Krav Maga für Frauen Selbstverteidigung wie beim israelischen Militär

Krav Maga
Ob Sie sich selbst verteidigen können, hat nichts mit Muskelkraft zu tun © Iakov Filimonov / Shutterstock.com

In jeder Situation einen kühlen Kopf bewahren und sich gegen jeden Gegner verteidigen, egal wie überlegen er scheint – das lernen Sie beim Krav Maga

Es ist Nacht und Sie gehen allein durch die Tiefgarage. Ihre Sinne sind in Alarmbereitschaft, doch Angst haben Sie keine. Sie wissen, wo ein potentieller Angreifer am empfindlichsten ist und wie Sie am schnellsten in Sicherheit kommen. Denn Sie können Krav Maga, die wohl effektivste Selbstverteidigung der Welt.

Was ist Krav Maga?

Krav Maga (hebräisch für "Kontakt Kampf") wurde in den 1940er Jahren von Imi Lichtenfeld in der israelischen Armee entwickelt, heute wurde das Nahkampf-System von Sicherheitsdiensten wie der Bundeswehr, Polizisten und auch Zivilisten auf der ganzen Welt übernommen. Hier werden intuitive Reflexe und einfache Techniken kombiniert, damit man sich, unabhängig von Kraft oder Körpergröße, richtig verteidigen kann.

Wie geht Krav Maga?

Es kommt bei diesem Kampfsport nicht auf komplexe Bewegungsabläufe oder geregelte Wettkämpfe an, im Gegenteil. Das Training soll auf eine reale Gefahrensituation vorbereiten, ohne dass Alter, Größe, Geschlecht oder Fitnesslevel eine Rolle spielen. "Die Techniken sind sehr reduziert. Jede einzelne soll in der Realität anwendbar sein" beschreibt Krav Maga Trainer Tim von Fintel vom Zanshin Dojo in Hamburg. Dabei wird von verbaler Deeskalation bis zur Simulation eines Messerangriffs alles geübt.

Viele Techniken basieren auf Schlägen, Tritten und Hebeln mit Handballen, Ellbogen oder Knien. "Besonders das Schlagen ist wichtig, weil wir Menschen besonders geübt mit den Händen sind", so von Fintel. Auch "unfaire" Mittel werden benutzt, denn die sind in einer Notwehrsituation auch erlaubt. Das militärische Training kennt keine Zurückhaltung: Hier wird auch der Umgang mit Waffen trainiert, und das Training dauert mehrere Stunden. Aber lassen Sie sich davon nicht abschrecken. Das zivile Training ist wesentlich alltagstauglicher. Echte Waffen kommen hier nicht zum Einsatz, und auch die Intensität ist der Gruppe angepasst. Jeder, der Krav Maga lernen will, soll es auch lernen können, und so ist auch das Ziviltraining ausgelegt. Der Ernst ist hier deutlich zu spüren, aber die Techniken sind an den Alltag angepasst und werden darauf beschränkt. Deshalb ist es auch als Kampfsport für Frauen sehr geeignet.

Der Fitnessfaktor ist sehr abhängig von der jeweiligen Gruppe und dem Trainer, steht aber nicht im Vordergrund. Dafür wird vor allem die Konzentrationsfähigkeit geschult und das Selbstbewusstsein gestärkt. Außerdem werden gezielt Stresssituationen nachgestellt. Wenn der Trainer Sie schreiend mit einem Übungsmesser angreift, müssen Sie kühlen Kopf bewahren, statt einzuknicken. So lernt man, in jeder Situation einen kühlen Kopf zu bewahren.

Auch die Theorie ist wichtig. Neben Abwehrtraining wird zum Beispiel auch besprochen, wie man in einer dunklen Tiefgarage Gefahrensituationen vermeidet (Türen öffnen und nicht direkt durchgehen, Autotüren sofort verschließen, erst anschnallen, wenn Sie bereits angefahren sind!).

Warum ist Krav Maga gerade für Frauen geeignet?

Besonders Frauen haben oft ein Problem damit, Gewalt einzusetzen, um sich selbst zu schützen. Außerdem haben sie häufig einen körperlichen Nachteil gegenüber Männern. Beides wird im Krav Maga bekämpft. Instinktive und bewusst einfach gehaltene Techniken werden solange geschult, bis sie zum Reflex werden, auch in Stresssituationen. Durch die vielen Hebel ist wenig Körperkraft nötig, stattdessen werden Schwachpunkte des Gegners geschickt ausgenutzt. Deshalb steigt der Anteil der weiblichen Krav Maga-Schüler stetig an.

Wie oft sollte man trainieren?

"Einmal ist immer besser als keinmal", sagt der Trainer. Schon die theoretische Beschäftigung kann hilfreich sein. Wenn man 1-2 Mal die Woche trainiert, hat man nach ungefähr einem halben Jahr die Grundlagen drauf.

Wo kann man Krav Maga lernen?

Da Krav Maga immer mehr zum Trend wird, gibt es immer mehr Schulen, die den Kampfsport anbieten. Vor allem in größeren Städten haben Sie häufig gleich mehrere Vereine. Als Schutz sollten Sie sich eine Ausrüstung aus einigen Körperschützern anlegen, der Preis für das Training selbst liegt etwa zwischen 40 und 120 Euro im Monat. Vor einem Kauf sprechen Sie am besten mit Ihrem Trainer. Der hilft Ihnen, sich die richtige Ausrüstung zusammenzustellen.

3 Tipps für Krav Maga-Anfänger

Auf Folgendes sollten Sie laut von Fintel besonders achten:

1. Suchen Sie die richtige Gruppe!

Wie auch der Fitnessfaktor ist das Verletzungsrisiko sehr vom jeweiligen Trainer abhängig. Suchen Sie sich eine Gruppe, die Ihren Zielen entspricht. Es gibt ruppiges und harmloseres Training, schauen Sie genau, was Sie vertragen und wo Sie hinwollen, sonst sind Sie schnell frustriert oder verletzen sich sogar. Tipp: schauen Sie, ob in der Gruppe Leute sind, die Ihnen und Ihren Ansprüchen ähnlich sind

2. Seien Sie bei der Sache!

Der Instagram-Post kann warten, das Training ist anspruchsvoll und braucht volle Konzentration.

3. Machen Sie sich auf ernste Themen gefasst!

Notwehrsituationen sind kein Spaß, sowohl theoretisch als auch praktisch wird es ernsthaft zur Sache gehen.

Wer sich in Konflikten im echten Leben verteidigen können will, ist bei hier genau richtig. Es wird nichts vorausgesetzt und man beherrscht schnell die Grundlagen. Mit Krav Maga können Sie sich in jeder Situation behaupten. Ein spaßiger Ausgleich, den man mal eben nebenbei macht, ist es allerdings nicht.

20.09.2013| Tove Marla Hortmann © womenshealth.de
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