Sport verändert uns: unser Aussehen, unser Wohlbefinden und auch unser Herz. Bei besonders intensivem Training kann es zu einem Sportlerherzen kommen – einem wesentlich vergößerten Herzen. Gorodenkoff / Shutterstock.com

Wie gefährlich ist ein Sportlerherz?

Sportlerherz Vergrößertes Herz: Ist ein Sportlerherz gefährlich?

Intensiver Ausdauersport kann dein Herz verändern. Wann du mit einem Sportlerherzen rechnen musst und ob es gefährlich ist

Sportlerinnen stehen so einiges durch: die eiserne Disziplin, die dauernde Leistung und der immer wiederkehrende Muskelkater – das vollbringt man nicht einfach so. Meist ist das Ziel, eine Veränderung herbeizuführen: körperlich, geistig, für das allgemeine Wohlbefinden. Die Gründe für sportliche Betätigung sind ganz unterschiedlich. Eines aber haben sie alle gemeinsam: Es soll etwas im Körper vorangetrieben werden, es soll sich etwas verändern, zum Guten.

Sport lebt von Steigerung: Steigerung des Gewichts, Steigerung der gelaufenen Kilometer oder Steigerung der geschwommenen Bahnen. Dass Steigerung möglich ist, ist eine Frage der Disziplin. Es ist aber auch eine Frage unseres Körpers, vor allem eine Frage unseres Herzens. Denn sportliche Steigerung macht etwas mit unserem Herzen, er verändert es zum Positiven.

Aber bei intensiver sportlicher Steigerung bis hin zu Höchstleistungen zeigt sich dann eine ganz besondere Veränderungen: eine Vergrößerung des Herzens. Wissenschaftler*innen nennen es das Sportlerherz. Hier liest du, wie genau ein Sportlerherz entsteht, ab wann man von einem Sportlerherzen spricht, wie man es erkennt und ob es gefährlich ist. Die Antworten darauf hat Frau Dr. Catharina Bidlingmaier, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Was ist ein Sportlerherz?

Ein Sportlerherz, im englischen "athletes‘ heart" genannt, ist ein durch Sport (meist Ausdauersport) hypertrophiertes und verdicktes Herz. Die Vergrößerung und Verdickung sind nicht krankhaft, sondern einem natürlichen Anpassungsprozess geschuldet. Ein Sportlerherz ist "harmonisch" vergrößert, also gleichmäßig, und nicht an einer bestimmten Stelle.

"Das Herz besteht aus vier Herzhöhlen und bei einem Sportlerherzen ist in der Regel nicht nur die linke Herzkammer vergrößert, sondern alle vier Herzhöhlen gleichmäßig", erklärt Dr. Bidlingmaier. Die Expertin fährt fort: "Aus physiologischen Gründen kommt es durch diese Herzvergrößerung auch zu einer Verdickung des Muskels. Man spricht dann von einer sogenannten exzentrischen Hypertrophie." Das heißt, dass sich das Herz nach außen – also exzentrisch – vergrößert.

Diese Form der Hypertrophie kommt in der Regel nicht durch krankhafte Ursachen zu Stande. Anders bei der konzentrischen Hypertrophie, bei der eine dauerhaft erhöhte Druckbelastung des Herzens dahintersteckt, also meist eine krankhafte Ursache. Ein Sportlerherz gilt bei Frauen dann als solches, wenn eine Vergrößerung von einigen Millimetern im linken Ventrikel, also der Kammer, von der aus unsere Organe mit Blut versorgt werden, erreicht ist. "Der Grenzbereich liegt bei untrainierten Frauen etwa bei 52 Millimetern. Bei Sportlerinnen kann dieser Wert wesentlich höher sein: sogar ein Wert von 63 Millimetern ist möglich", weiß Dr. Bidlingmaier. Einen klaren Grenzbereich, der nach oben geschlossen ist, gibt es beim Sportlerherzen aber nicht.

Wie entsteht ein Sportlerherz?

"Grundsätzlich entsteht ein Sportlerherz durch die Folge einer Adaption oder einer physiologischen Reaktion auf einen Trainingsreiz. Dabei entstehen funktionelle und strukturelle Anpassungen des Herzens", weiß die Fachärztin für Kardiologie. Heißt: Der Herzmuskel verändert sich bei einer jahrelangen intensiven Trainingszeit in seiner Größe und seiner Struktur. Er muss sich anpassen.

Denn: Wenn du ein erhöhtes Trainingspensum hast, hat deine Muskulatur auch einen erhöhten Sauerstoffbedarf. Diesem muss das Herz durch Mehrarbeit gerecht werden. Die Folge: Es hypertrophiert. Es wachsen alle vier Herzkammern und das Herz nimmt an Muskelmasse zu. Schließlich ist das Herz nicht nur ein Organ, es ist auch ein Muskel. Und wie dein Bizepsmuskel reagiert auch dein Herzmuskel auf Belastung.

So hat etwa der Aufbau von Kondition viele verschiedene Faktoren. Ein ganz wesentlicher: die Anpassung der Struktur des Herzens. Mit diesen 4 Laufarten verbesserst du deine Kondition. Neben einer kontinuierlichen intensiven Trainingszeit, kann oftmals auch noch eine genetische Veranlagung für ein Sportlerherz vorliegen, besonders wenn es sich um ein stark vergrößertes Herz handelt.

Wer kann ein Sportlerherz bekommen?

"Strukturelle Adaptionen des Herzens treten erst bei intensivem Training auf", weiß Dr. Bidlingmaier, "Das Training muss nicht unbedingt die Leistungssportlerin allein betreffen, möglich ist ein Sportlerherz auch bei einer Freizeitsportlerin. Um eine strukturelle Anpassung des Herzens hervorzurufen, ist aber ein Laufumfang von mehr als 70 Kilometern pro Woche nötig."

Und das werden wohl nur die wenigsten Freizeitsportlerinnen abspulen. Kurzgefasst: Bist du nur Hobbysportlerin wirst du wahrscheinlich kein Sportlerherz haben, denn die haben oft nur ein leicht vergrößertes Herz. Läufst du tatsächlich annähernd die beeindruckenden 70 Kilometer pro Woche und das seit Jahren, ist es sogar sehr wahrscheinlich. "Allerdings muss gesagt werden, dass ein Sportlerherz bei Frauen tatsächlich seltener vorkommt als bei Männern, und wenn, dann wird es auch nicht so groß", sagt Catharina Bidlingmaier.

Bekomme ich durch Kraftsport ein Sportlerherz?

Wie sieht das bei anderen Sportarten aus? Beim Training mit Gewichten zum Beispiel? Können auch Kraftsportlerinnen bei hohem Trainingsumfang ein Sportlerherz entwickeln? "In der Regel entwickeln Kraftsportlerinnen kein Sportlerherz", sagt Dr. Bidlingmaier.

Zwar ist bei Kraftsportlerinnen häufig eine reine Zunahme der Herzmuskulatur zu beobachten, aber die harmonische Vergrößerung aller vier Herzhöhlen tritt nicht ein. Neben dem Trainingsumfang und der Art des Trainings spielt auch das Alter eine entscheidende Rolle: Erst im jungen Erwachsenenalter kann sich das Herz infolge einer längeren intensiven Sportphase vergrößern. "Bei Jugendlichen ist das eher unwahrscheinlich", weiß die Expertin. "Wenn da das Herz vergrößert ist, sollte man immer eine kardiale Erkrankung ausschließen", so Bildingmaier.

Wie wird ein Sportlerherz vom Arzt festgestellt?

"In der Regel muss man hier eine Ultraschalluntersuchung machen", so Bidlingmaier – eine sogenannte Echokardiographie. Zwar können sich auch in einem EKG trainingsbedingte Veränderungen zeigen – die Ruheherzfrequenz ist bei Trainierenden mit Sportlerherz oft niedriger – allerdings reichen diese für die Diagnose nicht aus. "Und auch eine Röntgenuntersuchung würde nicht ausreichen", sagt die Expertin. Bei einer Ultraschalluntersuchung bestimmt man die sogenannte Auswurffraktion zur Beurteilung der linksventrikulären Funktion. Das ist die Menge Blut, die alle vier Kammern, bei einem Herzschlag auswerfen. Aber auch die Größe des Herzmuskels uns sonstige strukturelle Veränderungen lassen sich mit einer Ultraschalluntersuchung präzise erkennen.

Kann ich ein Sportlerherz auch selbst erkennen?

Die klare Antwort lautet: nein! Eine hundertprozentige Gewissheit darüber, dass du ein Sportlerherz hast, wirst du nicht durch die Einordnung deiner Symptome bekommen. Denn: Es gibt gar keine wirklichen Symptome. Schließlich ist ein Sportlerherz das Ergebnis eines natürlichen Anpassungsprozesses und keine Krankheit. Um ein Sportlerherz eindeutig zu diagnostizieren, ist eine Ultraschalluntersuchung notwendig. Gleichwohl gibt es ein kleines Indiz, das auf ein Sportlerherz hinweisen kann: die Herzfrequenz – vorausgesetzt du bist Sportlerin und hast einen intensiven Trainingsumfang.

Liegt der Ruhepuls der Durchschnittsfrau noch bei 60-80 Schlägen pro Minute, kann der einer Ausdauersportlerin deutlich niedriger sein: da liegt er bei 30-50 Schlägen. Vorsicht: Das ist in den meisten Fällen aber schon bei durchschnittlich trainierten Ausdauersportlerinnen der Fall. Und die haben in der Regel noch kein Sportlerherz. Das ist der optimale Puls beim Sport. Außerdem ist ein äußerst niedriger Ruhepuls nicht immer Ausdruck eines Sportlerherzens. Dahinter können auch Erkrankungen stecken: "zum Beispiel eine Durchblutungsstörung des Herzens oder eine Erregungsleitungsstörung“, sagt die Expertin.

Welche Vorteile hat ein Sportlerherz?

Ein Sportlerherz ist an "extreme" Gegebenheiten angepasst, arbeitet also äußerst effizient und kann körperliche Aufgaben, die Kondition erfordern, mit Leichtigkeit bewältigen. Wo andere richtig pumpen müssen, ist das Sportlerherz noch im Verwaltungsmodus. Unsere Expertin nennt das "Ökonomisierung der Herzarbeit". Im Grunde genommen heißt das: Eine Sportlerin mit vergrößertem Herzen hat bei Belastung – egal ob bei kleiner oder großer Belastung – einen Vorteil. Belastung ist weniger anstrengend für sie. Das Schlagvolumen eines Sportlerherzens ist größer, es kann pro Schlag mehr But in den Kreislauf pumpen. Das wird in der Medizin "Herzzeitvolumen" genannt.

Ein Sportlerherz kann bei Belastung teilweise das doppelte Herzzeitvolumen eines normalen Herzens haben, pro Schlag also doppelt so viel Blut in den Kreislauf pumpen. Und auch wenn man dafür nicht unbedingt ein echtes Sportlerherz braucht: Ausdauersportlerinnen haben eine längere Lebenserwartung. Das hat bereits eine taiwanesische Kohorten-Studie im Jahre 2011 eindrucksvoll nachgewiesen. Sie kam zu dem Schluss, dass bereits 15 Minuten pro Tag oder 100 Minuten pro Woche ausreichen, um die statistische Lebenserwartung um drei Jahre zu steigern und das Sterberisiko um 14 Prozent zu reduzieren.

Welche Nachteile hat ein Sportlerherz?

"Im Grunde genommen keine", sagt Dr. Bidlingmaier. Das zeigt auch die aktuelle wissenschaftliche Datenlage eindeutig. Das heißt: Ein Sportlerherz ist nicht gefährlich und senkt auch deine Lebenserwartung nicht. Wie bereits gesagt: Sportlerinnen – und eben auch Leistungssportlerinnen – leben statistisch länger.

Und kann ein Sportlerherz irgendwann vielleicht zu groß werden? Nein, auch das wird nicht passieren. Selbst Langstreckenläuferinnen und Thriathletinnen haben zwar ein deutlich vergrößertes Herz – ja teilweise sogar ein doppelt so großes – zu groß ist es jedoch nicht. Ein mögliches wenn auch unwahrscheinliches Sportlerherz sollte dir also keine Sorgen bereiten.

Kann sich ein Sportlerherz mit der Zeit zurückbilden?

Ja, das ist möglich. Stell dir am besten wieder deinen Oberarm vor und was mit ihm passiert, wenn du dein Training mal eine Weile schleifen lassen hast: Auch dein Herz passt sich deiner Lebensweise an. "Ein Sportlerherz bildet sich nicht immer zurück, aber in den meisten Fällen", sagt Dr. Bidlingmaier. "Die Wanddicke des Muskels normalisiert sich zwar, aber die Herzhöhlen bleiben meist noch leicht vergrößert", so die Expertin. Und natürlich verkleinert sich das Herz nicht von jetzt auf gleich. Es bildet sich stattdessen langsam zurück. "Daher sollte man, wenn man sich im Leistungssport befindet, auch ein Abtraining beziehungsweise De-Training machen", so die Expertin.

Ein Sportlerherz haben in der Regel nur Profi-Ausdauersportlerinnen. Hobby-Sportlerinnen weisen oft nur kleine oder gar keine Herzvergrößerungen auf. Gefährlich ist ein durch Sport vergrößertes Herz nicht, sogar im Gegenteil: es arbeitet effizienter und ist ein Zeichen intensiven Trainings. Feststellen lassen kannst du es durch eine Ultraschalluntersuchung.

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