12 wichtige Fragen zur Pille Yulia Grigoryeva / Shutterstock.com

Die Vor- und Nachteile der Pille

Verhütung 12 wichtige Fragen zur Anti-Baby-Pille

Wie wirkt die Pille auf dein Gewicht und deine Haut? Was ist bei Durchfall zu beachten? Und welchen Einfluss hat die Pille auf dein Brustkrebsrisiko? Wir klären auf

Die Anti-Baby-Pille war einst eine der wichtigsten Waffen, mit denen Frauen mehr Freiheit und Selbstbestimmung erlangten. Im Laufe der Jahre zeigte sich, dass diese Freiheit nicht ganz so günstig erkauft war, wie der Preis einer Pillenpackung anzudeuten schien. Die Einnahme des vermeintlichen Wunder-Präparats brachte in einigen Fällen unerwünschte Folgen und Nebenwirkungen mit sich.

Umso wichtiger ist es, dass du dich vor der Einnahme genau informierst, was die Pille für deinen Körper bedeutet und womit du rechnen musst. Mit diesem Artikel liefern wir dir die wichtigsten Tipps und Informationen.

Das sind die wichtigsten Fragen zu Risiken und Nebenwirkungen der Pille

Zur Einnahme stellen sich viele Frauen eine Menge Fragen. Die kannst du natürlich auch deiner Frauenärztin stellen – du kannst sie aber auch ganz einfach hier nachlesen. Hier sind die 12 wichtigsten Antworten.

1. Gibt es Anti-Baby-Pillen, die nicht dick machen?

Ob eine Pille zu mehr oder weniger Pfunden auf der Waage führt, hat wenig mit dem Präparat zu tun. Vielmehr ist die Wirkung aufs Gewicht von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Bei östrogenhaltigen Pillen kann eine Gewichtszunahme daran liegen, dass das Gewebe mehr Wasser einlagert, bei niedrig dosierten Mikropillen fällt das allerdings kaum ins Gewicht.

Anders ist das bei Minipillen, die kein Östrogen enthalten. Einige dieser Präparate wirken sogar der Wassereinlagerung entgegen. Deshalb bemerken manche Frauen anfangs eine Gewichtsabnahme. Die Minipille fördert aber keinesfalls die Fettschmelze und kurbelt auch den Kalorienverbrauch nicht an. Manchmal kann es auch passieren, dass die Pillenhormone, speziell die Gestagene, den Appetit anregen.

Wer Gewichtsprobleme hat, sollte sich am besten von Frauenarzt oder -ärztin beraten lassen. Es könnte sein, dass ein anders zusammengesetztes Pillenpräparat oder andere Verhütungsmethoden, etwa die wesentlich niedriger dosierte Hormonspirale, besser vertragen werden.

2. Macht die Pille schöne Haut und Haare?

Fast jede Pille ist gut für Haut und Haare. "Aber meist nur, wenn eine schlechte Haut oder Haarausfall durch einen erhöhten männlichen Hormonspiegel bedingt sind", erklärt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BvF) und niedergelassener Frauenarzt in Hannover. In einigen Pillen sind besonders geeignete Gestagene, die wirkungsvoll gegen Akne eingesetzt werden können, weil sie männlichen Hormonen entgegenwirken.

Es kann aber auch mal passieren, dass sich durch die Einnahme der Pille die Haut verschlechtert. "Das ist vor allem bei älteren Pillen mit Levonorgestrel der Fall", sagt Albring. Dann muss man eventuell das Präparat wechseln. Deine Frauenärztin oder dein Frauenarzt ist dir bei der Auswahl behilflich.

3. Hat man durch die Pille weniger Lust auf Sex?

Es kann tatsächlich passieren, dass sich die Einnahme der Pille negativ auf die Lust auswirkt. In diesem Fall ist ein Pillenwechsel oder eine andere Verhütungsmethode ratsam. Test: Welcher Verhütungs-Typ bist du?

4. Schlägt die Pille auf die Stimmung?

Es gibt Frauen, denen die Pille auf die Stimmung schlägt. Bei empfindlichen Patientinnen kann es sogar zu Depressionen kommen. Hier kann der Frauenarzt helfen. Oft reicht schon ein Präparat mit einer anderen Hormonzusammensetzung. Oder du entscheidest dich für eine andere Verhütungsmethode.

Generell gilt: "Es gibt nicht 'die' eine Pille", sagt Albring, "Bei der hormonellen Verhütung gibt es drei unterschiedliche Östrogene in unterschiedlichen Dosierungen und mehr als zehn unterschiedliche Gestagene." Dadurch entstanden in den letzten Jahren viele sehr unterschiedliche Präparate mit unterschiedlichen Hormon-Kombinationen und -Dosierungen, so dass in aller Regel letztlich eine Pille gefunden werden kann, die eine Frau gut verträgt, so der Gynäkologe.

Kurzer Exkurs: Bei den Östrogenen und Gestagen in Anti-Baby-Pillen handelt es sich um künstlich hergestellte Hormone, die den Eisprung unterdrücken und so eine Schwangerschaft verhüten können.

5. Kann man von der Pille Kopfschmerzen kriegen?

Kopfschmerzen gehören zu den möglichen Nebenwirkungen der Pille. Oftmals bessern sie sich nach etwa 3 Monaten, wenn der Körper sich an die Pille gewöhnt hat. Die Pille kann aber auch Kopfschmerzen und Migräne vorbeugen. Viele Frauen haben nämlich Kopfschmerzen kurz vor der Monatsblutung in Folge des Hormonabfalls. Hier empfiehlt sich die Pilleneinnahme im Langzyklus. Wer Probleme mit Migräne hat, sollte sich von der Frauenärztin beraten lassen.

6. Ist die Anti-Baby-Pille gefährlich?

Studien haben gezeigt, dass die Pille das Risiko von Thrombosen und von Gebärmutterhals- und Leberkrebs erhöht. "Hormonelle Arzneimittel sind für einen Leberkrebs jedoch nicht ursächlich", erklärt Dr. Albring, "Sie könnten aber das Wachstum fördern, wenn sie während der Krebserkrankung weiter verwendet werden."

Dies wird wiederum durch niedrigere Raten an Gebärmutterkörper- und Eierstockkrebs kompensiert. Vieles spricht außerdem dafür, dass die Pille das Dickdarmkrebsrisiko senkt.

7. Erhöht die Pille das Brustkrebsrisiko?

Mit dieser Frage haben sich in den vergangenen Jahren zahlreiche wissenschaftliche Studien befasst. Die Ergebnisse waren widersprüchlich, deshalb ist noch mehr Forschung nötig. Nach bisherigen Erkenntnissen scheint die Pille das Brustkrebsrisiko, wenn überhaupt, nur geringfügig zu erhöhen. Möglicherweise ist dies vor allem dann der Fall, wenn die Pille bereits in sehr jungem Alter oder über einen sehr langen Zeitraum eingenommen wird.

8. Können auch schon junge Mädchen die Pille nehmen?

Weder behindert die Pille die Entwicklung der weiblichen Sexualorgane noch bremst sie das Größenwachstum, was lange vermutet wurde. Daher kann die Pille auch schon mit 16 Jahren oder sogar früher eingenommen werden. Manchmal verschreibt der Frauenarzt die Pille sehr jungen Mädchen, wenn die Periode sehr unregelmäßig kommt und mit starken Schmerzen verbunden ist. Auch bei Hautproblemen können bestimmte Pillen helfen.

Yoann Boyer / Unsplash
Es gibt Frauen, bei denen die Pille auf die Stimmung schlägt

9. Stimmt es, dass die Pille unter 20 Jahren umsonst ist?

Bei jungen Frauen bis zum 20. Geburtstag erstatten die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für alle verschreibungspflichtigen Verhütungsmittel (Kondome gehören nicht dazu). Unter 18 entfallen sogar die Kosten für die Rezeptgebühr (unter 50 Euro: 5 Euro; über 50 Euro: 10 Euro).

Auch die Beratung, nötige Voruntersuchungen und spätere Kontrolluntersuchungen sind kostenlos. Wenn die Pille zur Behandlung einer Hauterkrankung wie Akne verschrieben wird, übernimmt die Krankenkasse auch bei über 20-Jährigen die Kosten. Privat versicherte Frauen müssen die Kosten für Verhütungsmittel in jedem Alter selbst tragen.

10. Wer sollte die Pille nicht nehmen?

"Handelt es sich um eine Raucherin, besteht ein deutliches Übergewicht oder ein Thrombose-Risiko, sollte individuell abgewogen und eine Östrogen-freie Verhütung gewählt werden", rät Dr. Albring, "Dafür existieren mehrere ganz unterschiedliche Alternativen, zum Beispiel Gestagen-haltige Pillen, die Hormonspirale, die Dreimonatsspritze oder das Hormonstäbchen." Das passiert, wenn du die Pille absetzt.

Vor allem Raucherinnen sollten keine östrogenhaltige Pille nehmen. Denn die Kombination von Pille und Nikotin erhöht das Risiko für Thrombosen, Herzinfarkt und Schlaganfall. Zum einen verengt nämlich Nikotin die Gefäße, zum anderen verdickt das Pillen-Östrogen das Blut.

Aus diesem Grund sollten auch Frauen, die zu Thrombosen neigen, unter Bluthochdruck und hohen Blutfettwerten leiden, Übergewicht oder schweren Diabetes haben, lieber anders verhüten. Auch Frauen über 35 sollten sich beraten lassen, ob eine östrogenhaltige Pille gut für sie ist.

11. Wie lange darf man die Pille nehmen?

Du kannst sie so lange nehmen, wie du sie gut verträgst, sogar bis zu den Wechseljahren. Warnsignale, dass du die Pille besser absetzen solltest, sind zum Beispiel Spannungsgefühle in den Brüsten, Scheidentrockenheit, Kopfschmerzen oder starke Stimmungsschwankungen. Ganz wichtig: Lasse dich alle 6 Monate frauenärztlich untersuchen – insbesondere wenn du älter als 35 bist.

12. Was tun, wenn man die Pille nimmt und plötzlich unter Durchfall oder Erbrechen leidet?

Vorsicht bei Durchfall oder Erbrechen! Wenn die Pilleneinnahme länger als 3 Stunden zurückliegt, besteht kein Grund zur Sorge. Hast du dich jedoch innerhalb von 3 Stunden nach der Pilleneinnahme erbrochen oder Durchfall gehabt, musst du davon ausgehen, dass dein Körper die Wirkstoffe nicht aufnehmen konnte.

Schlucke in diesem Fall eine neue Pille. Wenn du danach nicht weiter erbrichst und  wenn der Durchfall gestoppt ist, ist das Problem damit erledigt. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Einnahme im erlaubten Zeitrahmen nachgeholt wird: Die Pille und die neue Minipille müssen spätestens 12 Stunden nach ihrem normalen Einnahmezeitpunkt, die Minipille spätestens 3 Stunden danach eingenommen werden.

Wenn Erbrechen und Durchfall länger andauern, musst du davon ausgehen, dass die Pillenhormone in diesem Zyklus nicht mehr wirken. Verhüte bis zur nächsten Blutung zusätzlich mit Kondomen. Damit dein Hormonhaushalt nicht unnötig durcheinander gerät, solltest du die Pillen der angefangenen Packung trotzdem weiter zur gewohnten Zeit einnehmen.

Die Pille bietet große Sicherheit vor ungewollter Schwangerschaft bei relativ hohem Komfort. Aber sie hat auch Nachteile, mit denen du dich auseinandersetzen musst. Geht die Pro-und-Contra-Abwägung für dich nicht auf, gibt es reichlich hormonfreie Alternativen.

Gesund leben
Immer mehr Frauen ziehen hormonfreie Verhütungsmethoden der Pille vor.
Verhütung
Dieser Artikel kann Links zu Anbietern enthalten, von denen Women's Health eine Provision erhält. Diese Links sind mit folgendem Icon gekennzeichnet:
Zur Startseite
Lesen Sie auch
Die Pille ist die beliebteste Verhütungsmethode
Partnerschaft