Schwindelattacken "Mir ist so schwindelig!" 7 Gründe für Schwindelgefühl

Schwindelattacken – den Ursachen auf der Spur
Schwindelattacken sind beängstigend, meist sind die Ursachen aber harmlos. © Maria Evseyeva / Shutterstock.com

Eine Schwindelattacke kann ganz verschiedene Gründe haben. Wir erklären, was dahinter steckt, wenn sich alles dreht, und sagen, was hilft

Eine Schwindelattacke ist buchstäblich umwerfend, denn wer sie hat, fühlt sich im Raum verloren und hilflos. Betroffen sind sowohl junge als auch alte Menschen – jede*r Dritte hat irgendwann im Laufe des Lebens mindestens eine Schwindelattacke.

Die möglichen Ursachen reichen von eher harmlosen Beschwerden bis hin zu gefährlichen Formen. Grundsätzlich entsteht Schwindel (Vertigo), wenn die Orientierung im Raum gestört ist: zum Beispiel wenn die Augen dem Gehirn Stillstand melden, während das Gleichgewichtsorgan im Innenohr ihm Bewegung signalisiert.

Was löst Schwindelattacke am Morgen aus?

Der Wecker läutet, Sie springen aus dem Bett und wollen zur Türe gehen. Aber es zieht Sie mit aller Kraft auf die linke Seite, alles dreht sich und Sie taumeln – eine Schwindelattacke. Ein typischer Fall eines harmlosen Lagerungsschwindels, eine der häufigsten Formen von Schwindel. Er entsteht durch verrutschte winzige Kristalle (Otokonien) im Gleichgewichtsorgan.

In den Bodengängen Ihres Gleichgewichtsorgans befinden sich Härchen, die sich wie Seegras im Wasser biegen, wenn Sie sich bewegen. Auf einigen Härchen liegen diese kleinen Kristalle. Verrutschen sie und gelangen in einen der Bogengänge in Ihrem Innenohr, dann lenken sie bei Kopfbewegungen die Sinneshärchen aus und signalisieren so dem Gehirn, dass Sie sich schnell drehen. Dabei haben Sie sich vielleicht nur im Bett umgedreht.

Doch keine Sorge: Dieser Schwindel vergeht meist nach einigen Tagen von allein. Falls nicht, können Kopfbewegungen in verschiedene Richtungen helfen. Es kann die Kristalle wieder aus dem meist hinteren Bogengang entfernen. Wenn es sich bei der Schwindelattacke tatsächlich hierum handelt, dürfte sich das Problem schnell wieder zu 100 Prozent auflösen.

Was steckt hinter plötzlichen Schwindelattacken?
Jede*r Dritte hat irgendwann im Laufe des Lebens eine Schwindelattacke. © Maria Evseyeva / Shutterstock.com

Warum ist mir bei großer Hitze schwindelig?

Ihr Körper reagiert nicht nur durch Schwitzen auf große Hitze. Hohe Temperaturen lassen den Blutdruck sinken, weil sich Ihre Blutgefäße weiten, damit sie die Wärme abgeben können. Wenn Sie in dieser Situation auch noch zu wenig Flüssigkeit aufnehmen, zirkuliert Ihr Blut nicht mehr so gut. Das kann dann zu Unwohlsein, Kopfweh und Schwindel führen. Also: Bei Hitze lieber im Schatten aufhalten und immer viel trinken!

Welche organischen Ursachen kann Schwindel haben?

Ihnen ist nicht (nur) nach dem Aufstehen schwindelig? Leider sind die organischen Ursachen nicht immer so harmlos wie beim Lagerungsschwindel. Trotzdem müssen Sie nicht verzweifeln. "Bei richtiger Behandlung sind die Erfolgschancen in den allermeisten Fällen außerordentlich günstig. Etwa 90 Prozent der Patienten sind so gut behandelbar, dass sich ihre Lebensqualität merklich verbessert", so der Neurologe Prof. Michael Strupp, Leiter der Schwindelambulanz am Klinikum Großhadern und dem Schwindelzentrum IFBLMU in München.

Schwindelattacken haben in 80 Prozent der Fälle organische Ursachen. Dazu gehören neben dem bereits erwähnten gutartigen Lagerungsschwindel beispielsweise folgende Schwindelvarianten:

1. Die Menièresche Krankheit äußert sich durch Drehschwindel

Sie entsteht, wenn Zellen in Ihrem Innenohr zu große Mengen einer Gewebeflüssigkeit produzieren. Der entstehende Überdruck lässt Membranen reißen, kaliumreiche Flüssigkeit tritt aus und lähmt dann kurzzeitig Ihren Gleichgewichtsnerv. Typische Symptome und Beschwerden sind ein ungefähr halbstündiger Drehschwindel, Druckgefühl im Ohr, Übelkeit, einseitige Hörminderung oder gar Hörverlust sowie mitunter ein einseitiges, niederfrequentes Ohrgeräusch ("Tinnitus").

Behandlung:
Meist werden hier Medikamente verschrieben, zum Beispiel Betahistin, Dimenhydrinat und Cinnarizin, einzeln oder in Kombination. Die Wirksamkeit von Betahistin ist allerdings nicht unumstritten, in einer Studie lag sie nicht höher als bei Placebo. Besprechen Sie das mit Ihrer Ärztin!

2. Taumel durch vorübergehenden Kurzschluss im Gleichgewichtsorgan

Dieser tritt auf, wenn die Schutzschicht Ihres Gleichgewichtsnervs durch ein benachbartes pulsierendes Blutgefäß beschädigt wird. Ihr Nerv ist dann vorübergehend übererregbar. Sie leiden an Drehschwindel, der meist nur Sekunden, manchmal aber auch eine oder mehrere Minuten andauert.

Behandlung: Wenn die Störung länger anhält, ist sie mit Medikamenten, die die Erregbarkeit des Nervs herabsetzen, in den Griff zu bekommen.

3. Viren wie Herpes labialis irritieren die Gleichgewichtsnerven

Flackert eine Entzündung plötzlich auf, kann sie in manchen Fällen einen einseitigen Gleichgewichtsausfall (so genannte Neuritis vestibularis) herbeiführen. Sie leiden dann einige Tage lang an einem Dauerdrehschwindel.

Behandlung: In diesem Fall wird der Arzt zur Behandlung des Schwindels Kortison über 2 bis 3 Wochen verabreichen. Außerdem können Gleichgewichtsübungen (Balancetraining und Gangschulung) helfen.

Migräne ist nicht selten der Auslöser für Schwindelgefühle.
Migräne ist nicht selten der Auslöser für Schwindelgefühle. © Maria Evseyeva / Shutterstock.com

4. Migräne als Ursache für Schwindelattacken

Bei gut 10 Prozent der Migräne-Patienten begleiten Drehschwindel- oder Schwindelattacken von Minuten bis Stunden Dauer einen Migräneanfall (die so genannte Schwindelmigräne).

Behandlung: Antiemetika (zum Beispiel Domperidon) oder spezielle Migräne-Medikamente kommen hier zum Einsatz. Zudem wird einigen Patienten eine vorbeugende Migräne-Behandlung (beispielsweise mit Betablockern) empfohlen.

5. Schwindel durch Schlaganfall im Hirnstamm

Wenn Schwindel gemeinsam mit Lähmungen, Doppelbildsehen, Schluck- oder Sprechstörungen auftritt, handelt es sich wahrscheinlich um einen Schlaganfall. Schnellstens ins Krankenhaus! Die durch den Schlaganfall zerstörten Nerven sind nicht regenerierbar.

Behandlung: Vorbeugend hilfreich ist in den meisten Fällen Aspirin, um weitere Schlaganfälle zu verhindern, und Physiotherapie mit speziellen Gleichgewichtsübungen.

6. Auch Medikamente können Gleichgewichtsstörungen auslösen

Einige Beruhigungs- und Schlafmittel sowie Medikamente gegen epileptische Anfälle, Herz-Kreislaufmittel und bestimmte Antibiotika, die die Haarzellen im Innenohr schädigen, können Schwankschwindel verursachen.

Behandlung: Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt und klären Sie ab, ob es hier alternative Medikamente gibt.

7. Störungen im Herz-Kreislaufsystem als Ursache für Schwindel

Zu niedriger oder zu hoher Blutdruck, Blutdruckschwankungen sowie Durchblutungsstörungen können außerdem zu Schwankschwindel führen.

Behandlung: Medikamente, die den Blutdruck regulieren, können hier Abhilfe schaffen. Zudem wirkt sich Sport positiv aus und Sie sollten nicht nur bei Hitze unbedingt darauf achten, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen.

Das alles trifft bei Ihnen nicht zu? Dann könnte psychogener Schwindel die Ursache sein:

Schwindelattacken haben oft psychische Ursachen
Schwindelattacken können auch psychische Ursachen haben. © Maria Evseyeva / Shutterstock.com

Woran erkenne ich psychogenen Schwindel?

Wenn es bei Ihnen keine organischen Ursachen gibt, dann könnte es sich auch um einen psychogenen Schwindel handeln: den so genannten "Phobischen Schwankschwindel". Der ist gar nicht selten. "In etwa 15 Prozent der Fälle hat Schwindel psychosomatische oder psychische Ursachen, in weiteren 5 Prozent sind die Ursachen unklar", erzählt Neurologe Strupp. Neben möglichen Angsterkrankungen sind es vor allem verdeckte Depressionen.

Haben Sie zusätzlich ein Engegefühl, Atemnot, Herzrasen und Schweißausbrüche? Dann ist bei Ihnen eine Angsterkrankung sehr wahrscheinlich. Panikattacken können dabei auch als Schwindel, ganz ohne subjektive Angst ablaufen. Dieser Angstschwindel ist ein eher diffuser Benommenheitsschwindel, den Sie häufig als Unsicherheit auf den Beinen, Benommenheit, mangelnde Standfestigkeit oder Gehen wie auf Watte erleben. Antriebslosigkeit, Rückzugsverhalten, Schlaf- und Konzentrationsstörungen sind dagegen typisch für eine Depression.

Aber auch starke psychische Belastungssituationen wie ein Unfall können zu Schwindelattacken führen – allerdings nicht gleich und deshalb wird manchmal ein Zusammenhang übersehen. Es können Monate bis Jahre vergehen, bis sich der Schwindel erstmals bei Ihnen bemerkbar macht.

Kann man psychisch bedingten Schwindel behandeln?

Ja, mit dem Erklären des Mechanismus, Sport, Medikamenten und einer Konfrontationstherapie (dabei müssen sich die Betroffenen genau jenen Situationen stellen, die ihnen Angst bereiten). "3 von 4 Patienten werden wieder gesund", sagt Michael Strupp.

Notizen helfen bei der Ursachenforschung
Notizen helfen bei der Ursachenforschung. © Maria Evseyeva / Shutterstock.com

Welche Informationen sind für die Schwindel-Diagnose nötig?

Wenn Sie eine Schwindelattacke erleben sollten, dann ist es ganz wichtig, dass Sie dem Arzt genaue Angaben machen können zur Art des Schwindels, zur Dauer, wie er aufgetreten ist (plötzlich oder schleichend) und zum Auslöser (Lageänderung, Husten, Niesen, enge Räume etc.). Nur so ist eine optimale und passgenaue Behandlung möglich. Machen Sie sich dazu Notizen. "Dann ist es möglich, schnell eine sichere Diagnose zu stellen und zu behandeln", so Schwindelexperte Strupp.

Keine Panik, wenn Ihnen mal schwindelig wird. Meist vergeht der Taumel wieder. Passiert das öfter, machen Sie sich Notizen, wann und in welcher Form die Schwindelattacke auftritt. Dann kann Ihnen zügig geholfen werden.

13.06.2019| Gerlinde Felix © womenshealth.de
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