Wärme und Kälte können Schmerzen lindern und die Heilung vorantreiben. Gut zu wissen, wann was hilft! Marjan Apostolovic / Shutterstock.com

Schmerzen: Wann hilft Wärme, wann Kälte?

Kühlen oder wärmen? Schmerzbehandlung: Wann hilft Wärme, wann Kälte?

Wärmflasche oder Cool-Pack? Wir erklären, bei welchen Beschwerden du welche Methode anwenden solltest – und was sie bewirkt

Bei Schmerzen greifen viele Frauen schnell zur Schmerztablette. Dabei wäre Kühlen oder Wärmen oft nicht nur die gesündere, sondern auf effektivere Hilfe. Zum Glück haben die meisten von uns diese sanften Helfer in Form von Wärmkissen, Kirschkernkissen und Kühlpack im Badezimmer und Kühlschrank liegen.

Wie du sie effektiv und richtig einsetzt, erklärt Allgemeinmediziner Daniel Harbs, ärztlicher Leiter der Hamburger allgemeinmedizinischen Praxis Intensemed. Denn Vorsicht: "Wenn Wärme beziehungsweise Kälte bei Verletzungen oder Schmerzen falsch eingesetzt werden, können sie mehr schaden als nützen", warnt der Experte.

Wann hilft Wärme, wann hilft Kälte bei Schmerzen?

Laut Studien können sowohl Wärme als auch Kälte bei Schmerzen helfen, je nachdem woher der Schmerz rührt. Oft hast du intuitiv das richtige Gefühl, was dir bei Schmerzen gut tut, doch manchmal fällt die Entscheidung auch schwer. Entscheidest du dich für die falschen Maßnahme, kann das böse Folgen haben: Behandelst du zum Beispiel eine fiese Schwellung nach einer Sportverletzung sofort mit Wärme, steigert das die Durchblutung – und somit die Schmerzen. Ähnlich ist es auch bei einer falsch angewendeten Kältebehandlung, etwa bei einer muskulären Verspannung. "Kühlende Anwendungen können die Verhärtungen verstärken."

Als Grundsatz gilt: Bei frischen Verletzungen oder akuten Schmerzen hilft am besten Kälte, bei älteren oder chronischen Beschwerden eher Wärme", so Harbs. Du willst es genauer wissen? Dann lies weiter!

Wie kühle ich Verstauchungen von Sportverletzungen richtig?

Diese sehr häufige Sportverletzung hat in der Regel zwei Ursachen. "Entweder sind Bänder überdehnt oder gerissen", sagt Mediziner Harbs. "Da in solchen Momenten oft auch kleine Blutgefäße reißen, kommt es zur Einblutung ins Sprunggelenk, erkennbar zunächst an der Schwellung und später am leuchtend rot-blauen Bluterguss." Gehe jetzt in 4 Schritten vor, um Schmerzen zu lindern und die Heilung zu unterstützen:

  1. Lege eine Pause ein.
  2. Kühle die Verletzung mit Eis oder kühlen Kompressen. Bitte das Kühlpack nie direkt auf die Haut legen, sonst kann es zu einer schmerzhaften Unterkühlung kommen. "Die Kälte sorgt für eine Verengung der Blutgefäße. Das bremst die Durchblutung und mit ihr die Einblutung und Schwellung", so der Sportmediziner.
  3. Sorge dann für Druck, wenn möglich mit einer elastischen Binde, zur Not gehen auch Shirt oder Strumpf. Fest um das Gelenk wickeln.
  4. Den Fuß hochlegen. Harbs: "Und zwar über Herzhöhe, das verbessert den Rücktransport von Blut und Gewebeflüssigkeit." Das solltest du in den nächsten Tagen möglichst oft wiederholen.

Wenn die Schmerzen nicht nachlassen, humpele besser zum Arzt – den Unterschied zwischen Bänderdehnung und -riss erkennen Laien nicht. Bis auf eine Schiene und Physiotherapie wird übrigens heute nicht weiter behandelt. "Operiert wird ein Riss meist nicht mehr, da das keine Vorteile bringt", so Harbs.

Womit kühle ich Schwellungen und Blutergüssen am besten?

Sportsalben gegen Schwellungen oder Blutergüsse (z.B. Teufelssalbe Eis von Ensbona) haben in der Regel eine leichte, oft wässrige Konsistenz (darum Vorsicht beim Auftragen). Werden sie nun auf warme Körperteile aufgetragen, wirken sie durch die Verdunstung auf der Hautoberfläche leicht kühlend.

Verstärkt wird dieser Effekt durch enthaltene ätherische Öle, zum Beispiel aus Pfefferminze, deren Wirkung auch in Studien belegt ist. Heilpflanzen-Extrakte aus Arnika oder Teufelskralle sollen das Abschwellen fördern. "Letztlich wirken kühlende Gels nur erfrischend. Bei Verletzung besser zum Kühlpack greifen", rät Sportmediziner Harbs. Die gibt es übrigens auch speziell geformt z.B. für die Knie (z.B. von Medcosa)

Wann soll ich einen Muskel kühlen, wann wärmen?

Nach der Akutphase einer Sportverletzung, in der du Schwellungen wie oben beschreiben unbedingt erst einmal kühlen solltest, oder bei muskulären Verspannungen kann Wärme die Durchblutung anregen und den Heilungsprozess verkürzen. "In erster Linie wird das mit dem Wirkstoff Capsaicin aus den getrockneten Früchten von Cayennepfeffer erreicht", erklärt Mediziner Harbs. "Er reizt die Haut, dadurch kommt es zum Wärmegefühl." Wichtig: Teste Pflaster und Salben mit Capsaicin (z.B. Rheumamed Salbe) zuerst mit einer kleinen Menge an einer nicht so sensiblen Hautpartie die Verträglichkeit – denn Capsaicin kann unter Umständen ganz schön brennen.

Was hilft bei Rückenschmerzen und Verspannungen?

"Am häufigsten führen muskuläre Verspannungen zu Problemen im Rücken", erklärt Harbs. Auslöser ist überwiegend Bewegungsarmut, aber auch Fehlbelastung, etwa wenn Tische oder Stühle nicht ergonomisch optimal eingestellt sind. "Wir verharren heute zu viele Stunden vor Bildschirmen, das ist purer Stress für unsere Wirbelsäule", warnt der Sportmediziner. So verbesserst du deine Körperhaltung.

Gegen die Schmerzen hilft auch Studien zufolge alles, was wärmt: ein Wannenbad mit entspannenden Ingredienzien wie Sandelholz (z.B. von Kneipp), eine Wärmflasche (gibt es in vielen schönen und flauschigen Varianten, z.B. von Urbzue) oder auch ein Wärme-Pflaster (z.B. von The Heat Company). "Das lockert die Muskulatur, verbessert die Durchblutung und fördert den Abbau von Abfallprodukten im Gewebe, die den Schmerz sonst verstärken", so Harbs.

Regelmäßige Bewegung und eine starke Bauchmuskulatur sind übrigens die beste Prophylaxe gegen Kreuzweh. Doch auch ein Bandscheibenvorfall kann der Übeltäter sein. "Das kann man ganz einfach selbst mit dem so genannten Lasègue-Test herausfinden: Man legt sich hin und hebt das Bein an. Wenn man schon bei 10 bis 20 Grad Schmerzen bekommt, sind wahrscheinlich die Nervenwurzeln gereizt", weiß der Experte. In diesem Fall bitte direkt in die hausärztliche Praxis gehen.

Sollte ich bei Nackenschmerzen kühlen oder wärmen?

Mit offenem Fenster geschlafen oder zu lange aufs Smartphone geguckt – für einen brettharten Hals gibt es viele Gründe. "Dabei kommt es durch eine starke Verspannung zu einer Blockierung im Nackenbereich", sagt Harbs. Da der Muskel sich dann schmerzhaft zusammenzieht, braucht er Lockerung – im Idealfall, das zeigen Studien, durch Wärme. Dafür gibt es ergonomisch auf die Nackenpartie zugeschnittene Wärmepflaster (z.B. von Thermacare). Wenn du häufig Probleme mit der Schulter-Nacken-Zone hast, solltest du überlegen, dir ein Wärmkissen (z.B. von Vitalmaxx) oder ein Körnerkissen (z.B. in kuscheliger Katzen- oder Fuchsform von Leschi) zuzulegen, die speziell für diese Körperpartie geformt sind.

"In schweren Fällen spritze ich ein Schmerzmittel direkt in die Verhärtung, um den Muskel lahmzulegen", sagt Harbs. Gute Erfahrungen hat der Sportmediziner auch mit Kinesio-Tapes (gibt es zum Beispiel von Kintex) gesammelt: "Dabei wird mit Zug ein elastisches Band aufgeklebt. Das lockert die Muskulatur und verbessert die Durchblutung und den Lymphfluss." Diese Tipps helfen dir, erst gar keine Nackenschmerzen mehr zu entwickeln.

Wann hilft Wärme, wann Kälte gegen Kopfschmerzen?

Es gibt über 367 verschiedene Formen von Kopfschmerz. "Die beiden häufigsten sind der Spannungskopfschmerz mit 54 Prozent, gefolgt von der Migräne mit 38 Prozent", erklärt Prof. Dr. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel.

Beide Hauptarten lassen sich unterschiedlich lindern. "Wenn man das Gefühl hat, der Kopf steckt in einem zu engen Helm und es drückt dumpf, kann der Spannungstyp Verursacher sein. Dieser Schmerz tritt meist beidseitig auf und kann zwischen 30 Minuten und einer Woche andauern. Die Kopfmuskeln weisen eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit auf, sie sind reflektorisch angespannt. Schmerzhaft wird’s zum Beispiel, wenn man den ganzen Tag am PC gesessen hat und Schultern und Nacken zu lange einseitig aktiviert waren. Versuche es mit Wärme, zum Beispiel mit einem Körnerkissen. Das lockert und steigert die Durchblutung, rät Göbel. Das sind die besten Tipps bei Migräne.

Symptome wie pulsierendes, einseitiges Pochen sowie Lichtempfindlichkeit und Übelkeit sprechen für eine Migräne. "Dabei entzünden sich die Adern in der Hirnhaut und die Schmerzempfindlichkeit steigt." Kalte Umschläge können die Schmerzempfindlichkeit reduzieren und die akute Entzündung lindern. Tipp: Migräneband mit kühlenden Gel-Perlen und Klettverschluss.

Kühlen oder wärmen bei Zahnschmerzen, was ist richtig?

Ganz klar Kühlen, auch wenn im ersten Moment die Kälte einen leichten schockartigen Schmerz verursachen kann. Halte eine Kühlkompresse, in ein Tuch gewickelt, damit deine Haut keine Erfrierungen erleidet, gegen die Backe auf der Höhe des schmerzenden Zahns. So kann das Schmerzsignal im Körper nicht weiter gegeben werden, und Schwellungen können vermieden oder eingedämmt werden.

Wenn du größere Zahn-OPs wie zum Beispiel die Entfernung der Weisheitszähne vor dir hast, macht es Sinn, dir vorher eine Kühlkompresse mit Klettverschluss (z.B. von Icehof) für die Zähne zuzulegen, dann hast du die Hände beim Kühlen frei.

Was entspannt Krämpfe während der Menstruation?

Verursacht werden die starken Krämpfe durch eine überschießende Produktion an Prostaglandinen. "Diese Gewebshormone sind verantwortlich für Entzündungen, Schmerzen und Blutgerinnung", erklärt Gynäkologin Dr. Friederike Herchenröder aus Hamburg. "Ein erhöhter Prostaglandin-Spiegel führt zu länger anhaltenden und schmerzhaften Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur, auch Dysmenorrhoe genannt."

Bestes Gegenmittel laut Studien: Wärme. Leg dir also eine Wärmflasche auf den Bauch. Wärme erweitert die Gefäße, das entkrampft. Den gleichen Effekt hat allerdings auch Ausdauersport, wenn du dich dazu aufraffen kannst. Hilft alles nicht? Ab zur Frauenärztin! "Man sollte andere Ursachen wie Endometriose, Polypen und Myome ausschließen. Auch die Kupferspirale kann solche Schmerzen hervorrufen", sagt Dr. Herchenröder. "Kaffee, Alkohol und Nikotin verschlimmern Regelkrämpfe ebenfalls, also in der Zeit besser einschränken oder ganz weglassen."

Was hilft schnell bei Muskelzerrungen?

Upps, da hat dir dein Bein mal kurz die Rote Karte gezeigt. "Eine Muskelzerrung entsteht, wenn die Muskelfaser überdehnt wird, etwa bei einem plötzlichen Belastungswechsel", sagt Harbs. "Dann zieht sich der Muskel reflexartig zusammen, um Schlimmeres wie einen Muskelriss zu verhindern. Betroffene sollten sofort mit dem Sport aufhören und die Stelle per Kühlpack oder mit spezieller Salbe (Klassiker: die Pferdesalbe) kühlen.

Pausiere, bis die Beschwerden weg sind. "Nach der Akutphase kann es hilfreich sein, die Muskulatur mit Wärme zu lockern", rät Harbs. Der Mediziner empfehlt außerdem, Ananas und Papayas zu essen: "In den Früchten stecken Enzyme, die den Entzündungsprozess abbauen und so die Heilung beschleunigen."

Sollte ich Entzündungen wärmen oder kühlen?

Bei Entzündungen hilft in der Regel Kälte. Verstauchung, Arthritis, Schuppenflechte oder Neurodermitis: Immer wenn Verletzungen oder Erkrankungen mit Entzündungen einhergehen, hilft ausgiebiges Kühlen.

Tipp: Eine Eis-Sauna kann intensive Linderung verschaffen. Sie sieht aus wie eine Dusche, verströmt aber flüssigen Stickstoff mit Minustemperaturen bis zu 160 Grad. Die maximal 3-minütige Behandlung mit Dr. Freeze blockiert Schmerzen, stärkt das Immunsystem und verkürzt die Rehabilitation. Eine Anwendung kostet etwa 40 Euro. Und ja: Das kannst du überleben, Profi-Sportler lassen sich oft so behandeln. Hier findest du eine Eis-Sauna in deiner Nähe.

Was hilft bei Hämorrhoiden-Schmerzen?

Okay, nicht gerade ein angesagtes Smalltalk-Thema, aber ignorieren bringt auch nichts. Deshalb vorweg: Sei froh, dass du Hämorrhoiden hast! Gemeinsam mit dem Schließmuskel dichten diese Schwellkörper nämlich den Darm nach außen hin ab. Nur wenn sie sich vergrößern, werden sie zum Problem. Davon ist nach Schätzungen jeder 3. Mensch über 30 betroffen, ab dem 50. Lebensjahr sogar jeder 2.

"Verschiedene Faktoren begünstigen Hämorrhoidalleiden", erklärt Harbs. "Übergewicht und Verstopfungen führen zu starkem Druck im Analbereich. Aber auch eine Schwangerschaft kann zu den Aussackungen führen." Leichte Beschwerden reagieren gut auf Kälte. Harbs: "Durch kühlende Gels oder einen rezeptfreien Kältestab aus der Apotheke ziehen sich geweitete Blutgefäße wieder zusammen – Problem gelöst." Auch kühlende Gel-Pads (z.B. Magic Gel Hämorrohiden Eis Pads) können schnell die Beschwerden lindern. In schweren Fällen werden Hämorrhoiden dagegen mit Hitze verödet.

Was hilft bei Arthritis?

Arthritis klingt ein wenig nach einer Oma-Krankheit, ist es aber nicht. Denn auch Infektionen und Stoffwechselerkrankungen wie Schuppenflechte oder Darmerkrankungen wie Morbus Crohn können zu den schlimmen Gelenk-Beschwerden bei jüngeren Frauen führen. Die Gelenke fühlen sich morgens und nachts steif an, sind nur eingeschränkt beweglich, heiß und geschwollen.

Wenn du häufiger unter solchen Symptomen leidest, solltest du der Sache unbedingt mit deiner Hausärztin beziehungsweise deinem Hausarzt auf den Grund gehen. "Eine generelle Behandlungsempfehlung gibt es für Arthritis-Patienten aber nicht. Die einen empfinden Kälte als angenehm, da sie gegen den Entzündungsprozess arbeitet. Andere mögen lieber Wärme, weil sie die Beweglichkeit verbessert", sagt Harbs.

Du weißt nun, dass du bei Beschwerden wie zum Beispiel Krämpfen, Kopfweh oder Rückenschmerzen nicht gleich zu Medikamenten greifen musst. Oft verschwinden Schmerzen schneller durch Wärme oder Kälte. Deshalb: Gib sanften Behandlungsmethoden eine Chance. Gute Besserung!

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