstrauen gegenüber Tampons und Menstruationstassen und für Binden aus.

Wer sich nicht komplett an Binden gewöhnen kann, sollte Tampon oder Tasse zumindest in der kleinstmöglichen Größe verwenden und immer spätestens nach 6 Stunden wechseln. Auch sensibel für den eigenen Körper zu sein, ist wichtig: "Sollten Sie feststellen, dass Ihr Menstruationsblut unangenehm riecht, sollten Sie erst einmal keine Tampons oder Menstruationstassen nutzen", sagt Kramarz. "Im Normalfall riecht Blut neutral, ein unangenehmer Geruch weist auf eine bakterielle Zersetzung hin."

Vorsicht ist bei TSS besser als Panik

Natürlich ist mit dem Toxischen Schocksyndrom nicht zu spaßen. Dennoch handelt es sich dabei um eine Krankheit, die sehr selten auftritt und der man mit Wissen und Vorsicht entgegenwirken kann. Wann immer es möglich ist, sollten Sie auf Tampons und Menstruationstassen verzichten und auf Binden zurückgreifen, damit das Blut zusammen mit den Keimen herausfließen kann. Ansonsten sollten Sie den regelmäßigen Tamponwechsel ernst nehmen und auf die Signale Ihres Körpers achten.

25.04.2018| © womenshealth.de
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