Akupressurmatten sollen entspannen, Stress reduzieren und bei Rückenproblemen helfen Mitch Shark / Shutterstock.de

Akupressurmatten: Das bewirken sie wirklich

Akupressurmatten So hilft eine Nadelmatte bei Rückenschmerzen und Schlafstörungen

Akupressurmatten sollen bei Rückenproblemen und Schlafstörungen helfen. Stimmt das wirklich? Wir haben bei Experten nachgefragt

Akupressurmatten scheinen wahre Alleskönner zu sein, gerade im Homeoffice erleben sie einen wahren Hype: Immer mehr Menschen mit Rückenbeschwerden legen sich mit Rücken und Hinterkopf auf piksende Nadelkissen und empfinden das als wohltuend und entspannend.

Sind die Akupressurmatten nur eine gute Kombination von gutem Marketing und Einbildung? Anders gefragt: Sind die Matten eher gesundheitsfördernd oder womöglich gefährdend? Wir haben Experten zu dem Trend für dich befragt.

Was ist eine Akkupressurmatte?

Die meist etwa 70 mal 40 Zentimeter großen, in der Regel mit Schaumstoff gefüllten Matten haben einen Stoffbezug, auf dessen Oberseite über 6.000 Plastiknoppen aus Hartplastik gleichmäßig verteilt sind. Daher der Begriff "Nadelmatte".

ShaktiMat Akupressurmatte

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Der schwedische Unternehmer Jonathan Hellbom lebte Anfang 2000 einige Zeit in Indien und tauchte dort tief in die östlichen Heilmethoden ein und lernte dort Meditation, Yoga, aber auch die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) sowie Akupressur kennen. All seine Erfahrung ließ er, so die Legende, in die Entwicklung seiner ShaktiMat einfließen: Eine mit Plastikdornen besetzte Matte, auf die man sich mit dem Rücken legt, um durch Akupressur die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.

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Die Nadelmatte fand schnell viele Fans, 2009 wurde die Akupunkturmatte aus Schweden zum Weihnachtsgeschenk des Jahres gekürt. Heute gibt es mehrere Hersteller in Europa, die Akupressurmatten in verschiedenen Größen, zum Teil mit dazugehörigem Nackenkissen verkaufen.

Hier einige Kauf-Tipps mit unterschiedlichen Extras:

Was ist Akupressur?

Akupressur ist ein fester Bestandteil der über 3.000 Jahre alten Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Bei der Akupressur sollen durch Druck auf bestimmte Energiepunkte deines Körpers der Energiefluss, Qi genannt, verbessert und Selbstheilungskräfte aktiviert werden.

Später entwickelte sich daraus die Akupunktur, bei der mit Hilfe von Nadeln an bestimmte Punkte der Energieflüsse Organe und Muskulatur positiv beeinflusst werden sollen. In der westlichen, wissenschaftsbasierten Medizin sind diese Energiepunkte entlang bestimmter Energiebahnen (Meridiane) jedoch nicht bestätigt.

Was bewirkt eine Akupressurmatte?

Die Liste der Versprechen ist lang. So soll regelmäßiges, 10 bis 20-minütiges Liegen auf der Nagelmatte Kopfschmerzen, Müdigkeit, Niedergeschlagenheit, Erschöpfung und Stress verbessern, Rücken- und Nackenschmerzen lindern sowie Regenerationszeiten nach dem Sport verkürzen. (Hast du oft Kopfweh? Das hilft schnell bei Migräne.)

Ihre Wirkung erzielen die Matten durch den Druck, welchen die Kunststoffspitzen auf deinen Rücken (oder auf die Füße, wenn man sich auf die Matte stellt) ausüben. Dadurch wird deine Durchblutung angeregt. Das sieht man schon daran, dass deine Haut sehr rot wird. Wenn du nicht vor Schmerzen verspannst, sollte sich deine Muskulatur dadurch entspannen.

Und durch die körperliche Entspannung soll die Produktion von Glückshormonen angeregt werden, wodurch auch Stress, Ängste und Schlafstörungen gelindert werden sollen.

Bewirken Akupressurmatten besseren Schlaf?

Das ist gar nicht so einfach zu sagen. Viele wissenschaftliche Untersuchungen dazu gibt es nämlich noch nicht. Die Deutsche Ärztegemeinschaft für Akupunktur (DGfA) belegt mit mehreren kleinen Studien, dass Akupressur generell gegen Schlafstörungen wirksam ist.

Für eine kleine Studie des Community Wholistic Health Center in Carrboro legten sich Probanden 2 Wochen lang regelmäßig auf Akupressurmatten. Anschließend berichteten 98 Prozent der Teilnehmer über weniger Schmerzen, 96 Prozent fühlten sich entspannter, 94 Prozent berichteten vor erholsamerem Schlaf und 81 Prozent fühlten sich generell besser.

Helfen Akupressurmatten bei Rückenschmerzen?

Inwieweit Akupressurmatten chronische Nacken- und Rückenschmerzen beeinflussen können, untersuchten Wissenschaftler der Universität Essen-Duisburg mit in einer kleinen Studie mit 91 Teilnehmern. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die Schmerzen der Probanden eindeutig nachließen.

In ihrer Schlussfolgerung gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Schmerzreduktion durch den Einfluss der Nadeln auf das Schmerzverarbeitungssystem erfolgt, und heben positiv hervor, dass die Anwendung der Matten einfach und sicher sei, und keine Anleitung durch einen Therapeuten bedürfe. Letzteres bestätigt auch der Hamburger Chiropraktor Efe Gökpinar: "Man kann bei der Anwendung einer Akupressurmatte eigentlich nichts falsch machen."

Sind Akupressurmatten gut zum Vorbeugen von Rückenproblemen?

Warum nicht, meint Chiropraktor Gökpinar und rät generell, die Matte vor allem vorbeugend einzusetzen. "Das Liegen auf der Nadelmatte stimuliert die Durchblutung, was eine positive Wirkung auf den gesamten Organismus hat", so der Chiropraktor aus Hamburg, "Der Effekt ist mehr als nur ein Placebo und mit der Wirksamkeit einer Blackroll zu vergleichen." Aber natürlich ist die Nadelmatte kein Ersatz für einen aktiven Lebensstil und, bei ernsthaften Beschwerden, kein Ersatz für einen Gang zum Arzt.

Gökpinar warnt davor, bei ernsthaften Rücken- und Nackenproblemen allein auf die Matte als Therapie zu setzen. "Eine gezielte Behandlung ist mit den diffus gesetzten Nadeln der Matte nicht möglich, und kann eine wirksame Behandlung inklusive Anamnese und manueller Anwendung nicht ersetzen", erklärt der Chiropraktor. Das sind die besten Tipps bei Nackenverspannungen.

Kann das Liegen auf der Nadelmatte auch gefährlich sein?

Schwangeren wird generell abgeraten, sich auf eine Akupressurmatte zu legen, es könnten vorzeitige Wehen auslösen. Auch wer unter Herzproblemen, Epilepsie und entzündlichen Hautkrankheiten wie Neurodermitis leidet, sollte auf das Nadelkissen verzichten. Menschen mit empfindlicher Haut werden das Liegen auf den spitzen Noppen nicht als entspannend empfinden und danach womöglich unter starken Rötungen, Schmerzen und Jucken leiden, was sich bei den meisten aber wieder beruhigen sollte.

Bezüglich der Sicherheit berichtet die Studie der Uni Essen, dass 8 der 91 Teilnehmer die Studie abbrachen, da sie das Liegen auf der Matte als zu schmerzhaft empfanden, einer berichtet von vorübergehendem Jucken auf der Haut. Efe Gökpinar meint: "Wer jedoch ein gutes Gefühl auf der Matte hat, sollte das ohne große Bedenken tun."

Was kann ich tun, damit der Kontakt mit den Nadeln nicht so schmerzt?

Akupressurmatten unterscheiden sich in der Anzahl der Nadeln. Grundsätzlich gilt, je mehr Nadeln, desto gleichmäßiger verteilt sich der Druck und desto geringer ist der Schmerz. Die meisten Matten haben zwischen 6.000 und 6.500 Nadeln. Schmerzempfindlichere wählen Akupressurmatten über 8.000 Druckpunkten oder sogar 10.000 Nadeln. Fortgeschrittene mit Fakir-Genen wählen ein Modell mit 4.500 Nadeln.

Als Anfängerin solltest du dich anfangs besser erst einmal mit einem T-Shirt bekleidet und höchsten 10 Minuten lang auf die Matte legen, bevor du dich mit nacktem Rücken piksen lässt. Weniger intensiv ist der Druck auch, wenn du die Matte auf eine weiche Unterlage, wie deine Bettmatratze, legst.

Auch wenn es kaum Studien zur Wirkung gibt, schwärmen viele Nutzer von der Wirkung ihrer Akupressurmatten. Da nur wenige Gefahren bekannt sind, ist das Nadelkissen durchaus einen Versuch wert, um leichten Rücken- und Nacken-Problemen vorzubeugen oder bei der Schmerzlinderung zu unterstützen.

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