Alkoholsucht Hicks – oje: So macht Alkohol Ihrem Körper zu schaffen

Kurzfristig Kater, langfristig Krebs - das können die Folgen von zu viel Alkohol sein. © Jacob Lund / Shutterstock.com

Wissen Sie eigentlich, wie gravierend zu viel Alkohol Ihrem Körper schadet? Wir haben die Details zum Abgewöhnen

Natürlich wissen Sie, dass zu viel Alkohol den Gehirnzellen schadet, und der Leber sowieso. Dass er zudem Demenz, Krebs und Schlaganfälle fördert, haben Sie vielleicht auch schon gehört. Aber den wenigsten ist bewusst, dass zur Risikogruppe nicht nur die üblichen Verdächtigen zählen, die bei jeder Party schon vor Mitternacht betrunken auf dem Sofa hängen, sondern auch diejenigen, die jeden Abend ihren Feierabend-Wein zelebrieren oder jedes Treffen mit den Freundinnen mit einer Flasche Prosecco begießen. Also vielleicht auch Sie. Tja.

Welche Auswirkungen der Alkohol auf den Körper hat und ab welcher Menge Alkohol die Gesundheit gefährdet, erklärt Prof. Dr. med. Florian Eyer, Leiter der Abteilung für Klinische Toxikologie und Giftnotruf München am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Denn jedes Jahr sterben in Deutschland zirka 74.000 Menschen an den Folgen von Alkohol. Sie wollen die Statistik nicht erhöhen? Kein Ding, dann müssen Sie Ihren regelmäßigen Alkoholkonsum auf ein verträgliches Maß reduzieren.

Schon mit einer Flasche Bier haben Sie als Frau meist die Grenzwerte des tolerablen Bereichs überschritten. © Jacob Lund / Shutterstock.com

Ab wann ist der Alkoholkonsum schädlich?

Gegen das ein oder andere Glas Wein oder Bier zu besonderen Anlässen ist wenig einzuwenden. Denn beim Alkohol lautet die Devise: Die Dosis macht das Gift. Dennoch hat die WHO Kriterien festgelegt, anhand derer beurteilt werden kann, ob jemand Alkoholmissbrauch betreibt, und ab wann der Konsum von Alkohol gesundheitsgefährdend wirkt. So gilt, dass der Konsum von über 12 Gramm reinen Ethanol pro Tag (bei Männern sind es 24 Gramm), die Wahrscheinlichkeit für zahlreiche Krankheiten deutlich erhöht.

Dass diese Grenze schneller erreicht ist als Sie vielleicht denken, zeigen folgende Beispiele: Ein Glas Rot- oder Weißwein (200 ml) oder ein Glas Sekt (200 ml) enthalten jeweils knapp 18 Gramm Alkohol, also das 1,5-fache der empfohlenen Höchstmenge. 500 ml Bier mit einem Alkoholgehalt von zirka 5 Prozent enthält bereits 20 Gramm reinen Ethanol. Eine kleine Flasche Bier (330ml) enthält demzufolge über 13 Gramm Alkohol. Trinken Sie jeden Abend ein wohlverdientes Feierabendbier, überschreiten Sie damit die Grenze des tolerablen Konsums bereits jedes Mal.

Zusätzlich zu den gesundheitlichen Risiken macht der Konsum von Alkohol schnell süchtig. Daher wird international empfohlen, an 2 bis 3 Tagen pro Woche auf Alkohol zu verzichten.

Wie wirkt Alkohol auf das Gehirn?

"Menschen, die regelmäßig größere Mengen Alkohol konsumieren, bauen im Alter kognitiv ab", erklärt uns Professor Eyer. "Sie sind nicht mehr so leistungsfähig und können sich schlecht konzentrieren." Zudem ist ein exzessiver Konsum, unabhängig vom Alter, der größte Risikofaktor für eine Demenz.

Die gute Nachricht: Hören Sie auf zu trinken, können sich Ihre kognitiven Fähigkeiten wieder verbessern. Dennoch gibt es einen Punkt, ab dem die Schäden am Gehirn und dem Nervensystem nicht mehr rückgängig zu machen sind. Je früher Sie dem Alkohol entsagen, desto besser!

Je mehr Events und Partys, desto häufiger entsteht der Reiz, Alkohol zu trinken. Vielleicht einfach seltener ausgehen? © Jacob Lund / Shutterstock.com

Führt Alkohol zur Fettleber und Leberzirrhosen?

“Wo früher meine Leber war, ist heute eine Minibar” – so lustig dieser Satz klingt, steckt doch etwas Wahres und weniger Witziges dahinter. Denn die Leber ist für den Abbau des Alkohols zuständig. Bei zu viel und zu regelmäßigem Alkoholkonsum ist die Leber jedoch mit dieser Aufgabe überfordert und sie kann nicht mehr richtig arbeiten. Die Folgen sind dann unter Umständen sehr ernst.

  • Verfettung der Leber: Die Fettleber ist die häufigste Lebererkrankung in Deutschland. Hierbei lagern die Leberzellen vermehrt Fett ein, bis die Leber verfettet ist. Wird eine Fettleber nicht behandelt, verändert sich ihre Struktur, da vermehrt Bindegewebe gebildet wird. "Chronisch Alkohol-Trinkende, die deutlich oberhalb der Grenzwerte liegen, entwickeln zu 90 Prozent eine Fettleber", so unser Experte. Die Verfettung der Leber kann wiederum zu Entzündung, Leberzirrhose oder Leberkrebs führen
  • Leberzirrhose: Wird der Alkoholkonsum nicht eingestellt, entstehen entzündliche Prozesse. Leberzellen werden durch Bindegewebe ersetzt und es besteht die Gefahr einer Leberzirrhose. Hierbei vernarbt die Leber und schrumpft, wodurch nicht nur der Hormonhaushalt und die Blutgerinnung gestört werden, auch die Giftstoffe im Körper werden nicht mehr hinreichend abgebaut.
  • Lassen Sie es nicht so weit kommen! Eine Fettleber kann sich regenerieren, wenn Sie keinen Alkohol mehr trinken. Mit gesunder Ernährung und ausreichend Bewegung kann aus einer Fettleber wieder eine gesunde Leber werden. Eine Leberzirrhose hingegen ist unumkehrbar. Da eine Fettleber keine Symptome zeigt und nur vom Arzt anhand von Leberwerten und Ultraschall diagnostiziert werden kann, bleibt sie häufig unentdeckt. Hier lautet: Prävention ist die beste Medizin. Greifen Sie lieber öfter mal zu alkoholfreien Getränken, bevor es zu spät ist.

Ist Alkohol schlecht für das Herz?

Chronischer Alkoholkonsum erhöht Ihren Blutdruck! Bei jedem Gläschen Alkohol werden vermehrt die Stresshormone Cortisol und Noradrenalin ausgeschüttet, was unter anderem zu einer Erhöhung des Blutdrucks führt. Der erhöhte Druck in den Blutgefäßen steigert dann das Risiko für zahlreiche hypertensive Erkrankungen. Die Folgen reichen von der Verkalkung der Blutgefäße (Arteriosklerose) bis zum Schlaganfall, Herzinfarkt oder einer Niereninsuffizienz.

Erhöht Alkohol das Krebsrisiko?

Nach einer durchfeierten Nacht wachen selbst Party-Queens mit einem Kater auf. Der Schädel brummt, es scheint sich alles zu drehen und der Magen rumort. Schuld daran ist unter anderem das Acetaldehyd. Der Alkohol wird in der Leber durch die Alkohol-Dehydrogenase (ADH) zu Acetaldehyd umgewandelt, bevor es dann zu Acetat verstoffwechselt wird. Das Acetaldehyd schädigt jedoch die DNA und kann zu Mutationen führen, der Hauptursache für Krebserkrankungen.

Das eigene Trinkverhalten zu reflektieren muss ja nicht heißen, gleich komplett abstinent zu leben. © Jacob Lund / Shutterstock.com

"Insbesondere die hochprozentigen Alkohole sind für die deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit an Karzinomen im Rachen, Kehlkopf und der Speiseröhre verantwortlich", erläutert Prof. Eyer, "Schon niedrigere Mengen Alkohol erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung."

Macht Alkohol dick?

Alkohol ist nicht nur direkt ungesund, sondern auch über den Umweg einer Gewichtszunahme. Regelmäßiger Konsum sorgt nicht selten für manche Überraschung auf der Waage. Sie brauchen auch gar kein Bier, um einen Bauch zu kriegen. So beeinflusst jede Art von Alkohol Ihr Gewicht:

  • Kalorienfalle Alkohol: Die wenigsten wissen, dass alkoholische Getränke eine richtige Kalorienfalle darstellen. So hat ein kleines Glas Sekt (100 ml) 160 Kalorien, ein Glas Wein (200 ml) zirka 150 Kalorien und Sahne-Cocktails sogar bis zu 500 Kalorien. Da lässt sich schnell erahnen, wie viele Extra-Kalorien auf einer Party konsumiert werden.
  • Alkohol macht hungrig: Alkohol stimuliert im Gehirn Areale, die an der Entstehung des Hungergefühls beteiligt sind. Die Folge: Schokolade, Chips und andere Partysnacks ziehen Sie förmlich an, Sie können die Finger nicht davon lassen.
  • Alkohol führt zur Produktion von Fettsäuren: Beim Abbau von Alkohol entsteht Acetat. Das Acetat wiederum ist unter anderem für die Synthese von Fettsäuren zuständig. Die Folge: Das ungeliebte Hüftgold macht sich breit.
Sehen Sie Alkohol nicht als Normalgetränk, sondern als Genussmittel für besondere Anlässe. © Jacob Lund / Shutterstock.com

Vorsicht ist also die beste Medizin! Ein oder zwei Gläschen Alkohol pro Woche sind in der Regel kaum bedenklich. Steigt jedoch die Regelmäßigkeit oder die Menge an Alkohol, wirkt der Konsum bald gesundheitsgefährdend. Das Gefährliche: Der Übergang vom normalen Konsum zu einer Sucht ist fließend. Daher ist die beste Lösung die Prävention. Sehen Sie den Alkohol als Genussmittel an, den Sie sich nur ab und zu gönnen sollten.

07.01.2019| Jana Schaarschmidt © womenshealth.de
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