Konflikte lösen Oje, Streit mit Ihrer besten Freundin? Diese Tipps helfen

Wenn es in einer Freundschaft plötzlich nur noch Konflikte gibt, sollten Sie dem auf den Grund gehen. © Estrada Anton / Shutterstock.com

Hat Ihre Freundin in letzter Zeit immer etwas zu meckern? Oder sucht einfach Streit? Kein Grund zur Panik. Hier sind Wege, den Konflikt zu lösen

Freundinnen warten nicht an jeder Straßenecke. Sie sind etwas Besonderes, wir brauchen sie zum Glücklichsein. Schließlich helfen sie, wenn es mal nicht so rund läuft, und geben uns auch das Gefühl, gebraucht zu werden. Aber was, wenn sie genau das nicht tun? Wenn eine angeblich gute Freundin Ihnen keine Rückendeckung gibt, sondern Ihnen ständig in den Rücken fällt?

Tatsächlich gibt es immer mal Phasen, in denen Ihre Freunde einfach anders ticken oder Ihnen schlichtweg auf den Zeiger gehen. In diesen Situationen stellt sich dann die Frage: Das Gespräch suchen, sich zurückziehen, oder einfach runterschlucken? Bärbel Wardetzki, Psychotherapeutin und Autorin von „Nimm’s bitte nicht persönlich“ (Kösel-Verlag, 13 Euro) verrät, wie Sie Probleme easy ansprechen und wann es wirklich besser ist, einen Schlussstrich unter die Freundschaft zu ziehen.

Sie nervt Sie nur noch

Menschen verändern sich, Freundschaften auch. Das ist vollkommen normal. Problematisch wird es nur, wenn die Freundschaft zur Belastung wird. Wenn Sie sich nicht einfach auseinanderleben, sondern es Ihnen dabei schlecht geht. Oft fällt es schwer abzuschätzen, wann Sie das Problem offen ansprechen oder vielleicht sogar endgültig „Schluss“ machen sollten.

Was können Sie jetzt unternehmen? Folgen Sie Ihrem Bauchgefühl. „Wenn Sie das Gefühl haben, Sie haben sich nichts mehr zu sagen, oder Ihre Freundin kümmert sich nicht mehr um Sie, wenn es Ihnen schlecht geht, obwohl sie das früher getan hat.“ Es ist auch eine Typfrage. Manche Leute ziehen schnell einen Schlussstrich, andere leiden länger. „Sie halten an einer Beziehung fest, die sie eigentlich längst beenden sollten. Es gibt ja diese Freundschaften, die sich nur um Äußerlichkeiten drehen. Wenn Sie nicht Sie selber sein können, ohne sich direkt dumme Sprüche anhören zu müssen.“ Ein anderes zerstörerisches Thema ist Neid. Prinzipiell gilt: Wenn Sie sich ausgenutzt fühlen, sollten Sie etwas unternehmen: „Beispielsweise, wenn Sie ständig für Ihre Freundin da sein sollen, die aber nie für Sie da ist, wenn Sie ein Problem haben. Dann stimmt die Balance nicht mehr“, sagt die Expertin. In diesem Fall sollten Sie dringend das Gespräch suchen. Wenn Ihr Gegenüber wenig bis kein Verständnis zeigt, wissen Sie ja, wo ihre Prioritäten liegen. In dem Fall sagen Sie „Tschüss!“ Mit einer Freundin, die sich nicht um Ihre Gefühle schert, verschwenden Sie nur Zeit, die Sie besser mit wahren Freunden verbringen sollten.

Sie macht Ihnen Vorwürfe

Aus heiterem Himmel attackiert sie Sie, meist für Dinge, an denen Sie keine Schuld tragen, oder die schon immer so waren. Klar, Sie sollten sich nicht alles gefallen lassen und gegebenenfalls auch mal zur Wehr setzen. Aber auch Sie sind nicht unfehlbar. Tragen Sie eine Mitschuld am Konflikt?

Was können Sie jetzt unternehmen? Reflektieren Sie Ihr eigenes Verhalten: „Um eine Lösung zu finden, ist es gut, die Ursache zu kennen, Ihren Anteil am Konflikt.“ Warum ist Ihre Freundin vielleicht eifersüchtig oder wertet Sie ab? Gibt es etwas, das Ihre Freundin an Ihrem Verhalten stört? Haben Sie womöglich zu viel von ihr verlangt? „Oft stellen wir zu hohe Ansprüche an unsere Freunde oder überschreiten Grenzen“, sagt Expertin Wardetzki. Räumen Sie Ihren Teil der Verantwortung ein und gehen auf sie zu.

Sie haben das Gefühl, Ihre Freundin sucht bei jeder Lappalie Streit? Womöglich liegen die Gründe tiefer. © Estrada Anton / Shutterstock.com

Sie hat keine Zeit für Sie

Ihre beste Freundin hat einen neuen Freund und – schwups – sind die gemeinsamen Pläne Geschichte. Der Klassiker. So ein plötzlicher Kontaktabbruch verletzt sehr, Sie fühlen sich im Stich gelassen. Natürlich könnten Sie das einfach so hinnehmen. Ihrer Freundin die neue Liebe gönnen und irgendwann treffen Sie sich nur noch zufällig. Aber ist das der richtige Weg?

Was können Sie jetzt unternehmen? Beleidigt auf Besserung warten hilft nicht. Die Expertin rät: „Einfach ansprechen. Es ist normal, dass sich Freundschaften lockern, wenn Sie eine enge Partnerschaft eingehen. Es ist trotzdem möglich, mit Freunden zusammen zu sein. Sagen Sie, wie Sie sich fühlen und suchen Sie nach einer Lösung, wie Sie gemeinsam Zeit verbringen können. Vielleicht ein Ritual von früher weiter pflegen? Ein gemeinsamer Urlaub? Wir müssen manchmal daran erinnert werden, dass wir Freundinnen genauso brauchen wie den Partner.“

Sie hat Sie enttäuscht

Sie hat ein Versprechen nicht gehalten? Oder mit Ihrem Ex rumgemacht, an dem Sie noch ein bisschen hängen? Das ist Mist – aber so etwas passiert. Ist Ihr Leid so groß, dass Sie den Kontakt abbrechen wollen?

Was können Sie jetzt unternehmen? Rennen Sie nicht gleich weg. Aufeinander eingehen zu können, auch in solch einer Lage, ist die Grundlage jeder Freundschaft. Prüfen Sie, ob Sie das Vertrauen wieder aufbauen können – vielleicht mit etwas Abstand. „Manchmal sind Freundschaftspausen ganz gut“, sagt Bärbel Wardetzki. „Reduzieren Sie den Kontakt und orientieren sich neu.“ Treffen Sie sich öfter mit anderen Freunden und lockern die Beziehung etwas. Wenn Sie sich mit mehreren Leuten treffen, ist die Erwartungshaltung nicht mehr so groß. Das hilft, die Freundschaft wiederzubelebenund kann dazu führen, dass Sie sich wieder näherkommen – weil Sie merken, was Sie aneinander haben. „Eine Freundschaft ist ein Prozess. Haben Sie Geduld und formulieren Sie nicht zu hohe Ansprüche“, rät die Expertin.

Grundsätzlich gilt: Treffen Sie keine überstürzten Entscheidungen. Oft kennen Sie die Personen schon lange und teilen einzigartige Erlebnisse miteinander. Deshalb lohnt es sich in den meisten Fällen, daran zu arbeiten und einen Weg zu finden, verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen. Manchmal hilft es, einen Gang zurückzuschalten, und manchmal müssen Sie etwas Tempo zulegen. Das kommt auf die Situation an. Mit einem Gespräch lassen sich aber die meisten Probleme aus der Welt schaffen. Wenn all das nichts bringt, können Sie immer noch die Reißleine ziehen.

Auf diese 3 Dinge müssen Sie achten, wenn Sie mit ihr reden

Meistens braucht es nicht mehr als ein offenes Gespräch, um eine angeschlagene Freundschaft zu retten. Lesen Sie hier, wie Sie dieses am besten angehen:

Vielleicht fühlt Sie sich von Ihnen verletzt, ohne dass das Ihre Absicht war. Also: Nicht immer nur gegenhalten, schauen Sie auch auf eigene Fehler. © Estrada Anton / Shutterstock.com

1. Sprechen Sie über Ihre Probleme – aber reden Sie in der Ich-Form. Expertin Wardetzki: „Greifen Sie Ihre Freunde nie direkt an. Du-Sätze zwingen sie in die Defensive. Sprechen Sie aus der Ich-Perspektive. Machen Sie ihr klar, wie Sie sich fühlen, was Sie vermissen und was Sie sich von Ihrer Freundin wünschen.“

2. Fragen Sie auch, wie es Ihr dabei geht und was sie dazu zu sagen hat. Sie sollten Ihrer Freundin die Chance geben, ihre Sicht der Dinge zu äußern. „So ist es kein Angriff und Sie befinden sich auf einer Ebene. Vielleicht geht es ihr genauso, dann haben Sie eine Gemeinsamkeit.“

3. Ziehen Sie Konsequenzen. Wenn sich ihre Reaktion (und damit die Freundschaft) falsch anfühlt und Ihnen Kummer bereitet, haben Sie den Mut sich zu trennen. Sagen Sie, was Sie bedrückt und dass Sie sich aus dieser Freundschaft zurückziehen wollen. Gut möglich, dass sie das genauso sieht und sich einfach nicht getraut hat, ehrlich zu sein. „Nicht immer spricht man es aus, weil es oft peinlich ist“, so Psychologin Wardetzki. Also, raus mit der Sprache – Sie werden sehen, es hilft!

Streit unter Freundinnen ist völlig normal. Wenn Sie aber das Gefühl haben, es brodelt ständig zwischen Ihnen, oder dass es um etwas Grundsätzliches geht, sollten Sie das Gespräch suchen. Wenn Sie dabei nicht nur bei Ihrer Freundin nach Fehlern suchen, sondern auch auf Ihren möglichen Anteil, müsste sich jeder Konflikt im Gespräch lösen lassen. Unsere Tipps helfen dabei.

05.09.2018| Sarah Parzer © womenshealth.de
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