hCG Diät Finger weg: So ruinieren Sie mit der hCG-Diät Ihren Stoffwechsel

So gefährlich ist die hCG-Diät
Die 21 Stoffwechseldiät verspricht schnelle Abnehmerfolge. Wir verraten, was wirklich dran ist! © shurkin_son / Shutterstock.com

Eine Diät, bei der man sich Schwangerschaftshormone spritzt und am Tag nur 500 kcal zu sich nimmt, kann doch nicht gesund sein, oder? Wie verraten, wie gefährlich die hCG-Diät wirklich ist

Abnehmen soll dank der sogenannten hCG-Diät ab sofort zum Kinderspiel werden und verspricht schnelle Erfolge mit geringem Aufwand und ohne zu hungern. Klingt zu gut, um wahr zu sein. Einen ganz offensichtlichen Haken hat die Wunderdiät allerdings: Man muss sich täglich Hormone spritzen. Äh wie bitte, was? Ja, und als wäre das nicht schon kurios genug, handelt es sich dabei auch noch um Schwangerschaftshormone.

Wie man damit abnehmen soll oder ob das überhaupt gesund sein kann? Das wollten wir auch wissen. Deshalb haben wir bei Dr. Matthias Riedl, Internist und Ernährungsmediziner am Medicum Hamburg, Europas größtem Fachzentrum für Stoffwechselstörungen, nachgefragt.

In diesem Artikel

Was genau ist hCG und wie wirkt es im Körper?

hCG steht für "humanes Choriongonadotropin". Hinter dem komplizierten Namen verbirgt sich ein Hormon, das in den ersten Schwangerschaftsmonaten in der Plazenta der Gebärmutter vermehrt gebildet wird. Das Hormon wird jedoch auch bei Nicht-Schwangeren gebildet – jedoch nicht in so hohen Konzentration, wie es beim Heranwachsen eines Embryos der Fall ist.

Das Hormon wird circa 5 Tage nach der Befruchtung vermehrt ausgeschüttet. Es signalisiert dem weiblichen Körper "Aufgepasst: Hier ist eine befruchtete Eizelle, die reifen soll." Dadurch wird gewährleistet, dass sich das Ei in der Gebärmutter einnisten kann. Gleichzeitig kümmert es sich um die optimale Versorgung des Uterus, damit sich dieser entwickeln kann. "So sorgt HCG in Notsituationen während der Schwangerschaft dafür, dass der Körper sich an seinen Fettreserven bedient", erklärt Dr. Riedl. Dieses Prinzip macht sich die hCG-Diät zum Nutzen, indem man sich das Hormon täglich injiziert.

Verschwenden Sie keine Zeit und Geld mit der hCG-Diät
Schlank mit Schwangerschaftshormonen – ob das wirklich funktioniert? © shurkin_son / Shutterstock.com

Theorie: So soll das Hormon hCG beim Abnehmen helfen

Eine Schwangerschaft ist für den weiblichen Körper eine ganz schöne Umstellung. Plötzlich muss er nicht nur den einen Organismus am Leben halten, sondern lässt gleichzeitig einen zweiten heranwachsen. Dafür wird vor allem Glukose (Zucker) benötigt. Deswegen versucht der Körper alle verfügbaren Energiequellen anzuzapfen.

Genau das ist eine Aufgabe des Hormons hCG: "Wenn das Hormon dem Körper künstlich in Form von Injektionen zugegeben wird, soll es in der Diätphase angeblich dafür sorgen, dass Fettgewebe abgebaut wird. Auch an den Stellen des Körpers, wo ein Fettabbau sich sonst als schwieriger gestaltet", so der Mediziner, der auch aus der NDR Reihe "Die Ernährungs-Docs" bekannt ist. Das funktioniert jedoch nur unter einer geringeren Energiezufuhr von nur 500 kcal. Zum Vergleich: Eine durchschnittliche Frau braucht am Tag rund 1800 kcal.

Mit hCG-Diät zur Traumfigur? Bitte nicht!
Tägliche hCG-Injektionen sollen das Fett zum Schmelzen bringen. Die Wahrheit ist aber eine ganze andere .... © g-stockstudio / Shutterstock.com

Ein weiterer angeblicher Nutzen: "Das Hormon soll außerdem das Hungergefühl unterdrücken und Abgeschlagenheit während der drastischen Kalorieneinsparung ausgleichen", so Dr. Riedl. Wieder ein Trick des Körpers um eine Schwangerschaft zu meistern. Fragt sich nur, ob das auch fürs Abnehmen gilt.

Praxis: Die 3 Phasen der hCG-Diät

Damit Sie mit der hCG-Diät wirklich abnehmen, reicht es nicht aus, sich das Schwangerschaftshormon täglich (!) zu injizieren. Sie müssen zusätzliche Ihre Energiezufuhr extrem herunterfahren. Heißt: Um strikte Essensvorgaben kommen Sie auch hier nicht herum.

Die Stoffwechsel-Diät wird in drei Phasen eingeteilt: Ladephase, Diätphase und Stabilisierungsphase. Nach rund 6 Wochen ist alles vorbei und Sie (angeblich) um einige Kilo leichter. Während Phase 1 und 2 müssen Sie sich täglich das hCG spritzen – vom ersten Tag an. Der Gewichtsverlust in dieser Zeit soll enorm sein.

Phase 1: Zu Beginn der hCG-Diät dürfen Sie im Rahmen der Ladephase für ganze zwei Tage noch einmal richtig zuschlagen, damit alle Speicher aufgefüllt sind. "Die Schlemmerphase soll so den Stoffwechsel ankurbeln", erklärt der Experte. Außerdem soll der üppige Genuss vor allem in den ersten Tagen den Verzicht erleichtern.

So gelingt Ihnen die Ernährungsumstellung
An Tag 1 und 2 der hCG-Diät dürfen Sie nochmal richtig zuschlagen © Anastasiia Fedorova / Shutterstock.com

Phase 2: Ab Tag 3 befinden Sie sich in der sogenannten Diätphase, die 21 Tage andauert. Mit dem Schlemmen ist es nun vorbei. Neben Ihrer täglichen Portion hCG, dürfen Sie ab sofort nur noch magere 500 kcal zu sich nehmen. Zum Vergleich: Fett, Zucker und Kohlenhydrate sind tabu. Stattdessen sind nur natürliche Lebensmittel wie Gemüse, Fleisch, Milchprodukte, Fisch, Tofu und Obst erlaubt. Bei allem gilt jedoch: Sie müssen die aufgenommenen Kalorien zählen.

Phase 3: "In Phase drei, der Stabilisierungsphase, gewöhnen Sie Ihren Körper mit einer langsamen Steigerung der Kalorienzufuhr wieder an die Lebensmittel, die während der Diät nicht verzehrt wurden", erläutert Dr. Riedl. Immer in der Hoffnung dem Jojo-Effekt zu entkommen. Auch diese Phase dauert um die 3 Wochen.

Gefährliche hCG-Diät: Diese Nebenwirkungen können auftreten

Was so schön klingt, kann weitreichende Folgen mit sich bringen. "Kopfschmerzen, Unruhe, Erschöpfungszustände bis hin zu einer Depression und Blutgerinnsel gehören zu den umfangreichen Nebenwirkungen, die im Rahmen der hCG-Diät auftreten können", warnt der Ernährungs-Doc.

Problematisch wird es vor allem dann, wenn die geringe Kalorienzufuhr über einen längeren Zeitraum beibehalten wird. So kann der Körper unmöglich mit ausreichend Nährstoffen versorgt werden und kommt in einen Mangelzustand, der irreparable Schäden mit sich bringen kann. Nach und nach fährt der Organismus herunter und versucht Energie zu sparen. Müdigkeit, das Ausbleiben der Periode oder ständiges Frieren sind nur einige wenige Anzeichen der zu niedrigen Kalorienzufuhr. Welche negativen Folgen das Hormon sonst noch hat, ist nicht abzusehen, weshalb auch andere Experten, wie die Verbraucherzentrale oder die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie, dringend davon abraten.

Injektionen, Globuli oder Tropfen: Wirkung nicht bestätigt

Die hCG-Diät gibt es bereits seit über 50 Jahren – und schon genauso lange fehlen die wissenschaftlichen Beweise für die angebliche Wunderwirkung. Auch der "Erfinder" der hCG-Diät Albert T.W. Simeons konnte seine Aussagen nie eindeutig belegen.

Finger weg von der hCG-Diät
Das Geld für teure hCG-Präparate können Sie sich getrost sparen © shurkin_son / Shutterstock.com

Doch die hCG-Diät ist nicht tot zu kriegen, denn sie wird immer neu aufgerollt. Statt den "klassischen" Injektionen geht der Trend mittlerweile zu Globuli-Tropfen, Tabletten oder Sprays. Doch die können gar nicht wirken, denn: "Da es sich um ein Eiweißhormon handelt, kann es wenn nur injiziert werden", so der Internist. "In Pillen- oder Tropfenform würde es von der Magensäure wieder zersetzt werden.“ Im Gegensatz zu den Injektionen enthalten Globuli-Präparate – wie in der Homöopathie – nur die Information des Hormons. Ob sie genauso wirken sei dahingestellt.

In einer Stellungnahmen der Verbraucherzentrale heißt es: "hCG ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel und darf nicht als Abnehmhilfe verkauft werden, auch wenn sich momentan im Internet viele Angebote finden. Auch in den USA sind hCG-Produkte als Schlankheitsmittel illegal."

Jojo-Effekt nach hCG-Diät vorprogrammiert

Das Geld für die kostspieligen Hormon-Präparate können Sie sich sparen. "Reiner Placebo-Effekt", betont Dr. Riedl. Dennoch nehmen Frauen mit der hCG-Diät massiv ab – wie kann das sein? Die Verbraucherzentrale bringt es auf den Punkt:

"Wer während einer hCG-Behandlung Gewicht verliert, verdankt das keineswegs dem Hormon, sondern ausschließlich der sehr niedrigen Energiezufuhr."

An einem Tag dürfen Sie essen, am nächsten müssen Sie fasten: so das Konzept der 10in2 Diät
Dass Sie mit der hCG-Diät abnehmen, liegt nicht am Hormon, sondern an den wenigen Kalorien die Sie täglich aufnehmen © g-stockstudio / Shutterstock.com

Doch spätestens wenn nach der Diät wieder die alten Essgewohnheiten aufgenommen werden, kehren die verlorenen Kilos zurück an ihren Stammplatz. Der Jojo-Effekt ist quasi vorprogrammiert. Stattdessen empfiehlt Dr. Riedl: „Eine bewehrte Methode um sein Gewicht zu halten, ist eine langfristige Ernährungsumstellung. In der sollten Kohlenhydrate im Mahlzeitenplan reduziert werden und der Hauptteil aus eiweißreichen, ballaststoffreichen Lebensmitteln und Gemüse und Obst bestehen.“

Buchtipp: Abnehmen nach dem 20:80-Prinzip (GU, um 20 Euro) von unserem Experten Dr. Matthias Riedl

Fazit: Ernährungsumstellung statt Crash-Diät

Wieder einmal erlischt ein Stern am Diäten-Himmel, denn hinter der hCG-Diät steckt nicht viel mehr als gutes Marketing. Am Ende sind solche Radikal-Diäten eben doch nur kurzfristige Methoden, die weder Spaß noch langfristige Erfolge bringen und Ihnen auch noch das Geld aus der Tasche ziehen.

Auch unser Experte rät davon ab: "Durch die drastische Energieeinsparung der Nahrung verliert der Körper zwar kurzfristig sehr schnell an Gewicht. Dabei geht er jedoch nicht nur an seine Fettdepots, sondern auch an seine Muskelreserven. Es gibt außerdem keine handfesten Studien die belegen, dass allein durch das Hormon hCG Gewicht, beziehungsweise Fett abgebaut werden konnte. Verantwortlich für die Gewichtsabnahme ist allein die reduzierte Kalorienaufnahme."

01.02.2018| © womenshealth.de
Sponsored Section
Aktuelles Heft