Kaffee-Entzug Was passiert, wenn Sie 10 Tage ohne Kaffee leben

Was passiert, wenn Sie 10 Tage ohne Kaffee leben
Kein Morgen ohne Kaffee? Das passiert, wenn Sie dem braunen Lebenselexir abschwören. © NATNN / Shutterstock.com

Ein Leben ohne Kaffee? Für unsere Autorin unvorstellbar. Was passiert, wenn ein Kaffee-Junkie beschließt, 10 Tage auf Koffein zu verzichten  

Seit Jahren führe ich eine innige Beziehung mit dem heißen Wachmacher. Alles begann während der Schulzeit – damals war es noch der süße Cappuccino mit Sirup und viel Milchschaum. Im Studium entdeckte ich dann meine Vorliebe für starke Röstungen, die mich auch die 8-Uhr-Vorlesung überleben ließen, obwohl ich die Nacht zuvor wahlweise in der Bibliothek oder auf irgendeiner Studi-Party verbracht hatte.

Die #ButFirstCoffee-Mentalität wurde zu einem festen Bestandteil meines Morgenrituals und der Kaffeegenuss mehr und mehr zur echten Notwendigkeit. Wenn es morgens mal hektisch wurde und ich mich zwischen einem schnellen Sprung unter die Dusche oder einem heißen Kaffee entscheiden musste, endete es oft mit Trockenshampoo in der einen und einem großen Becher Kaffee in der anderen Hand.

Ein Leben ohne Kaffee – geht das?

Doch damit war mein Kaffeedurst noch längst nicht gestillt: Täglich trank ich mindestens zwei Tassen – oft sogar drei oder vier. Letzten Monat entschied ich, dass ich mich von diesem Getränk nicht so abhängig machen darf. Ich glaube zwar nicht, dass Kaffee grundsätzlich schlecht für mich ist. Aber das gesunde Maß war in meinem Fall längst überschritten. Ich wusste nicht mal mehr, ob ich ohne meine tägliche Koffeindosis den Tag überstehe. Da ich sicher nicht der einzige Kaffeejunkie bin, möchte ich hier mit Ihnen teilen, was ich während des kalten Entzugs gelernt habe.

Zu viel Kaffee kann Kopfschmerzen wie bei einem schlimmen Kater verursachen. © Africa Studio / Shutterstock.com

Was passiert beim Kaffee-Entzug im Körper?

Egal welchen Experten Sie fragen, er wird Ihnen raten, Ihren Koffeinkonsum langsam zu minimieren, und nicht von heute auf morgen völlig ohne Kaffee auszukommen. Ersetzen Sie Tag für Tag einfach einen regulären Kaffee durch einen Kräutertee oder die entkoffeinierte Variante. So verringert sich nämlich das Risiko für Entzugskopfschmerzen. Kein Witz: Die können Ihrem schlimmsten Kater Konkurrenz machen. Das ist das Problem mit dem kalten Entzug – wie ich an Tag 2 am eigenen Leib zu spüren bekam. Der Grund: Die chemische Struktur von Koffein ähnelt Adenosin, das normalerweise an Rezeptoren im Gehirn andockt und müde macht. Wenn Sie aber Tee oder Kaffee trinken, blockiert das Koffein diese Andockstellen und Sie bleiben wach.

Je mehr Kaffee Sie trinken, desto mehr Adenosin-Rezeptoren stellt das Gehirn bereit. Dadurch steigt die Menge an Koffein, die Sie benötigen, um wach zu bleiben, immer weiter an. Wenn Sie Ihren Kaffeekonsum dann reduzieren, wird das Gehirn mit viel mehr Adenosin geflutet als sonst. Das macht nicht nur supermüde, sondern weitet auch die Blutgefäße im Gehirn und führt so zu wirklich schrecklichen Kopfschmerzen. Die gute Nachricht: Wenn Sie abstinent bleiben oder den Kaffeekonsum auf ein niedriges Level von ein bis zwei Tassen pro Tag drosseln, normalisiert sich die Anzahl der Adenosin-Rezeptoren wieder und es geht bergauf. 

Was hilft beim Kaffee-Entzug?

  • Starten Sie den Kaffee-Detox freitags: Wenn Sie vorhaben, Ihre Kaffeedosis zu reduzieren, fangen Sie am besten nicht unbedingt am Montag damit an. Den Haushalt zu schmeißen, einzukaufen oder andere Dinge zu erledigen, die mich in Bewegung hielten, ging gerade so. Aber sobald ich mich hinsetzen und das Gehirn anstrengen musste, fielen mir beinahe die Augen zu. Was hätte ich in diesen Momenten für einen Espresso-Shot gegeben. So den Tag im Büro überstehen? Unvorstellbar! Deshalb empfehle ich, den Kaffee-Detox an einem Freitag zu starten, sodass die schlimmsten Tage (2 und 3) auf das Wochenende fallen und Sie hoffentlich nicht an einen Schreibtisch gefesselt sind oder wichtige Entscheidungen treffen müssen.
  • Beugen Sie Heißhungerattacken vor: Eine Nebenwirkung, die ich nicht erwartet hatte, waren die heftigen Heißhungerattacken. Der Einbruch meines Energielevels weckte mein Verlangen nach allem, das mich aufputschen könnte – hauptsächlich Süßes! Zum Glück hielt das Zucker-High nur die ersten drei Tage an. Wer die Lust auf Süßes mit gesunden Snacks stillen will, sollte sich vorsorglich mit einem großzügigen Obstvorrat eindecken.
  • Trinken Sie Tee als Kaffee-Ersatz: Ein Grund, warum ich den morgendlichen Wachmacher Kaffee so genieße, ist nicht das Koffein an sich. Es ist das Ritual, sich morgens ein paar Minuten Zeit zu nehmen, etwas Warmes zu trinken und sich mental auf den Tag vorzubereiten. Also probierte ich mich ersatzweise durch die verschiedensten Teesorten (Apfel-Zimt, Ingwer-Zitrone, Minze), um so das Beste aus meinem koffeinfreien Lebensstil zu machen.
Heißer Ersatz: Leckerer Tee hilft, den Koffein-Jieper zu überlisten. © Gladskikh Tatiana / shutterstock.com

Welche Vorteile hat ein Leben ohne Kaffee?

Mein Experiment hatte natürlich auch positive Nebeneffekte. Weil ich so müde war, fiel ich abends schon gegen 22 Uhr ins Bett. Schon nach ein paar Tagen konnte ich dadurch problemlos um 5:30 Uhr aufstehen – ausgeschlafen und fit, ganz ohne Schlummertaste. Rückblickend ist mir klar, dass meine letzte Tasse Kaffee am Nachmittag meinen Schlafrhythmus sabotiert hat und mir so den Eindruck vermittelte, dass ich den Kaffee wirklich brauche, um zu funktionieren.

An Tag 4 und 5 ging es langsam bergauf, aber die Tage 7 bis 10 veränderten alles: Die Kopfschmerzen waren weg, zum ersten Mal seit Jahren fühlte ich mich ohne Kaffee wieder richtig ausgeruht, und mein Energielevel war genauso hoch wie mit Kaffee. Heute bin ich mir sicher: Die meisten Menschen, die glauben, sie bräuchten Kaffee, um zu funktionieren, brauchen ihn in Wirklichkeit gar nicht – sie müssen ihrem Körper nur die Gelegenheit geben sich wieder umzustellen und ohne Kaffee zu funktionieren.

Mein Fazit: Ohne Koffeinsucht schmeckt der Kaffee besser. Denn natürlich bleibe ich Kaffeetrinker! Ich liebe einfach den Geschmack eines frisch gebrühten, starken einfach liebe. Aber ich werde definitiv nicht mehr so viel Kaffee trinken wie zuvor. Stattdessenwerde ich in Maßen genießen und nur dann, wenn ich den aufputschenden Effekt wirklich brauche.

20.12.2016| Marcella Demircan © womenshealth.de
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