RPE Training: So trainierst du effektiv nach Gefühl

Trainingstechnik
RPE erklärt: So trainierst du nach Gefühl – und trotzdem effektiv

ArtikeldatumVeröffentlicht am 05.02.2026
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RPE-Training
Foto: gettyimages/Drazen Zigic

Pulsgurt, Fitnessuhr, App – Training scheint heute ohne Technik kaum noch denkbar. Dabei gibt es ein simples, bewährtes Tool, das ganz ohne Zahlen und Geräte auskommt: RPE, die Rate of Perceived Exertion.

Sie hilft dir, dein Training besser zu steuern, auf Tagesform zu reagieren und langfristig gesünder Fortschritte zu machen – egal ob beim Krafttraining, Laufen, Yoga oder HIIT.

Was bedeutet RPE eigentlich?

RPE beschreibt, wie anstrengend sich eine Belastung für dich anfühlt. Statt nach Tempo, Gewicht oder Puls zu trainieren, bewertest du deine Anstrengung auf einer Skala von 1 bis 10:

  • 1 = keine Anstrengung (z. B. Liegen auf dem Sofa)
  • 10 = maximale Belastung (kein weiteres Wiederholen möglich)

Das Besondere: RPE ist subjektiv – und genau das macht es so wertvoll. Dein Körper weiß oft besser als jede Uhr, wie belastbar du heute bist.

Warum Training nach Gefühl so sinnvoll ist

Leistung ist nicht jeden Tag gleich. Schlaf, Zyklus, Stress, Wetter oder Ernährung beeinflussen, wie schwer sich ein Workout anfühlt. RPE berücksichtigt all diese Faktoren automatisch – ohne dass du sie einzeln messen musst.

Training nach der RPE-Skala hilft dir, Überlastung zu vermeiden und Fortschritte langfristig nachhaltiger zu gestalten. Du lernst, besser zwischen fordernden und leichten Trainingstagen zu unterscheiden und entwickelst ein feineres Gespür für deinen Körper. Gerade für Frauen ist das ein großer Vorteil, da sich Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit unter anderem zyklusbedingt verändern können – und dein Training so flexibler und individueller gesteuert werden kann.

Die RPE-Skala im Überblick

Um besser einschätzen zu können, wie sich die einzelnen Belastungsstufen im Training anfühlen, hilft ein Blick auf die RPE-Skala im Überblick. Sie übersetzt dein subjektives Körpergefühl in klare Trainingsintensitäten.

Faustregel: Wenn du dich beim Training noch klar unterhalten kannst, liegst du meist bei RPE 5–6. Wenn einzelne Worte schwerfallen, eher bei 7–8.

So nutzt du RPE in deinem Training

RPE lässt sich in nahezu jeder Trainingsform einsetzen. Egal, ob du Kraft aufbauen, schneller werden oder deine Ausdauer verbessern willst. Entscheidend ist nicht die Sportart, sondern wie intensiv sich die Belastung für dich an diesem Tag anfühlt. Genau hier spielt RPE seine Stärke aus: Es passt sich deinem Körper an, nicht umgekehrt.

Krafttraining

Beim Krafttraining hilft dir RPE dabei, zwischen technisch sauberem Arbeiten und echter Überlastung zu unterscheiden. Starte mit niedriger RPE und steigere dich, etwa so:

  • Aufwärmen: RPE 3–5
  • Arbeitssätze: RPE 7–9
  • Cool-down: RPE 2–3

Ein guter Richtwert: Bei RPE 8 hättest du theoretisch noch ein bis zwei saubere Wiederholungen im Tank. Genau das ist für Muskelaufbau ideal, ohne unnötig ins Muskelversagen zu gehen. An Tagen, an denen du dich müde oder weniger leistungsfähig fühlst, kannst du das Gewicht reduzieren und trotzdem effektiv trainieren, weil die Belastung subjektiv passt.

RPE bei Ausdauer und Cardio

Gerade beim Cardio-Training ist RPE extrem hilfreich, weil Tempo, Strecke oder Puls nicht immer gleich viel über deine tatsächliche Belastung aussagen. Wetter, Schlaf, Stress oder Zyklusphase können dafür sorgen, dass sich ein sonst "lockerer Lauf" plötzlich deutlich anstrengender anfühlt.

  • Lockere Einheiten (RPE 4–6): Diese Intensität eignet sich perfekt für Grundlagentraining, Spaziergänge mit Tempo, lockeres Joggen oder entspannte Radtouren. Du solltest dich noch unterhalten können, ohne außer Atem zu geraten. Genau in diesem Bereich verbessert sich deine Ausdauer nachhaltig – ohne den Körper unnötig zu stressen.
  • Tempoläufe und Intervalle (RPE 7–9): Hier wird es deutlich anstrengender. Deine Atmung ist schnell, Gespräche sind kaum noch möglich. Diese Belastung trainiert Herz-Kreislauf-System und Leistungsfähigkeit, sollte aber gezielt eingesetzt werden – nicht täglich. RPE hilft dir dabei, hart genug zu trainieren, ohne jedes Intervall komplett "zu zerstören".
  • Lange Einheiten (überwiegend RPE 5–6): Bei längeren Cardio-Einheiten ist es entscheidend, das Tempo realistisch zu wählen. Auch wenn sich die Belastung gegen Ende höher anfühlt, solltest du bewusst unter RPE 7 bleiben. So baust du Ausdauer auf, ohne dich leer zu trainieren – ideal auch für aktive Regeneration.

RPE bei Yoga und Mobility

Auch wenn Yoga, Stretching oder Mobility-Einheiten oft als "leicht" gelten, profitieren sie enorm von der RPE-Einschätzung. Denn nicht jede Einheit verfolgt dasselbe Ziel.

  • Sanfte Flows und Mobility-Sessions (RPE 3–4): Diese Einheiten fühlen sich angenehm an, fördern Beweglichkeit, Durchblutung und Entspannung. Perfekt für Erholungstage, Stressabbau oder als Ausgleich zu intensiven Workouts.
  • Kräftigende Yoga-Styles und Power-Flows (RPE 6–7): Hier arbeitet deine Muskulatur deutlich mehr – etwa in längeren Haltepositionen oder dynamischen Sequenzen. RPE hilft dir, die Intensität bewusst zu steuern, statt dich zu überfordern oder zu unterfordern.

Die größten Vorteile von RPE

RPE ist mehr als nur eine Skala – es ist ein Werkzeug für smarteres Training. Besonders dann, wenn du langfristig gesund, leistungsfähig und motiviert bleiben willst.

  • RPE funktioniert ohne Technik
  • Es passt sich deiner Tagesform an
  • Es senkt das Verletzungsrisiko, weil du Warnsignale früher erkennst
  • Es hilft, Überforderung genauso zu vermeiden wie monotones Untertraining
  • Es ist für Anfängerinnen und Fortgeschrittene gleichermaßen geeignet

Kurz gesagt: RPE macht Training intelligenter statt härter – und genau das ist der Schlüssel zu nachhaltigen Fortschritten.

Gibt es auch Grenzen?

Ja. RPE ist kein perfektes Messinstrument. Gerade Einsteigerinnen müssen erst lernen, ihr Körpergefühl richtig einzuschätzen. Außerdem liefert RPE keine objektiven Daten wie Pace oder Herzfrequenz.

Trotzdem: Als Ergänzung oder Alternative ist RPE extrem wertvoll – besonders, wenn du flexibel und nachhaltig trainieren willst.

FAQ: Häufige Fragen zu RPE

Fazit