Was haben Naturheilkundler:innen und Hollywood-Beautys gemeinsam? Sie lieben Dry Brushing! Dabei massierst du deinen Körper (vor dem Duschen!) mit einer Bürste in kreisenden Bewegungen. Also im Trockenzustand.
Du fragst dich jetzt vielleicht, was ein bisschen Massieren mit einer Bürste schon bringen kann. Tatsächlich einiges: Besonders häufig wird Trockenbürsten im Zusammenhang mit Cellulite genannt. Die Bürstenmassage soll Durchblutung und Lymphfluss anregen und dadurch Dellen optisch mildern. Was Dry Brushing wirklich kann, welche Versprechen übertrieben sind und wie du die Bürste hautfreundlich einsetzt, erfährst du hier.
Was ist Dry Brushing?
Dry Brushing bedeutet Trockenbürsten: Dabei wird die trockene Haut mit einer Körperbürste massiert, meist vor dem Duschen. Die Bürste bewegt sich in langen oder kreisenden Bewegungen über Beine, Po, Bauch, Arme und Oberkörper. Ziel ist eine sanfte mechanische Massage der Haut.
Anders als ein Peeling mit Körnchen oder Säuren funktioniert Dry Brushing rein mechanisch. Die Borsten lösen abgestorbene Hautschüppchen, stimulieren die Hautoberfläche und können die Durchblutung kurzfristig anregen. Wichtig ist dabei: Dry Brushing soll sich angenehm aktivierend anfühlen, nicht kratzen oder brennen.
Was bringt Dry Brushing wirklich?
Trockenbürsten kann die Haut kurzfristig glatter, rosiger und wacher wirken lassen. Der sicherste Effekt ist der Peeling-Effekt: Abgestorbene Hautschüppchen werden gelöst, die Haut fühlt sich danach weicher an. Zusätzlich kann die mechanische Massage die Durchblutung der Haut kurzfristig anregen.
"Die Bürstenmassage ist nicht nur eine Streicheleinheit für die Haut. Das ruhige und sanfte Massieren bewirkt auch Entspannung und Wohlbefinden für Geist und Seele", sagt Nicole Wheadon. In ihrem Spa und Beauty Concept Store in Berlin ist Wohlfühlen die Hauptsache. Sie erklärt, was Trockenbürsten alles kann.
1. Dry Brushing kann den Lymphfluss anregen und Schwellungen reduzieren
Beim Trockenbürsten wird die Haut mechanisch massiert. Diese sanfte Stimulation kann den Lymphfluss unterstützen – also den körpereigenen Abtransport von Gewebeflüssigkeit. Dadurch kann sich die Haut nach der Anwendung weniger "schwer" anfühlen und kurzfristig glatter oder straffer wirken.
2. Trockenbürsten ist eine sanfte Peeling-Alternative
Das Trockenbürsten hat einen Peelingeffekt. "Weil das Bürsten den Hautstoffwechsel als auch die Hautregeneration anregt und abgestorbene Hautschüppchen entfernt", so Nicole Wheadon. Deine Haut ist dadurch nicht nur gesünder, sondern auch noch super weich.
3. Bürstenmassagen fördern eine gesunde Durchblutung
Eine gesunde Durchblutung lässt nicht nur deine Haut erstrahlen, sondern bringt auch noch deinen Kreislauf in Schwung. Wenn du oft an kalten Körperstellen leidest, wie zum Beispiel kalte Füße, kann das Trockenbürsten helfen, deine Eis-Füße in den Griff zu bekommen.
"Durch die mechanische Stimulation des Trockenbürstens können außerdem innere Organe positiv beeinflusst werden. Genauso wie wir es bereits von der Reflexzonenmassagen, Akupunktur und Neuraltherapie kennen", so Nicole Wheadon.

Hilft Dry Brushing gegen Cellulite?
Dry Brushing kann Cellulite nicht dauerhaft stoppen oder wegzaubern. Cellulite entsteht durch ein Zusammenspiel aus Bindegewebe, Fettgewebe, Hautstruktur, Hormonen, Genetik und Durchblutung. Eine Bürstenmassage kann die Haut kurzfristig glatter und praller wirken lassen, verändert aber nicht dauerhaft die Struktur des Bindegewebes.
Trotzdem kann sich Trockenbürsten lohnen, wenn du realistische Erwartungen hast. Durch Massage, Peeling und kurzfristig bessere Durchblutung kann die Haut direkt nach der Anwendung glatter aussehen. Dieser Effekt ist aber eher kosmetisch und vorübergehend.
Studien-Check zu Cellulite und MassageDirekte Studien, die zeigen, dass Dry Brushing Cellulite dauerhaft reduziert, gibt es bislang nicht. Es gibt aber Untersuchungen zu verwandten Massageformen: Eine Studie im Journal of The European Academy of Dermatology and Venereology mit 60 Probandinnen verglich mechanische Massage, manuelle Lymphdrainage und Bindegewebsmassage bei Cellulite. Die Behandlungen konnten einzelne Messwerte wie Umfang oder Fettgewebsdicke verbessern. Das lässt sich aber nicht 1:1 auf Trockenbürsten übertragen, weil Druck, Technik und Behandlungsintensität anders sind.
Wie geht Dry Brushing richtig?
First things first: Bürstest du zum ersten Mal, solltest du mit ganz leichtem Druck beginnen und dich langsam vortasten. Dein Drucklevel kannst du schließlich jederzeit erhöhen. Das Ziel ist eine leicht gerötete Haut, das kommt durch die gute Durchblutung. Zerkratzt sollte deine Haut hingegen auf keinen Fall sein, dann hast du zu fest gedrückt oder die falsche Bürste verwendet.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
1. Mit den Füßen beginnen: Starte am rechten Fuß und massiere mit sanften Bewegungen von der Fußsohle über den Unterschenkel bis zum Oberschenkel. Danach folgt das linke Bein.
2. Beine nach oben bürsten: Arbeite dich immer in Richtung Körpermitte vor. An den Beinen kannst du lange, streichende Bewegungen nutzen. An Gelenken sind kleine kreisende Bewegungen angenehm.
3. Po und Hüften massieren: Bürste erst die rechte, dann die linke Gesäßhälfte. Hier kannst du etwas kräftiger arbeiten, solange es angenehm bleibt.
4. Arme von den Händen Richtung Schulter bürsten: Beginne an der rechten Handinnenfläche und arbeite dich über Unterarm und Oberarm nach oben. Danach folgt der linke Arm.
5. Bauch und Brust besonders sanft behandeln: Am Bauch kannst du kreisende Bewegungen nutzen. Brust, Dekolleté und Hals sind empfindlicher – hier nur sehr sanft oder gar nicht bürsten. Beim Trockenbürsten des Oberkörpers solltest du immer am weitesten von deinem Herz weg beginnen und dich in Richtung Herz vorarbeiten.
6. Rücken mit Langgriffbürste erreichen: Für den Rücken ist eine Bürste mit langem Griff praktisch. Arbeite auch hier ohne starkes Schrubben.
7. Danach duschen und eincremen: Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt für eine Feuchtigkeitspflege (z.B. die reichhaltige Körpercreme von Rituals oder die Deep Moisture Bodylotion von Neutrogena). Durch die Massage hast du deine Haut auf das Produkt vorbereitet und die Wirkstoffe werden optimal von ihr aufgenommen. Auf das Peeling in der Dusche kannst du übrigens verzichten, das wäre zu viel des Guten und würde deine Haut nur unnötig reizen.
Welche ist die beste Trockenbürste für mich?
Hier solltest du auf zwei Faktoren achten, nämlich das Material und die Größe. Es gibt 3 verschiedene Arten von Borsten: Synthetische Borsten, Borsten aus Tierhaaren und Borsten aus Pflanzenfasern. Expertin Nicole Wheadon zieht Naturborsten vor. Am Ende tun Synthetik-Borsten aber auch ihren Job. Sie sind aber leider aus Kunststoff und damit nicht nachhaltig.
Diese Trockenbürsten empfiehlt die Women's Health Redaktion

Hier bestellen: Körperbürste von Dr. Barbara Sturm in Soft, um 30 € und Körperbürste von Dr. Barbara Sturm in Medium, um 30 €
Bürsten mit Schlaufe oder Griff liegen während der Anwendung sehr gut in der Hand. Diese hier von Dr. Barbara Sturm gibt es mit den verschiedenen Borstenstärken soft (perfekt für Einsteiger*innen und empfindliche Haut) und medium (super für Bürsten-Pros). Die Bürste besteht aus massiven Buchenholz und je nachdem aus Wildschweinborsten (soft) und Wildschwein- und Synthetikborsten (mittel).

Hier bestellen: Körperbürste von The Body Shop, um 16 €
Bürsten mit einem langen Griff sind besonders für den Rücken sehr praktisch. Die Bürste von The Body Shop besteht aus Kaktusfasern und kann auf nasser oder trockener Haut angewendet werden. Für das Trockenbürsten empfehlen wir dir, wie der Name schon sagt, eine trockene Anwendung, weil das schonender und effektiver ist.
Wie lange und wie oft sollte man trockenbürsten?
Das Trockenbürsten solltest du in deine tägliche Routine aufnehmen. Der perfekte Zeitpunkt dabei ist morgens vor dem Duschen, um danach die losen Hautschüppchen zu entfernen. Aber keine Sorge: All zu viel Zeit musst du dafür nicht einplanen, weil bereits 5 Minuten Trockenbürsten am Tag positive Effekte erzielen. Außerdem startest du mithilfe der Massage leichter und energetischer in den Tag.
Für wen ist das Trockenbürsten nichts?
Nicole Wheadon: "Die Anwendung sollte nicht bei Hautkrankheiten, -verletzungen, Krampfadern und großer Nervosität vorgenommen werden. Bei Einschlafproblemen ist eine abendliche Anwendung nicht zu empfehlen, weil die Anwendung den Kreislauf pusht."
Nicht trockenbürsten solltest du bei:
- Ekzemen
- Psoriasis-Schüben
- offenen Wunden
- Sonnenbrand
- frischer Rasur oder gereizter Haut
- entzündeten Pickeln am Körper
- starken Krampfadern
- ungeklärten Hautveränderungen
- sehr empfindlicher, schnell brennender Haut
Wenn du unsicher bist, frage eine Dermatologin oder einen Dermatologen, besonders bei chronischen Hautproblemen.
Sollte man auch sein Gesicht trockenbürsten?Für das Gesicht ist klassisches Dry Brushing meistens zu intensiv. Die Gesichtshaut ist dünner und empfindlicher als die Haut an Beinen, Armen oder Po. Eine normale Körperbürste gehört deshalb nicht ins Gesicht. Wenn du dein Gesicht massieren möchtest, sind sanftere Tools wie ein Jade-Roller, ein Gua Sha-Stein oder eine weiche Gesichtsbürste besser geeignet. Auch hier gilt: wenig Druck, saubere Tools und keine Anwendung auf gereizter oder entzündeter Haut.
FAQ: Dry Brushing
Eine leichte, kurzfristige Rosafärbung ist okay. Starke Rötung, Brennen, Jucken oder Kratzer sind dagegen ein Zeichen für zu viel Druck oder eine zu harte Bürste.
Ja, wenn deine Haut nicht gereizt ist. Viele bevorzugen Dry Brushing aber vor dem Duschen am Morgen. Direkt nach starkem Schwitzen, Rasur oder Sonnenbad solltest du vorsichtig sein, weil die Haut empfindlicher reagieren kann.
Klopfe die Bürste nach der Anwendung aus und entferne Hautschüppchen. Je nach Material kannst du sie regelmäßig mit mildem Shampoo oder Seife reinigen. Danach muss sie vollständig trocknen, am besten mit den Borsten nach unten oder an einem luftigen Ort.





