Die Antibabypille war einst eine der wichtigsten Waffen, mit denen Frauen mehr Freiheit und Selbstbestimmung erlangten. Doch mit der Zeit wurde deutlich, dass diese Freiheit ihren Preis hatte – und der war weit höher als der reine Kostenaufwand für eine Packung. Denn das vermeintliche Wundermittel ging in manchen Fällen mit unerwünschten Nebenwirkungen und gesundheitlichen Risiken einher.
Gerade deshalb ist es essenziell, dass du dich umfassend informierst, bevor du dich für die Einnahme entscheidest. Was bedeutet die Pille für deinen Körper? Welche möglichen Folgen solltest du kennen? In diesem Artikel bekommst du die wichtigsten Hinweise und Fakten an die Hand.
Die verschiedenen Pillentypen im Überblick
Bevor es an die Fragen geht, lohnt sich ein kurzer Blick auf die verschiedenen Pillenarten, denn viele Antworten hängen davon ab, welches Präparat du nimmst. In Deutschland gibt es inzwischen über 50 unterschiedliche Varianten der Antibabypille. Grundsätzlich lassen sich die Präparate in diese Arten unterteilen:
Generell gilt: "Es gibt nicht 'die' eine Pille", erklärt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BvF) und niedergelassener Frauenarzt in Hannover. "Bei der hormonellen Verhütung gibt es drei unterschiedliche Östrogene in unterschiedlichen Dosierungen und mehr als zehn unterschiedliche Gestagene." Dadurch entstanden in den letzten Jahren viele sehr unterschiedliche Präparate mit unterschiedlichen Hormon-Kombinationen und -Dosierungen, sodass in aller Regel letztlich eine Pille gefunden werden kann, die eine Frau gut verträgt, so der Gynäkologe.
Kurzer Exkurs: Bei den Östrogenen und Gestagen in Antibabypillen handelt es sich um künstlich hergestellte Hormone, die den Eisprung unterdrücken und so eine Schwangerschaft verhüten können.
Die 12 wichtigsten Fragen zu Risiken und Nebenwirkungen der Antibabypille
Zur Einnahme stellen sich viele Frauen eine Menge Fragen. Die kannst du natürlich auch deiner Frauenärztin stellen – du kannst sie aber auch ganz einfach hier nachlesen. Hier sind die 12 wichtigsten Antworten.
1. Gibt es Antibabypillen, die nicht dick machen?
Ob eine Pille zu mehr oder weniger Pfunden auf der Waage führt, hat wenig mit dem Präparat zu tun. Vielmehr ist die Wirkung aufs Gewicht von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Bei östrogenhaltigen Pillen kann eine Gewichtszunahme daran liegen, dass das Gewebe mehr Wasser einlagert, bei niedrig dosierten Mikropillen fällt das allerdings kaum ins Gewicht.
Anders ist das bei Minipillen, die kein Östrogen enthalten. Einige dieser Präparate wirken sogar der Wassereinlagerung entgegen. Deshalb bemerken manche Frauen anfangs eine Gewichtsabnahme. Die Minipille fördert aber keinesfalls die Fettschmelze und kurbelt auch den Kalorienverbrauch nicht an. Manchmal kann es auch passieren, dass die Pillenhormone, speziell die Gestagene, den Appetit anregen.
Tipp:Wer Gewichtsprobleme hat, sollte sich am besten von seiner Frauenärztin beraten lassen. Es könnte sein, dass ein anders zusammengesetztes Pillenpräparat oder andere Verhütungsmethoden, etwa die wesentlich niedriger dosierte Hormonspirale, besser vertragen werden.
2. Macht die Pille schöne Haut und Haare?
Fast jede Pille ist gut für Haut und Haare. "Aber meist nur, wenn eine schlechte Haut oder Haarausfall durch einen erhöhten männlichen Hormonspiegel bedingt sind", erklärt Albring. In einigen Pillen sind besonders geeignete Gestagene, die wirkungsvoll gegen Akne eingesetzt werden können, weil sie männlichen Hormonen entgegenwirken.
Es kann aber auch mal passieren, dass sich durch die Einnahme der Pille die Haut verschlechtert. "Das ist vor allem bei älteren Pillen mit Levonorgestrel der Fall", sagt Albring. Dann muss man eventuell das Präparat wechseln. Deine Frauenärztin ist dir bei der Auswahl behilflich.
3. Hat man durch die Pille weniger Lust auf Sex?
Es kann tatsächlich passieren, dass sich die Einnahme der Pille negativ auf die Lust auswirkt. In diesem Fall ist ein Pillenwechsel oder eine andere Verhütungsmethode ratsam. Test: Welcher Verhütungs-Typ bist du?
4. Schlägt die Pille auf die Stimmung?
Es gibt Frauen, denen die Pille auf die Stimmung schlägt. Bei empfindlichen Patientinnen kann es sogar zu Depressionen kommen. Hier kann deine Frauenärztin helfen. Oft reicht schon ein Präparat mit einer anderen Hormonzusammensetzung. Oder du entscheidest dich für eine andere Verhütungsmethode.
Studie: Die Pille und das DepressionsrisikoEine großangelegte dänische Registerstudie, 2016 veröffentlicht in JAMA Psychiatry, untersuchte über eine Million Frauen im Alter von 15 bis 34 Jahren über einen Zeitraum von durchschnittlich 6,4 Jahren. Die Forschenden der Universität Kopenhagen verglichen Frauen, die hormonelle Verhütungsmittel verwendeten, mit Frauen, die dies nicht taten.
Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen, die eine kombinierte Antibabypille einnahmen, ein um 23 Prozent erhöhtes Risiko hatten, erstmals Antidepressiva verschrieben zu bekommen, verglichen mit Frauen ohne hormonelle Verhütung. Bei reinen Gestagen-Pillen lag das Risiko sogar um 34 Prozent höher. Besonders deutlich war der Zusammenhang bei Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren: Hier war das Risiko für eine Depressionsdiagnose bei Kombinationspillen-Nutzerinnen um 80 Prozent erhöht. Die Forschenden betonten, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, die keinen kausalen Zusammenhang beweist, aber die Ergebnisse einen wichtigen Diskussionspunkt für die ärztliche Beratung liefern.
5. Kann man von der Pille Kopfschmerzen bekommen?
Kopfschmerzen gehören zu den möglichen Nebenwirkungen der Pille. Oftmals bessern sie sich nach etwa 3 Monaten, wenn der Körper sich an die Pille gewöhnt hat. Die Pille kann aber auch Kopfschmerzen und Migräne vorbeugen. Viele Frauen haben nämlich Kopfschmerzen kurz vor der Monatsblutung infolge des Hormonabfalls. Hier empfiehlt sich die Pilleneinnahme im Langzyklus. Wer Probleme mit Migräne hat, sollte sich von der Frauenärztin beraten lassen.
6. Ist die Antibabypille gefährlich?
Studien haben gezeigt, dass die Pille das Risiko von Thrombosen und von Gebärmutterhals- und Leberkrebs erhöht. "Hormonelle Arzneimittel sind für einen Leberkrebs jedoch nicht ursächlich", erklärt Dr. Albring. "Sie könnten aber das Wachstum fördern, wenn sie während der Krebserkrankung weiter verwendet werden."
Dies wird wiederum durch niedrigere Raten an Gebärmutterkörper- und Eierstockkrebs kompensiert. Vieles spricht außerdem dafür, dass die Pille das Dickdarmkrebsrisiko senkt.
7. Erhöht die Pille das Brustkrebsrisiko?
Mit dieser Frage haben sich in den vergangenen Jahren zahlreiche wissenschaftliche Studien befasst. Die Ergebnisse waren widersprüchlich, deshalb ist noch mehr Forschung nötig. Nach bisherigen Erkenntnissen scheint die Pille das Brustkrebsrisiko, wenn überhaupt, nur geringfügig, zu erhöhen. Möglicherweise ist dies vor allem dann der Fall, wenn die Pille bereits in sehr jungem Alter oder über einen sehr langen Zeitraum eingenommen wird.
Studie: Hormonelle Verhütung und BrustkrebsrisikoEine 2017 im New England Journal of Medicine veröffentlichte dänische Studie untersuchte knapp 1,8 Millionen Frauen über einen Zeitraum von durchschnittlich 10,9 Jahren. Die Forschenden fanden heraus, dass Frauen, die aktuell oder kürzlich hormonelle Verhütungsmittel anwendeten, ein um 20 Prozent erhöhtes relatives Brustkrebsrisiko hatten im Vergleich zu Frauen, die nie hormonell verhütet hatten. In absoluten Zahlen bedeutete das einen zusätzlichen Brustkrebsfall pro 7.690 Frauen pro Jahr. Das Risiko stieg mit der Dauer der Einnahme leicht an, war aber auch bei rein gestagenhaltigen Präparaten vorhanden. Nach dem Absetzen der hormonellen Verhütung ging das erhöhte Risiko schrittweise zurück. Die Forschenden betonten, dass das absolute Risiko gering bleibt, die Ergebnisse aber in der individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung berücksichtigt werden sollten.
8. Können auch schon junge Mädchen die Pille nehmen?
Weder behindert die Pille die Entwicklung der weiblichen Sexualorgane, noch bremst sie das Größenwachstum, was lange vermutet wurde. Daher kann die Pille auch schon mit 16 Jahren oder sogar früher eingenommen werden. Manchmal verschreiben Frauenärzte die Pille sehr jungen Mädchen, wenn die Periode sehr unregelmäßig kommt und mit starken Schmerzen verbunden ist. Auch bei Hautproblemen können bestimmte Pillen helfen.

Es gibt Frauen, bei denen die Pille auf die Stimmung schlägt
9. Stimmt es, dass die Pille unter 22 Jahren umsonst ist?
Bei jungen Frauen bis zum vollendeten 22. Geburtstag erstatten die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für alle verschreibungspflichtigen Verhütungsmittel (Kondome gehören nicht dazu). Unter 18 entfallen sogar die Kosten für die Rezeptgebühr (unter 50 Euro: 5 Euro; über 50 Euro: 10 Euro).
Auch die Beratung, nötige Voruntersuchungen und spätere Kontrolluntersuchungen sind kostenlos. Wenn die Pille zur Behandlung einer Hauterkrankung wie Akne verschrieben wird, übernimmt die Krankenkasse auch bei über 20-Jährigen die Kosten. Privat versicherte Frauen müssen die Kosten für Verhütungsmittel in jedem Alter selbst tragen.
10. Wer sollte die Pille nicht nehmen?
"Handelt es sich um eine Raucherin, besteht ein deutliches Übergewicht oder ein Thrombose-Risiko, sollte individuell abgewogen und eine Östrogen-freie Verhütung gewählt werden", rät Dr. Albring, "Dafür existieren mehrere ganz unterschiedliche Alternativen, zum Beispiel gestagenhaltige Pillen, die Hormonspirale, die Dreimonatsspritze oder das Hormonstäbchen."
Besonders kritisch ist die Kombination von Pille und Rauchen: Nikotin verengt die Gefäße, das Pillen-Östrogen verdickt das Blut – zusammen steigt das Risiko für Thrombosen, Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich an.
Frauen mit folgenden Risikofaktoren sollten eine östrogenfreie Verhütung in Betracht ziehen:
- Raucherinnen
- Neigung zu Thrombosen (familiär oder persönlich)
- Bluthochdruck
- Hohe Blutfettwerte
- Starkes Übergewicht
- Schwerer Diabetes
- Alter über 35 (ärztliche Beratung empfohlen)
- Migräne mit Aura
11. Wie lange darf man die Pille nehmen?
Du kannst sie so lange nehmen, wie du sie gut verträgst, sogar bis zu den Wechseljahren. Warnsignale, dass du die Pille besser absetzen solltest, sind zum Beispiel Spannungsgefühle in den Brüsten, Scheidentrockenheit, Kopfschmerzen oder starke Stimmungsschwankungen. Ganz wichtig: Lasse dich alle 6 Monate frauenärztlich untersuchen – insbesondere wenn du älter als 35 bist.
12. Was tun, wenn man die Pille nimmt und plötzlich unter Durchfall oder Erbrechen leidet?
Hier ist Aufmerksamkeit gefragt. Die entscheidende Frage: Wie lange liegt die Einnahme zurück?
- Mehr als 3 Stunden her: Kein Grund zur Sorge. Die Wirkstoffe wurden bereits aufgenommen.
- Weniger als 3 Stunden her: Dein Körper konnte die Wirkstoffe möglicherweise nicht vollständig aufnehmen. Nimm in diesem Fall eine neue Pille ein.
Wenn Erbrechen oder Durchfall länger andauern: Gehe davon aus, dass die Pillenhormone in diesem Zyklus nicht mehr zuverlässig wirken. Verhüte bis zur nächsten Blutung zusätzlich mit Kondomen. Nimm die restlichen Pillen der angefangenen Packung trotzdem zur gewohnten Zeit ein, damit dein Hormonhaushalt nicht unnötig durcheinandergerät.
Zeitfenster für die Nachnahme:
- Kombinationspille und neue Minipille: spätestens 12 Stunden nach dem normalen Einnahmezeitpunkt
- Klassische Minipille: spätestens 3 Stunden nach dem normalen Einnahmezeitpunkt
Nicht verwechseln: Die Pille danach ist keine AntibabypilleDie Pille danach ist kein reguläres Verhütungsmittel, sondern eine Notfallverhütung. Sie kommt nur dann zum Einsatz, wenn die normale Verhütung versagt hat oder ungeschützter Geschlechtsverkehr stattgefunden hat. Sie enthält entweder den Wirkstoff Levonorgestrel oder Ulipristalacetat und wirkt, indem sie den Eisprung verzögert oder verhindert. Hat der Eisprung bereits stattgefunden, kann sie eine Befruchtung nicht mehr verhindern. Die Pille danach ist keine Abtreibungspille. Eine bereits bestehende Schwangerschaft wird durch sie nicht beendet.
Wichtig zu wissen:
● Die Pille danach ist in Deutschland rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.
● Sie sollte so schnell wie möglich eingenommen werden – Levonorgestrel wirkt bis zu 72 Stunden, Ulipristalacetat bis zu 120 Stunden (5 Tage) nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr.
● Sie ist nicht zur regelmäßigen Verhütung gedacht und sollte eine Ausnahme bleiben.
● Für Frauen unter 22 Jahren übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten, wenn ein Rezept vorliegt.
Wenn du dir unsicher bist, ob du die Pille danach brauchst – etwa nach Einnahmefehlern, Erbrechen oder Durchfall – lass dich in der Apotheke oder bei deiner Frauenärztin beraten.





