Fieber unterstützt das Immunsystem in seinem Kampf gegen Krankheitserreger. Pormezz / Shutterstock.com

Fieber senken Messen und behandeln: Die 5 besten Tipps bei Fieber

Fieber ist ein ziemlich cleverer Schutzmechnismus deines Immunssystems. Wann du dennoch dagegen vorgehen solltest und wie, erklären wir hier

Dir ist heiß und kalt, dein Körper fühlt sich an, als würde eine riesige schwere Decke alles betäuben und eine Hand auf der Stirn bestätigt es: Heiß! Du hast wahrscheinlich Fieber.

Aber solltest du das jetzt sofort bekämpfen? Oder ist es vielleicht sogar besser, die Hitze erst einmal auszuhalten? Wir sagen dir, wie du deine Temperatur misst und wie du dich bei Fieber am besten verhältst.

In diesem Artikel:

Ein Experte erklärt dir hier, warum du überhaupt Fieber bekommst, wie es verläuft und wann es gefährlich oder sogar hilfreich ist. Zum Schluss gibt es außerdem 5 Tipps, wie du das Fieber schneller wieder loswirst.

Wozu dient Fieber überhaupt?

Normalerweise liegt deine Körpertemperatur etwa bei 36,8 Grad. "Das kann aber im Verlaufe des Tages oder während der Periode auch schon mal zwischen 36 und 38 Grad schwanken", erklärt der Facharzt für Allgemeinmedizin Daniel Harbs von der Facharztpraxis Intensemed Hamburg. Sobald die Temperatur 38,5 Grad übersteigt, spricht man von Fieber. Das hängt allerdings auch davon ab, wo genau du die Temperatur misst, deshalb erklären wir später, wo du wie genau messen kannst. Zunächst: Wofür ist Fieber gut?

"Bei Fieber geht das Immunsystem in den Verteidigungsmodus, und sendet Botenstoffe aus, die die Körpertemperatur erhöhen", erklärt Harbs. Das ist ein Schutzmechanismus des Körpers, um Eindringlinge wie Bakterien oder Viren zu töten. Je wärmer es ist, desto schlechter können die nämlich überleben. "Fieber ist also eher ein Symptom und nicht die Ursache einer Erkrankung", so der Arzt.

Ab 39,5 Grad belastet Fieber den Körper stark und man sollte versuchen, das Fieber zu senken.
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Ab 39,5 Grad wird Fieber gefährlich, erst dann solltest du es senken.

Woran erkennt man Fieber?

Beim typischen Auflegen der Hand auf die Stirn kannst du oft schon erkennen, ob letztere sich wärmer anfühlt als sonst. Außerdem fühlt sich die betroffene Person oft abgeschlagen und matt. Durch die Hitze schwitzt man außerdem mehr, dieser Wasserverlust kann zu einer trockenen Zunge führen.

Auch der bekannte Schüttelfrost, wo dir heiß und kalt gleichzeitig ist, ist ein klassisches Anzeichen für steigendes Fieber. Übrigens: "Fieber verändert sich im Laufe des Tages und kann manchmal am Morgen verschwinden und abends wiederkommen", beschreibt der Allgemeinmediziner.

Wo sollte man am besten Fieber messen?

Fieber oder nicht: Gewissheit gibt am Ende das Fieberthermometer. Allerdings musst du die Temperatur immer in Verbindung mit dem Ort bewerten, wo du sie gemessen hast! Harbs erklärt deshalb, an welchen Orten du wie messen kannst:

  • Rektal: Das Fieberthermometer im Po ist die genaueste, wenn auch vielleicht nicht die angenehmste Methode. Aber an diesem Ort kommst du am besten an die etwas wärmere Körperkerntemperatur heran. "Bei rektalen Messungen spricht man deshalb erst ab 39 Grad von Fieber", erklärt der Arzt.
  • Im Ohr: Mit einem speziellen Infrarotgerät kannst du auch sehr gut im Ohr die Körpertemperatur messen. Das klappt allerdings nur bei freien Gehörgängen: "Zu viel Ohrenschmalz kann das Ergebnis verfälschen", warnt Harbs. Auf Q-Tips solltest du aber trotzdem verzichten, die können dem Ohr nämlich sehr schaden.
  • Unter der Zunge oder in den Achseln: Auch an diesen Orten kommst du relativ nah an die Körperkerntemperatur, allerdings lange nicht so genau wie bei den anderen beiden Methoden. "Die Temperatur an diesen Stellen sind etwa 0,5 Grad niedriger als bei der rektalen Messung, deshalb spricht man hier schon bei 38,5 Grad von Fieber", erklärt der Arzt.

Wichtig ist, dass du die verschiedenen Methoden nicht mischst, also mal hier und mal da misst. Nicht nur, weil das Thermometer unter der Zunge lieber nicht vorher woanders war, sondern auch, damit du die Ergebnisse besser auf lange Sicht vergleichen kannst.

Nicht immer sollte man Fieber senken, schließlich unterstützt es den Körper im Kampf gegen Krankheitserreger.
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Fieber ist ein Symptom und nicht die Ursache einer Erkrankung.

Wovon bekommt man Fieber?

"Die häufigste Ursache sind Erreger, die in den Körper eindringen", beschreibt Harbs. Aber auch Impfungen können in manchen Fällen dazu führen, immerhin soll das Immunsystem durch den Impfstoff ja herausgefordert und trainiert werden. "Dieses Impf-Fieber geht aber in der Regel schnell wieder vorbei", entwarnt Harbs. In seltenen Fällen kann sogar die Psyche die Körpertemperatur ansteigen lassen, wenn zum Beispiel Stress den Körper so aus der Fassung bringt, dass das Immunsystem mit den Fieber-Botenstoffen reagiert. Das passiert aber nicht besonders häufig.

Auch bestimmte Medikamente können zu Beginn der Einnahme kurzzeitig Fieber auslösen. Dazu gehören zum Beispiel die sogenannten pyrogenen Antibiotika. "Durch die weiter gesteigerte Temperatur könnte man fälschlicherweise vermuten, dass sich die Infektion verschlimmert hat", so der Arzt. Dabei schlägt der Wirkstoff aber nur an.

Ein weiteres Medikament, das solche Nebenwirkungen haben kann, ist das Schilddrüsenmedikament Levothyroxin.Wenn du dich bei einem neuen Medikament also fiebrig fühlst, kann das auch eine Nebenwirkung sein, frag am besten mal bei deiner Arztpraxis oder in einer Apotheke nach.

Ab wann wird Fieber gefährlich?

Die höhere Körpertemperatur ist also in erster Linie nützlich, wenn du einen Erreger in dir hast. "Ich empfehle meinen Patienten deshalb, Fieber nicht zu früh und erst ab 39,5 Grad zu senken", so der Arzt. Bei einigen Risikofaktoren solltest du handeln oder einen Arzt fragen:

  • Das Fieber übersteigt 40 Grad: Ab 40 Grad können durch das Schwitzen und die hohe Belastung des Kreislaufs Probleme kommen. "Ab 41,5 Grad können sogar lebenswichtige Proteine zerstört werden", warnt Harbs. Er rät, bei Fieber frühzeitig zum Arzt zu gehen, um den Infekt möglichst schnell zu behandeln. Doch spätestens mit 40 Grad solltest du handeln, wenn es dir dabei sehr schlecht geht, ist das auch ein Fall für einen Notarzt!
  • Das Fieber dauert mehrere Tage: Nicht nur sehr hohes Fieber, auch längeres Fieber kann den Kreislauf sehr belasten. Außerdem kann es darauf hindeuten, dass der Körper mit dem Erreger allein nicht klarkommt und du eine weitere Behandlung brauchst. "Bei einem Infekt ist es nicht ungewöhnlich, mal mehrere Tage Fieber zu haben", entwarnt Harbs. Dennoch solltest du das irgendwann mit einem Arzt abklären, gerade wenn es dir auch nach mehreren Tagen nicht besser gehen will.
  • Du bist schwanger: In einer Schwangerschaft solltest du besonders vorsichtig sein! "Fieber kann dem ungeborenen Kind schaden und frühzeitige Wehen auslösen", erklärt Harbs. Er empfiehlt Schwangeren deshalb schon bei einer Temperatur von 38,5 Grad, das Fieber zu senken.
  • Du wurdest gerade operiert: Nach Operationen kann manchmal Fieber auftreten. Um zu klären, ob dein Immunsystem sich von allein wieder fängt oder die OP-Wunde vielleicht entzündet ist, solltest du das lieber mit einem Arzt abklären.
  • Du hast immer wieder Fieberschübe: Wenn du immer wieder mit Fieber zu kämpfen hast, kann es sein, dass eine chronische Krankheit wie etwa eine unerkannte Bronchitis dahintersteckt.
  • Bei Kindern oder älteren Menschen: Sowohl das Immunsystem als auch der Flüssigkeitshaushalt ist bei Kindern und bei älteren Menschen nicht so stabil wie bei anderen. Deshalb können der Wasserverlust und die erhöhte Körpertemperatur schneller zu Komplikationen führen.
In der Schwangerschaft sollte Fieber nicht über 38,5 Grad hoch sein, ansonsten kann es das ungeborene Baby schädigen.
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Bei Schwangeren kann Fieber über 38,5 Grad dem ungeborenen Baby schaden.

Wie kann man Fieber senken?

Nicht jedes Fieber sollte sofort gesenkt werden! Wenn es aber zu hoch ist, zu lange dauert oder die betroffene Person andere Risikofaktoren aufweist, gibt es einige leicht zugängliche Mittel, um die Körpertemperatur zu normalisieren und deinen Körper zu unterstützen. Harbs hat diese 5 Tipps:

  1. Fiebersenkende Medikamente: "Medikamente und Wirkstoffe wie Paracetamol, Ibuprofen oder ASS, also Aspirin, können gegen Fieber helfen", so der Arzt. Achte bei Arzneien immer auch auf die empfohlene Dosierung und mögliche Neben- und Wechselwirkungen, aber so kannst du sehr schnell und effektiv dein Fieber senken.
  2. Wadenwickel: Ein klassisches Hausmittel ist der Wadenwickel. Dabei tauchst du zwei dünne Baumwoll- oder Leinentücher (z. B. ein Küchenhandtuch) in 16 bis 20 Grad kühles Wasser. Danach wringst du sie aus und legst je ein Tuch um deine Waden, so dass sie fest, aber nicht zu straff sitzen. Darüber legst du eine zweite Lage aus trockenen Tüchern, zum Beispiel ein Handtuch (keine Alu- oder Frischhaltefolie!). Zum Schluss mummelst du dich unter die Decke und lässt dich Wickel etwa 20 bis 30 Minuten wirken. Nach 3 oder 4 Wickeln, wenn dir die Kälte unangenehm ist oder wenn du aber kalte Hände oder Füße, hast solltest du die Anwendung unterbrechen.
  3. Viel trinken: Besonders wichtig bei Fieber ist es, viel zu trinken, um dem Wasserverlust durch das Schwitzen entgegenzuwirken! 1 Liter mehr pro Tag als sonst sollte es mindestens sein, also solltest du zwischen 2,5 und 3,5 Litern trinken. Das kann auch zum Beispiel spezieller Fiebertee sein, der bei leichtem Fieber das „Ausschwitzen“ verstärken kann.
  4. Unterstütze dein Immunsystem: Harbs empfiehlt außerdem, das Immunsystem in der Krankheitszeit mit einer Extra-Portion Vitamin C (3 Gramm pro Tag) und Zink zu unterstützen. Das geht natürlich mit Vitamin-Pillen, aber bei Obst und Gemüse bekommst du auch noch andere und besser verwertbare Spurenelemente.
  5. Ruhe dich aus! "Die beste Medizin ist es, im Bett zu bleiben und sich auszukurieren", rät Harbs. Nein, Home Office im Pyjama ist auch nicht erlaubt! Gönne deinem Körper und auch deinem Geist einige Tage absolute Ruhe und Entspannung, denn auch mentale Belastung und Stress schwächen dein Immunsystem.

Fieber ist ein guter Schutzmechanismus des Körpers. Erst ab einer bestimmten Temperatur oder Dauer solltest du es senken. Davor kannst du deinen Körper aber mit genug Flüssigkeit und Ruhe unterstützen, damit die Ursache für das Fieber schnell bekämpft ist.

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