Gewichtsdecken sollen Spannungen und Ängste lindern und so das Ein- und Durchschlafen erleichtern Moshbidon / Shutterstock.com

So helfen Gewichtsdecken beim Einschlafen

Gewichtsdecken Wie Therapiedecken gegen Schlafstörungen helfen

Gewichtsdecken versprechen, bei Stress, Angst- und Schlafstörungen zu helfen. Wie das funktioniert und worauf du beim Kauf achten musst

Gründe, schlecht zu schlafen, gibt es immer genug: Corona, Kriege, Krisen. Aber nicht nur in turbulenten Zeiten fällt es vielen Menschen schwer ein- und durchzuschlafen. Tipps und Gadgets, die die Schlafqualität verbessern sollen, gibt es viele. Nur: Welche funktionieren?

Ein neuer Trend sind so genannte Gewichtsdecken. Doch wie wirken sie, für wen sind sie geeignet und worauf musst du beim Kauf achten? Wir haben die Antworten.

Was ist eine Gewichtsdecke?

Auf den ersten Blick sehen Gewichtsdecken aus wie gewöhnliche Bettdecken. Erst wenn du sie anhebst, merkst du, dass sie wesentlich schwerer sind, je nach Modell zwischen 4 und 12 Kilogramm. Grund dafür ist eine (manchmal auch mehrere) im Inneren eingenähte Lage kleinster Glasperlen, Keramik- oder Kunststoffkügelchen. Diese Lage ist so gesteppt, dass die winzigen Teilchen nicht verrutschen können.

In der Medizin, speziell in Krankenhäusern, kommen schwere, beruhigend wirkenden Therapiedecken schon länger bei Angststörungen und Unruhe zum Einsatz. Jetzt halten sie auch in die privaten Haushalte Einzug, um für ein entspannteres, ruhigeres Ein- und Durchschlafen zu sorgen, so das Versprechen.

Woraus besteht eine Gewichtsdecke?

Wie gesagt, die inneren Lagen der Decke bestehen aus fein gewebten Gewichten, die mit normalen Deckenlagen umhüllt sind, sodass sich die Decke immer noch weich anfühlt. Sie unterscheiden sich jedoch in der Art der Füllung und im Material.

Glas- und Keramik-Perlen erreichen das gewünschte Gewicht mit weniger Volumen als Kunststoffperlen und gelten deshalb als hochwertiger, geschmeidiger und angenehmer in der Anwendung. Decken mit Kunststoffperlen dagegen sind meist günstiger und gelten als weniger lang haltbar. Hier ein paar Kauf-Tipps:

  • Beispiel für eine Gewichtsdecke mit Glasperlen ist z.B. die 6,8 Kilogramm schwere, dunkelgraue Decke von Bedsure. Sie hat einen atmungsaktiven Baumwollbezug und kann in der Waschmaschine gewaschen werden. 12 Schlaufen sorgen dafür, dass die Decke im Bettbezug nicht verrutscht.
  • Eine große Auswahl bieten die Gewichtsdecken der Marke TherapieDecken: Es gibt Einstiegsmodelle mit sandfeinen Glasperlen, Schlaufen und Bezügen aus Baumwolle, Standardmodelle in vielen Farben, bis hin zum kuschligen Premiummodelle mit Samtbezug und fixierten, festen Edelstahlperlen, bei denen das Inlett nicht über Schlaufen, sondern mit einem Reisverschluss im waschbaren Bettbezug gehalten wird.
  • Die Gewichtsdecke von SCM dagegen beschwert ihre Decke mit Nano-Keramik-Perlen, sie wird mit einem Fleece-Bezug für Herbst- und Winter und einem Sommerbezug aus Coolmax angeboten.
  • Einen Außenbezug aus hypoallergenen, besonders gut feuchtigkeitsregulierenden Bambusfasern bietet der Hersteller Dreamzie an. Die mit Glasperlen gefüllten Kammern der Gewichtsdecke sind mit 10 x 10 cm klein und damit rutschstabil.

Wie funktionieren Gewichtsdecken?

Im Grunde haben sie einen ähnlichen Effekt wie eine herzliche, behutsame Umarmung. Durch ihre Schwere übt die Decke einen Tiefendruck auf dein vegetatives Nervensystem aus, "Deep Pressure Touch Stimulation" (DPTS) im Fachjargon genannt. Es kann im Körper die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol reduzieren, so dass sich deine Muskeln besser entspannen.

Gleichzeitig kann eine vermehrte Produktion des Glückshormons Serotonin angeregt werden. Aus Serotonin wird das schlaffördernde Hormon Melatonin gebildet, dass deinen Schlaf-Wach-Rhythmus steuert.

Die vermehrte Bildung der Entspannungshormone Melatonin und Serotonin soll dem Körper ein Gefühl von Geborgenheit, Sicherheit und innerer Ruhe vermitteln, das dich leichter einschlafen lässt und in der Nacht längere Tiefschlafphasen ermöglichen soll.

Was bringen Gewichtsdecken?

Noch ist die Studienlage dünn, aber es gibt durchaus Untersuchungen, die die Wirkung von Therapiedecken dokumentieren: Eine 2020 an dem renommierten Karolinska-Institut der medizinischen Universität in Stockholm durchgeführte Studie untersuchte die Wirkung von Gewichtsdecken auf die Schlafqualität von 120 Probanden mit Depressionen, Angststörungen und ADHS. Keine große Studie, jedoch mit eindeutigem Ergebnis: Die Teilnehmer der Gruppe, die einen Monat lang mit Gewichtsdecke schliefen, gaben an, sich tagsüber besser ausgeschlafen zu fühlen, und aktiver, weniger depressiv und ängstlich zu sein. Sensoren, die die Tag- und Nachtaktivitäten der Probanden trackten, bestätigten diese subjektive Einschätzung. Nachdem die Kontrollgruppe ebenfalls mit Therapiedecken schlief, stellten sich ähnlich positive Effekte ein.

Zu einem ähnlich positiven Ergebnis in Bezug auf die Schlafqualität kam eine weitere kleine, ebenfalls in Schweden durchgeführte Studie: Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die 33 unter chronischen Schlafproblemen leidenden, aber ansonsten gesunden Probanden sich unter Gewichtsdecken im Schlaf weniger bewegten, ruhiger schliefen und morgens angaben, sich ausgeschlafener zu fühlen.

Ein Reporter der Sendung Galileo ließ sein Schlafverhalten mit Gewichtsdecke im Schlaflabor der Berliner Charité checken, und tatsächlich zeigten die Untersuchungsergebnisse, dass er ruhiger und tiefer schlief als zuvor.

Es gibt also einige kleine, durchaus seriöse Untersuchungen, die auf eine Wirksamkeit von Gewichtsdecken hinweisen, große Studien jedoch fehlen (noch). Schlecht zu sein scheint eine schwere Decke für den Schlaf aber wohl nicht.

Für wen sind Therapiedecken geeignet?

Wenn du unter Schlafstörungen leidest, ist eine Gewichtsdecke einen Versuch wert. In der Regel kannst du sie 28 Tage lang testen und zurückgegeben, falls du nicht damit zurechtkommst. Achte beim Kauf der nicht billigen Decken unbedingt auf das Rückgaberecht, denn nicht alle kommen mit einer extraschweren Schlafdecke zurecht.

Auch empfohlen werden die Decken zum Beispiel für Menschen mit Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen, Autismus, Asperger-Syndrom, Panikattacken, ADHS und Restless-Legs-Syndrom. Ob sie bei diesen Diagnosen wirklich helfen, ist wie gesagt wissenschaftlich nicht abgesichert, es liegen nur Erfahrungswerte vor.

Dr. Johannes Streif, stellvertretender Vorsitzender von ADHS Deutschand e.V., schrieb lakonisch treffend in einer Stellungnahme in Bezug auf den kontrovers diskutierten Versuch, ebenfalls mit dem DPTS-Prinzip wirkende Sandwesten bei Kindern mit ADHS zur Therapie einzusetzen: "Dem einen helfen sie, dem anderen nicht. So ist das Leben nun mal.“ Auch hier heißt es: Ausprobieren.

Für wen ist eine Gewichtsdecke nicht geeignet?

Bei Kindern unter 3 Jahren besteht Erstickungsgefahr, aber auch Schwangere und Menschen mit chronischen Atemproblemen (z.B. COPD) sollten Gewichtsdecken meiden. Wenn du dich darunter gefangen oder eingezwängt fühlst, ist die schwere Decke eher kontraproduktiv.

Aber gib deinem Körper ein paar Tage Zeit, sich umzustellen und langsam an die Decke zu gewöhnen. Am besten, du startest tagsüber mit einem 20-minütigem Nickerchen auf dem Sofa, und steigerst dich langsam auf 2 Stunden, bevor du die erste Nacht mit der Gewichtsdecke verbringst.

Tipp: Für den Einstieg eigenen sich auch Therapie-Gewichtsmäntel mit über den Oberkörper verteilten Gewichten. Sie sehen wie Morgenmäntel aus, können tagsüber getragen werden und versprechen, mit dem leichten Druck, den sie ausüben, Stress und Anspannung aus dem Alltag zu nehmen (z.B. von Gravity, bei dem die Gewichte per Reisverschluss auch wieder entfernt werden können).

Worauf muss ich beim Kauf einer Gewichtsdecke noch achten?

Wichtig ist vor allem das Gewicht: Die Gewichtsdecke sollte zwischen 7 und 13 Prozent deines Körpergewichts betragen. Die meisten Deckenhersteller bieten Decken mit unterschiedlichen Gewichten an.

Achte auch auf die Versteppung der Gewichte: Je kleiner die Kästchen, desto geringer ist die Gefahr, dass der Inhalt beim Umdrehen im Bett verrutscht. 10 x 10 Zentimeter ist Standard, mit 8 x 8 (wie bei den Therapiedecken von ZZZNest oder Leroo) verteilt sich das Gewicht der Decke noch besser über den ganzen Körper.

Ist eine Gewichtsdecke waschbar?

Manche ja, manche nein. Wenn du mit der Gewichtsdecke schlafen willst und sie nicht nur zum "Runterkommen" auf dem Sofa nutzt, solltest du darauf achten, dass es zur Decke Bezüge gibt, die du leicht waschen kannst.

Die Gewichtsdecke sollte möglichst mit zwei Bezügen, einen für den Sommer und einen für die kühlere Jahreszeit, geliefert werden oder sie sollten dazu kaufbar sein. Du kannst die Gewichtsdecke auch mit deiner herkömmlichen Bettwäsche beziehen. Der Vorteil dazugehöriger Bettwäsche ist aber, dass sich die Decke in der Regel mit Hilfe von Schlaufen oder Reisverschlüssen festknüpfen lässt, so dass sie nicht verrutschen kann.

Bei Schlafstörungen durch Stress, Ängste und Anspannung kann dir eine Gewichtsdecke helfen, schneller zu entspannen und tiefer und ruhiger zu schlafen. Eine Garantie gibt es nicht, aber einen Versuch ist es allemal wert.

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