Alle haben so ihre Frühstücksfavoriten. Für manche ist es die perfekte Menge Milch im English Breakfast Tea – gerade genug, damit die Farbe irgendwo zwischen Keks und Beige landet. Für andere ist es Toastbrot, exakt 90 Sekunden geröstet, bis es aussieht wie frisch aus dem Mallorca-Urlaub. Der Weg zu Hannah Waddinghams Herz führt dagegen über Speck – allerdings nicht einfach nur "gut gebraten".
"Komplett zerstört", sagt sie lachend darüber, wie sie ihren Bacon am liebsten mag. "Wenn er nicht völlig knusprig gebraten ist, geht er zurück. Mein Partner lacht immer darüber und schlägt die Hände vors Gesicht, weil er nur sagt: 'Oh mein Gott, wie viele Gespräche kann man eigentlich über Bacon führen, der in tausend Teile zerbricht, wenn man ihn fallen lässt?' Aber ich liebe das einfach. Und Avocado – wenn man mich aufschneiden würde, bestünde ich daraus."
Könnte Hollywood Hannahs Mischung aus charismatischer Nahbarkeit und beeindruckender Präsenz in Flaschen abfüllen, sähe die Filmwelt vermutlich anders aus. Stattdessen bleibt Hannah eine der wenigen Schauspielerinnen, die mühelos zwischen Fantasy-Blockbustern und warmherziger Comedy wechseln – mit einer kompromisslosen Energie, die das Publikum sofort für sie einnimmt. Und genau diese "Scheiß' drauf"-Attitüde macht sie auch zur perfekten Women’s Health-Coverfrau – was sie nun in Großbritannien auch geworden ist. Im Gespräch mit den Kolleginnen spricht sie offen über alles, was sie bewegt, vom Frühstück über Fitness bis hin zum Thema Wechseljahre. Und natürlich über ihre Stunts.

Volle Power für die Actionrolle
"Das hat mich komplett zerlegt", erzählt sie über ihre Entscheidung, die Stunts für die kommende Amazon-Prime-Serie Ride Or Die selbst zu übernehmen. Darin spielt Hannah Judith, eine Auftragskillerin mit Doppelleben, deren Welt mit der Ehekrise ihrer besten Freundin Debbie kollidiert – gespielt von Hidden Figures-Star Octavia Spencer. Gemeinsam gehen die beiden auf die Flucht, ihre Loyalität wird auf die Probe gestellt. Man stelle sich die Action von Mr & Mrs Smith gemischt mit dem Roadtrip-Drama von Thelma & Louise vor.
"Ich habe mich komplett in die Stunts reingeworfen", sagt sie. "Ich habe eine Woche lang an einem Stunt gearbeitet und ihn dann gedreht, und am nächsten Tag musste ich direkt den nächsten üben. Ich dachte nur: 'Leute, ich bin völlig erledigt– können wir kurz mal eine Pause machen?'"
Wie dieses "komplett zerstört" aussah? "Irgendwann hatte ich eine ziemlich üble Verletzung im Wadenmuskel, und das war furchtbar. Es gab Momente, in denen ich dachte: 'Worauf hast du dich da eigentlich eingelassen?' Wenn ich mir das heute anschaue, kann ich kaum glauben, dass ich das gemacht habe." Das Geheimnis hinter ihrem Erfolg als Actionheldin? Ihre Theaterausbildung – und die Fähigkeit, komplett in eine Rolle einzutauchen. "Bei den Proben hätte ich am liebsten ständig gekniffen. Aber sobald wir am Set waren und jemand 'Action!' gerufen hat, war ich ein Biest."

Vom Londoner West End nach Hollywood
Dieser Beast-Mode steckt Hannah offenbar im Blut. Aufgewachsen im Südwesten Londons bei ihren Eltern, wurde sie früh von der Karriere ihrer Mutter inspiriert – einer klassisch ausgebildeten Mezzosopranistin der English National Opera. "Das Theater hat mir Resilienz und eine gewisse Kraft in meinem Beruf gegeben", sagt sie. "Ein Drehbuch in die Hand zu nehmen, auf mich zu achten, fokussiert zu bleiben. Und ich bin immer ein Teamplayer – das kommt vom Theater. Als wir dieses Shooting für Women’s Health gemacht haben, sagte der Fotograf: 'Es ist so schön, wen hier zu haben, die sich wirklich dafür interessiert, wie wir alle zusammenarbeiten.' Aber für mich käme es nie infrage, nicht so zu sein."
Foto-Produktion Women's Health UKPhotography: David Venni
Stylist: Saskia Quirkie
Make-up: Sophie Roberts at Berlin Associates using Shane Cooper Skincare
Hair: James Rowe at Bryant Artists using Fable & Mane
Manicurist: Aliyah Johnson at Carol Hayes Management using Essie
Tailor: Kim Lareau for Karen Avenell
Als sie schließlich als Rebecca Welton in Ted Lasso besetzt wurde – die harte, aber warmherzige Besitzerin des AFC Richmond – hatte sie bereits eine beeindruckende Karriere am West End und Broadway hinter sich. Doch mit ihren 1,80 Metern überragt Hannah viele ihrer Co-Stars – besonders in High Heels. "Es war jahrzehntelang fast so, als wären große Schauspielerinnen ein Schimpfwort", erzählt sie. "Die Leute waren total nett, aber dann hieß es: 'Wir würden Sie wahnsinnig gern besetzen, aber wir haben den männlichen Part leider schon gecastet – und er ist nur 1,73 groß.' Das ist gesellschaftlicher Unsinn."
Zwar hatte sie bereits markante Rollen – etwa als fanatische Septa Unella ("Shame Nun") in Game Of Thrones oder als strenge Mutter Sofia Marchetti in Sex Education –, doch erst Ted Lasso machte sie weltweit bekannt. Die jüngste Staffel wurde in den USA zur meistgesehenen Streaming-Originalserie.

Alleinerziehend – und stärker denn je
Für Hannah kam der Erfolg genau zur richtigen Zeit. "Es war ein Wendepunkt, weil ich zum ersten Mal nicht nur als große, kräftigere Frau wahrgenommen wurde, sondern als jemand mit denselben Macken, Unsicherheiten und Verletzlichkeiten wie alle anderen", erklärt sie. "Und dann war da natürlich auch die finanzielle Sicherheit in diesem Moment … die Möglichkeit, mit meiner Tochter auf eigenen Beinen zu stehen."
Nach der Trennung vom Vater ihrer Tochter, als diese erst zwei Jahre alt war, wurde Hannah alleinerziehende Mutter – eine Situation, die ihre Karriere hätte stoppen können. Stattdessen gab sie ihr neuen Antrieb. "In so einem Moment kann deine Karriere schnell ins Wanken geraten, weil du plötzlich allein mit dem Kind dastehst. Aber ich habe in mir selbst eine Stärke gefunden. Ich dachte: 'Nein, ich werde mich nicht mit einer Decke über dem Kopf in die Ecke setzen und denken: Oh, du Arme.' Ich werde kämpfen, weil ich weiß, dass ich meiner Karriere noch so viel zu geben habe."

Warum über Single-Mutterschaft gesprochen werden muss
Heute, acht Jahre später, beschreibt sich Hannah als extrem beschützende Mutter ihrer inzwischen elfjährigen Tochter. Ihre Offenheit über das Leben als Single-Mom hat einen Grund: Sie glaubt, dass viele Menschen unterschätzen, was das wirklich bedeutet.
"Ich spreche ständig über das Thema Alleinerziehende, weil es eben nicht dasselbe ist wie zwei Elternteile. Ich weiß, das klingt offensichtlich, aber ich glaube, viele vergessen das. Leute sagen dann: 'Ach ja, ich bin auch oft allein mit meinem Kind.' Aber das ist nicht dasselbe, wie die alleinige Verantwortung zu tragen. Sie ist ohne Zweifel meine größte Leistung – genau deshalb."

Während sie sich langsam auf die Teenagerjahre vorbereitet, kennt auch Hannah die typischen Gefühle vieler Mütter: "Minderwertigkeitskomplexe als Mutter", "Mutter-Impster-Syndrom" und natürlich "Mom Guilt".
"Lasst euch nicht täuschen und denkt, ich hätte alles im Griff – das habe ich an keinem einzigen Tag", sagt sie ehrlich. "Das Wichtigste ist für mich inzwischen, die Kommunikation offen zu halten. Ich frage viel mehr nach als früher. Und ich habe ihr immer gesagt: Selbst wenn mich etwas in ihrem Leben schockiert, selbst wenn ich mal die Augenbraue hochziehe – ich werde immer für alles offen sein."

Kein Tabu: Hannah Waddingham über Menopause
Gerade in einer Zeit, in der ultradünne Körper wieder glorifiziert werden, wirkt Hannahs ausdrucksstarkes Gesicht – inklusive echter Lachfältchen – fast rebellisch. Als das Gespräch auf GLP-1-Medikamente und Beauty-Standards in Hollywood kommt, bleibt sie diplomatisch. "Man müsste blind sein, um das nicht zu sehen", sagt sie. Gleichzeitig betont sie, dass sie niemanden dafür verurteilt. "Meine Sorge ist immer, was das mit dem Darm oder dem Nervensystem macht. Was richtet das langfristig an, das dich irgendwann einholt? Gleichzeitig habe ich aber Glück, dass ich bisher – zumindest aktuell – nie das Bedürfnis hatte, auf diese Weise einzugreifen."
Hilfreich sei dabei auch ihre Angst vor Nadeln – weshalb kosmetische Injectables für sie ohnehin keine Option seien. Stattdessen setzt sie auf kollagenstimulierende Facials bei Star-Ästhetiker Shane Cooper. "Ich bin einfach kein Fan von dieser Pflasterlösung, bei der man für ein paar Monate glatter aussieht", sagt sie achselzuckend. "Das ist einfach nichts für mich."
Noch deutlicher wird Hannah beim Thema Menopause. "So sicher wie das Leben und der Tod kommt auch die Menopause", sagt sie. "Sie muss existieren, damit wir außergewöhnlichen Frauen neues Leben auf die Welt bringen können. Deshalb verstehe ich nicht, warum das Thema unter den Teppich gekehrt wird." Dass Frauen oft gelernt haben, sich dafür zu schämen, kann sie kaum nachvollziehen. "Genau das meine ich – mein Gehirn versteht diese ganze Scham ehrlich gesagt überhaupt nicht."

Brain Fog, Hormone und warum Frauen hinschauen sollten
Während der Dreharbeiten zu Ride Or Die in Prag bemerkte Hannah erstmals Veränderungen bei sich selbst. "Während der Dreharbeiten in Prag, bei all dieser körperlichen Arbeit und den ganzen Stunts, habe ich gemerkt, wie meine Stimmung abgesackt ist – und das bin eigentlich nicht ich", erinnert sie sich. Später fand sie dafür einen Namen: Brain Fog. "Ich hatte das Gefühl, kaum noch produktiv zu sein. Eigentlich bin ich ein total positiver Mensch und ich habe gespürt, wie das langsam verschwindet. Aber man sagt sich dann eben auch schnell: 'Ich bin einfach total gestresst.' Wir versuchen alle nur, irgendwie durch den Tag zu kommen, und weil sich das so schleichend entwickelt, merkt man oft erst etwas, wenn – wie ich immer sage – plötzlich alles auseinanderfällt."
Zunächst schob sie alles auf Müdigkeit. Erst ihre beste Freundin überzeugte sie, ihre Hormone testen zu lassen – rückblickend die beste Entscheidung überhaupt. "Niemand wird dir dafür danken, dass du diese Symptome ignorierst – und die einzige Person, die darunter leiden wird, bist du selbst. Wenn du kannst, leg dir genug Geld zurück, damit du dich um Probleme kümmern kannst – genauso wie du es tun würdest, wenn du ein Problem mit einem Muskel oder deiner mentalen Gesundheit hättest. Aber steh nicht nur daneben und mach gar nichts. Stürz' dich rein."

Was ihr in den Wechseljahren hilft
Mittlerweile hat Hannah eine Routine gefunden, die für sie funktioniert: eine Kombination aus HRT, ganzheitlicher Unterstützung und Supplements von Ancient + Brave und Artah. Und natürlich Bewegung. "Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich wahnsinnig viel trainiere. Eigentlich mache ich nur Calisthenics mit dem eigenen Körpergewicht und ein paar leichten Gewichten – 20 Minuten morgens. Aber ich sage meinen Freundinnen immer: 'Aktiviert eure Muskeln – jeden Tag.'" Viele würden sie auf ihre definierten Arme ansprechen. Ihre Antwort darauf? "Ich halte sie einfach aktiviert." Dann setzt sie ihre strengste Lehrerinnenstimme auf: "Und unterschätzt niemals den Effekt von Squats beim Zähneputzen."
Hannahs Rat an Frauen mitten in den Wechseljahren? "Ich würde sagen: Umarmt die Person, die ihr seid, und liebt jede Sekunde eurer Veränderungen. Genau das versuche ich auch. Ist es einfach? Nein. Wird es trotzdem passieren? Ja. Also nehmt eure Zügel selbst in die Hand. Seid diejenige, die eure Zügel führt."

Neue Staffel "Ted Lasso", neues Kapitel im Leben
Und apropos Umkleidekabinen: Im Januar kündigte Apple TV an, dass sich die neue Staffel von Ted Lasso um ein Frauenfußballteam drehen wird. Für Hannah, die früher selbst Netball für Surrey spielte, ein Thema, über das sie sich besonders freut. "Ich hoffe, dass die Menschen diese Staffel genauso ins Herz schließen wie die ersten drei, denn die Frauen in dieser Staffel verdienen es, dass man sich wirklich auf sie einlässt", sagt sie begeistert. "Auch der Cast ist fantastisch – sie kamen ans Set und haben sofort alles übernommen. Das macht mir wirklich Hoffnung, wenn ich die jüngere Generation von Schauspielerinnen sehe. Die haben es absolut drauf – und noch mehr."
Auch privat scheint gerade vieles leicht zu werden. Mit dem Vater ihrer Tochter versteht sie sich inzwischen gut, außerdem datet sie wieder – den bereits erwähnten "anderen Part" und Bacon-Skeptiker. Mehr Details möchte sie allerdings nicht verraten. "Es hat acht Jahre gedauert", sagt Hannah über den Weg zurück in eine Beziehung. "Mental und emotional hatte ich dafür einfach keinen Raum. Ich habe mich komplett auf meine Tochter und mich konzentriert. Aber jetzt bin ich bereit, meinen Kopf wieder ein bisschen weiter aus der Deckung zu strecken."

Und ja, dieser Mann sei tatsächlich ziemlich attraktiv. "Ist er!", ruft sie lachend. "Und natürlich ist die Beziehung auch wirklich schön. Aber das Beste daran ist vor allem, dass ich glücklich und stark in mir selbst bin." Und vielleicht ist genau das – noch mehr als knuspriger Bacon oder Squats beim Zähneputzen – die wahre Stärke, aus der Hannah Waddingham gemacht ist.





