Immer im Urlaub krank? Dieses Phänomen könnte der wahre Grund sein

Holiday Sickness
Immer im Urlaub krank? Dieses Phänomen könnte der wahre Grund sein

ArtikeldatumVeröffentlicht am 26.06.2026
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leisure sickness: Krank im Urlaub, weil der Stress abfällt
Foto: gettyimages/ilona titova

Viele freuen sich monatelang auf den Urlaub – und verbringen die ersten freien Tage dann mit Schnupfen, Kopfschmerzen oder extremer Müdigkeit im Bett. Das Phänomen hat sogar einen Namen: Leisure Sickness, auf Deutsch oft als "Freizeitkrankheit" oder "Urlaubskrankheit" bezeichnet. Die Beschwerden sind real und treten überraschend häufig auf. Doch warum reagiert der Körper ausgerechnet dann, wenn endlich Entspannung einkehrt?

Expertin zum Thema Prof. Dr. med. Martina Prelog ist Professorin für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Würzburg. Die Fachimmunologin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie verfügt über Zusatzqualifikationen in Infektiologie und Kinder-Rheumatologie sowie einen Master in Gesundheitswissenschaften und Public Health. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Zusammenhängen zwischen Immunsystem, Stress und Erkrankungen.

Was ist Leisure Sickness?

Leisure Sickness beschreibt ein Phänomen, bei dem Menschen genau dann Beschwerden entwickeln, wenn eine längere Phase von Stress oder Anspannung endet. Typisch ist, dass Symptome am ersten Urlaubstag, am Wochenende oder direkt nach einem besonders arbeitsreichen Projekt auftreten.

Dass es sich dabei keineswegs um eine seltene Erscheinung handelt, zeigt eine repräsentative Erhebung der Internationalen Hochschule (IU): Fast 72 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland gaben an, bereits mindestens einmal eine sogenannte Leisure Sickness erlebt zu haben.

Betroffene fühlen sich plötzlich erschöpft, entwickeln Erkältungssymptome oder leiden unter Kopf- und Gliederschmerzen, obwohl sie sich eigentlich auf Erholung eingestellt hatten. Fachleute vermuten dahinter ein komplexes Zusammenspiel von Stresshormonen, dem vegetativen Nervensystem und dem Immunsystem.

Infobox: Woran erkenne ich Leisure Sickness?Typische Beschwerden sind:

• Müdigkeit und Erschöpfung
• Erkältungssymptome
• Halsschmerzen
• Kopf- oder Migräneschmerzen
• Schlafstörungen
• Reizbarkeit
• Frösteln
• Glieder- und Muskelschmerzen

Wichtig: Leisure Sickness ist keine eigenständige Krankheit, sondern beschreibt die körperlichen Reaktionen, die beim Übergang von einer Stress- in eine Erholungsphase auftreten können.

Warum wird man ausgerechnet im Urlaub krank?

Auf den ersten Blick erscheint das widersprüchlich. Schließlich sollte sich der Körper in der Erholung eigentlich besser fühlen als während stressiger Arbeitswochen. Tatsächlich spielt chronischer Stress jedoch eine größere Rolle für das Immunsystem, als viele vermuten.

"Bei Stress schüttet der Körper vermehrt Stresshormone aus. Diese stärken uns kurzfristig, damit wir eine Anstrengung besser meistern können", erklärt die Fachimmunologin Prof. Dr. Martina Prelog vom Universitätsklinikum Würzburg.

Kurzfristig hilft dieser Mechanismus dabei, leistungsfähig zu bleiben. Hält die Belastung jedoch über Wochen oder Monate an, kann das Immunsystem beeinflusst werden. "Unter chronischem Stress wird das Immunsystem durch die langfristige Ausschüttung dieser Hormone unterdrückt." Dadurch können sich Infekte oder Entzündungsprozesse bereits entwickeln, ohne dass wir sie sofort bemerken.

Der Rebound-Effekt: Warum Beschwerden oft erst später kommen

Ein wichtiger Bestandteil von Leisure Sickness ist der sogenannte Rebound-Effekt. Dabei werden Erkrankungen nicht erst im Urlaub ausgelöst – sie werden lediglich dann spürbar.

"Während der Belastungsphase können Infektionen sich unbemerkt entwickeln, sind aber oftmals nicht gleich spürbar. Erst wenn die Ausschüttung der Stresshormone in der Alltagspause nachlässt, reagiert das Immunsystem wieder stärker."

Die Folge können Müdigkeit, Frösteln, Gliederschmerzen oder klassische Erkältungssymptome sein. "Viele Menschen werden also nicht erst im Urlaub krank, sondern eigentlich schon vorher", sagt Prelog.

Wer besonders häufig betroffen ist

Nicht jeder Mensch entwickelt Leisure Sickness. Beobachtungen zeigen jedoch, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale häufiger betroffen sind. Dazu gehören vor allem Menschen, die:

  • sehr perfektionistisch sind
  • hohe Ansprüche an sich selbst stellen
  • schlecht abschalten können
  • dauerhaft unter Zeitdruck stehen
  • Arbeit und Privatleben kaum trennen

"Besonders häufig sehen wir das bei Menschen, die im Berufs- und Familienalltag unter hohem Leistungsdruck stehen oder unter Dauerstress leiden", erklärt Prof. Dr. med. Martina Prelog. Viele wechseln praktisch ohne Übergang vom Arbeitsstress in den Urlaubsmodus – und genau das kann problematisch sein.

Warum auch Kopfschmerzen und Migräne auftreten können

Leisure Sickness bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein Infekt dahintersteckt. Manche Menschen entwickeln stattdessen Migräne oder starke Spannungskopfschmerzen.

Auch hierfür könnten die Stresshormone verantwortlich sein. Während der Stressphase gewöhnt sich der Körper an ein dauerhaft erhöhtes Aktivitätsniveau. Fällt dieses plötzlich weg, kann die innere Balance vorübergehend gestört werden.

Prof. Prelog weist darauf hin, dass insbesondere chronisch gestresste Menschen in der Ruhephase empfindlich auf diese hormonellen Veränderungen reagieren können.

Urlaub bedeutet oft zusätzlichen Stress

Urlaub bedeutet nicht automatisch Entspannung. Oft kommen zum eigentlichen Alltagsstress noch zusätzliche Belastungen hinzu, die den Körper fordern und die Regeneration erschweren können. Zu den häufigsten Stressfaktoren zählen:

Je mehr dieser Faktoren zusammenkommen, desto schwerer fällt es dem Körper, vom Stress- in den Erholungsmodus umzuschalten.

So kannst du Leisure Sickness vorbeugen

Ganz verhindern lässt sich Leisure Sickness nicht immer. Du kannst deinem Körper den Übergang von Stress zu Erholung aber deutlich leichter machen. Wichtig ist vor allem: Geh nicht von 100 auf 0, sondern fahre langsam runter.

1. Arbeite nicht bis zur letzten Minute

Versuche, wichtige Aufgaben nicht erst am letzten Arbeitstag abzuschließen. Plane die Tage vor dem Urlaub etwas ruhiger, übergib Projekte rechtzeitig und blocke dir Pufferzeiten. So startet dein Urlaub nicht mit maximalem Stresslevel.

2. Plane einen Puffertag ein

Starte möglichst nicht direkt nach dem letzten Arbeitstag in die Reise. Ein freier Tag zu Hause hilft dir, anzukommen, zu packen und mental umzuschalten.

3. Erhole dich aktiv

Leg dich nicht nur erschöpft aufs Sofa. Spaziergänge, leichtes Yoga, Lesen, Kochen oder moderater Sport helfen deinem Körper, Stress sanft abzubauen.

4. Nimm Schlaf ernst

Versuche schon vor dem Urlaub ausreichend zu schlafen. Wer völlig übermüdet in die freie Zeit startet, macht es dem Immunsystem unnötig schwer.

5. Baue Erholung in deinen Alltag ein

Warte nicht bis zum Urlaub, um endlich runterzukommen. Kleine Pausen, Bewegung und feste Erholungszeiten während der Arbeitswoche helfen, Stress gar nicht erst so stark aufzustauen.

Wann du Beschwerden ernst nehmen solltest

Leisure Sickness ist in den meisten Fällen unangenehm, aber harmlos. Häufig verschwinden die Beschwerden nach wenigen Tagen wieder von selbst.

Dennoch ist nicht jede Erkrankung im Urlaub automatisch Freizeitkrankheit. Halten Symptome länger an, treten hohes Fieber, starke Schmerzen oder deutliche Leistungseinbußen auf, solltest du ärztlichen Rat einholen.

Wichtig ist außerdem: Die Beschwerden sind keineswegs eingebildet. Sie zeigen vielmehr, wie eng Stress, Nervensystem und Immunsystem miteinander verknüpft sind.

FAQ: Häufige Fragen zu Leisure Sickness

Fazit