Frauen reden viel über Östrogen und über Progesteron. Also über Hormone, die irgendwie weiblich klingen. Weniger thematisiert hingegen wird Testosteron, denn es gilt als "Männerhormon".
Das stimmt zwar irgendwie, aber nur zum Teil. Testosteron wird auch in jedem weiblichen Körper produziert und erfüllt hier wichtige Aufgaben. Ab dem mittleren Alter nimmt die Produktion ab. Hier erfährst du, was mehr Testosteron mit deiner sportlichen Leistung machen kann.
Welche Aufgabe hat Testosteron im Frauenkörper?
Auch wenn Testosteron als Männerhormon gilt: Deine Eierstöcke und Nebennierenrinde produzieren es täglich, allerdings etwa 10 bis 20 Mal weniger als Männer. Das klingt nach wenig, hat aber trotzdem eine Wirkung.
Testosteron beeinflusst bei Frauen den Muskelaufbau, die Knochendichte, das Energieniveau und die Ausdauer. Auch in Sachen Libido ist das Hormon ein wichtiger Mitspieler.
Studie testet Testosteron bei Frauen
Forscherinnen und Forscher des Karolinska Institutet in Stockholm haben in einer doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Studie genau das untersucht: Wie wirkt sich ein moderat erhöhter Testosteronspiegel auf die sportliche Leistung aktiver Frauen aus? Die Ergebnisse wurden im British Journal of Sports Medicine veröffentlicht.
Insgesamt 48 aktive Frauen zwischen 18 und 35 Jahren trugen 10 Wochen lang entweder eine Testosteroncreme oder ein Placebo auf. Dann wurden sie getestet. Resultat: Die Ausdauerleistung der Testosteron-Gruppe stieg immerhin um 8,5 Prozent, und die Muskelmasse legte mit knapp 1 kg deutlich stärker zu als in der Placebo-Gruppe, bei gleichbleibendem Körpergewicht.
Die Aussagekraft der Studie hat aufgrund der kurzen Testdauer von 10 Wochen Grenzen. Ob sich die Effekte bei längerer Anwendung verstärken oder verändern, ist noch nicht abschließend erforscht. Aber eins ist klar: Testosteron macht etwas mit deiner sportlichen Power.
Was das für dein Training bedeutet
Du musst keine Hormone supplementieren, um deinen Testosteronspiegel zu unterstützen. Dein Körper reagiert auf das, was du ihm gibst; einige der Stellschrauben hast du selbst in der Hand. Mit einigen Maßnahmen kannst du dein natürliches Testosteron pushen.
- Krafttraining: Schwere Verbundübungen wie Kniebeugen und Kreuzheben regen die körpereigene Testosteronproduktion an.
- Schlaf: Zu wenig Schlaf senkt den Testosteronspiegel messbar. Du solltest 7 bis 9 Stunden nicht unterschreiten.
- Zink und Vitamin D: Beide Mikronährstoffe sind an der Hormonsynthese beteiligt. Ein Mangel kann den Spiegel drücken.
- Chronischen Stress vermeiden: Cortisol und Testosteron konkurrieren. Wer dauerhaft unter Druck steht, verliert hormonell.
Bemerkst du trotz Training und gesunder Ernährung, dass Energie und Leistungsfähigkeit dauerhaft fehlen? Ein Check deines Hormonstatus' kann Aufschluss geben. Liegt tatsächlich ein Testosteronmangel vor – zum Beispiel nach einer Entfernung der Eierstöcke oder in den Wechseljahren – kann eine ärztlich verordnete Testosteron-Therapie eine sinnvolle Option sein. Die Verschreibung erfolgt allerdings off-label und ist immer eine Einzelfallentscheidung.
Die häufigsten Fragen zu Testosteron bei Frauen und Sport
Ja. Testosteron wird in Eierstöcken und Nebennierenrinde produziert, aber in deutlich geringeren Mengen als bei Männern. Es beeinflusst Muskelaufbau, Energie, Ausdauer und Libido.
Ja, in Grenzen. Krafttraining, ausreichend Schlaf, Stressreduktion und eine gute Versorgung mit Zink und Vitamin D unterstützen die körpereigene Produktion nachweislich.
Nein, nicht ohne ärztliche Abklärung. Zu hohe Testosteronspiegel können bei Frauen Nebenwirkungen wie Akne, Haarausfall oder Veränderungen der Stimme verursachen.





