Haare selber färben: So klappt's Look Studio / Shutterstock.com

Haare selber färben wie ein Profi

Haare selbst färben So kannst du zuhause deine Haare selber färben und tönen

Hier erfährst du, wie du zuhause deine Haare färbst wie ein Profi. Außerdem liefern wir die besten Experten-Tipps zum Colorieren und zur Fehlerkorrektur

Mit der Verlängerung des Lockdowns, wird auch der Farb-Ansatz im Haar immer breiter. Solltest du jetzt selbst färben? Das kommt darauf an, wie mutig du bist. Oder: wie verzweifelt.

Sich zu Hause im Alleingang eine neue Haarfarbe zu verpassen, kann gutgehen – muss es aber nicht. Hier liest du jedenfalls die wichtigsten Tipps für ein hairliches Ergebnis. Inklusive Notfallplan, wenn’s doch schief läuft.

1. Wie finde ich die Farbe, die zu mir passt?

Die Bilder auf der Verpackung inspirieren zwar, aber auch wenn das Foto dir gefällt, heißt das leider noch nicht, dass du diese Farbe auch exakt so hinbekommst. Deshalb ist es wichtig, sich die kleinen Bilder auf der Schachtel anzugucken, auf denen die Ausgangshaarfarbe und das Färbeergebnis angezeigt werden.

"Wer unsicher ist, sollte bei der Coloration lieber eine Nuance heller wählen", rät Dr. Astrid Kleen, Leiterin Forschung und Entwicklung Haarfarben bei Henkel Beauty Care. Ist dir der Ton nicht stark genug, kannst du immer noch mit einer zweiten Coloration nachbessern. Hast du aber gleich zum dunkelsten Braunton gegriffen, kriegst du den nicht so leicht wieder heller.

Übrigens: Damit solche Haar-Desaster gar nicht erst passieren, gibt es auch virtuelle Helferlein, die das verhindern. Über die Website esalon.de bekommst du eine personalisierte Haarfarbe die von professionellen Coloristen genau auf deinen Farbwunsch und den Ist-Zustand deiner Haare abgestimmt wird. Für ein profimäßiges Ergebnis musst du die Coloration dann nur noch sauber auftragen. Mit den Tipps weiter unten im Text kein Problem!

2. Was passiert beim Färben mit meinem Haar?

Die meisten chemische Haarfärbeprodukte sind Oxidationsfärbemittel. Sie enthalten 3 Bausteine: Ammoniak, ein Oxidationsmittel und ein Färbemittel. Der Färbeprozess läuft in 3 Schritten ab:

  1. Zunächst wird mit Hilfe des Ammoniaks die Schuppenschicht des Haares geöffnet und das Haar quillt auf.
  2. Dann dringt das Oxidationsmittel ins Haarinnere ein, zerstört die natürlichen Farbpigmente und hellt das Haar auf.
  3. Das eigentliche Färbemittel besteht aus winzig kleinen Molekülen, die ins Haarinnere gelangen können. Dort lösen sie zusammen mit dem Oxidationsmittel eine chemische Reaktion aus. Erst dadurch erhalten die Farbpartikel und damit die Haare ihre gewünschte Farbe.

Die Farbe wächst mit der Zeit raus, weil die Haare wachsen. Deshalb muss der Haaransatz regelmäßig nachgefärbt werden. Weil um das Thema so viele Irrtümer kursieren, findest du hier die größten Haarmythen im Faktencheck

3. Gehen die Haare durchs Färben kaputt?

Das kommt drauf an. Grundsätzlich gilt: Das Färben mit Oxidationsfärbemitteln ist für Haar und Kopfhaut ziemlich strapaziös. Das Haar quillt auf, die äußere Schuppenschicht wird geöffnet. Nach dem Färbevorgang soll das mitgelieferten Pflegemittel die Schuppenschicht zwar wieder schließen – das klappt allerdings nur bedingt.

Wenn du deine Haare einmalig färbst und danach immer nur den Ansatz behandelst, wirst du den Schaden wohlmöglich nicht einmal bemerken. Färbst du dein Haar jedoch häufig um oder gibst die Coloration jedes Mal aufs ganze Haar, wird der Schopf schnell glanzlos und splissig. Klingt nach dir? Dann findest du hier Pflege-Tipps für kaputte Haare.

4. Sind Strähnchen besser fürs Haar?

Bei Strähnchen-Haarfärbungen kommt nur ein Teil der Haare mit den Chemikalien in Kontakt. Die Haarstruktur der gesträhnten Partien leidet natürlich, aber das Resthaar bleibt gesund. Noch ein Vorteil von Strähnen: Die Kopfhaut kommt nicht direkt mit den Chemikalien in Kontakt. Das ist ein entscheidender Vorteil für alle mit sensibler Kopfhaut und in der Schwangerschaft. Hier kannst du ein Strähnchen-Kit für Zuhause bestellen.

5. Kann ich meine Haare in der Schwangerschaft färben?

Auch wenn Wissenschaftler sich bis heute nicht einig sind, ob das Färben in der Schwangerschaft dem Ungeborenen tatsächlich schaden kann, verzichten viele Frauen lieber darauf. Auch wir raten: So lange nicht erwiesen ist, dass Haarfarbe für Schwangere zweifelsfrei unbedenklich ist, solltest du lieber darauf verzichten den kompletten Schopf zu färben und stattdessen lieber nur zu Strähnchen greifen.

6. Sollte ich vorm Färben die Haare waschen?

Auf keinen Fall! Aggressive Inhaltsstoffe der Oxidationsfärbemittel können die Haut reizen. Ungewaschen ist die Haut zumindest ein wenig durch ihren natürlichen Fettfilm geschützt. Willst du blondieren, empfehlen seriöse Friseure sogar das Haar sogar mindestens 3 Tage davor nicht zu waschen.

7. Was ist der Unterschied zwischen Intensivtönungen und Colorationen?

Die handelsüblichen Intensivtönungen enthalten genau wie Colorationen Oxidationsmittel. Das Problem: Sobald du zwei Komponenten mischen musst, wäscht sich die Farbe nicht mehr vollständig heraus. Du fragst dich jetzt sicher, wieso man sie dann als Tönung verkaufen darf. Zur Erklärung: Weil das Oxidationsmittel weniger stark ist, wäscht sich die Farbe deutlich schneller heraus als bei einer Coloration. So kann man sich häufiger für einen neuen Ton entscheiden.

Ganz verschwindet eine Intensivtönung aber wie gesagt nicht mehr. Es gibt aber auch richtige Tönungen, die sich vollständig herauswaschen. Darunter fällt zum Beispiel die Colorance Soft Color Schaumtönung von Goldwell. Mehr zu Tönungen findest du im nächsten Punkt.

8. Wie funktioniert das Tönen der Haare?

Eine echte Haartönung besteht niemals aus zwei Komponenten! Sie muss also vorm Färben nicht mit einem Entwickler gemixt werden. Die Farbe dringt deshalb nicht tief ins Haar ein, sondern legt sich als Film auf die Haare, der beim Waschen allmählich wieder verblasst - üblicherweise nach 8 bis 10 Haarwäschen. Weil Tönungen weder Ammoniak noch Wasserstoffperoxid enthalten, schädigen sie die Haare nicht.

9. Kann ich durch eine Tönung meine Haarfarbe komplett verändern?

Leider nicht. Haartönungen funktionieren nur, wenn der neue Farbton in etwa der natürlichen Haarfarbe entspricht oder etwas dunkler ist. Das Ergebnis ist stark von der Haarstruktur abhängig. Bei gesundem Haar legt sich die Farbe gleichmäßig ums Haar und wird ebenso gleichmäßig wieder ausgewaschen.

Bei geschädigter Schuppenschicht verteilt sich die Tönung ungleichmäßig um die Haare und wirkt schnell fleckig. Dieser Effekt verstärkt sich durchs Waschen, da die Farbe unterschiedlich schnell ausgewaschen wird – je nachdem, ob sie an gesunden oder geschädigten Stellen des Haares haftet.

10. Ist Pflanzenhaarfarbe besser fürs Haar?

Das kommt drauf an. Pflanzenfarben mit Henna kannst du gefahrlos und ohne Gesundheitsrisiko einsetzen – auch während der Schwangerschaft. Manche Produkte pflegen das Haar sogar.

Wichtig: Schaue unbedingt auf den Beipackzettel: Manche Herstellen fügen ihren Pflanzenfarben einige der chemischen Zutaten bei, die sich auch in synthetischer Haarfarbe befinden. Dann gelten die gleichen Sicherheitshinweise wie bei herkömmlichen Colorationen. Eine garantiert rein pflanzliche Coloration von Logona kannst du hier in verschiedenen Nuancen bestellen.

11. Wie gut ist Pflanzenhaarfarbe?

Mit Henna lassen sich je nach Einwirkzeit die verschiedensten Farbwünsche erfüllen: von Rotblond bis zu Signalrot. Auch satte Braun- und Schwarztöne mit leichtem Rotschimmer sind drin. Zusätze von anderen Pflanzen, zum Beispiel Schwarztee, machen es möglich. Heller färben funktioniert mit Pflanzenfarbe allerdings nicht. Denn anders als Oxidationsfärbemittel, die in das Haar eindringen und dessen Struktur verändern, umhüllen Naturfarben es nur. Du kannst also nicht pflanzlich von Hellbraun auf Goldblond färben.

Du willst mehr über das Thema erfahren? Dann lies unbedingt unseren Guide zum Thema Haare färben mit Pflanzenhaarfarbe

12. Kann ich meine Haare auch ohne Wasserstoffperoxid blondieren?

Jein. Nur Sonne und Salzwasser können noch aufhellen, aber beides greift das Haar genauso an wie Wasserstoffperoxid. Wenn du es schonender willst, muss es nicht gleich eine Blondierung sein: "Wir differenzieren zwischen reiner Aufhellung und Blondierung", so Kleen. "Bei einer Aufhellung erreichen wir lichte Farbnuancen und können bis zu 3 Stufen aufhellen. Bei Blondierungen wird Wasserstoffperoxid mit Blondierungspulver zur Paste angemischt. Diese kann bis zu 8 Stufen aufhellen." Lies hier, wie du deine Haare schonend aufhellen kannst.

13. Warum wird so viel vor Allergien gewarnt?

Weil nicht auszuschließen ist, dass es zu allergischen Reaktionen kommt, denn das Immunsystem kann grundsätzlich auf jeden Inhaltsstoff reagieren. Manche gelten aber als besonders häufige Allergieauslöser. Bei Haarfarben gibt es vor allem eine Chemikalie, die immer wieder Ärger macht: das Paraphenylendiamin (PPD).

Es sorgt auf der einen Seite zwar für intensive, satte Farben. Andererseits kann es aber bei längerem Hautkontakt zu einer Sensibilisierung kommen. Auch Paratoluylendiamine (PTD) oder Resorcin können die Haut reizen. Wenn du beim Haarefärben eine Hautreaktion bemerkst, gilt: sofort auswaschen! Wer zu Allergien neigt, sollte sich vorm Färben beim Dermatologen beraten lassen.

14. Hilfe, meine Haare sind total verfärbt. Was hilft?

Farbkorrekturen sind aufwendig und deshalb beim Friseur extrem teuer. Profis blocken dafür oft einen ganzen Tag. Heißt für dich im Selbstversuch: Extrem vorsichtig sein! Eine Korrektur mit vernünftigem und gesundem Ergebnis kriegt man als Laie nur mit Glück hin. Schon allein deshalb, weil das Verständnis für die komplizierten chemischen Prozesse fehlt. Wenn es irgendwie geht: Mütze auf und durchhalten, bis die Profis wieder öffnen. Wenn du es auf Biegen und Brechen selbst versuchen willst, hilft folgendes:

  1. Das Ergebnis ist orange statt blond: Grund für einen Orangestich sind Rotpigmente im Haar. Für den Laien im Naturhaar oft nicht sichtbar, kommen sie beim Blondieren und Heller-Färben ans Tageslicht. Keine Panik! "Das lässt sich korrigieren, indem ein weiteres Mal 5 bis 10 Minuten nachblondiert wird", so Kleen. Ist nur ein leichter Gelbstich im Haar, gleicht ein Silbershampoo den unerwünschten Reflex aus. Die besten Produkte findest du hier.
  2. Und wenn die Haare plötzlich einen Grünstich haben: Das Phänomen taucht in erster Linie bei stark geschädigtem und vor allem hellem Haar auf, sonst würde man das Grün gar nicht sehen. "Ursache sind Kupferionen, die durch Kupferleitungen ins Wasser gelangen", sagt Kleen. Ihr Geheimtipp: 2 Aspirintabletten in 200 ml warmem Wasser auflösen, damit die Haare spülen und anschließend schamponieren. Die Acetylsalicylsäure zieht grüne Ionen zuverlässig aus dem Haar
  3. Die Strähnchen sind viel zu hell: Du wolltest zartes Honigblond, jetzt gehst du als Platinblondine durch? Kai-Uwe Dalichow, Creative Director der Friseur-Innung Berlin, rät: "Ton mit einer Intensivtönung abmildern. Ein etwas gedeckteres Blond kann die Strähnen wieder abdunkeln." Wir empfehlen die Nuance "11 Hellblond" von Schwarzkopf Poly Color Tönungs-Wäsche.
  4. Die Farbe ist zu dunkel geworden: Aus dem Haselnussbraun ist fast Schwarz geworden? Ruhe bewahren! Spezielle Tiefenreinigungs-Shampoos wie das Clarifying Shampoo Two von Paul Mitchell helfen meist – bitte sofort anwenden und mehrmals einschäumen. Hilft nicht? Dann probier mal einen speziellen Haarfarben-Entferner. Ein Produkt, das wir in der Redaktion bereits getestet und für sehr gut befunden haben, ist der Haarfarbenentferner von Colour B4. Er zieht nur die künstlichen Pigmente aus dem Haar, verändert die Naturhaarfarbe darunter aber nicht. Außerdem sind Haarfarbenentferner weitaus schonender zum Haar als Blondierungen.

16. Was hilft, wenn man die Haut mitfärbt?

Wenn nicht nur die Haare Kirschrot sind, sondern auch die Haut am Haaransatz, sieht jeder, dass du die neue Farbe selbst aufgetragen hast – und leider nicht gut. Wie kommt es zu den Abfärbungen? "Bei einigen Nuancen kann es auf sehr trockener Haut durch die Farbstoffe dazu kommen", sagt Expertin Kleen. Um das zu vermeiden, solltest du vor der Färbeaktion diese Hautpartien mit Vaseline einreiben. Noch ein Profi-Tipp: "Es hilft auch, den frisch gefärbten Schopf – samt Stirn – einmal zu schampoonieren, bevor der beiliegende Conditioner aufgetragen wird.“

17. Braucht man wirklich Shampoo für gefärbtes Haar?

Ein klares Ja! "Weil die Farbstoffe bis tief ins Haar eingelagert werden und der Colorationsprozess an sich die Haarstruktur beansprucht", erklärt Kleen. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass colorierte Haare automatisch geschädigter sind. Sie brauchen einfach nur eine andere Fürsorge: "Um den Farbglanz so lange wie möglich zu erhalten, stecken in Pflegeprodukten für gefärbtes Haar entsprechende Inhaltsstoffe. Sie gewährleisten, dass Feuchtigkeit im Haar bleibt und die Farbe geschützt wird."

Haare zuhause färben ist machbar, egal ob du die Naturfarbe auffrischen willst, erste graue Haare abdecken oder die eigene Farbe leicht verändern. Wenn du dir alle unsere Tipps durchgelesen hast, kann nichts schiefgehen. Doch Bammel bekommen? So kaschierst du deinen Haaransatz ohne zu färben.

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