Kryotherapie: Abnehmen per Kältekammer

Kryotherapie
Abnehmen mit Frieren: Kilos killen in der Kältekammer

ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 05.01.2026
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Woman Enjoying Cryotherapy Treatment
Foto: GettyImages.de/tomazl

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Kurz in eisige Kälte treten und dabei angeblich Fettpölsterchen zum Schmelzen bringen, genauer gesagt bei minus 110 Grad einfach wegfrieren. Klingt verrückt? Wir haben den Hype aus den USA genauer unter die Lupe genommen.

In Hollywood gilt die sogenannte Kryotherapie längst als Geheimtipp fürs Bodyforming. Doch ursprünglich hat die Methode gar nichts mit klassischem Abnehmen zu tun. Was wirklich hinter dem Kälte-Trend steckt, erfährst du hier.

Was ist Kryotherapie?

Eigentlich kommt das Verfahren aus der Medizin und wird dort vor allem als ergänzende Thermobehandlung gegen Rheuma, Arthritis und andere Gelenks- und Autoimmunkrankheiten eingesetzt, mit mäßigem Erfolg, wie Studien zeigen. Auch Leistungssportler nutzen die Kältekammer zur Unterstützung der Muskelregeneration und der Heilung von kleineren Verletzungen wie Prellungen oder Verstauchungen. Studien zeigen hier gewisse positive Effekte.

Dass sich auch Fettgewebe durch die Kälte zurückbildet, wurde dabei per Zufall entdeckt. Denn Fettzellen kristallisieren bei einer Temperatur von etwa 4 Grad, sterben ab und die lästigen Fettpölsterchen verschwinden.

Wie funktioniert Kryotherapie?

In der Theorie geht das so: Die Kältekammer wird mit flüssigem Stickstoff langsam auf minus 110 Grad heruntergekühlt. Dadurch kühlt die Hautoberfläche einer darin befindlichen Person, also zum Beispiel deiner, sehr stark ab. Infolge des dadurch entstehenden Temperaturunterschieds zur Umgebung nimmt dein Gehirn eine lebensbedrohliche Situation wahr. Um dich vor dem Erfrieren zu schützen, beginnt dein Körper, die Temperatur zu regulieren. Die Muskeln kontrahieren – du zitterst. Aber hallo.

Dadurch steigt dein Energieverbrauch und der Körper greift auf die hartnäckigen Fettreserven zurück. So können je nach Körperbau während einer Anwendung bis zu 700 Kalorien verbrannt werden. Denn auch noch Stunden nach dem Besuch in der Kältekammer läuft dein Stoffwechsel weiter auf Hochtouren. Ob dieses Verfahren allerdings dauerhaft und bei allen zuverlässig funktioniert, wird in Studien eher angezweifelt.

Kryolipolyse
justfrank / PR

Kann Kryotherapie beim Abnehmen helfen?

Kälte kann tatsächlich bestimmte Prozesse im Körper aktivieren, die beim Abnehmen unterstützen können – allerdings nur in Kombination mit einem gesunden Lebensstil. Durch die extrem niedrigen Temperaturen in der Kryokammer versucht der Körper, seine Kerntemperatur zu halten, und verbrennt dabei kurzfristig mehr Kalorien. Zudem kann die Kälte den Kreislauf anregen, Entzündungen hemmen und die Regeneration nach dem Training beschleunigen.

Doch: Der Effekt auf die Fettverbrennung ist wissenschaftlich bisher nicht eindeutig belegt. Wer dauerhaft abnehmen möchte, sollte Kryotherapie daher eher als ergänzendes Tool betrachten – nicht als Wundermethode.

Für wen ist Kryotherapie geeignet?

Bisschen frieren, und schon schlank – klingt super? Ja, aber ganz langsam: Einen Besuch in der Kältesauna solltest du nur dann einplanen, wenn du vollkommen gesund bist. Liegen Erkrankungen wie eine Durchblutungsstörung, das Renaud-Syndrom oder eine Kälteallergie vor, solltest du auf einen Besuch verzichten. Auch während einer Schwangerschaft solltest du vom Schockfrosten absehen.

Die Anwendung eignet sich am besten für bereits fitte Leute, die lästige Speckröllchen trotz Sport und Diäten nicht wegbekommen. Übergewichtige, die viel Gewicht verlieren wollen, sollten von der Kältetherapie keine Wunder erwarten, können sie aber ergänzend zu einer Ernährungsumstellung und Training einsetzen.

Was bringt Kryotherapie?

Neben dem Gewichtsverlust verspricht die Kryotherapie, dein Wohlbefinden zu steigern, deine Performance zu verbessern und dein Immunsystem zu stärken. Du sollst dich insgesamt entspannter und energiegeladener fühlen. Übrigens: Das Bibbern soll sich auch bestens zur Straffung des Bindegewebes eignen und so helfen, ungeliebter Cellulite vorzubeugen.

Über die tatsächlichen Langzeiteffekte der Kryotherapie ist bisher jedoch wenig bekannt. Behandlungsergebnisse fallen schlichtweg individuell zu unterschiedlich aus und Studien werden oft mit zu wenigen Testpersonen durchgeführt, um auf allgemeine Effekte zu schließen.

Ist Kryotherapie gefährlich?

Während der Behandlung kann es zwar in einigen Körperregionen zu einem leichten Spannungs- oder Taubheitsgefühl kommen und danach zu einem leichten Wiedererwärmungsschmerz. Die Kälte begünstigt auch keine Erkrankungen wie Erkältungen oder Blasenentzündungen, denn die Körperkerntemperatur bleibt während der gesamten Zeit in der Kammer konstant.

Die Kryotherapie gilt also, korrekte Anwendung und einwandfrei funktionierende Geräte vorausgesetzt, als nebenwirkungsarm. Allerdings weisen auch Studien kritisch darauf hin, dass nach möglichen negativen Effekten nicht wirklich mit großem Aufwand gesucht werde.

Was kostet Kryotherapie?

Um längerfristig von den positiven Effekten der Kryotherapie zu profitieren, müsstest du die Besuche regelmäßig wiederholen. "Es ist dasselbe wie mit Sport", erklärt Anna Weißbeck von Cryopoint. Sie empfiehlt, den Besuch in der Kältekammer mit Sporteinheiten zu verbinden. Eine Anwendung kostet bei Cryopoint ohne Rabatte 49 Euro. Der Preis kann jedoch je nach Anbieter und Angebot variieren.

Wie fühlt sich ein Besuch in der Kältesauna an?

Um dem Kälte-Trend auf den Grund zu gehen, hat unsere Mitarbeiterin Karoline Steinbock den Selbsttest gewagt. Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen in der Frostkammer.

Mit Puschen in die Kältekammer
Karolin Steinbock

Selbsttest: Praktikantin Karoline lässt sich schockfrosten

Nur in Unterwäsche, mit Handschuhen und dicken Puschen an den Füßen, stehe ich vor der Eisbox der Cryopoint Filiale in Hamburg-Winterhude. Mir ist ehrlich gesagt ein bisschen mulmig bei dem Gedanken, für 3 Minuten schockgefrostet zu werden. Besitzerin Anna Weißbeck bereitet die Eisbox bereits vor. Der Stickstoff wabert als Dampf oben aus der Box heraus, während diese auf ihre Betriebstemperatur –110 Grad heruntergekühlt wird. Die Temperatur pendelt sich dann irgendwo zwischen –105 und –120 Grad ein.

Nach der Hälfte der Zeit kommt das eisige Gefühl

Es geht los. In der Box steige ich auf einen kleinen Hocker, damit mein Kopf oben herausschauen kann. In regelmäßigen Abständen wird neuer Stickstoff in die Kammer geleitet, um die Temperatur konstant zu halten. Entgegen meinen Erwartungen ist es aber eine angenehme Kälte, die sich weder nass noch stechend anfühlt. Zu Beginn der 3 Minuten ist mir auch nur leicht kühl, doch das ändert sich nach der Hälfte der Zeit schlagartig.

Datenanalyse bei der Kryotherapie
Melina Kersten

3 Minuten können verdammt lang sein

Denn auf einmal wird mir richtig kalt. Ich bekomme eine Gänsehaut, und in meinen Oberschenkeln spüre ich einen leichten, stechenden Kälteschmerz. Der Körper wird dort am kältesten, wo das meiste Fett sitzt, das hatte Anna mir erklärt. Na, dann weiß ich ja jetzt, woher das kommt. Kurz vor Ende wird die Kälte immer unangenehmer und mein Bedürfnis, die Box zu verlassen, wird immer größer. 3 Minuten können so verdammt unglaublich irre lang sein!

Die Kälte wirkt wie ein Laune-Booster

Als die Tür der Box wieder aufgeht, durchfährt mich sofort ein wohliges, warmes Gefühl. Zwar habe ich noch immer eine Gänsehaut, aber mein Körper wärmt sich langsam wieder auf. Tatsächlich merke ich auch, wie meine Laune sich hebt. Nur meine Oberschenkel bleiben kalt. "Heute Abend kann es sein, dass du müde wirst, da dein Körper sich jetzt so angestrengt hat", erklärt mir Anna.

Karoline bei der Kryotherapie
Melina Kersten

"Dein Körper wird jetzt auch versuchen, dich auszutricksen, indem er dir sagt, dass er hungrig ist, obwohl du gar keinen Hunger hast." Damit wolle er nämlich die verbrannten Kalorien wieder ausgleichen. Stimmt! Mein Magen meldet sich tatsächlich im Bus auf dem Weg nach Hause. Jetzt nicht nachgeben!

Das Schockfrosten lohnt sich

Nach der einen Anwendung spüre ich zwar noch nichts von strafferer Haut oder weniger Fett am Körper, aber ich fühle mich fitter, glücklicher und ausgeglichener. Am Abend fühlen sich meine Oberschenkel sogar so an, als hätte ich einen leichten Muskelkater. Zudem bin ich schön müde und schlafe tief und entspannt ein – ein Supergefühl.

FAQ – Alles, was du über Kryotherapie wissen musst

Fazit