Dean Drobot / Shutterstock.com

Schlafapnoe So gefährlich sind die nächtlichen Atemaussetzer

Wer unter Schlafapnoe leidet, bekommt im Schlaf zu wenig Luft. Die Folgen merken Sie erst am nächsten Morgen. Lesen Sie hier, was dagegen hilft

Bleibt Ihnen im Schlafzimmer manchmal die Luft weg? Nein, es geht nicht um die romantischen Stunden mit Ihrem Partner. Stattdessen könnten Sie zu den 5 Prozent der Frauen gehören, die nachts nicht richtig atmen und unbemerkt unter einer sogenannten Schlafapnoe leiden. Das führt tagsüber zu Erschöpfung oder Reizbarkeit, die bei Frauen häufig als Depression fehlinterpretiert werden. Ein Schlafmediziner erklärt, wie Sie eine gestörte Atmung erkennen.

Was ist eine Schlafapnoe?

Das Wort A-Pnoe bedeutet übersetzt "Ohne Atem", eine Schlafapnoe bedeutet also, dass irgendwann im Schlaf Ihre Atmung aussetzt. Für einige Sekunden bekommen Sie dann keine Luft mehr, bis Sie aufwachen, zu Atem kommen und wieder einschlafen. Am Morgen erinnern Sie sich überhaupt nicht mehr daran.

Das ist im Einzelfall nicht schlimmer, als tagsüber für ein paar Sekunden die Luft anzuhalten. Passiert das aber die ganze Nacht über immer wieder, stört das Ihren Schlaf und die Sauerstoffaufnahme. Deshalb fühlen sich Betroffene oft müde und erschöpft, obwohl sie eigentlich genug schlafen. "Durch das ständige Aufwachen und Luft holen ist der Schlaf wesentlich weniger tief, deshalb können sich Körper und Geist nicht erholen", erklärt der Frankfurter Schlafmediziner Hartmut Schneider.

Warum setzt manchmal meine Atmung aus?

"Im Schlaf, besonders in den Traumphasen, entspannen sich alle Muskeln im Körper", erklärt Schneider. Dazu gehört auch der Bereich von Mund und Kiefer im so genannten Schlund. Bei einigen Menschen entspannen sich diese Muskeln so sehr, dass sie in die Atemwege "hineinfallen" und die Luftröhre verengen. Atmen Sie jetzt, fangen die Muskeln an zu flattern und es entsteht das typische Schnarchgeräusch.

"Bei einigen werden die Muskeln allerdings so schlapp, dass gar keine Luft mehr an ihnen vorbeikommt", so der Schlafforscher. Die Atemwege sind dann komplett blockiert und Sie bekommen keine Luft mehr. Das dauert durchschnittlich 20 bis 40 Sekunden, kann aber auch bis zu 3 Minuten anhalten. Dieser Atemstillstand kann bei Betroffenen etwa 60 Mal pro Stunde über die ganze Nacht hinweg auftreten, am häufigsten aber kommt er in den Morgenstunden vor. Das ist die Phase des tiefsten Schlafes, in der wird träumen.

Übrigens leiden doppelt so viele Männer wie Frauen an Atemschwierigkeiten. Nicht unbedingt, weil sie mehr schnarchen, sondern weil sie anders Fett einlagern. Während bei Frauen die Speckröllchen eher an Hüfte, Po und Beinen sitzen, nehmen Männer vor allem am Bauch zu. "Das Bauchfett fördert die Erschlaffung der Muskeln der Atemwege zusätzlich zur genetischen Voraussetzung", erklärt Schneider. Menschen mit Übergewicht schnarchen deshalb auch häufiger als Schlanke.

Auch die Kieferform entscheidet, ob Sie nachts genug Luft bekommen. "Einige Menschen haben einen zu kleinen Unterkiefer, der die Atemwege ebenfalls blockieren kann", so der Mediziner. "Das kann angeboren sein oder dadurch kommen, dass Sie in der Kindheit lange vergrößerte Mandeln hatten und viel durch den Mund geatmet haben."

Dean Drobot / Shutterstock.com
Wenn Sie morgens häufig mit Kopfschmerzen aufwachen, kann das an Atemaussetzern in der Nacht liegen

Was passiert bei einem Atemstillstand?

Bei einer Schlafapnoe kommt wegen der schlaffen Muskeln keine Luft mehr in die Lunge, aber Ihr Körper schützt Sie davor, dadurch zu ersticken. Setzt die Atmung zu lang aus, schrecken Sie deshalb aus dem Schlaf auf. Sie erwachen dann mit klopfendem Herzen und ringen nach Luft. Nach ein paar Sekunden beruhigen Sie sich aber wieder und schlafen ein.

Sind die Atemwege nur teilweise blockiert, atmen Sie eher kräftiger und schnarchen. "Durch die Anstrengung sind Betroffene im Schlaf aber zu aktiv und werden manchmal durch das eigene Schnarchen geweckt. Viele schaffen es deshalb nachts nur in einen Halbschlaf", erklärt Schneider.

Warum ist Schlafapnoe gefährlich?

Egal ob Sie schnarchen oder immer wieder kurz nicht atmen können: Sie werden unter chronischem Schlafmangel leiden. Denn in beiden Fällen kann es sein, dass sie die ganze Nacht lang alle paar Minuten geweckt werden, ohne sich später daran zu erinnern. Sie kommen also nie in einen Tiefschlaf und haben dazu noch eine viel zu große Anstrengung und Stress durch Ihr Atemproblem. Langfristig können Sie dadurch ernste Probleme im Alltag bekommen.

Schlafexperte Schneider nennt diese 7 Gefahren der nächtlichen Atemstillstände:

1. Sie haben ständig Hunger Das Gehirn benötigt die Erholung im Tiefschlaf, um seine Reserven aufzuladen. „Kann es das aber nicht, denkt es, dass dem ganzen Körper Energie fehlt“, so der Arzt. „Am Tag darauf will dieses ,hungrige Hirn‘ deshalb dafür sorgen, dass Sie für die nächste Nacht genug Energie haben.“ Die Folge: Heißhunger auf Ungesundes, was sich schnell auf der Waage bemerkbar macht.

2. Ihr Blutdruck ist zu hoch Um nach einem Atemaussetzer wieder Luft zu kriegen, erschrecken Sie sich jedes Mal ein bisschen und das Herz pumpt erst einmal kräftig. "Passiert das nachts immer wieder, steigt auch tagsüber der Blutdruck an, das wiederum erhöht das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden", warnt Schneider.

3. Sie werden häufiger krank Wenn Sie zu wenig schlafen, leidet auch Ihr Immunsystem. Sind Sie chronisch müde, fangen Sie sich also auch öfter Infekte ein. Gerade zur Erkältungssaison ist es deshalb wichtig, dass Sie ausreichend Schlaf bekommen.

4. In der Schwangerschaft können Komplikationen auftreten Gerade bei werdenden Müttern ist die nächtliche Atmung eine heikle Sache: Weil Bauchfett dazu führt, dass die Muskeln der Atemwege erschlaffen, schnarchen fast alle Frauen in den letzten 3 Monaten der Schwangerschaft. Auf der anderen Seite ist es aber für das ungeborene Kind besonders wichtig, genug Sauerstoff zu haben. Die Mutter hat nur noch einen sehr leichten Schlaf und schreckt dadurch noch leichter auf.

Das alles verstärkt die oben genannten Symptome nochmals und steigert das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes oder Schwangerschaftshypertonie, also erhöhten Blutdruck. Auch das Kind kann sich durch den schlechten Schlaf schlechter entwickeln.

5. Ihre Beziehung leidet Wer jede Nacht neben einem menschlichen Sägewerk liegt, bekommt ähnlich wenig Schlaf wie die schnarchende Person selbst. Wenn beide Partner in einer Beziehung ständig übermüdet sind und der eine auch noch nachts das Schnarchen des anderen verwünscht, kann das Ihre Beziehung belasten. Auch bei Menschen mit Schlafapnoe ist der Betroffene wegen des Schlafmangels reizbar und oft mürrisch, deshalb ist Streit programmiert.

6. Sie haben Probleme, den Alltag zu meistern "Wenn Sie sich nie wirklich erholen können, fehlt Ihnen irgendwann die geistige Widerstandsfähigkeit, um den Alltag zu bewältigen", so Schneider. Schon nach einer einzigen Nacht mit zu wenig Schlaf können Sie merken, dass Sie sich schlechter konzentrieren können, reizbar werden und sich schneller gestresst fühlen. Wenn das zum Dauerzustand wird, werden kleine Herausforderungen immer mehr zu Problemen, die einem schnell über den Kopf wachsen.

7. Sie fühlen sich depressiv Wer sich ständig müde und überfordert fühlt, ist oft gereizt und schlecht gelaunt. Das kann auf Dauer so weit gehen, dass Sie durch den chronischen Schlafmangel unter Stimmungsschwankungen leiden oder dauerhaft niedergeschlagen und gestresst sind. „Gerade bei Frauen fehlinterpretieren Psychologen diese Symptome als Depression oder Burn-Out. Dabei liegt die Ursache ganz woanders“, erklärt Schneider.

Dean Drobot / Shutterstock.com
Wer auf der Seite schläft, leidet seltener unter Schlafapnoe

Woran erkenne ich, ob ich unter Schlafapnoe leide?

"Schnarchen und Schlafapnoe sind eine sehr ernste Sache, die Ihr Leben ernsthaft beeinträchtigen können", betont Schneider. Wenn Sie eigentlich genug schlafen und trotzdem ständig grundlos müde sind, kann es sein, dass Sie nicht gut schlafen. Um zu erkennen, ob das an Ihrer Atmung liegt, rät der Schlafmediziner, auf folgende Zeichen zu achten:

1. Sie wachen mit einem trockenen Mund auf Im Optimalfall atmen wir nachts vor allem durch die Nase. Beim Schnarchen und bei der Schlafapnoe muss der Körper aber mehr Kraft aufwenden und atmet deshalb verstärkt durch den Mund. „Dadurch trocknen die Schleimhäute aus, was Sie morgens durch ein unangenehmes Gefühl auf der Zunge oder im Rachen bemerken“, erklärt Schneider.

2. Sie haben nachts oder morgens Kopfschmerzen "Durch die gestörte Atmung kommt zu wenig Sauerstoff und stattdessen zu viel Kohlendioxid ins Blut“, so der Schlafmediziner. Das führt zu morgendlichen Kopfschmerzen.

3. Sie müssen nachts ständig aufs Klo Wenn Sie jung und nicht schwanger sind und abends nicht zu viel trinken, sollten Sie eigentlich nicht nachts auf die Toilette müssen. Passiert das aber regelmäßig, kann es sein, dass Sie im Schlaf nicht richtig atmen. "Die höhere Anstrengung beim Atmen führt zu einem Druck auf das Herz. Das registriert das als 'zu viel Flüssigkeit im Körper' und löst Harndrang aus", erklärt der Schlafmediziner.

4. Sie schrecken in der Nacht auf Meistens erinnern Sie sich nicht an diese kurzen wachen Momente. Wenn Sie sich morgens aber daran erinnern, irgendwann nachts atemlos aufgewacht zu sein, ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass Sie vorher keine Luft bekommen haben.

5. Sie hören es von anderen Sie teilen das Bett mit Ihrem Partner? Dann fragen Sie ihn am besten, ob er Sie nachts schnarchen oder keuchen hört, und dass er darauf ein paar Nächte lang achten soll. "Allerdings kommen selten Frauen zu uns, weil die Männer sie darauf aufmerksam gemacht haben. Meistens ist es andersherum", sagt Schneider.

Wenn Sie deshalb auf Nummer sicher gehen wollen oder das Bett meistens für sich allein haben, können Sie sich auch selbst mit dem Handy aufnehmen. "Es gibt inzwischen auch immer mehr Geräte, die nachts die Atmung, den Puls und die Sauerstoffaufnahme messen, ohne dafür ins Labor zu müssen", so der Experte. Sprechen Sie Ihren Hausarzt darauf an, der kann Ihnen dabei helfen.

Was kann ich gegen die Schlafapnoe tun?

Am besten gehen Sie das Problem an zwei Fronten an: "Zuerst müssen die Betroffenen kurzfristig die Übermüdung loswerden und wieder gut schlafen. Gleichzeitig versuchen wir, die Ursache des Problems langfristig zu beseitigen, damit sich die Schlafqualität dauerhaft verbessert", erklärt Schneider. Wenn Sie also unter Schnarchen oder Schlafapnoe leiden, rät der Schlafmediziner, Folgendes zu tun:

  • Gehen Sie zum Arzt! Nur ein Experte kann Ihnen am besten sagen, was genau der Grund für Ihre gestörte Atmung ist. Daraufhin können Sie zusammen mit ihm erarbeiten, wie Sie das Problem behandeln
  • Tragen Sie nachts eine Maske oder Spange! "Es gibt verschiedene Hilfsmittel, die nachts die Luftröhre offen halten und die Atmung unterstützen", beschreibt Schneider. Das können zum Beispiel Schienen sein, die Sie im Mund tragen und die Ihren Kiefer öffnen, oder Masken, die Sie sich aufs Gesicht setzen. Es braucht etwa 1 bis 2 Wochen, bis Sie sich daran gewöhnt haben
  • Liegen Sie nachts auf der Seite! "In der Rückenlage sind die Atemprobleme am schlimmsten, weil die schlaffen Muskeln nach hinten in die Atemwege fallen", erklärt der Schlafmediziner. Versuchen Sie deshalb, sich eine seitliche Lage zum Schlafen anzugewöhnen. Dafür gibt es zum Beispiel spezielle Seitenschläferkissen, oder Sie kuscheln nachts mal wieder mit Ihrem Partner in Löffelchenstellung.
  • Lassen Sie Ihre Mandeln kontrollieren! "Nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene haben manchmal vergrößerte Mandeln im Rachen und im Gaumen, die die Atmung behindern", so der Experte. Sie könnten deshalb auch ein Auslöser für die nächtlichen Atemprobleme sein, der einfach behoben werden kann.
  • Achten Sie auf Ihr Gewicht! Vor allem das Fett am Bauch fördert das Schnarchen und die Atemaussetzer, deshalb schnarchen Übergewichtige häufiger. Fragen Sie Ihren Hausarzt, ob Ihr Gewicht eine Ursache für Ihr Problem sein kann. In dem Fall können Sie mit ihm zusammen planen, wie Sie am gesündesten abnehmen können, um besser zu schlafen.
  • Sorgen Sie für ausreichend Schlaf! "Gerade Frauen bekommen wegen einer Mehrfachbelastung im Alltag oft zu wenig Schlaf", erklärt der Schlafmediziner. Wenn Sie dann auch noch nachts schlecht atmen, verschlimmert das die Übermüdung. Sorgen Sie deshalb mit den anderen Tipps nicht nur dafür, dass Sie langfristig besser nachts besser atmen, sondern auch dafür, dass Sie lange genug schlafen.
  • Denken Sie über eine Operation nach! Wenn alle vorherigen Tipps nicht helfen, kann es sein, dass eine OP Ihnen hilft. Vor allem in jüngeren Jahren können Fehlstellungen des Kiefers oder der Nase, aber auch die Mandeln danach gut ausheilen.

Ein guter Schlaf ist essenziell für ein gesundes Leben. Denn nur wer sich nachts richtig erholen kann, ist fit für den Tag. Nehmen Sie deshalb Ihre nächtlichen Atemprobleme und mögliche Gefahren von Schlafapnoen ernst und behandeln Sie sie konsequent, dann sind Sie gegen den stressigen Alltag gewappnet.

Dieser Artikel kann Links zu Anbietern enthalten, von denen Women's Health eine Provision erhält. Diese Links sind mit folgendem Icon gekennzeichnet:
Zur Startseite