Restless-Legs-Syndrom (RLS) Schlaflos wegen Zappelbeinen? Das hilft gegen RLS

Eigentlich wollen Sie nur entspannen, aber Ihre Beine kommen nicht zur Ruhe? Das Restless-Legs-Syndrom könnte dahinter stecken © Golubovy / Shutterstock.com

Sie sind müde, aber Ihre zappeligen Beine lassen Sie nicht zur Ruhe kommen? Dieser Test verrät, ob es RLS ist, und wir verraten, was dagegen hilft

Kennen Sie das? Sie kuscheln sich nach einem langen Tag todmüde aber wohlig in Ihr Bett – und können nicht einschlafen. Ihre Bein zucken, kribbeln, lassen sich einfach nicht ruhig halten. Sie stehen auf, drehen eine Runde durch die Wohnung. Doch sobald Sie wieder liegen, beginnt das Pochen in den Beinen von vorne. Dann leiden Sie möglicherweise am Restless-Legs-Syndrom. Woran Sie es erkennen und was dagegen hilft:

Was ist RLS?

Folgen des Restless-Legs-Syndroms

Ursachen für krankhaft unruhige Beine

Test: Woran erkenne ich, ob ich RLS habe?

Therapie und Selbsthilfe-Tipps bei RLS

Massagen und Fußbäder können den nächtlichen Bewegungsdrang der Beine lindern © Golubovy / Shutterstock.com

Restless Legs Syndrom (RLS) – Was ist das?

RLS steht für das Restless-Legs-Syndrom, übersetzt "Erkrankung mit ruhelosen Beinen“. Dabei handelt es sich um eine chronisch neurologische Erkrankung, bei der die Betroffenen Schmerzen oder andere Misempfindungen in den Beinen spüren. Die Symptome treten häufig nur in Ruhe oder in der Nacht auf und rauben den Betroffenen den Schlaf, denn an Nachtruhe ist dann nicht mehr zu denken, zu stark ist der Bewegungsdrang.

Häufigkeit und Auftreten des Restless-Legs-Syndroms

Geschätzt leiden 2 bis 10 Prozent der Weltbevölkerung am RLS, allein in Deutschland dürften es etwa 8 Millionen Menschen sein. Frauen sind dabei doppelt so häufig betroffen wie Männer. Je mehr Kinder eine Frau hat, desto höher ist ihr Risiko am RLS zu erkranken, wie eine 2004 in der amerikanischen Fachzeitschrift "Archives of Internal Medicine“ veröffentlichte Untersuchung zeigte.

Wie macht sich RLS bemerkbar?

"Beim RLS entstehen die Symptome meist erst am Abend oder in der Einschlafphase, also dann, wenn der Körper zur Ruhe kommt“, erklärt Prof. Dr. Jörn Peter Sieb, Chefarzt der Neurologie am Helios Hanseklinikum Stralsund und Autor von "Restless Legs: Endlich wieder ruhige Beine“ (Trias Verlag, 2017). Die Symptome äußern sich durch:

  • Misempfindungen: einseitig oder beidseitig auftretendes ziehendes, reißendes, prickelndes oder krampfartiges Gefühl, meist in den Beinen, seltener auch in den Armen
  • Schmerzen: in der Tiefe der Muskulatur
  • Bewegungsdrang: Schmerzen und Misempfindungen lassen sich durch Bewegung lindern
  • Schlechter Schlaf: Bewegungsdrang führt zu Einschlaf- und Durchschlaf-Schwierigkeiten

Wer unter dem Restless Legs Syndrom leidet, kommt nachts kaum zur Ruhe © Golubovy / Shutterstock.com

Langzeitfolgen des Restless-Legs-Syndroms

Auch wenn die Symptome für Außenstehende nur schwer nachzuempfinden sind und sich eher nach einer Befindlichkeitsstörung anhören – das RLS kann schwerwiegende Folgen haben. Das größte Problem sind die Schlafstörungen. Denn der Schlafmangel führt am nächsten Tag zu Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Reizbarkeit. Das klingt erst einmal harmlos, schließlich bekommt jeder von uns hin und wieder zu wenig Schlaf ab, etwa vor einer Prüfung oder nach einer durchgetanzten Nacht. Lang anhaltender Schlafmangel ist jedoch keineswegs gesund und bringt Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, Antriebslosigkeit, Übelkeit, Appetitlosigkeit oder Magen-Darm-Beschwerden mit sich. Daraus ergeben sich Leistungseinbußen am Arbeitsplatz, Konflikte in Familie und Partnerschaft und möglicherweise Unfälle bei der Arbeit oder im Straßenverkehr. Für Betroffene bedeutet es häufig eine starke Beeinträchtigung des Soziallebens.

Ursachen für krankhaft unruhige Beine

Wie genau RLS entsteht, ist noch nicht ganz geklärt, so Prof. Dr. Jörn P. Sieb. Der aktuelle Stand der Forschung geht jedoch davon aus, dass die Ursache im zentralen Nervensystem, also im Gehirn und Rückenmark, liegt. Doch auch bei Eisenmangel, einer Nierenfunktionsstörung, während der Schwangerschaft oder wenn bestimmte Medikamente eingenommen werden, können RLS-Beschwerden auftreten.

Man geht beim RLS von einer Störung oder Fehlfunktion im Dopamin-Stoffwechsel aus. Das Glückshormon Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff bei der Signalübertragung zwischen Nervenzellen und für eine gute und richtige Muskelaktivität sowie für koordinierte Bewegungen verantwortlich. Funktioniert irgendetwas in Ihrem Dopamin-Stoffwechsel nicht oder nicht richtig, kann das die Ursache Ihrer unruhigen und zappeligen Beine sein.

Ist das Restless-Legs-Syndrom erblich?

Auch Ihre Mutter klagt über Schmerzen in den Beinen und kann einfach nicht still sitzen? Möglicherweise hat sie Ihnen die Beschwerden vererbt. Denn wie bei allen chronischen Erkrankungen geht man auch beim RLS von einer genetischen Komponente aus. Viele RLS-Patienten berichten von weiteren Fällen in der Familie, häufig sind die Symptome bei diesen Patienten besonders schwer ausgeprägt oder beginnen schon im Kindes- oder Jugendalter.

Die genaue genetische Ursache ist noch unbekannt, doch es gibt vermutlich mehr als eine genetische Ursache, darauf deuten aktuelle Forschungsergebnisse hin. "Es gibt also nicht nur 1 RLS-Gen, das allein für den Eintritt der Erkrankung verantwortlich ist, vielmehr gibt es eine ganze Reihe von erblichen Varianten, die das Erkrankungsrisiko im Wechselspiel mit anderen Umweltfaktoren erhöhen“, sagt Dr. Cornelius Bachmann, Chefarzt der Neurologie an der Paracelsus-Klinik Osnabrück.

Weitere RLS-Einflussfaktoren

  • Eisenmangel: Eisen ist ein lebensnotwendiger Mineralstoff, der eine wichtige Rolle bei der Herstellung von Dopamin spielt.
  • Medikamente: Vor allem Mittel gegen Übelkeit, gegen Psychosen und Antidepressiva stehen unter Verdacht, das RLS zu verschlimmern oder sogar hervorzurufen.
  • Umweltgifte: Alkohol oder der Süßstoff Saccharin können Symptome verstärken.
  • Schwangerschaft: Bei vielen Frauen tritt das RLS zum ersten Mal in der Schwangerschaft auf. Bei Frauen, die vorher schon unter dem RLS litten, kommt es zu einer Verstärkung der Symptome.

Unruhige Zappelbeine treiben einen trotz Müdigkeit immer wieder aus dem Bett © Africa Studio / Shutterstock.com

Selbsttest: Woran erkenne ich, ob ich RLS habe?

Die Deutsche Restless Legs Vereinigung hat eine Checkliste mit 10 Fragen herausgegeben, anhand derer Sie herausfinden können, ob bei Ihnen möglicherweise ein RLS vorliegt. Wenn Sie mehr als 2 dieser 10 Fragen mit Ja beantworten, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

  • Leiden Sie in Ruhe (Fernsehen, Theater, Flugreisen usw.) unter unangenehmen bis qualvollen Misempfindungen wie Ziehen, Jucken, Reißen oder Kribbeln in Beinen oder Armen?
  • Werden Sie in solchen Situationen durch einen unstillbaren Bewegungsdrang zum Aufstehen und Umhergehen gezwungen?
  • Sind diese Beschwerden durch aktive Bewegung, kalte Fußbäder, Massagen oder Ähnliches vorübergehend zu lindern oder zu beseitigen?
  • Haben Sie keine oder kaum Beschwerden, solange Sie in Bewegung sind?
  • Bemerken Sie abends oder nachts eine Zunahme der Beschwerden?
  • Leiden Sie unter Ein- und/oder Durchschlaf-Störungen?
  • Fühlen Sie sich tagsüber häufig müde, abgespannt und erschöpft?
  • Verhindern die Beschwerden in den Beinen auch tagsüber die ersehnte Ruhe und fühlen Sie sich durch die Beschwerden in Ihren sozialen Aktivitäten eingeschränkt (zum Beispiel Verzicht auf Kino- und Konzertbesuche, Vermeiden von längeren Flugreisen)?
  • Gibt es jemanden in Ihrer Verwandtschaft, der über ähnliche Beschwerden klagt?
  • Bemerkt Ihr Partner nachts häufig unwillkürliche "Zuckungen“ Ihrer Beine und Füße, während Sie schlafen?

© RLS e.V. aus Restless Legs Syndrom - Informationsbuch und Ratgeber für behandelnde Ärzte und Betroffene. 6. überarbeitete Auflage. München.

Therapie des Restless-Legs-Syndroms (RLS)

Möglicherweise kann Ihnen schon Ihr Hausarzt helfen, andernfalls überweist dieser Sie beim Verdacht auf das RLS an einen Spezialisten, in der Regel an einen Neurologen.
Oft reichen aber bereits kleine Änderungen in Ihrem Tagesablauf aus, um RLS-Beschwerden zu lindern:

  • Einreibungen und Beinmassagen mit Kamillenöl oder Franzbranntwein lindern Schmerzen
  • Fußbäder mit Epsomsalz, Apfelessig oder Natron vor dem Schlafengehen beruhigen die Beine
  • Entspannungsübungen wie Autogenes Training, Muskelrelaxation oder Achtsamkeitstraining
  • Körperliche Betätigung wie Qi Gong, Tai-Chi oder Yoga
  • Arbeiten am Schreibpult, um das Auftreten der Symptome am Abend zu verhindern

Hausmittel und Homöopathische Mittel

Viele Medikamente, die beim RLS Hilfe versprechen, können Sie rezeptfrei in der Apotheke erhalten, vor allem Nahrungsergänzungsmittel mit Eisen und Präparate zur Dopamin-Steigerung. Präparate mit Vitamin-B-Komplex schützen die Nerven, Vitamin C kann Symptome lindern und Selen ist ein Spurenelement mit Dopamin anregender Wirkung. Viele Patienten haben auch gute Erfahrungen mit Methoden der Natur-, Komplementär- und Alternativmedizin gemacht, zum Beispiel mit Homöopathie und Schüßler-Salzen.

Das alte Hausmittel Milch mit Honig hilft auch RLS-Betroffenen, besser zu schlafen © Photo_mts / Shutterstock.com

Medikamentöse Behandlung von RLS

Wenn nichts mehr hilft, kann Ihnen ein Arzt Medikamente zur Linderung der Schmerzen verschreiben. Diese schwächen die Symptome zwar ab, eine Heilung wird aber nicht erreicht.
In der RLS-Therapie kommen hauptsächlich Dopamin-Präparate, starke Schmerzmittel und Mittel gegen Epilepsie zum Einsatz. "Da das RLS bei jedem Patienten anders verläuft, ist eine individuell eingestellte Therapie notwendig“, erklärt Dr. Cornelius Bachmann.

Die richtige Ernährung beim Restless-Legs-Syndrom

Für das RLS gibt es keine speziellen Diätvorschriften. Generell gilt aber: Eine gesunde und ausgewogene Ernährung kann nie schaden.Wichtig ist, Mangelerscheinungen vorzubeugen, vor allem Eisenmangel. Ursachen für Eisenmangel können ein mangelhafte Zufuhr über die Nahrung sein, das ist häufig bei Vegetariern und Veganern der Fall, eine verminderte Aufnahme durch eine Darmerkrankung, ein gesteigerter Bedarf bei Leistungssport oder ein erhöhter Verlust durch die Regelblutung. Nahrungsmittel, die viel Eisen enthalten, sind

  • Leber
  • Fleisch
  • Eigelb
  • Fetthaltiger Fisch
  • Spinat
  • Hülsenfrüchte

Auf Kaffee sollten Sie verzichten, denn Koffein stimuliert Ihre Nerven und kann so Beschwerden verstärken und Einschlafstörungen begünstigen. Vorsicht, auch Schokolade, schwarzer Tee, Mate-Tee und Cola enthalten Koffein. Außerdem helfen am Abend Milch- und Milchprodukte, sie enthalten die Aminosäure Tryptophan, die die Einschlafzeit verkürzt und die REM-Phase verlängert. Das bekannte Hausmittelchen – die heiße Milch mit Honig – bringt Sie also tatsächlich ins Land der Träume.

Die eine Therapie gegen RLS gibt es nicht. Aber viele kleine Tricks, mit denen Sie die Zappelbeine am Abend ausbremsen können. Probieren Sie sie aus. Und zusammen mit dem Wissen, dass Sie mit Ihren Beschwerden nicht allein sind, können Sie bestimmt bald entspannter schlafen als bisher.

26.03.2018| Valentina Kind © womenshealth.de
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