Apfelkerne, Traubenkerne & Co. Diese gesunden Obstkerne kannst du mitessen

Blaue Weintraubenkerne sind mega gesund
Du isst den Apfel immer ohne Kerne? Da entgeht dir ja das Beste! © Look Studio / Shutterstock.com

Obstkerne haben nicht gerade den besten Ruf. Dabei sind sie mitunter sogar gesund. Wir erklären, welche du mitessen solltest – und welche besser nicht

Was der Verbraucher nicht mag, versucht der Lebensmittelproduzent wegzuzüchten, was nicht immer von Vorteil ist. Das lässt sich beim Gemüse beobachten, dem mehr und mehr die gesunden Bitterstoffe fehlen. Und auch beim Obst wird fleißig „optimiert“ denn Früchte mögen viele lieber kernlos. Deshalb wird die Auswahl an Trauben, Melonen und anderem Obst ohne lästige Kerne stetig größer.

Dabei ist nicht nur das Obst selbst gesund, sondern bei vielen Sorten sind es auch die Kerne. Es ist sogar oft empfehlenswert, sie mitzuessen. Doch welche Obstkerne sind essbar und welche solltest du lieber nicht mitessen?

Schaden Obstkerne dem Blinddarm?

Einigen Obstkernen wird nachgesagt, dass sie den Blinddarm reizen sollen. Doch diese Sorgen sind in der Regel unbegründet. Zu Blinddarmentzündungen kommt es durch kleine Kerne, wie Apfel- oder Birnenkerne, nämlich nur äußerst selten. Kirschkerne und größere Kerne können wegen ihrer Größe den Durchgang zum Blinddarm meist gar nicht passieren – und so auch keine Entzündung hervorrufen.

Sind Obstkerne giftig?

Auch Vergiftungen musst du normalerweise nicht befürchten. Zwar steckt in einigen Fruchtsamen (zum Beispiel in Apfelkernen) tatsächlich der Stoff Amygdalin, der im Körper zu giftiger Blausäure umgewandelt wird und die Aufnahme von Sauerstoff in den Zellen blockiert. Bei einer Vergiftung käme es zu Atemnot, Krämpfen, Übelkeit und Erbrechen.

Doch dafür sind große Mengen Kerne nötig. Allein rund ein Kilogramm Apfelkerne müsstest du zerkauen und schlucken, damit es zu gefährlichen Vergiftungserscheinungen kommt. Und zwar auf einmal. Kleine Kerne aus frischem Obst mitzuessen ist also unbedenklich und mitunter sogar gesundheitsfördernd.

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Welche Obst- und Fruchtkerne sollte ich mitessen?

Die Kerne folgender Früchte kannst du guten Gewissens mitessen, und dir damit sogar ab und an etwas Gutes tun:

  • Apfelkerne: An apple a day keeps the doctor away, und zwar auch und gerade dann, wenn du Kerngehäuse und Kerne mitisst. Denn die enthalten unter anderem das Spurenelement Jod, das hormonregulierend wirkt und für eine gut funktionierende Schilddrüse wichtig ist.
  • Weintraubenkerne: In den Kernen von Weintrauben (insbesondere in denen von blauen Weintrauben) stecken viele sekundäre Pflanzenstoffe. Die wirken antioxidativ und schützen die Zellen vor dem Einfluss schädlicher freier Radikale. Diese aggressiven Sauerstoffverbindungen sind nicht nur für viele Krankheiten verantwortlich, sie beschleunigen auch den Alterungsprozess deiner Haut.
  • Papayakerne: Dank des Enzyms Papain sollen die Kerne der reifen Papaya den Stoffwechsel ankurbeln, die Gefäße sauber halten, entzündungshemmend und gegen Darmparasiten wirken. Da die Kerne eine angenehm milde Schärfe haben, eignen sie sich perfekt als Pfeffer-Ersatz. Dafür trocknest du die Kerne bei 50°C für 2-3 Stunden im Backofen. Im getrocknetem Zustand kannst du sie anstatt von Pfefferkörnern in eine Pfeffermühle geben.
  • Wassermelonenkerne: Ob pur, geröstet oder als Tee: Die Kerne der Wassermelone liefern neben den Vitaminen A, B und C auch Magnesium, Calcium und Eisen sowie ungesättigte Fettsäuren. Dazu fördern sie die Verdauung und helfen bei Verstopfung. Dafür einfach die Kerne mit einem Mörser oder Mixer pulverisieren und übers Müsli streuen oder als Tee aufgießen.
Papaya und Maracujakerne sind gesund
Papayakerne kannst du anstelle von Pfefferkörnern verwenden. © Alexandra Anschiz / Shutterstock.com

Darf ich Steinobstkerne mitessen?

Etwas anders sieht es bei Steinfrüchten aus. Die großen Kerne aus Aprikosen, Pfirsichen und Co. enthalten nämlich potenziell mehr giftige Stoffe, aufgrund ihrer Größe isst du sie aber wohl eh nie mit, und du verschluckst sie auch nicht so leicht versehentlich.

Selbst wenn das doch mal passiert, ist das kein Grund zur Panik. Auch ein paar Kirschkerne auf einmal werden dir nichts anhaben. Denn die giftigen Stoffe werden erst durch mechanisches Knacken der Kerne freigesetzt. Obstkerne, die nicht zerkaut werden, scheidet dein Körper normalerweise unverdaut wieder aus. Geknackte oder gemahlene Kerne könnten jedoch der Gesundheit schaden. Hier fehlen für die meisten Sorten jedoch noch entsprechende Studien.

Zu den Obstkernen, die du vorsichtshalber lieber nicht in großen Mengen essen solltest, gehören unter anderem:

  • bittere Aprikosenkerne
  • Kirschkerne
  • Pflaumenkerne
  • Pfirsichkerne
  • Nektarinenkerne
  • Avocadokerne

Gefährliches Versprechen: Aprikosenkerne gegen Krebs

„Bittere Aprikosenkerne heilen Krebs!“, behaupten immer mal unseriöse Heilpraktikern im Internet. Sie empfehlen Betroffenen, statt einer Chemotherapie als natürliches Heilmittel täglich Aprikosenkerne zu essen. Doch wissenschaftliche Belege dafür, dass die Kerne tatsächlich Krebszellen abtöten, gibt es nicht.

Im Gegenteil. Toxikologische Risiken sind bereits nachgewiesen, beim Verzehr der Kerne wird Blausäure freigesetzt. Mehr als zwei der Kerne pro Tag sind für Erwachsene daher kritisch, heißt es vom Bundesamt für Risikobewertung (BfR). Kinder sollten komplett verzichten.

Auch Avocadokerne sind nicht gesund

Ein weiterer kerniger Hype sollte kritisch gesehen werden: Gemahlene Avocadokerne werden im Internet als das neue Gesundheitswunder gefeiert. Dabei gilt auch hier: Fundierte wissenschaftliche Belege dafür, dass die gemahlenen Kerne der Gesundheit tatsächlich nützen, gibt es bislang nicht.

Einige Obstkerne, wie etwa Apfel- oder Weintraubenkerne, sind gesund und enthalten wertvolle Inhaltsstoffe. Du kannst sie in der Regel bedenkenlos mitessen. Bei großen Steinobstkernen solltest du vorsichtig sein. Für bittere Aprikosenkerne ist bereits nachgewiesen, dass übermäßiger Verzehr schädlich ist.

22.10.2019| Nicole Benke © womenshealth.de
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