Minus 18 Kilo: Fleisch weg, Fett weg

Juliane hat 18 Kilo abgenommen
Juliane (25 Jahre, 1,60m) hat 18 Kilo abgenommen: Vorher wog sie 77 Kilo und nachher 59 Kilo © provat; Frank Krems

Kann ein Experiment das ganze Leben auf den Kopf stellen? Aber so was von! Unsere Leserin Juliane ernährte sich 30 Tage lang vegan. Danach hatte sich nicht nur ihre Figur verändert, sondern auch ihre Weltanschauung

Als Juliane mit ihrem Freund zusammenzog, zogen auch ungebetene Gäste mit ein: viele Wohlfühl-Pfunde. „Ich wurde immer dicker, weil wir ständig essen gingen, vor allem in Fast-Food-­Restaurants. Und dann lümmelten wir abends mit einer Tüte Chips oder Schokolade auf dem Sofa herum.“ ­Natürlich merkte sie die Veränderung, schließlich musste sie immer wieder neue Klamotten kaufen, zuletzt in Kleidergröße 44. Doch erst ein Schnappschuss aus dem Urlaub rüttelte die Studentin wach: „Ich dachte, was ist denn da los? Das bist doch nicht du! Dann ging ich das erste Mal seit Ewigkeiten wieder auf die Waage und sah das Desaster: 77 Kilogramm! Eindeutig zu viel für meine Größe von 1,60 Meter.“ Durch Zufall stolperte sie über den Bestseller „Vegan for fit“ von Attila Hildmann und beschloss: „Ich mache die 30-Tage-Challenge ­einfach mal mit.“ Und das passierte in dieser Zeit:
Woche 1: die reinste Achterbahnfahrt
Juliane startete motiviert durch: „Zum Glück zog mein Freund mit, das machte alles leichter. Gemeinsam räumten wir Kühlschrank und Vorratskammer aus und verschenkten alle ­Lebensmittel, die tierische Bestandteile enthielten. Viel blieb da nicht übrig.“ Der erste Einkauf wurde zur Herausforderung, denn die 25-Jährige hatte sich vorher nie mit ihrer Ernährung beschäftigt und kaum selbst gekocht. „Ich war überrascht, was ich nun plötzlich alles weglassen oder ersetzen musste und wie viele ungesunde Zusatzstoffe in meinem bis­herigen Essen waren.“ Nach der ersten veganen Mahlzeit merkte Juliane, dass ihr das Experiment Spaß machte. „Aber die nächsten 6 Tage waren trotzdem hart. Ich fühlte mich schwach und hielt nur durch, weil ich ­vorher gelesen hatte, dass das normal wäre.“
Woche 2: Endlich geht’s bergauf
Und tatsächlich! Nach der ersten Woche merkte Ju­liane eine große Veränderung: „Morgens kam ich viel besser aus dem Bett, und mittags hatte ich kein Tief mehr wie sonst nach einer Mahlzeit. Der Alltag fiel mir deutlich leichter.“ Statt Schokomüsli oder einem Wurstbrot frühstückte sie Müsli mit Hafermilch oder Vollkornbrot mit Avocado. Mittags gab es vegane ­Nudeln mit Tomatensoße oder Salat und Hummus, am Abend eine Gemüselasagne. Vor allem Avocados standen bei Juliane oft auf dem ­Speiseplan. Denn die südamerikanische Frucht, die auch Butter des Waldes genannt wird, liefert die wichtigen Vitamine A, B, C, D und E sowie große Mengen ungesättigter Fettsäuren. Und die machen ihrem Namen nicht alle Ehre, sondern schlank. Das enthaltene Enzym Lipase beschleunigt zusätzlich den Fettabbau.
Woche 3: Voll in Fahrt
Juliane spürte einen bisher unbekannten Bewegungsdrang. „Durch die Ernährungsumstellung hatte ich so viel Energie – und die musste raus.“ 2-mal pro Woche ging sie ins Fitness-Studio, trainierte dort erst 30 Minuten Ausdauer auf dem Crosstrainer und machte dann noch eine Stunde Muskelaufbau. Das vegane Essen war ihr längst in Fleisch und Blut über­gegangen, auch wenn sie hin und wieder ihren geliebten Käse vermisste. Aber sie griff zu Ersatzprodukten – und da das Richtige zu finden, erforderte Geduld. „Mittlerweile lässt sich ja alles vegan ersetzen, auch wenn manche Produkte einfach widerlich schmecken. Da muss man sich einfach durchprobieren.“
Woche 4: Alles verändert sich
Mit der Zeit interessierte sich Juliane auch immer mehr für die Hintergründe und Folgen ihrer neuen Ernährungsform: „Als ich damit angefangen habe, ging es mir nur um die Figur und die Gesundheit“, erinnert sie sich. „Aber dann kam automatisch der Ethikaspekt hinzu. Klar wusste ich vorher, dass Massentierhaltung bei uns an der Tagesordnung ist, aber jetzt konnte ich das Tierleid nicht mehr ignorieren.“ Sie besuchte Seminare an der Uni, meldete sich in veganen Foren an und traf eine weit­reichende Entscheidung.
Woche 5: Alles bleibt, wie es ist
„Als sich die 30-Tage-Challenge dem Ende neigte, war für mich und meinen Freund klar: Wir werden auch weiterhin rein pflanzlich essen. Ich fühlte mich viel besser, hatte allein in 5 Wochen 6 Kilogramm abgenommen und eine völlig neue Lebenseinstellung.“ Toller Neben­effekt: 5 Monate später waren weitere 12 Kilo weg – und die Veganerin fühlt sie so gut wie nie zuvor.

Mein wichtigstes Learning: Messen statt wiegen
„Am Anfang habe ich mich ständig gewogen und war frustriert, wenn sich auf der Waage nichts tat. Als ich intensiv mit dem Sport begann, nahm ich sogar zu! Aber ­irgendwann tauschte ich die Waage gegen ein Zentimeterband. Und siehe da: Natürlich wurde ich schlanker! Muskeln wiegen einfach mehr als Fettmasse, und deshalb ärgerte mich die Waage so. Seitdem ich das verstanden hatte, bin ich entspannt.“

04.11.2016| Stephanie Arndt © womenshealth.de
Themen-Special "So haben wir ab­ge­nom­men"
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