"Vielfalt macht Teams stärker" – Marie-Louise Eta im Interview

Interview mit Marie-Louise Eta
"Vielfalt macht Teams stärker" – Marie-Louise Eta über Führung, Vertrauen und den Mut, den eigenen Weg zu gehen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 21.07.2026
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Interview mit Fußballtrainerin Marie-Louise Eta
Foto: gettyimages/Maja Hitij

Vom Nachwuchs bis in die Bundesliga – und mittendrin als Trainerin: Die ehemalige Fußballspielerin Marie-Louise Eta ist seit Sommer 2026 Cheftrainerin der Frauen-Profimannschaft des 1. FC Union Berlin. Zuvor coachte sie die U19-Junioren des Vereins und sprang im Frühjahr 2026 sogar als Interimstrainerin der Männer-Bundesligamannschaft ein – ein Weg, der im deutschen Profifußball noch immer selten ist, weil Frauen auf dieser Ebene, besonders im Umfeld von Männerteams, kaum sichtbar sind. Im Interview spricht sie über ihren bewusst gewählten Schritt an die Seitenlinie, über Führung zwischen klarer Autorität und Empathie und darüber, warum Vielfalt Teams stärker macht. Außerdem verrät sie, welches WM-Team sie aktuell am liebsten eine Woche lang trainieren würde und welcher Turniermoment sie spontan vom Sofa aufspringen ließ.

Welches WM-Team würdest du aktuell am liebsten eine Woche lang trainieren?

Antwort: "Ja. Da gibt es einige Mannschaften, die mich begeistern [...]. Wenn ich mich für eine entscheiden müsste, dann wäre es die französische Nationalmannschaft."

Gab es bei der WM 2026 einen Moment, bei dem du vom Sofa aufgesprungen bist?

Antwort: "Das war der Moment, als Manuel Neuer den zweiten Elfmeter gehalten hat und wir dadurch gegen Paraguay nochmal zurückgekommen sind. Leider war es wenige Minuten später dann doch vorbei."

Wann hast du gemerkt, dass du Trainerin werden möchtest?

Antwort: "Mein Weg zur Trainerin war weniger ein einzelner Schlüsselmoment als vielmehr ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess.

Anfang 20 begann ich mit meinen Trainerlizenzen und entdeckte dabei meine Begeisterung für die Arbeit als Trainerin. 2013 gründeten mein Mann, der damalige sportliche Leiter des TuS Schwachhausen, und ich aus einer spontanen Idee heraus eine Frauenfußballmannschaft. Mit den wachsenden Erfahrungen entwickelte sich daraus der Wunsch, den Trainerberuf weiter zu verfolgen, mein Wissen zu vertiefen und Spielerinnen in ihrer sportlichen und persönlichen Entwicklung zu begleiten.

Während meiner aktiven Zeit bei Werder Bremen übernahm ich Teams als Cheftrainerin. Um mich im Trainerbereich weiterzuentwickeln und den nächsten Schritt zu gehen, beendete ich meine aktive Laufbahn schließlich bewusst vorzeitig – nicht verletzungsbedingt, sondern aus Überzeugung. Da sich Bundesligafußball und Trainertätigkeit nur schwer vereinbaren ließen, entschied ich mich 2018 vollständig für den Trainerweg und erhielt direkt die Möglichkeit, bei Werder Bremen hauptberuflich als Trainerin einzusteigen."

Welche überholten Vorstellungen über Führung begegnen dir im Sport noch?

Antwort: "Oft habe ich das Gefühl, dass im Sport bei Führung noch immer die "harte Schule" erwartet wird, also ein rauer Umgangston und ein sehr autoritäres Auftreten. Natürlich braucht es als Trainerin oder Trainer Autorität und es gehört auch dazu, klare Entscheidungen zu treffen, Kritik zu äußern und konsequent zu handeln. Gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass eine positive Atmosphäre im Team die Grundlage für erfolgreiche Zusammenarbeit ist. Klare Kommunikation, natürliche Autorität und Empathie schließen Führungsstärke nicht aus."

Hast du ein Ritual vor wichtigen Spielen?

Antwort: "Mir ist wichtig, dass wir vor jedem Spiel bestmöglich vorbereitet sind. Wenn wir eine Trainingswoche mit einer Klarheit in den Inhalten hinter uns haben, und mit einem guten Gefühl ins Spiel gehen, brauche ich keine besonderen Rituale. Für mich ist die Vorbereitung der entscheidende Faktor."

Wie trainierst du heute selbst, um dich fit zu halten?

Antwort: "Ich habe kein festes tägliches Sportprogramm. In meiner Freizeit spiele ich aber sehr gerne Padel und im Winter bin ich gern auf dem Snowboard unterwegs."

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Was würdest du jungen Frauen sagen, die in Bereichen erfolgreich sein wollen, in denen bisher nur wenige Frauen sichtbar sind?

Antwort: "Was auch immer ihr tut – macht es mit Freude, Begeisterung und Leidenschaft. Glaubt an eure Ziele und Träume, seid fleißig und geduldig. Sucht euch Menschen und Umfelder, die an euch glauben und euch Chancen geben, eure Potenziale erkennen und langfristig fördern."

Was muss passieren, damit 'die erste Frau' irgendwann keine Schlagzeile mehr ist?

Antwort: "Mir ist wichtig zu betonen, dass es dabei nicht um Frau gegen Mann geht. Am Ende kommen wir am besten voran, wenn wir zusammenarbeiten. Vielfalt macht Teams stärker. Nicht nur durch unterschiedliche Geschlechter, sondern auch durch verschiedene Altersgruppen, Erfahrungen und Herkunftsgeschichten. Genau diese unterschiedlichen Perspektiven sind wertvoll, weil alle voneinander lernen und profitieren können. Das bringt ein Team weiter und hilft dabei, sich gemeinsam zu entwickeln.

Gleichzeitig ist Sichtbarkeit wichtig. Es braucht Menschen und Unternehmen, die nicht nur darüber sprechen, sondern die Entwicklung aktiv unterstützen. Wenn Vereine, Partner und Sponsoren Frauen- und Männerfußball gleichermaßen fördern, wie es bei uns mit unserem Hauptsponsor Raisin der Fall ist, wird Gleichberechtigung irgendwann selbstverständlich."

Was ist dein persönlicher Ausgleich zum Fußball?

"Oft trotzdem Fußball schauen. Für mich ist es ansonsten sehr wichtig, Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen. Außerdem mache ich gerne Sport, gehe gerne auf Konzerte und genieße gutes Essen."