Rauchfrei So erholt sich dein Körper, wenn du zu rauchen aufhörst

Endlich Nichtraucher werden
Viele gesundheitlichen Folgen des Rauchens lassen sich mit dem Aufhören wieder ausbügeln. © Vladimir Gjorgiev / Shutterstock.com

Du willst aufhören zu rauchen? Gute Idee! Denn dein Körper regeneriert sich sehr gut. Das passiert im Laufe der ersten Tage, Wochen und Jahre

Kippe an, Kippe aus, Kippe an, Gesundheit geschädigt, Geld verbrannt. Seit Jahren geht das so, seit langem schon überlegst du, damit aufzuhören. Doch fragst du dich auch: Was bringt das eigentlich, wenn ich jetzt noch aufhöre? Einiges!

Die gute Nachricht ist nämlich: So schädlich rauchen auch ist, der Körper einer Ex-Raucherin regeneriert sich erstaunlich gut! Und das nicht erst nach Monaten oder Jahren. "Die ersten wirklich spürbaren Effekte bemerkt man bereits nach 8 bis 10 Stunden ohne Nikotin", weiß Dr. Matthias Krüll, Lungenfacharzt mit Praxis in Berlin (pneumologie-berlin.de) sowie Partner bei SMS Sportmedizin Berlin.

Wir wollten wissen, wie eine solche Raucher-Regeneration im Einzelnen abläuft und haben für dich eine Rauchfrei-Timeline erstellt. Hier liest du, wann welche Besserung eintritt.

So regeneriert sich dein Körper, wenn du jetzt aufhörst zu rauchen

Schon eine Viertelstunde nach der letzten Fluppe zeigt dein Körper erste Anzeichen der Erholung von den ständigen Gift-Attacken. Über die Monate und Jahre erholt er sich immer mehr bis fast auf das Niveau einer Frau, die nie geraucht hat. Das sind die Schritte im einzelnen:

15 bis 20 Minuten nach der letzten Zigarette beginnt die Erholung

Erste Effekte auf den Blutdruck und das Herz-Kreislauf-System sind messbar. Der Puls normalisiert sich. Zur Erklärung: Nikotin führt dazu, dass sich die Blutgefäße im Körper zusammenziehen. Bei starken Rauchern stehen die Gefäße quasi unter Dauerspannung.

"Das führt dazu, dass sie über die Jahre immer härter und starrer werden", erklärt Dr. Krüll, "Dazu kommt, dass sich vermehrt Fett und Kalk an ihnen ablagert und es schließlich zum kompletten Verschluss der Gefäße kommen kann." Und das wiederum kann in einen Infarkt münden.

"Wie gut sich die Gefäße erholen, hängt von ganz verschiedenen Umständen ab", sagt der Lungenspezialist, "Co-Faktoren wie Übergewicht oder hohe Blutfettwerte spielen eine große Rolle. In der Regel lässt sich aber sagen, dass sich nach 1 bis 2 Jahren Nikotin-Abstinenz das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen halbiert hat."

Darum solltest du aufhören zu rauchen
Rauch-Aus: Wer früh genug aufhört, hat die gleiche Lebenserwartung haben wie Nichtraucher. © Poprotskiy Alexey / Shutterstock.com

8-10 Stunden nach Rauchstopp riechst du besser

Die toxischen Abfallprodukte der Zigarette sind aus deinem Körper verschwunden, genauso wie der üble Geruch und Geschmack, den die Zigarette oft hinterlässt. Wenn du jetzt nicht mit neuem Gift nachlegst, geht es mit der Erholung richtig los!

Nach 2 Tagen ohne Zigarette: mehr Geruchs- und Geschmackssinn

Wer 48 Stunden lang den Zigaretten entsagt, wird mit einem völlig neuen Empfinden belohnt. Was viele Raucherinnen schnell bemerken: Geruchs- und Geschmackssinn funktionieren plötzlich viel besser. Du wirst dich wundern, was du alles vorher nicht schmecken oder riechen konntest!

Nach 3 Tagen ohne Nikotin atmest du spürbar auf

Aaaah! Merkst du es? 3 Tage ohne Nikotin lassen dich wieder richtig durchatmen. Spannungen im Bronchialsystem lösen sich langsam und der Blutdruck pendelt sich auf einem niedrigeren Niveau ein. "Rezeptoren im Körper, die sich an die ständige Nikotin-Zufuhr bereits gewöhnt hatten, werden wieder empfindlicher", so Krüll.

Das erklärt umgekehrt übrigens auch, warum nach langer Rauch-Abstinenz die erste Zigarette häufig Übelkeit und Schwindel auslöst: Du merkst wieder, was du dir damit tatsächlich antust. Bloß nicht ausprobieren!

3-6 Monate nach der letzten Zigarette hast du mehr Platz in der Lunge

Nach und nach wächst deine Lungenkapazität. Das macht sich nicht nur beim Treppensteigen bemerkbar. "Vor allem gut trainierte Sportlerinnen merken einen extremen Unterschied", weiß Dr. Krüll. Nein, die Lunge ist nicht gewachsen. Sie hat mehr Platz, weil sie sukzessive freigeräumt wird.

Und wie genau reinigt sich die Lunge? Fakt ist, dass die Lunge den eingeatmeten bzw. inhalierten Dreck irgendwie entsorgen muss. Dafür hat sie 2 Mechanismen zur Verfügung. Zum einen über die feinen Flimmerhärchen in den Bronchien, zum anderen durch die Schleimdrüsen. Was viele nicht wissen: "Bereits eine einzige Zigarette lähmt die Flimmerhärchen für 4 bis 8 Stunden", so der Experte, "Dauerhaft gelähmte Härchen sterben nach und nach ab."

Heißt im Umkehrschluss: Wenn das Filtersystem der Lunge schlapp macht, produziert sie vermehrt Schleim. Das Resultat ist der altbekannte Raucherhusten mit dem unschönen Auswurf. Schlimmer noch: "Mit den Schleimdrüsen verhält es sich wie mit Fettzellen: Wenn sie einmal gebildet wurden, bleiben sie und machen zeitlebens Probleme", so Dr. Krüll. Ergo: Schleimiger Husten kann selbst noch Ex-Raucher plagen, die schon jahrelang das Qualmen aufgegeben haben.

Nach 6 bis 9 Monaten als Nichtraucherin: Weniger krank

Du hast seltener Infekte und überstehst sie besser. Wer ein halbes Jahr und länger nicht raucht, reduziert die Anzahl von Infektionen der oberen und unteren Atemwege enorm. Keime und Erreger fühlen sich auf vorgeschädigtem Gewebe nämlich wesentlich wohler als auf gesundem. Erkältungen steckst du wesentlich besser weg als noch zu verqualmten Zeiten.

Nach einem Jahr ohne rauchen: halbiertes Risiko für Herzinfarkt

Das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall hat sich inzwischen halbiert. Übrigens gibt es hier kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Frauen und Männer sind gleichermaßen gefährdet, bzw. erholen sich gleich schnell und gut.

Nach 5 Jahren ohne Zigarette: halbiertes Krebsrisiko

Das Risiko typischer Krebsarten, die in erster Linie mit dem Rauchen verknüpft sind (Lungenkrebs oder Luft- und Speißeröhrenkrebs), sinkt um die Hälfte.

Je früher du mit dem Rauchen aufhörst, desto besser sieht deine Haut aus
Je früher du mit dem Rauchen aufhörst, desto besser sieht deine Haut aus. © Vladimir Gjorgiev / Shutterstock.com

Nach 15 Jahren ohne Kippen: Fit wie Nichtraucher

"In der Regel hat sich der allgemeine Gesundheitszustand eines Ex-Rauchers nach 15 Jahren ohne Nikotin auf dem Niveau eines Nichtrauchers eingependelt. Die Devise lautet hier: Je früher, desto besser", so Dr. Krüll.

Auch wenn du mit dem Rauchen aufhörst: Nicht alles ist reversibel

Bei all den guten Nachrichten gibt es auch schlechte – dein Körper stößt in Sachen Regeneration auch an Grenzen. Einige Dinge werden durch das Rauchen unwiederbringlich geschädigt. Dazu gehört zweifelsohne die Hautalterung. "Eine 40-jähriger Raucherin hat in der Regel die Haut einer 50-Jährigen", weiß Dr. Krüll. Warum? Weil deine Fähigkeit zur Selbstreparatur gestört ist.

Der Körper ist non-stop damit beschäftigt, sich zu regenerieren. Bestes Beispiel: Die Neubildung der Haut nach einem Sonnenbrand. "Diese Regenerations- und Reparationsmechanismen werden von bestimmten Eiweißsubstanzen gesteuert", so der Fachmann. Durch das Rauchen entstehen sogenannte Sauerstoffradikale im Körper. Diese verhindern die Regeneration und fügen unseren Zellen zusätzlichen Schaden zu. Heißt genauer: "Wer mit dem Rauchen aufhört, darf keine Hautverjüngung erwarten", so Krüll. Aber lange leben, das geht auch mit gealterter Haut!

Mit dem Rauchen aufzuhören lohnt sich. Immer! Je früher, desto besser. Du kannst dir den Verzicht auf Nikotin wie einen Fallschirm vorstellen, durch den du wesentlich langsamer fällst, als du es sonst getan hättest. Die Belohnung: Ein längerer Atem beim Sport, besseres Aussehen und ein längeres, gesünderes Leben. Starte am besten jetzt sofort!

19.12.2019| Linda Babst © womenshealth.de
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