Vaginitis Das hilft Ihnen bei einer Entzündung in der Scheide

Brennen und Jucken im Intimbereich? Es könnte eine Scheidenentzündung dahinter stecken. © Roman Samborstkyi / Shutterstock.com

Entzündungen im Scheidenbereich sind schmerzhaft und unangenehm. Jetzt hilft nicht verstecken, sondern handeln! Diese Tipps helfen

Wenn das mikrobakterielle Gleichgewicht im intimsten Bereich einer Frau nicht mehr stimmt, kann das sehr unangenehm werden. Juckreiz und Brennen im Scheidenbereich, weißer bröckeliger Ausfluss sowie Schmerzen beim Wasserlassen sind typische Symptome einer Vaginitis, also einer akuten Scheidenentzündung, auch Kolpitis genannt.

Bei einer bakteriell verursachten Vaginose riecht zudem der Ausfluss auch noch fies nach Meeresgetier... Für betroffene Frauen ist das alles sehr unangenehm, am liebsten wollen sie sich verkriechen. Ganz falsch! All diese Symptome sind Anlass, sofort aktiv zu werden. Wir erklären, warum Scheidenentzündungen rasch behandelt werden sollten und wie Sie sie künftig vermeiden.

Eine Scheidenentzündung lässt sich bei rechtzeitiger Diagnose gut behandeln. © voygerix / Shutterstock.com

Welche Ursachen hat eine Vaginitis?

Letztlich kann eine Infektion verschiedene Ursachen haben, Grundlage ist aber vor allem meist eine Störung der natürlichen Schutzbarriere im Vaginalbereich. Normalerweise verfügt die Scheide über zwei wirkungsvolle Schutzmechanismen gegen Infektionen und Verletzungen, die den weiblichen Geschlechtshormonen Östrogen und Gestagen zu verdanken sind:

Das sind zum einen Milchsäurebakterien (Döderlein-Bakterien oder Laktobazillen), die ein saures Scheidenmilieu erzeugen. Zum anderen besitzt die Scheidenhaut von Natur aus schon eine erhöhte Widerstandsfähigkeit gegenüber Erregern. Doch folgende Faktoren beeinträchtigen die natürlichen Schutzwälle:

  • Hormonveränderungen sowie Östrogenmangel
  • Antibiotika
  • Stress (lokale Abwehrschwäche)
  • eine Zuckerkrankheit
  • Unterkühlung
  • Medikamente wie die Antibaby-Pille oder Kortison
  • übermäßige Intimpflege mit Produkten, die das Scheidenmilieu weniger sauer machen
  • eine Überempfindlichkeit gegen Latex (z.B. latexhaltige Kondome)
  • zu eng sitzende oder synthetische Slips
  • Menstrualblut, das den Säuregrad des Scheidenmilieus verringert
  • Verhütungsmittel wie die Spirale
  • Tumore in der Scheide

Sind die natürlichen vaginalen Schutzmechanismen durch einen oder mehrere dieser Faktoren geschwächt, steigt das Risiko, sich eine Vaginitis oder eine bakterielle Vaginose einzufangen.

Nicht verzweifeln! Eine Vaginitis lässt sich in den meisten Fällen ganz einfach behandeln. © fizkes / Shutterstock.com

Ist eine Scheidenentzündung ansteckend?

Ja, denn eine Scheidenentzündung entsteht durch Bakterien (Gardnerella vaginalis, Streptokokken, Staphylokokken, Kolibakterien und andere), Viren (Herpes genitalis und Humane Papillom-Viren), Pilze wie den Hefepilz Candida albicans oder Parasiten wie die Trichomonaden. Das sind kleine Geißeltierchen.

Diese Erreger können Sie sich beim Sex, durch die gemeinsame Verwendung von Handtüchern und Badesachen, in der Sauna, im Whirlpool oder Schwimmbad einfangen. Viele Frauen tragen kleine Mengen des einen oder anderen Begleiters auch im gesunden Zustand in ihrer Scheide und sind völlig beschwerdefrei. Das ändert sich, wenn die jeweiligen Erreger die Chance bekommen, sich stark zu vermehren.

Was hilft bei Vaginitis?

Da eine Vaginitis viele verschiedene Ursachen haben kann, müssen Sie unbedingt einen Termin bei Ihrer Gynäkologin machen. Nur der geschulte Blick der Ärztin und ein unter dem Mikroskop analysierter Abstrich können klären, um welchen Erreger es sich handelt.

Sollte es sich bei den Auslösern um Bakterien oder Trichomonaden handeln, helfen Antibiotika. Gegen virale Infektionen wird die Gynäkologin Virusstatika, d.h. Virushemmstoffe, einsetzen, um die Infektion einzudämmen.

Wenn Sie eine Pilzinfektion haben, sind Antimykotika wirksam. Es gibt sie als Tablette und Zäpfchen, jeweils in Kombination mit einer Creme. Bei Erregern, die auf den Geschlechtspartner übertragen werden, ist es sinnvoll, dass dieser ebenfalls behandelt wird.

Was ist eine bakterielle Vaginose?

Die bakterielle Vaginose ist die häufigste mikrobiologische Störung des Scheidenmilieus. Sie entsteht, wenn sich Gardnerella vaginalis und andere Keime wie z. B. Prevotellaarten und Mykoplasmen in der Scheide im Übermaß tummeln. Gefördert wird diese mikrobiologische Verschiebung durch Stress.

Die Symptome sind sehr ähnlich zu jenen der Vaginitis mit der Ausnahme, dass der grau-weiße, homogene Ausfluss einen fischiges Geruch verströmt. Allerdings tritt dieser typische Ausfluss nur bei 50 Prozent der betroffenen Frauen auf. Anhand von vier Punkten, von denen drei zutreffend sein müssen, kann die Gynäkologin eine Diagnose stellen:

  1. Grau-weißer Ausfluss
  2. ein Säurewert über 4,5
  3. fischartiger Geruch des Ausflusses
  4. deutlich erkennbare, sogenannte Schlüsselzellen unterm Mikroskop.

Achtung: Eine Vaginose kann eine Frühgeburt auslösen. Bei Verdacht sofort an Ihre Ärztin wenden! © Natalia Deriabina / Shutterstock.com

Erhöht eine Vaginose das Frühgeburtsrisiko?

Ja, sie erhöht das Risiko für gynäkologische Infektionen wie eine Eileiterentzündung oder eine Entzündung der Schleimhaut des Gebärmutterhalses sowie das Risiko einer Frühgeburt. Jede 5. bis 10. Schwangere hat eine bakterielle Vaginose.

In 10 bis 20 Prozent der Fälle heilt sie von allein aus – das Rückfallrisiko ist dann jedoch groß. Informieren Sie Ihre Gynäkologin am besten bereits bei den ersten Anzeichen, sie wird Sie entsprechend medikamentös behandeln.

Wie kann ich die Heilung einer Vaginitis unterstützen?

Bei einer rechtzeitigen und konsequenten Therapie heilt eine Scheidenentzündung in der Regel schnell ab. Ist der Erreger bei einer Vaginitis und Vaginose beseitigt, müssen Sie Ihre Scheidenflora mit Döderleinbakterien, lokal anwendbaren Vitamin C-haltigen Präparaten und östrogenhaltige Medikamenten regenerieren.

Verzweifeln Sie nicht, auch wenn zum Beispiel eine Scheidenpilzinfektion im nächsten Zyklus wieder auftritt. Irgendwann ist Schluss damit. Tägliches Handtuchwechseln, Trockenföhnen des Genitalbereichs und pH-stabilisierende Waschlotionen mit Milchsäurezusatz helfen dabei.

Gegen Vaginitis bzw. Vaginose hilft keine intensive Intimpflege, im Gegenteil. Sie sollten bereits bei den ersten Anzeichen zügig einen Termin bei Ihrer Gynäkologin ausmachen. Um sich selbst, aber auch andere, die sich anstecken könnten, zu schützen. Während der Heilung sollten Sie erst einmal Orte wie das Schwimmbad und die Sauna meiden. Ansonsten steht einer Genesung nichts im Wege.

11.06.2019| Gerlinde Felix © womenshealth.de
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