hCG-Diät: Wie gefährlich ist die Stoffwechselkur wirklich?

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hCG-Diät: Warum Fachleute dringend von der Stoffwechselkur abraten

ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 26.03.2026
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hCG-Diät: Warum Fachleute dringend von der Stoffwechselkur abraten
Foto: antoniodiaz / Shutterstock.com

Der Wunsch nach schnellem Gewichtsverlust ist verständlich. Genau darauf zielt die hCG-Diät ab: Sie verspricht drastische Erfolge in kurzer Zeit – angeblich mithilfe eines Schwangerschaftshormons und extrem niedriger Kalorienzufuhr. Doch viele Fachleute warnen: Hinter dem vermeintlichen Stoffwechsel-Reset steckt vor allem eine sehr strenge Crash-Diät.

Gemeinsam mit Dr. Matthias Riedl, Internist und Ernährungsmediziner am Medicum Hamburg, schauen wir uns an, was wirklich hinter der hCG-Diät steckt – und warum sie deinem Körper mehr schaden als helfen kann.

Was ist die hCG-Diät und wie funktioniert die Stoffwechselkur?

Die hCG-Diät wird oft als sogenannte "Stoffwechselkur" vermarktet. Angeblich soll sie den Stoffwechsel neu programmieren und so das Abnehmen erleichtern. In der Praxis bedeutet die Diät jedoch vor allem eines: eine drastische Reduktion der täglichen Energiezufuhr auf etwa 500 bis maximal 800 Kalorien pro Tag. Zum Vergleich: Die meisten Frauen benötigen etwa 1800 bis 2000 Kilokalorien täglich, um ihren Energiebedarf zu decken. Zusätzlich sollen verschiedene Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden – etwa Multivitamine oder Omega-3-Fettsäuren –, um mögliche Nährstoffmängel auszugleichen. Häufig wird auch das Hormon hCG verwendet, entweder in Form von Injektionen oder als Globuli, Tropfen oder Tabletten.

Infobox: Was ist hCG? hCG (humanes Choriongonadotropin) ist ein Hormon, das während der frühen Schwangerschaft gebildet wird. Es sorgt unter anderem dafür, dass sich die befruchtete Eizelle in der Gebärmutter einnisten kann und der Körper ausreichend Energie für die Entwicklung des Embryos bereitstellt.

In der Medizin wird hCG beispielsweise bei Kinderwunschbehandlungen eingesetzt. Als Abnehmhilfe ist das Hormon jedoch nicht zugelassen.

Warum das Schwangerschaftshormon hCG angeblich beim Abnehmen helfen soll

Die Theorie hinter der Diät: Während einer Schwangerschaft sorgt hCG dafür, dass der Körper bei Energiebedarf verstärkt auf Fettreserven zurückgreift. Diese Funktion soll sich angeblich auch beim Abnehmen nutzen lassen. Der Gedanke dahinter: Wird dem Körper künstlich hCG zugeführt, soll er Fettdepots gezielt abbauen – selbst an Problemzonen. Gleichzeitig soll das Hormon Hungergefühle dämpfen und die niedrige Kalorienzufuhr erträglicher machen.

Das Problem: Für diese Effekte gibt es keine belastbaren wissenschaftlichen Belege

So läuft die hCG-Diät ab

Die Stoffwechsel-Diät wird in drei Phasen eingeteilt: Ladephase, Diätphase und Stabilisierungsphase. Nach rund 6 Wochen ist alles vorbei und du (angeblich) um einige Kilo leichter. Während Phase 1 und 2 musst du täglich das hCG einnehmen – vom ersten Tag an.

1. Ladephase (2 Tage): Zu Beginn wird bewusst sehr kalorienreich gegessen. Diese "Schlemmerphase" soll angeblich den Stoffwechsel vorbereiten.

2. Diätphase (ca. 3 Wochen): Hier beginnt die eigentliche Diät: Die Kalorienzufuhr sinkt drastisch auf etwa 500 bis 800 kcal täglich. Fett, Zucker und viele Kohlenhydrate werden stark eingeschränkt.

3. Stabilisierungsphase (ca. 3 Wochen): Die Kalorienzufuhr wird langsam erhöht, um den Körper wieder an eine normale Ernährung zu gewöhnen und einen Jo-Jo-Effekt zu vermeiden.

Risiken und Nebenwirkungen der hCG-Diät

Expert:innen warnen vor zahlreichen möglichen Nebenwirkungen der Stoffwechselkur. Dazu gehören unter anderem:

  • Kopfschmerzen
  • Erschöpfung und Konzentrationsprobleme
  • Stimmungsschwankungen oder depressive Verstimmungen
  • Kreislaufprobleme
  • Blutgerinnsel

Langfristig kann die extrem niedrige Kalorienzufuhr außerdem zu Nährstoffmangel, Muskelabbau und hormonellen Störungen führen. Typische Anzeichen sind Müdigkeit, ständiges Frieren oder auch das Ausbleiben der Menstruation. Auch Organisationen wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) raten deshalb ausdrücklich von dieser Diät ab.

Mythos hCG: Warum die Wirkung wissenschaftlich nicht belegt ist

Die hCG-Diät existiert bereits seit den 1950er-Jahren. Ihr Erfinder, der britische Endokrinologe Albert T. W. Simeons, behauptete damals, dass das Hormon gezielt Fett abbauen könne. Doch moderne Studien zeigen: Der Gewichtsverlust entsteht nicht durch hCG, sondern allein durch die extreme Kalorienreduktion. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Viele heute verkaufte Produkte enthalten das Hormon gar nicht wirksam. Da es sich um ein Eiweißhormon handelt, würde es im Verdauungstrakt zerstört werden – wenn es nicht injiziert wird.

Warum der Jo-Jo-Effekt fast unvermeidlich ist

Crash-Diäten führen häufig zu einem schnellen Gewichtsverlust, aber selten zu dauerhaftem Erfolg. Sobald wieder normal gegessen wird, nimmt der Körper oft abermals schnell zu. Durch das extreme Kaloriendefizit fährt der Stoffwechsel herunter und Muskelmasse wird abgebaut. Dadurch sinkt der Energieverbrauch – ein idealer Nährboden für den Jo-Jo-Effekt.

Besser als Crash-Diäten: Nachhaltige Wege zum Abnehmen

Ernährungsmediziner Dr. Riedl empfiehlt statt radikaler Diäten eine langfristige Ernährungsumstellung. Erfolgreiches Gewichtsmanagement basiert vor allem auf diesen Faktoren:

  • ausreichend Eiweiß
  • ballaststoffreiche Lebensmittel
  • viel Gemüse und Obst
  • moderate Kalorienreduktion
  • regelmäßige Bewegung

Diese Strategie ist zwar langsamer, aber dafür deutlich nachhaltiger und gesünder.

Hinweis: Wenn Diäten dein Leben stark bestimmen Wenn du häufig extreme Diäten ausprobierst oder dein Essverhalten dich stark belastet, kann es sinnvoll sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ärzt:innen oder Ernährungsberater:innen können dabei unterstützen, einen gesunden Umgang mit Ernährung und Gewicht zu finden.

Häufige Fragen zur hCG-Diät

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