Keine Orgasmen? Das kann organische, aber auch psychische Ursachen haben BDS Piotr Marcinski / Shutterstock.com

Kein Orgasmus Sex ohne Höhepunkt: Hilfe bei Orgasmus-Problemen

Du kommst nicht, wie du kommen willst? Orgasmus-Probleme können nerven. Unsere Expertin sagt, was du tun kannst, wenn der Höhepunkt beim Sex ausbleibt

Eigentlich ist alles super: Du liebst und begehrst deinen Partner, hast regelmäßig guten Sex – aber einen Orgasmus erreichst du nur selten oder sogar nie? Das ist total blöd, aber leider keine Seltenheit.

Studien belegen, dass etwa 50 Prozent aller Frauen zeitweise oder auch länger Schwierigkeiten haben, einen Höhepunkt zu erleben. "Für manche Frauen ist das kein Problem, für andere ein sehr großes", sagt unsere Expertin, die Sexual-Psychologin Krystal Woodbridge, und erklärt, was dir bei Orgasmus-Schwierigkeiten helfen kann.

Warum bekomme ich keinen Orgasmus?

Dafür gibt es viele mögliche Ursachen. Als Auslöser kommen Hormonschwankungen, Krankheiten und Medikamente (wie zum Beispiel Antidepressiva oder Beta-Blocker) in Frage. Sie können bewirken, dass zum Beispiel die Scheide nicht feucht genug oder die Vulva nicht ausreichend durchblutet wird.

Auch psychische Ursachen sind möglich. Wer erschöpft ist oder unter Stress steht, braucht oft sehr lange, um erregt zu werden, oder kann diese Erregung nicht lang genug halten. Deine Gedanken schweifen dann noch während des Vorspiels ab, zur To-Do-Liste oder einem Konflikt am Morgen im Büro – dagegen hat der Höhepunkt kaum eine Chance.

Aber auch Angst vor dem Kontrollverlust und das Gefühl, verwundbar und ausgeliefert zu sein, verhindern oft, dass Frauen einen Orgasmus erreichen. "Schüchternheit und ein Gefühl von Verlegenheit sind häufige die Ursache", weiß Woodbridge, "Sich vor dem Partner vollkommen zu entspannen und gehen zu lassen, ist für viele Frauen nicht so einfach." Einige geraten während des Vorspiels in eine negative Gedankenspirale: Wie sehe ich aus? Verzerren sich meine Gesichtszüge? Gebe ich komische Laute von mir? Da fällt Fallenlassen schwer.

Zärtlichkeit und Nähe mit dem Partner erleben manche Frauen so intensiv wie einen Orgasmus.
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Zärtlichkeit und Nähe mit dem Partner erleben manche Frauen so intensiv wie einen Orgasmus.

Was ist der Grund für Orgasmus-Probleme?

Oft ist es die Tatsache, dass du es überhaupt als Problem siehst. Dadurch gerätst du in eine Spirale aus Anspruchshaltung, Selbstbeobachtung, Stress und Enttäuschung und daraus resultierendem noch größerer Sehnsucht. Der wichtigste Tipp für Frauen mit Orgasmusstörungen lautet: Sieh es nicht als "Problem"! Du musst ja nicht zum Orgasmus kommen, es besteht überhaupt kein Zwang. Keine Frau sollte sich unter Druck fühlen, beim Sex einen Orgasmus bekommen zu müssen.

Auch Sex ohne einen Orgasmus kann gut sein, intensive Zärtlichkeit und Nähe empfinden einige Frauen ähnlich befriedigend. (Gleiches gilt übrigens für den Mann: Auch sein Orgasmus ist nicht "Pflicht".) Insofern ist es auch Unsinn, einen Orgasmus vorzutäuschen, nur damit er sich als Superlover fühlt. Das baut nur zusätzlichen Druck auf.

Sollte ich einen Orgasmus vortäuschen, wenn ich keinen habe?

Besser nicht. Das verschärft das Problem im Grunde nur, weil es bei ihm eine Erwartungshaltung erzeugt, die auch du spürst. Das setzt dich noch mehr unter Druck. "Für viele Frauen ist es fast normal, den Orgasmus vorzutäuschen", sagt Woodbridge. "Wenn sie es über Jahre hinweg tun, fällt es schwer, ehrlich zu sein und zuzugeben, dass sie noch nie oder nur selten einen Orgasmus hatten." Das belastet aber letztlich dich, und das nur, um ihm ein gutes Gewissen zu verschaffen.

Was hilft Frauen bei Orgasmus-Problemen?

Natürlich ist es verständlich, wenn ein Höhepunkt für dich erstrebenswert ist und du ihn (endlich) erreichen willst. Diese 5 Tipps können helfen, vielleicht solltest du sie einfach mal ausprobieren:

1. Sprich mit deinem Partner: Das heißt nicht, dass ihr über Orgasmus und Sex sprechen müsst, vor allem wenn du letzteren eigentlich ganz okay findest, sondern über eure Beziehung. Denn nicht selten stecken nicht ausgetragene Probleme in der Partnerschaft hinter Orgasmus-Schwierigkeiten. Angestaute Wut oder ungelöste Alltagskonflikte machen es schwer, sich im Bett gehen zu lassen. Viele Frauen tragen in einer Beziehung eine höhere gedankliche Last ("mental load"), weil sie sich um viel mehr kümmern als der Mann. Diese Belastung abzustellen sorgt für entspannteren Sex.

Apropos Orgasmus vortäuschen: Damit solltest nicht nur aufhören, sondern es ihm auch sagen. Ja, das ist hart. Dennoch ist diese Offenheit für euren Neuanfang wichtig. Es ist auch entscheidend, dass dir der Sex überhaupt gefällt. Wenn es im Bett immer nur nach seinen Wünschen geht und du nie auf deine Kosten kommst, ist es dringend nötig, das zu ändern. Auch das musst du ihm deutlich sagen, am besten gleich mit konkreten Wünschen, wie es besser laufen könnte.

Ändert sich durch all das nichts, ist auch eine gemeinsame Sexualtherapie eine Möglichkeit, neue Orgasmus-Höhen zu erreichen. In der Regel wird ein Paar dabei angehalten, eine Zeit lang ganz auf Sex zu verzichten und ihn dann mit neuen Verhaltensmustern ganz neu zu gestalten.

2. Sorge für ausreichend Bewegung: Bereits mehrere Studien haben gezeigt, dass es eine Verbindung zwischen Sexualfunktion und Sport gibt. Frauen, die regelmäßig sportlich aktiv sind, haben demnach auch seltener Probleme, beim Sex einen Orgasmus zu bekommen. Eine kleine, regelmäßige Fitness-Routine oder regelmäßig joggen gehen wirkt schon Wunder!

3. Frage deine Gynäkologin: In der Beziehung ist alles okay? Vielleicht steckt eine ganz banale medizinische Ursache hinter den Orgasmus-Problemen. Lasse dich mal von Ihrer Gynäkologin durchchecken!

Ein Ultraschall der Geschlechtsorgane gibt Aufschluss, wie gut deine Genitalien durchblutet sind. Über deine Blutwerte kann dein Hormonstatus ermittelt werden. Womöglich bist du frühzeitig in den Wechseljahren? Dann können eventuell Hormone oder Gleitgels helfen.

Auch eine Diagnose, in welchem Zustand dein Beckenboden ist, hilft bei der Ursachenforschung. Der Beckenboden spielt eine wichtige Rolle für die Erregbarkeit. Gut trainiert erhöht er die Wahrscheinlichkeit für deinen Orgasmus.

4. Sprich mit einer Psychologin: Manchmal steckt auch ein gestörtes Verhältnis zum eigenen Körper hinter Orgasmus-Problemen. Wer gehemmt ist, kann sich in Gegenwart anderer nicht wirklich entspannen, auch wenn's der vertraute Partner ist. Hier können ein paar Sitzungen mit einer Psychotherapeutin mit Schwerpunkt Sexualtherapie helfen, den eigenen Körper besser anzunehmen und zum Beispiel Minderwertigkeitsgefühle abzubauen.

Eine Psychologin ist auch die richtige Ansprechpartnerin, wenn du in der Vergangenheit schlimme Erfahrungen gemacht hast wie zum Beispiel einen Missbrauch. Oder wenn du sexualfeindlich erzogen wurdest. Nicht selten äußern sich auch Traumata, auch wenn sie schon länger zurückliegen, in Anorgasmie, also die Unfähigkeit zum Erleben eines Orgasmus.

Wichtig für den Orgasmus: eine entspannte Grundstimmung
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Wichtig für den Orgasmus: eine entspannte Grundstimmung.

5. Masturbiere regelmäßig: Der sicherste Weg zum Orgasmus ist es, den eigenen Körper und seine Wünsche zu kennen. Der beste Weg dahin ist Selbstbefriedigung. Wusstest du, dass die meisten Frauen nicht durch den Geschlechtsverkehr allein einen Orgasmus kommen? Eine im Journal of Sex & Marital Therapy veröffentlichten Studie ergab, dass 4 von 5 Frauen nicht allein durch das Eindringen des Penis in die Vagina zum Orgasmus gelangen.

Es ist dagegen ungewöhnlich, dass Frauen, die sich selbst befriedigen, keinen Orgasmus bekommen. Sie wissen, was sie brauchen, und können den Partner "lenken" oder selbst Hand anlegen. Außerdem kannst du so den Sex entspannter genießen, ohne den Druck, einen Orgasmus erleben zu müssen: Es geht ja auch ohne ihn.

"Eine Frau hat das Glück, ein Organ zu haben, dessen einzige Aufgabe darin besteht, sie glücklich zu machen" sagt die Expertin. Also: Erkunde deine Klitoris, finde heraus, wie es sich am besten anfühlt, sie zu berühren. "Manche Frauen brauchen mehr, andere weniger Stimulation."

Tipp: Investiere in Sex-Toys! Die meisten Frauen brauchen eine direkte Klitoris-Stimulation, um zum Höhepunkt zu kommen, Sex-Toys können dabei helfen. Auflegevibratoren, die mit Vibratoren oder Druckwellen die Klitoris sanft massieren, sollen für Frauen mit Orgasmus-Problemen besonders geeignet sein. Bekanntestes Beispiel: Der Satisfyer.

Setze dich bei Orgasmus-Problemen nicht unter Leistungsdruck! Kläre organische Ursachen ab und löse Konflikte in der Partnerschaft oder aus der Vergangenheit. Davon profitiert nicht nur deine Orgasmusfähigkeit, sondern dein gesamtes Leben wird entspannter, reicher und erfüllter.

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