Pille danach Die Pille danach – das sollten Frauen wissen

Ungeschützten Sex gehabt? Kondom gerissen? Es gibt "Notfälle" in denen die Pille danach hilfreich sein kann. © Kamil Macniak / Shutterstock.com

Die Pille danach gibt's inzwischen ohne Rezept. Doch nur wenige Frauen wissen über richtige Einnahme und Nebenwirkungen Bescheid. Zeit, das zu ändern

Pille vergessen? Kondom gerissen? Nicht "aufgepasst"? Kommt vor, und das gar nicht mal so selten: Allein in Deutschland passieren diese Dinge laut Schätzungen knapp 2,5 Millionen Mal pro Jahr. Bisher führte der Weg meist direkt zum Frauenarzt, um sich die Pille danach verschreiben zu lassen. Aber sich so zu offenbaren und um ein Rezept bitten zu müssen, empfanden die meisten Frauen als Demütigung.

Das ist nun anders. Seit März 2015 ist die Pille danach auch ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Allerdings zeigt eine Forsa-Umfrage, dass die meisten Frauen nicht viel über sie wissen: Dass es sie jetzt rezeptfrei in der Apotheke gibt, hatten die meisten Befragten auf dem Schirm.

Aber fast jede zweite Frau setzt die Notfall-Pille mit einer Abtreibung gleich und glaubt, dass sie eine bereits bestehende Schwangerschaft beendet. Nicht nur das ist falsch, sondern auch vieles andere. Deshalb haben wir für Sie die wichtigsten Fragen rund um die Pille danach gesammelt und beantworten sie hier.

Alle wichtigen Infos zur Notfall-Pille
Die Pille danach sollte bleiben, was sie ist: eine Lösung für den Notfall. © Kamil Macniak / Shutterstock.com

1. Was macht die Pille danach im Körper?

Kurz und knapp: Sie verschiebt den Eisprung und kann somit eine Schwangerschaft verhindern. Männliche Samenzellen können im Körper einer Frau bis zu 5 Tage überleben; deshalb kann eine Schwangerschaft auch eintreten, wenn der Sex noch vor dem Eisprung stattgefunden hat. Wird der Eisprung nun aber durch die Pille danach verschoben, wartet die Eizelle gewissermaßen, bis den Spermien die Luft ausgeht und sie die Belagerung aufgeben, bevor sie sich aus dem Eierstock löst und auf den Weg in die Gebärmutter macht.

Wissen Sie mal nicht so genau, wann der Eisprung stattgefunden hat, ist das auch kein Drama: Wird die Pille danach erst nach dem Eisprung eingenommen, bleibt sie wirkungslos. Nicht zu verwechseln ist die Notfall-Pille dagegen mit sogenannten Abbruchpillen (wie das Präparat Mifegyne). Für die brauchen Sie – genau wie auch für eine operative Abtreibung – ein Beratungsgespräch und ärztliche Aufsicht.

2.  Was genau ist in der Pille danach enthalten?

Derzeit gibt es 2 Wirkstoffe auf dem Markt: Levonorgestrel (LNG) wird schon seit mehr als 30 Jahren verwendet. Das synthetische Schwangerschaftshormon wird in einer 20- bis 30-fach geringeren Dosis auch in der klassischen Antibabypille eingesetzt und verzögert das Reifen der Eizelle im Eierstock. Ist das Ei allerdings bereits kurz vor dem Eisprung, kann Levo­norgestrel, das in der Notfall-Pille PiDaNa steckt, den Eisprung nicht mehr verhindern.

Das andere frei auf dem Markt erhältliche Präparat EllaOne enthält den neueren Wirkstoff Ulipristalacetat (UPA), der bis kurz vor dem Eisprung in die Reifung eingreifen kann. "Aus diesem Grund ist der Wirkstoff grundsätzlich zuverlässiger", sagt Dr. Christian Albring, Prä­sident des Berufsverbandes der Frauenärzte.

3.  Kann ich unfruchtbar werden, wenn ich die Pille danach mehrmals im Jahr nehme?

Keine Angst, dazu kommt es nicht. Aber auch wenn die Pille danach als reine Notmaßnahme keinen Einfluss auf die zukünftige Fruchtbarkeit hat, kann sie Zyklusstörungen verursachen, wenn sie zu häufig genommen wird. Leichtfertigkeit ist also völlig fehl am Platz – die Pille danach sollte bleiben, was sie ist: eine Lösung für den Notfall. Keine mal eben eingeworfene Verhütungsmaßnahme.

4.  Wie schlimm sind die Nebenwirkungen?

Für gewöhnlich werden sie als mild beschrieben und entsprechen ungefähr normalen Menstruationsbeschwerden: Kopfschmerzen, Spannungsgefühl in der Brust, Übelkeit und Schmierblutungen. Es können aber auch Bauchschmerzen und Erbrechen hinzukommen.

Falls Sie sich in den ersten 3 Stunden nach Einnahme der Pille danach erbrechen, müssen Sie eine zweite hinterhernehmen, da die erste unter Umständen nicht gewirkt hat. Dr. Albring empfiehlt: "Wenn Sie vor der Einnahme der Pille danach etwas essen, lässt sich die Übelkeit vermeiden."

Drama um die Pille danach: Jede zweite Frau glaubt, dass die Einnahme einer Abtreibung gleichkommt. Das ist falsch. © Kamil Macniak / Shutterstock.com

5. Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Pille danach, wenn ich kein Rezept habe?

Jein. Sind Sie noch unter 20 Jahre alt, übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Notfall-Pille – allerdings nur, wenn Sie ein Rezept vom Arzt haben. Wenn Sie aber eben genau diesen Arztbesuch umgehen wollen, müssen Sie selbst zahlen, egal wie alt Sie sind. Eine Tablette kostet – je nach Präparat – um die 15 oder um die 40 Euro. Dazu können noch Notdienstgebühren von 2,50 Euro erhoben werden, wenn Sie die Notfall-Pille an Sonn- und Feiertagen oder unter der Woche von 20 bis 6 Uhr kaufen.

6.  Muss ich die Pille danach persönlich in der Apotheke holen oder darf ich auch meinen Freund schicken?

Die Bundesapothekerkammer legt Apothekern nahe, das Medikament nur an die Betroffene persönlich abzugeben. Da Ihr Freund mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht so gut über Ihren Körper und schon gar nicht über Ihren Zyklus Bescheid weiß wie Sie, sollten Sie die Pille danach selbst abholen. Stille Post eignet sich super für Kinder­geburtstage, aber nicht für Anweisungen aus der Apotheke.

7.  Wann sollte ich die Pille danach nehmen?

So schnell wie möglich! Je näher der Eisprung rückt, desto schwieriger ist es, ihn zu verschieben. Die Pille mit dem Wirkstoff Levonorgestrel verliert schon bei einer Einnahme 6 Stunden nach dem ungeschützten Sex an Zuverlässigkeit und hat nach 3 Tagen keine Wirkung mehr. Bei der Pille mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat sieht es etwas besser aus: Ihre Zuverlässigkeit sinkt nach 24 Stunden, hat nach 3 Tagen nur noch Rest-Power und ist nach 5 Tagen komplett wirkungslos.

8. Beeinflusst das Körpergewicht die Wirkung der Pille danach?

Ja, ein zu hohes Körpergewicht kann das tatsächlich einen Einfluss haben. Laut Berufsverband der Frauenärzte verliert das LNG-haltige Arzneimittel bei Frauen ab einem Körpergewicht von 75 Kilogramm (oder einem BMI von 25) bereits an Zuverlässigkeit, bei UPA-haltigen Notfallmedikamenten wird es ab einem Körpergewicht von 90 Kilogramm bzw. ab einem BMI von 30 gefährlich. Grund: Der Wirkstoff verteilt sich auf mehr Körpervolumen, so dass nicht garantiert ist, dass noch genug davon an den Eierstöcken ankommt.

Sollten Sie dann einfach 2 oder 3 Notfall-Pillen einwerfen? Keine gute Idee, denn das Prinzip geht leider nicht auf (und ist auch alles andere als gesund). Besser, Sie suchen so bald wie möglich Ihren Frauenarzt auf und lassen sich gegebenenfalls eine Kupferspirale einsetzen (siehe Frage 13).

Die Pille danach
Auch wenn Ihre Entscheidung feststeht: Beziehen Sie Ihren Partner mit ein, wenn Sie die Pille danach nehmen wollen. © Kamil Macniak / Shutterstock.com

9.  Wie sicher ist die Pille danach?

Nach einmaligem Sex rund um den Eisprung werden etwa 5 von 100 Frauen schwanger, sagt die Statistik. Wird die Tablette so schnell wie möglich nach dem ungeschützten Sex eingenommen, sind es mit der LNG-Notfall-Pille etwa halb so viele, mit der UPA-Pille ein Drittel.

Falls sie gewirkt hat, bekommen Sie zum gewohnten Zeitpunkt Ihre Tage beziehungsweise, wenn Sie regulär die Antibabypille nehmen, eine normale Abbruchblutung. "Verschiebt sich die Monatsblutung aber um mehr als 7 Tage oder ist sie ungewöhnlich schwächer als sonst, sollten Sie unbedingt einen Schwangerschaftstest machen und einen Arzt aufsuchen", rät Dr. Albring.

10.  Kann ich mir die Pille danach auf Verdacht holen, damit ich für den Notfall eine habe?

Sie können davon ausgehen, dass Ihnen kein Apotheker einen Vorratspack verkaufen wird. Die Befürchtung ist zu groß, die betroffenen Frauen könnten unvorsichtig werden und die Notfall-Pille als reguläres Verhütungsmittel ansehen.

11.  Wann nehme ich nach der Pille danach wieder ganz normal meine Antibabypille weiter?

"Da der Eisprung durch die Einnahme der Pille danach nicht komplett aussetzt, sondern nur verzögert wird, müssen Sie unbedingt bis zur nächsten Mens­truation weiter verhüten", sagt Dr. Albring. Die normale Antibabypille nehmen Sie wie gewohnt weiter, damit der Körper nicht komplett aus dem Takt kommt. "Allerdings ist bis zur nächsten Monatsblutung eine zusätzliche Verhütung mit Kondomen notwendig, egal ob hormonell verhütet wird oder nicht."

12.  Wie finde ich eine Apotheke für die Pille danach?

Sind die Geschäfte geöffnet – überall. Aber solche "Unfälle" lassen sich nicht planen, am Wochenende oder mitten in der Nacht hilft nur noch die Notdienst-Apotheke. Welche in Ihrer Nähe geöffnet hat, erfahren Sie zum Beispiel im Internet auf der Webseite meine-notfallpille.de oder über die Apothekenfinder-App.

13.  Gibt es auch Alternativen zur Pille danach?

Eine andere Möglichkeit, nach ungeschütztem Sex eine Schwangerschaft zu verhindern, ist das Einsetzen einer Kupferspirale, die im Gegensatz zur Notfall-Pille eine fast 100-prozentige Sicherheit bietet. Sie muss innerhalb von 5 Tagen nach dem ungeschützten Sex von der Frauenärztin eingesetzt werden und kann dann auch als dauerhaftes Verhütungsmittel verwendet werden.

Den Eisprung verhindert sie nicht, stattdessen werden von der Metallober­fläche winzige Mengen Ionen und galvanische Ströme in die Gebärmutter abgegeben, die deren Schleimhaut so verändern, dass sich ein befruchtetes Ei nicht einnisten kann.

Diese Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut können jedoch dazu führen, dass die Monatsblutungen stärker werden und länger dauern. Als ständiges Verhütungsmittel ist die Kupferspirale daher nur für Frauen geeignet, die bisher keine allzu starken Monatsblutungen hatten.

Keine Panik! Die Pille danach ist nicht mit einer Abtreibung zu vergleichen. Sie wirkt, indem sie den Eisprung verschiebt, also bevor es zu einer Befruchtung kommt. Dennoch sollte sie nur in wirklichen Notfällen angewandt werden. Wenn Ihnen häufiger Verhütungs-Pannen unterlaufen, sollten Sie langfristig Ihre Verhütungsmethode verändern, am besten in Absprache mit Ihrer Gynäkologin.

29.10.2018| Frederike Müller © womenshealth.de
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