Kryotherapie Abnehmen mit Frieren: Kilos killen in der Kältekammer

Kryotherapie
Kryotherapie – hält das Schockfrieren in der Kältekammer was es verspricht? © Jacob Lund / Shutterstock.com

Lästige Fettpölsterchen einfach bei minus 110 Grad wegfrieren, das verspricht die Kryotherapie, ein Trend aus den USA. Wir testen das

Macht die neue Eiszeit wirklich schön? Nein, es geht nicht um Klimawandel! Es geht um eine kurze Zeit in eisiger Kälte, um den Aufenthalt in einer Kryokammer. Bei minus 110 Grad sollen angeblich lästige Fettpolster verschwinden.

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Unter Hollywoodstars wie Jessica Alba, Demi Moore oder Lindsay Lohan hat die Kryotherapie längst einen Ruf als moderne Variante des Bodyforming. Dabei hat sie an sich erst einmal gar nichts mit Abnehmen zu tun. Schauen wir uns das doch einmal genauer an.

Was ist Kryotherapie?

Eigentlich kommt das Verfahren aus der Medizin und wird dort vor allem als ergänzende Thermobehandlung gegen Rheuma, Arthritis und andere Gelenks- und Autoimmunkrankheiten eingesetzt. Auch Leistungssportler nutzen die Kältekammer zur Unterstützung der Muskelregeneration und der Heilung von kleineren Verletzungen wie Prellungen oder Verstauchungen.

Dass sich auch Fettgewebe durch die Kälte zurückbildet, wurde dabei per Zufall entdeckt. Denn Fettzellen kristallisieren bei einer Temperatur von etwa 4 Grad, sterben ab und die lästigen Fettpölsterchen verschwinden.

Kryotherapie
Bei fitten Leuten lässt Kryotherapie letzte Fettreserven schmelzen. © Jacob Lund / Shutterstock.com

Wie funktioniert Kryotherapie?

Die Kältekammer wird mit flüssigem Stickstoff langsam auf minus 110 Grad heruntergekühlt. Dadurch kühlt die Hautoberfläche einer darin befindlichen Person, also zum Beispiel deine, sehr stark ab. In Folge des dadurch entstehenden Temperaturunterschieds zur Umgebung nimmt dein Gehirn eine lebensbedrohliche Situation wahr. Um dich vor dem Erfrieren zu schützen, beginnt dein Körper, die Temperatur zu regulieren. Die Muskeln kontrahieren – du zitterst. Aber hallo.

Dadurch steigt dein Energieverbrauch und der Körper greift auf die hartnäckigen Fettreserven zurück. So können je nach Körperbau während einer Anwendung bis zu 700 Kalorien verbrannt werden. Denn auch noch Stunden nach dem Besuch in der Kältekammer läuft dein Stoffwechsel weiter auf Hochtouren.

Was ist Kryolipolyse?

Die Kryolipolyse ist ein modernes, nicht-invasives Verfahren. Es wurde in den USA als Verfahren zum Bodyforming entwickelt, um gezielt kleinere und moderate Fettansammlungen an Bauch, Oberschenkeln, Gesäß und Hüften zu behandeln. Und das ganz ohne OP.

Kryolipolyse
Beim CoolSculpting werden Applikatoren auf die jeweilige Behandlungszone gelegt, die mit leichtem Unterdruck das darunter befindliche Fettgewebe ansaugen © justfrank / PR

Angeboten wird dieses Verfahren beispielsweise von CoolSculpting, ein klinisch getestetes Kryolipolyse-System. Hierbei werden Applikatoren auf die jeweilige Behandlungszone aufgelegt, die mit leichtem Unterdruck das darunter befindliche Fettgewebe ansaugen.

Das Verfahren versucht, sich auf lokale, hautschonende Art und Weise bestimmte Eigenschaften unseres Körpers zunutze zu machen. Es beruht auf der Annahme, dass Fettgewebe im Vergleich zum restlichen Gewebe kälteanfälliger ist. Durch extreme Abkühlung sollen empfindliche Fettzellen absterben und durch das Lymphsystem des Körpers ausgeschieden werden.

Für wen ist Kryotherapie geeignet?

Klingt super? Ja, aber ganz langsam: Einen Besuch in der Kältesauna solltest du nur dann einplanen, wenn du vollkommen gesund bist. Liegen Erkrankungen wie eine Durchblutungsstörung, das Renaud-Syndrom oder eine Kälteallergie vor, solltest du auf einen Besuch verzichten. Auch während einer Schwangerschaft solltest du vom Schockfrosten absehen.

Die Anwendung eignet sich am besten für bereits fitte Leute, die lästige Speckröllchen trotz Sport und Diäten nicht wegbekommen. Übergewichtige, die viel Gewicht verlieren wollen, sollten von der Kältetherapie keine Wunder erwarten, können sie aber ergänzend zu einer Ernährungsumstellung und Training einsetzen.

Was bringt Kryotherapie?

Neben dem Gewichtsverlust verspricht die Kryotherapie dein Wohlbefinden zu steigern, deine Performance zu verbessern und dein Immunsystem zu stärken. Du sollst dich insgesamt entspannter und energiegeladener fühlen. Übrigens: Das Bibbern soll sich auch bestens zur Straffung des Bindegewebes eignen und so helfen, ungeliebter Cellulite vorzubeugen.

Über die tatsächlichen Langzeiteffekte der Kryotherapie ist bisher jedoch wenig bekannt. Behandlungsergebnisse fallen schlichtweg individuell zu unterschiedlich aus und Studien werden oft mit zu wenigen Testpersonen durchgeführt, um auf allgemeine Effekte zu schließen.

Ist Kryotherapie gefährlich?

Während der Behandlung kann es zwar in einigen Körperregionen zu einem leichten Spannungs- oder Taubheitsgefühlen kommen und danach zu einem leichten Wiedererwärmungsschmerz. Die Kryotherapie gilt jedoch, korrekte Anwendung und einwandfrei funktionierende Geräte vorausgesetzt, als nebenwirkungsarm. Die Kälte begünstigt auch keine Erkrankungen wie Erkältungen oder Blasenentzündungen, denn die Körperkerntemperatur bleibt während der gesamten Zeit in der Kammer konstant.

Was kostet Kryotherapie?

Um längerfristig von den positiven Effekten der Kryotherapie zu profitieren, müsstest du die Besuche regelmäßig wiederholen. „Es ist dasselbe wie mit Sport“, erklärt Anna Weißbeck von Cryopoint. Sie empfiehlt, den Besuch in der Kältekammer mit Sporteinheiten zu verbinden. Eine Anwendung kostet bei Cryopoint 39 Euro. Der Preis variiert jedoch je nach Anbieter.

Wie fühlt sich ein Besuch in der Kältesauna an?

Um dem Kälte-Trend auf den Grund zu gehen, hat unsere Mitarbeiterin Karoline Steinbock den Selbsttest gewagt. Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen in der Frostkammer.

Mit Puschen in die Kältekammer
Bloß keine kalten Füße kriegen – mit Handschuhen und Puschen steigt Karoline in die Frostkammer. © Karolin Steinbock

Selbsttest: Praktikantin Karoline lässt sich schockfrosten

Nur in Unterwäsche, mit Handschuhen und dicken Puschen an den Füßen stehe ich vor der Eisbox der Cryopoint Filiale in Hamburg-Winterhude. Mir ist ehrlich gesagt ein bisschen mulmig bei dem Gedanken für 3 Minuten schockgefrostet zu werden. Besitzerin Anna Weißbeck bereitet die Eisbox bereits vor. Der Stickstoff wabert als Dampf oben aus der Box heraus, während diese auf ihre Betriebstemperatur –110 Grad heruntergekühlt wird. Die Temperatur pendelt sich dann irgendwo zwischen –105 und –120 Grad ein.

Nach der Hälfte der Zeit kommt das eisige Gefühl

Es geht los. In der Box steige ich auf einen kleinen Hocker, damit mein Kopf oben herausschauen kann. In regelmäßigen Abständen wird neuer Stickstoff in die Kammer geleitet, um die Temperatur konstant zu halten. Entgegen meinen Erwartungen ist es aber eine angenehme Kälte, die sich weder nass noch stechend anfühlt. Zu Beginn der 3 Minuten ist mir auch nur leicht kühl, doch das ändert sich nach der Hälfte der Zeit schlagartig.

Datenanalyse bei der Kryotherapie
Während der Behandlung überwacht ein Computer Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Zeit. © Melina Kersten

3 Minuten können verdammt lang sein

Denn auf einmal wird mir richtig kalt. Ich bekomme eine Gänsehaut, und in meinen Oberschenkeln spüre ich einen leichten, stechenden Kälteschmerz. Der Körper wird dort am kältesten, wo das meiste Fett sitzt, das hatte Anna mir erklärt. Na dann weiß ich ja jetzt, woher das kommt. Kurz vor Ende wird die Kälte immer unangenehmer und mein Bedürfnis, die Box zu verlassen, wird immer größer. 3 Minuten können so verdammt unglaublich irre lang sein!

Die Kälte wirkt wie ein Laune-Booster

Als die Tür der Box wieder aufgeht, durchfährt mich sofort ein wohliges, warmes Gefühl. Zwar habe ich noch immer eine Gänsehaut, aber mein Körper wärmt sich langsam wieder auf. Tatsächlich merke ich auch wie meine Laune sich hebt. Nur meine Oberschenkel bleiben kalt. „Heute Abend kann es sei sein, dass du müde wirst, da dein Körper sich jetzt so angestrengt hat“, erklärt mir Anna.

Karoline bei der Kryotherapie
Kalt aber happy – die Kältekammer wirkt wie ein Gute-Laune-Booster. © Melina Kersten

„Dein Körper wird jetzt auch versuchen dich auszutricksen, in dem er dir sagt, dass er hungrig ist, obwohl du gar keinen Hunger hast.“ Damit wolle er nämlich die verbrannten Kalorien wieder ausgleichen. Stimmt! Mein Magen meldet sich tatsächlich im Bus auf dem Weg nach Hause. Jetzt nicht nachgeben!

Das Schockfrosten lohnt sich

Nach der einen Anwendung spüre ich zwar noch nichts von strafferer Haut oder weniger Fett am Körper, aber ich fühle mich fitter, glücklicher und ausgeglichener. Am Abend fühlen sich meine Oberschenkel sogar so an, als hätte ich einen leichten Muskelkater. Zudem bin ich schön müde und schlafe tief und entspannt ein – ein Supergefühl.

Ob sich ein Besuch in der Kältesauna lohnt, musst du am Ende selbst entscheiden. Der gewünschte Abnehm-Effekt ist aus wissenschaftlicher Sicht umstritten. Für einige ist die Kälte – neben ausreichend Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung – eine gute Ergänzung beim Body-Tuning. Doch auch zum Abschalten nach einem stressigen Tag eignet sich ein Kältebad wunderbar.

30.09.2019| © womenshealth.de
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