Durch seinen Einfluss auf Stressreaktionen, Motivation und Gedächtnisleistung gilt der Neurotransmitter Dopamin gemeinhin als "Glückshormon". Bei Menschen mit ADHS ist er allerdings ein komplexer Faktor, der schnell über Erfolg oder Misserfolg eines kompletten Tages entscheiden kann. Der Grund dafür: Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung sorgt dafür, dass Neurotransmitter wie Dopamin oder das "Stresshormon" Noradrenalin bei Betroffenen im Ungleichgewicht sind und dadurch das Verhalten mal mehr, mal weniger nach außen hin sichtbar gesteuert wird.
Dopamin und seine Rolle bei ADHS: Wie Neurotransmitter unser Handeln steuern
Dabei wird Dopamin immer dann freigesetzt, wenn wir etwas tun, was von unserem Gehirn als eine Art Belohnung wahrgenommen wird. Das kann das Essen eines Stücks Schokoladenkuchen sein, die positive Rückmeldung auf einen Erfolg im beruflichen Umfeld oder eine Stunde Auspowern im Fitnessstudio. Dopamin ruft die Glücksgefühle dabei zwar nicht selbst hervor, wirkt allerdings als Verstärker – und wird in ADHS-Gehirnen aufgrund ihrer besonderen Funktionsweise deutlich schneller wieder abgebaut als bei Menschen ohne ADHS.
Das kann etwa dafür sorgen, dass du als Betroffene etwa zu Impulshandlungen neigst, zum Binge-Eating, zu riskanten Aktivitäten oder zu bestimmter Art von Stimming, also selbststimulierenden Verhaltensweisen. All das wiederum kann unter bestimmten Voraussetzungen für einen neuen Dopaminschub sorgen, der sich auf Faktoren wie Konzentration, allgemeines Wohlbefinden oder Motivation auswirken kann. Im Falle eines Dopaminmangels drohen stattdessen Probleme wie Antriebslosigkeit, depressive Verstimmungen oder übermäßige Erschöpfung.
Forschung zu Dopamin und ADHS: Einer von vielen Faktoren
Konkret bedeutet das im Leben von ADHS-Betroffenen, dass sich das Dopamin-Level auf verschiedenste Lebensbereiche auswirken kann. Es gibt zwar immer wieder Studien, die anzweifeln, wie groß die Rolle des Dopamin-Mangels tatsächlich ist, eine Studie der Universität im norwegischen Bergen listet jedoch einige wissenschaftliche Funde auf, die für einen Einfluss sprechen und sogar nahelegen, dass das Dopamin-Level auch einen Einfluss auf andere Neurotransmitter im menschlichen Nervensystem hat. Die wiederum sorgen in Kombination mit dem verminderten Dopamin-Level dafür, dass ADHS-Betroffene in vielen Alltagsbereichen die negativen Auswirkungen ihres Neurotransmitter-Ungleichgewichts zu spüren bekommen.
Alltag mit ADHS: In diesen Bereichen können Dopamin und Co. für Probleme sorgen
Motivation
Durch die Schwierigkeit, die eigene Motivation zu steuern, fällt es ADHS-Betroffenen schwerer, Aufgaben anzufangen oder abzuschließen.
Fokus
Durch das Ungleichgewicht bei den Botenstoffen kann es zu Schwierigkeiten bei der Weiterleitung von Reizen im Gehirn kommen. Das sorgt bei Betroffenen dazu, dass ihnen Fokus und Konzentration zuweilen schwerfallen.
Impulsivität
Impulsverhalten wie unnötige Einkäufe oder Binge-Eating sorgen kurzfristig für einen Anstieg des Dopamin-Levels. Auch Suchtverhalten ist bei Betroffenen häufig zu beobachten.
Risikoempfinden
Um das Dopamin-Level zu erhöhen, greifen ADHS-Betroffene regelmäßig zu Aktionen, die als besonders stimulierend wahrgenommen werden. Dabei handelt es sich oft um Neues und Unbekanntes, was je nach Situation einige Risiken birgt.
Suchtverhalten
Nicht nur Alkohol und Drogen können kurzfristig für die Freisetzung von Dopamin sorgen, sondern auch andere anregende Tätigkeiten wie Social-Media-Konsum, Spiele oder Intimität. Das sorgt für ein erhöhtes Suchtrisiko.

Wenn du Social Media konsumierst, kann das Dopamin ausschütten. Der Weg zur Sucht ist hier nicht weit; besonders mit ADHS kannst du dabei auf unangenehme Folgen stoßen.
Dopaminhaushalt regulieren mit ADHS: Medikamente und Alltagstipps
Um die Botenstoffe im Gehirn wieder ins Gleichgewicht zu bringen und vielen ADHS-Symptomen, Alltagsproblemen und Folgeerkrankungen wie z.B. Angststörungen entgegenzuwirken, können Menschen mit einer gesicherten ADHS-Diagnose zum Beispiel Medikamente wie Methylphenidat oder Lisdexamphetamin helfen. Darüber hinaus gibt es jedoch einige Tricks, dem Dopaminlevel auch auf natürlichem Weg einen kleinen Boost zu verleihen.
5 Wege, wie du dein Dopaminlevel natürlich beeinflussen kannst 1. Regelmäßig Sport machen und anständig auspowern – ein bloßer Spaziergang reicht nicht.
2. Auf ausgewogene Ernährung achten: Es gibt Hinweise, dass etwa Mikronährstoffe wie Eisen, Omega-3-Nährstoffe, Magnesium und Zink zeitweise Probleme lindern können.
3. Schlafmangel vorbeugen, denn fehlender Schlaf hat auch Einfluss auf den Dopaminhaushalt.
4. Ähnlich wie Sport wirken auch Entspannungs- und Dehnübungen positiv.
5. Studien haben bestätigt, dass kalte Duschen oder ein kühles Bad in der Natur das Dopaminlevel ansteigen lassen.
Handeln bei ADHS-Verdacht: Warum Diagnose und professionelle Hilfe wichtig sind
Durch eine vermehrte Aufklärung zu ADHS-Symptomen und die große Präsenz des Themas in den (Sozialen) Medien haben sich die Verdachtsfälle in den vergangenen Jahren deutlich vermehrt. Wenn du den Verdacht hast, betroffen zu sein, ist eine offizielle Diagnose unbedingt notwendig. Dabei muss erkenn- und nachweisbar sein, dass du bereits in deiner Kindheit mit ADHS-Symptomen wie Aufmerksamkeitsproblemen, Hyperaktivität oder impulsivem Verhalten zu kämpfen hattest und dich ADHS-Symptome in mehreren Lebensbereichen im Alltag sichtbar beeinträchtigen. Auf der Basis einer Diagnose kannst du dann Hilfe in Anspruch nehmen, etwa in Form einer medikamentösen oder Verhaltenstherapie, einige Krankenkassen bieten auch Online-Kurse oder Zugang zu Coaching-Apps mit praktischen Übungen an.
Häufige Fragen zum Einfluss von Dopamin bei ADHS
Bei ADHS-Betroffenen kommt es häufig zu einem deutlich schnelleren Abbau von Dopamin.
Der Botenstoff wirkt als Verstärker positiver Erfahrungen, sogar bereits in Erwartung einer möglichen Belohnung für eine Aufgabe.
Die Wirkung von natürlichen Mitteln gegen Dopaminmangel ist von Fall zu Fall unterschiedlich, aber bestimmte Faktoren wie ausreichend Schlaf, ausgewogene Ernährung und regelmäßige Sport- oder Entspannungsübungen schaffen häufig eine starke Grundlage.





